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Do, 12:00 Uhr
30.01.2014

Natur - Kunst - Natur

Das Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen präsentiert seit dem 18. Januar 40 faszinierende Holzschnitte des in Sondershausen am 1. Juli 1924 geborenen Künstlers Heinz Scharr, der nicht nur zu den bedeutendsten Künstlern in Thüringen gehört, sondern auch weit über die Grenzen des Freistaates bekannt ist. Anmerkungen von Kunsthausleiterin Susanne Hinsching...

Scharr (Foto: I. Bergmann|Stadtverwaltung Nordhausen) Scharr (Foto: I. Bergmann|Stadtverwaltung Nordhausen)
Heinz Scharr vor seinem zweiteiligen Werk „Moby Dick“ im Kunsthaus Meyenburg zur Vernissage.

Heinz Scharr arbeitet und lebt in der Natur und mit der Geschichte, die immer wieder aufs Neue inspirierend für den Künstler wird und ihn in der Kunst eigene Wege gehen ließ und lässt.

Auch die Wahl seines Wohn- und Arbeitsortes im ehemaligen Komturhof Utterode – im Landkreis Nordhausen, wo er seit 1975 mit seiner Frau Jutta lebt - zeigt seine starke Naturverbundenheit. Diese eigene Welt, die sich der Künstler geschaffen hat, ermöglicht ihm eine gewisse Zurückgezogenheit und bildet gleichzeitig die Quelle für seine Kunst.

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In der Nordhäuser Ausstellung werden großformatige Holzschnitte, teils in Schwarz-Weiß, teils in Farbe präsentiert. Die Besonderheit seiner farbigen Holzschnitte zeigt einerseits die Beherrschung der Technik, die durch ständiges Experimentieren entstanden ist; andererseits bildet dieses technische Können die Grundlage für die Umsetzung seiner künstlerischen Vorstellungen und Visionen.

Seine Farbholzschnitte „leben“ durch ein Überlagern und Verschmelzen von verschiedenen farbigen Flächen. Manche von Scharr’s Farbholzschnitten zeigen weiche, fließende Formen und scheinen eher mit dem Pinsel gemalt als von hartem Holz gedruckt. Der Farbholzschnitt „Musik“, aus dem Jahr 1990, besticht durch ein mehr oder weniger geordnetes, aber bewusst erzeugtes Wirrwarr aus blauen und roten Linien, die der Künstler gezielt zum Klingen bringt, so dass der Betrachter ein Kunstwerk mit mehreren Sinnen gleichzeitig erfahren kann, wenn er bereit ist, die Vorstellungskraft auf eine anderen sinnlichen Ebene zu übertragen. Dann kann man die Musik förmlich hören, die Heinz Scharr in Farbe komponiert hat.

Im Gegensatz zu seinen Radierungen verwendet Heinz Scharr in den Farbholzschnitten gern sehr expressive Farben, wie z.B. das kräftige Rot. Dieses setzt er dann in Kontrast zu Schwarz oder dunklem Blau und zu Weiß. In der „Farbkomposition“ aus dem Jahr 1985 scheinen Rot und Schwarz miteinander zu kämpfen und sich doch gegenseitig zu bedingen.

Durch die Kombination verschiedenartiger Strukturen in Verbindung mit der Verwendung von differenzierten künstlerischen Techniken erzeugt Heinz Scharr so phantastische Bilder, die in seinen Arbeiten stets Spannung und Ekstase erzeugen.

Das Interesse an der Natur ist immer gleich groß, die Wahl der bevorzugten Motive hat sich jedoch verändert. Während es in den früheren Jahren der ganze Wald war, der den Künstler inspirierte, sind es später nur noch einzelne Bäume, Baumteile oder sogar die Reduktion auf die Struktur des Holzes, d.h. Strukturen und Details werden wichtiger als der Gegenstand an sich. Seine neuesten Arbeiten gehören zu einer Serie aus 8 schmalen Holzschnitten und stammen aus dem Jahr 2012.

Sie wirken auf den ersten Blick wie eine „Baumfrottage“, in welcher der Künstler den Stamm auf das Papier gepaust hat. Sie zeigen kantige und runde Formen, Verwachsungen und Verwerfungen, manchmal vertikal dominiert, manchmal horizontal oder diagonal. Realismus oder Abstraktion? Wie viel Wirklichkeit, wie viel Natur und wie viel Phantasie stecken in diesen Arbeiten? Fragen, die sich der Betrachter stellen kann, aber nicht muss; weil die Strukturen und Formen so faszinierend sind. Man erkennt beim Anschauen immer neue Dinge. Ist das Astloch vielleicht ein Auge? Verbirgt sich in dem Liniengeflecht ein Gesicht?

Die Arbeiten dieser Reihe sind größtenteils schwarz-weiß. In einigen der Blätter verwendet Scharr aber auch Farbe, jedoch hier sehr verhalten und eher wie eine leichte Untermalung, um die Expressivität der Strukturen nicht zu überdecken.

Durch diese Arbeitsweise schafft der Grafiker eine zusätzliche Ebene, die das gewählte Motiv und deren Struktur deutlicher herausstellen, aber niemals unterdrücken.

Die sehr beeindruckende Ausstellung, deren Kunstwerke den Betrachter in ihren Bann ziehen, ist noch bis zum 2. März im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.
Susanne Hinsching, Kunsthistorikerin
Autor: red

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