Di, 15:58 Uhr
25.02.2014
Forum: Olympiade Sotschi (2)
Heute am Vormittag veröffentlichten wir einen Leserbrief zum Thema Olympische Spiele. Hier ist ein Leser ganz anderer Meinung und richtet den Leserbrief an den Schreiber der Zeilen (FORUM: OLYMPIADE IN SOTSCHI)...
Herr Reiber,
ich lese ihre Kommentare hier bei kn regelmäßig. Ich kann ihre Meinung zu den verschiedenen Themen auch durchaus tolerieren, aber zum Thema Olympische Spiele in Sotschi muss ich ihren Ausführungen einiges erwidern.
Sie beenden ihren Leserbrief mit dem Zitat:
wenn du über mich sprichst und die Meinen, dann geh nach Haus und betrachte die Deinen.
Ich beginne nun meine Reaktion ebenfalls mit einem Zitat:
Wahrheit kennt keinen Kompromiss
Wenn ich ehrlich bin, dann fand ich die Berichterstattung vor, während und jetzt nach den Winterspielen in Sotschi nicht unsachlich, arrogant oder von primitiver Dümmlichkeit. Ich finde sie verharmlosend, unrealistisch und wenig investigativ. Die Olympischen Winterspiele 2014 sind der bisher größte Skandal im Weltsport.
Die olympische Idee, die Sie in ihrer Lobeshymne erwähnen, sind sowohl vom IOC, als auch vom russischen Staat, an oberster Stelle Herrn Putin, mit Füßen getreten wurden.
Pierre de Coubertin, der Wiederbeleber der Olympischen Spiele der Neuzeit sprach in seiner olympischen Idee von ethischen Prinzipien, moralischer Vervollkommnung und einem Friedensgedanken. Und nun soll mir mal jemand erklären, was Vetternwirtschaft, Korruption, Kostenexplosionen, Ausbeutung von Bauarbeitern, Umsiedlung der Anwohner von Sotschi, Zwangsenteignungen und die Zerstörung der Umwelt mit diesen Prinzipien zu tun haben?
Was in den letzten Jahren vor den Spielen in Sotschi und Krasnaja Poljana passiert ist, ist ein Verbrechen an der dort lebenden Bevölkerung und an der Natur. Es geht bei Olympia eben nicht nur um Gold, Silber und Bronze und darum DABEI gewesen zu sein. Es ist ein Sportfest der Welt und nicht von Herrn Putin und den Funktionären des IOC.
Und lieber Herr Reiber, wenn Sie sagen, dass die Russen die Spiele als die ihren empfanden, dann fragen sie einmal die zwangsenteigneten Russen, die vorher in Wohnungen und Häusern lebten und jetzt in Wellblechhütten wohnen.
Stellt sich die Frage, wie Sie reagieren würden, wenn ein deutscher Kanzler/Kanzlerin in Zukunft ihr Heimatdorf Ichstedt dem Erdboden gleich macht um auf diesem Boden eine Eishalle zu bauen.
Ungeachtet dessen sollte man natürlich die Sportler nicht als Instrument für solche Debatten benutzen. Das hat aber wiederum auch kein Kritiker gemacht, denn für die Sportler sind solche Spiele auch ein stückweit Existenzsicherung. Die Sportler sollen und müssen sich auf die Ausübung ihres Berufes konzentrieren. Trotzdem darf man deshalb skandalöse Verhältnisse und Verbrechen nicht unter den Teppich kehren.
Allein die Entscheidung des Kreml für eine Bewerbung und die Entscheidung des IOC für die Vergabe von Winterspielen in die wärmste Region Russlands, am schwarzen Meer, sollte jedem Menschen zeigen, dass diese Spiele nicht in erster Linie dem olympischen Gedanken dienen sollten.
Wenn Menschen für ihre Meinung während der Winterspiele verhaftet werden oder wenn für 2 Wochen, Wettkampfstätten für Milliarden von Euro erbaut werden ohne eine Nachnutzung zu haben, dann kann ich in Zukunft auf Olympia verzichten.
Lieber Herr Reiber, spätestens wenn Winterolympioniken von Hitzeschlacht sprechen und in Kurzarm ihren Wettkampf bestreiten, der Schnee in den Bergen schmilzt und im Tal die Pollen bereits fliegen, dann kann man doch nicht ernsthaft an schöne Spiele glauben. Sotschi ist übriges eine der beliebtesten Bade- und Kurorte in ganz Russland.
