nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Fehler: ad-ID 1121 mehrfach vorhanden!
Mi, 09:25 Uhr
01.01.2014

Wasserknappheit trifft 40 Prozent

Wasserknappheit trifft schon heute Menschen in vielen Ländern, und durch das Bevölkerungswachstum wird der Bedarf an Süßwasser noch weiter steigen. Zusätzlich aber ist in Zukunft vielerorts weniger Wasser verfügbar, weil sich etwa Regenfall und Verdunstung verändern...

Der Klimawandel aufgrund unverminderter Treibhausgasemissionen wird wahrscheinlich noch in diesem Jahrhundert rund 40 Prozent mehr Menschen einem Risiko absoluter Wasserknappheit aussetzen, als es ohne Klimaänderungen der Fall wäre. Das zeigt eine neue Studie, für die eine noch nie dagewesene Zahl von Klimafolgenmodellen verwendet wurde.

Die Analyse wird in einem Sonderteil der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences erscheinen, die erste Ergebnisse des Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project (ISI-MIP) versammelt. Dieses ist ein einzigartiger und von Wissenschaftlern weltweit getragener Versuch, die Forschung zu den Folgen des Klimawandels auf eine neue Ebene zu bringen.

„Die stärkste Zunahme von globaler Wasserknappheit könnte es bei einer globalen Erwärmung von zwei bis drei Grad über dem vorindustriellen Niveau geben und das werden wir in den nächsten Jahrzehnten bereits erleben, wenn die Emissionen nicht bald gesenkt werden“, sagt Leitautor Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Dass die Wasserknappheit zunimmt, ist bereits länger bekannt. Aber unsere Studie bestimmt erstmals den relativen Anteil des Klimawandels daran, im Vergleich und zusätzlich zu der wachsenden Wasserknappheit, die einfach auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen ist.“

Von China bis zu den USA: Große regionale Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Wasser

Ein bis zwei von hundert Menschen leben heute in Ländern mit absoluter Wasserknappheit. Bevölkerungswachstum und Klimawandel würden dies bei einer globalen Erwärmung von rund drei Grad auf zehn von hundert erhöhen, so die Studie. Absolute Wasserknappheit wird definiert als weniger als 500 Kubikmeter pro Jahr und Kopf. Eine solche Menge kann den Bedarf wenn überhaupt nur dann decken, sofern sehr effiziente Techniken der Wassernutzung und des Wassermanagements eingesetzt werden; in vielen Ländern gibt es diese Techniken nicht. Zum Vergleich: der durchschnittliche globale Wasserverbrauch pro Kopf und Jahr liegt bei etwa 1.200 Kubikmetern, in den Industrieländern noch deutlich höher.

Die regionalen Unterschiede bei den Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Wasser sind immens. Für den Mittelmeerraum, den Nahen Osten, den Süden der USA und Südchina zum Beispiel sind laut der Studie wahrscheinlich deutliche Verluste an verfügbarem Wasser zu erwarten. Südindien, das westliche China und Teile Ostafrikas hingegen könnten eine erhebliche Zunahme erleben.

Nahrungssicherheit ist abhängig von Bewässerung Bauern sind die Hauptnutzer von Wasser

„Wasserknappheit ist eine große Bedrohung für die menschliche Entwicklung, etwa in Regionen wo die Nahrungssicherheit von der Bewässerung abhängt die Landwirtschaft ist der größte Wasserverbraucher weltweit“, sagt Ko-Autor Qiuhong Tang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. „Trotzdem ist auch eine Zunahme von Niederschlägen eine Herausforderung zusätzliches Wasser kann Überflutungen und Störungen von Infrastruktur wie etwa der Kanalisation verursachen. Insgesamt steigen die Risiken also.“ Neben der Landwirtschaft benötigen auch viele industrielle Produktionsprozesse große Mengen Wasser, so dass ein Mangel daran in manchen Regionen die ökonomische Entwicklung erschwert.

