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Do, 11:12 Uhr
08.05.2014

Krankenstand in Thüringen steigt

Erkältungskrankheiten machten 2013 den Menschen in Thüringen ganz besonders zu schaffen. Fehltage aufgrund von Husten und Schnupfen sind um 26 Prozent gestiegen: Auf 100 Arbeitnehmer kamen 322 Ausfalltage wegen einer Atemwegserkrankung – so viel wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren...

Krankenstand steigt an  (Foto: DAK) Krankenstand steigt an (Foto: DAK)

Insgesamt kletterte der Krankenstand von 4,6 auf 4,8 Prozent und lag damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 4,0 Prozent. Dies zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport 2014. Das IGES Institut aus Berlin wertete dafür Daten von knapp 70.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten aus Thüringen aus.

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Durchschnittlich 17,4 Tage war ein bei der DAK-Gesundheit versicherter Beschäftigter in Thüringen im vergangenen Jahr krankgeschrieben – einen halben Tag mehr als im Jahr zuvor. Die größte Rolle für den Krankenstand spielten Probleme des Muskel-Skelett-Systems, zum Beispiel Rückenschmerzen. Sie waren für mehr als ein Fünftel aller Fehltage verantwortlich. Es folgten Atemwegserkrankungen mit 18,5 Prozent. Auf den Plätzen drei und vier rangierten Ausfalltage wegen Verletzungen (12,6 Prozent) und psychischen Erkrankungen (11,4).

Auffällig: In Thüringen legen mit 58 Prozent deutlich mehr Menschen mindestens eine Krankmeldung pro Jahr vor als bundesweit mit 51 Prozent. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, den vergleichsweise hohen Krankenstand in Thüringen wieder zu senken“, sagt Steffi Steinicke, Landeschefin der DAK-Gesundheit. „Die DAK-Gesundheit unterstützt deshalb aktiv Unternehmen dabei, durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement die Krankmeldungen zu reduzieren.“

Der DAK-Gesundheitsreport deutet darauf hin, dass die Beanspruchung der Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in der Öffentlichen Verwaltung besonders hoch ist. In diesen Branchen gab es mit 5 beziehungsweise 4,8 Prozent den höchsten Krankenstand in Thüringen. Beschäftigte in der Bildungs- Kultur- und Medienbranche hatten hingegen mit 4 Prozent den niedrigsten Wert.

Im aktuellen Landesreport untersucht die DAK-Gesundheit insbesondere die Situation der sogenannten Rushhour-Generation in Thüringen. Die Rushhour bezeichnet eine Lebensphase zwischen 25 und 39 Jahren, in der sich vielfältige Anforderungen aus Beruf und Familie ballen. Die Kasse hat dafür den Krankenstand ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit mehr als 3.000 Männer und Frauen dieser Altersgruppe repräsentativ befragt – mit und ohne Kinder. Das Fazit: Obwohl viele Beschäftigte in der Rushhour des Lebens wegen Mehrfachbelastung unter Druck stehen, wirkt sich das nicht bei den Krankschreibungen aus. Sie fallen deutlich seltener aus als jüngere Kollegen und sind kürzer krankgeschrieben als die Älteren. Im Vergleich zu den über 40-Jährigen haben sie in Thüringen 32 Prozent weniger Ausfalltage.
Grafik (Foto: DAK)
Grafik (Foto: DAK)
Grafik (Foto: DAK)
Grafik (Foto: DAK)
Grafik (Foto: DAK)
Grafik (Foto: DAK)
„Beruf, Kinder, Karriere – in jedem Fall sind die 25- bis 39-jährigen Arbeitnehmer besonders beansprucht“, so Steinicke. „Damit sie bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben, sollten Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. Der im Vergleich zu den anderen Altersgruppen niedrigere Krankenstand der 25- bis 39-Jährigen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“ So waren in dieser Altersgruppe 2013 in Thüringen rund 42 Prozent mit Muskel- und Skelettproblemen beim Arzt.

Unter den 20 häufigsten Einzeldiagnosen bei Männern gab es neben den akuten Beschwerden auch bereits langfristige Beeinträchtigungen: Knapp zehn Prozent der Männer ließen sich behandeln wegen Bluthochdruck, der häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel steht. Und 27 Prozent der Beschäftigten mussten wegen eines psychischen Leidens zum Arzt. Diese Krankheitsbilder kehren häufig später im Leben wieder und können den Gesundheitszustand langfristig stark beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund ist es problematisch, dass erwerbstätige Eltern in Thüringen weniger auf ihre Gesundheit achten. Sie machen im Spagat zwischen Job und Kindern viele Abstriche, gönnen sich weniger Zeit für sich selbst und ihren Partner. Gesunde Ernährung hat für sie einen geringeren Stellenwert als für ihre kinderlosen Kollegen und an regelmäßigen Sport und ausreichend Schlaf ist bei vielen nicht zu denken. Beruflich gesehen stehen vor allem die Frauen schlechter da als ihre kinderlosen Kollegen: Laut Studie sagt fast jede zweite Mutter, ihre Karriere werde durch die Kinder abgebremst. Bei den Vätern sehen sich nur rund 14 Prozent durch den Nachwuchs beruflich gehemmt.

Mit Ausnahme von Teilzeitarbeit haben Betriebe in Thüringen in Sachen Familienfreundlichkeit noch Nachholbedarf. Sehr oft gehen Angebot und Nachfrage deutlich auseinander. So sind laut Studie sechs von zehn erwerbstätigen Eltern der Meinung, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern, aber nur ein Drittel kann ein entsprechendes Angebot nutzen. Auch Betriebskindergärten oder -krippen sind bei ihnen beliebt – aber nur eine kleine Minderheit der Firmen in Thüringen bietet sie an.

Oft fehlt es den Eltern auch schlicht an mehr Verständnis: Jeder Zweite wünscht sich, dass Kollegen und Chefs seine Familiensituation bei der Planung von Terminen berücksichtigen, aber nur 24 Prozent können mit so viel Umsicht rechnen. „Wir brauchen einen Kulturwandel in unseren Unternehmen und mehr Rücksicht auf die Eltern“, so Steinicke, „sonst wird sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum weiter verbessern.“

Zum DAK-Gesundheitsreport für Thüringen gelangen Sie hier :
Autor: red

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