Und auch die Fußball WM in Brasilien und danach in Katar werben bereits jetzt schon für sich mit Ausbeutung, Unterdrückung, Menschenhandel, Milliardengräbern und Vetternwirtschaft. Danke an die Sportfunktionäre um Herrn Bach, Herrn Blatter usw.!
Steffen Kobrow
Autor: khhHerr Reiber,
ich lese ihre Kommentare hier bei kn regelmäßig. Ich kann ihre Meinung zu den verschiedenen Themen auch durchaus tolerieren, aber zum Thema Olympische Spiele in Sotschi muss ich ihren Ausführungen einiges erwidern.
Sie beenden ihren Leserbrief mit dem Zitat:
wenn du über mich sprichst und die Meinen, dann geh nach Haus und betrachte die Deinen.
Ich beginne nun meine Reaktion ebenfalls mit einem Zitat:
Wahrheit kennt keinen Kompromiss
Wenn ich ehrlich bin, dann fand ich die Berichterstattung vor, während und jetzt nach den Winterspielen in Sotschi nicht unsachlich, arrogant oder von primitiver Dümmlichkeit. Ich finde sie verharmlosend, unrealistisch und wenig investigativ. Die Olympischen Winterspiele 2014 sind der bisher größte Skandal im Weltsport.
Die olympische Idee, die Sie in ihrer Lobeshymne erwähnen, sind sowohl vom IOC, als auch vom russischen Staat, an oberster Stelle Herrn Putin, mit Füßen getreten wurden.
Pierre de Coubertin, der Wiederbeleber der Olympischen Spiele der Neuzeit sprach in seiner olympischen Idee von ethischen Prinzipien, moralischer Vervollkommnung und einem Friedensgedanken. Und nun soll mir mal jemand erklären, was Vetternwirtschaft, Korruption, Kostenexplosionen, Ausbeutung von Bauarbeitern, Umsiedlung der Anwohner von Sotschi, Zwangsenteignungen und die Zerstörung der Umwelt mit diesen Prinzipien zu tun haben?
Was in den letzten Jahren vor den Spielen in Sotschi und Krasnaja Poljana passiert ist, ist ein Verbrechen an der dort lebenden Bevölkerung und an der Natur. Es geht bei Olympia eben nicht nur um Gold, Silber und Bronze und darum DABEI gewesen zu sein. Es ist ein Sportfest der Welt und nicht von Herrn Putin und den Funktionären des IOC.
Und lieber Herr Reiber, wenn Sie sagen, dass die Russen die Spiele als die ihren empfanden, dann fragen sie einmal die zwangsenteigneten Russen, die vorher in Wohnungen und Häusern lebten und jetzt in Wellblechhütten wohnen.
Stellt sich die Frage, wie Sie reagieren würden, wenn ein deutscher Kanzler/Kanzlerin in Zukunft ihr Heimatdorf Ichstedt dem Erdboden gleich macht um auf diesem Boden eine Eishalle zu bauen.
Ungeachtet dessen sollte man natürlich die Sportler nicht als Instrument für solche Debatten benutzen. Das hat aber wiederum auch kein Kritiker gemacht, denn für die Sportler sind solche Spiele auch ein stückweit Existenzsicherung. Die Sportler sollen und müssen sich auf die Ausübung ihres Berufes konzentrieren. Trotzdem darf man deshalb skandalöse Verhältnisse und Verbrechen nicht unter den Teppich kehren.
Allein die Entscheidung des Kreml für eine Bewerbung und die Entscheidung des IOC für die Vergabe von Winterspielen in die wärmste Region Russlands, am schwarzen Meer, sollte jedem Menschen zeigen, dass diese Spiele nicht in erster Linie dem olympischen Gedanken dienen sollten.
Wenn Menschen für ihre Meinung während der Winterspiele verhaftet werden oder wenn für 2 Wochen, Wettkampfstätten für Milliarden von Euro erbaut werden ohne eine Nachnutzung zu haben, dann kann ich in Zukunft auf Olympia verzichten.
Lieber Herr Reiber, spätestens wenn Winterolympioniken von Hitzeschlacht sprechen und in Kurzarm ihren Wettkampf bestreiten, der Schnee in den Bergen schmilzt und im Tal die Pollen bereits fliegen, dann kann man doch nicht ernsthaft an schöne Spiele glauben. Sotschi ist übriges eine der beliebtesten Bade- und Kurorte in ganz Russland.
Und auch die Fußball WM in Brasilien und danach in Katar werben bereits jetzt schon für sich mit Ausbeutung, Unterdrückung, Menschenhandel, Milliardengräbern und Vetternwirtschaft. Danke an die Sportfunktionäre um Herrn Bach, Herrn Blatter usw.!
Steffen Kobrow
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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