Die Studie basiert auf Berechnungen von elf verschiedenen globalen hydrologischen Modellen, die wiederum mit von fünf globalen Klimamodellen erzeugten Daten angetrieben wurden ein Ensemble von Simulationen, das es bislang in dieser Größe nicht gegeben hat, und das in Kooperation mit vielen Forschungsgruppen aus der ganzen Welt entstand. Damit führen die Ergebnisse das derzeit aktuellste Wissen über Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Wasser zusammen. Die in ISI-MIP zusammenarbeitenden Wissenschaftler vergleichen systematisch die Ergebnisse der verschiedenen Computersimulationen, um zu sehen, wo sie übereinstimmen und wo nicht. Die oben genannten Zahlen sind Durchschnittsergebnisse mehrerer Modelle. Das heißt, dass einige der Modelle auch eine mögliche stärkere Zunahme der Wasserknappheit anzeigen.

Modellvergleich erlaubt Perspektive des Risikomanagements

„Dieser breit angelegte Modellvergleich ist insofern einzigartig, als er eine gute Einschätzung der Unsicherheiten bei zukünftigen Folgen des Klimawandels erlaubt was uns umgekehrt zeigt, welche Erkenntnisse besonders robust sind“, sagt Ko-Autor Pavel Kabat vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA). „Betrachtet man das Ganze aus der Perspektive des Risikomanagements, so wird selbst aus den eher optimistischen Szenarien und Modellen sehr deutlich: Wir bringen Lebensgrundlagen von Millionen Menschen in Gefahr, wenn der menschengemachte Klimawandel sich ungebremst fortsetzt.“

Allerdings sei die Arbeit damit noch lange nicht beendet, fügte er hinzu. „Wir benötigen weitere Forschung, wie sich der Wasserbedarf in Zukunft in verschiedenen Bereichen wie Landwirtschaft, Industrie und Energie entwickeln wird und wie zusätzlich zur Reduzierung von Treibhausgasen die technologischen Entwicklungen im Wassersektor helfen könnten, Wasserknappheit zu vermindern.“
← zum Nachrichtenüberblick
→ Druckversion

Kommentare

01.01.2014, 18.25 Uhr
Bodo Schwarzberg | Wir bedrohen Millionen von Menschen...
...so steht es als Zitat eines Klimawissenschaftlers im obogen Beitrag. Vielen Dank, liebe nnz, für diesen seltenen Blick über den üblicherweise engen Nordhäuser Tellerrand. Wir in den reichen Ländern sorgen mit unserer ausufernden, ressourcenverschleudernden, ja rücksichtslosen Lebens- und kapitalistischen Wirtschaftsweise für Unmenschlichkeiten in weiten Teilen der Welt. Wasserknappheit ist noch schlimmer, als zu wenig zu essen zu haben. Denn ohne Wasser ist man nach drei Tagen tot. Wasserknappheit kann und wird Kriege mit weiteren Opfern auslösen. Die Unmenschlichkeiut des Systems in dem wir trotz wohlklingender Verfassung und UN-Chartas leben, und für das Millionen 1989 auf die Straße gegangen sind, wird bei der Analyse der Fakten deutlich: Halbherzigkeit pur bei der Reduktion der Treibhausgase, Eklats statt zukunftsweissende Beschlüsse bei Klimakonferenzen, Hilfestellung der deutschen Politik für die Autoindustrie, damit diese die Emmissionen ihrer Produkte weniger stark senken muss. Das unseelige Konglomerat funktioniert hervorragend.
Die menschlichen und ökologischen Tragödien, zu denen all dies weltweit führt, blenden die reichen und Schwellenländer aus, inklusive ihrer konsumgeilen Bürger. Eine Anklage vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag sollte in Erwägung gezogen werden: Dort sollten alle Präsidenten und Minister erscheinen, zwischen China im Osten und den USA im Westen. Und im Prinzip auch der gemeine Bürger, der nicht wahrhaben will, was er mit seiner Art zu konsumieren in der Welt anrichtet. Scheinheilig ist es, wenn Millionen von uns Heiligabend in die Kirchen strömen und hernach auf ökologischer und menschlicher Ausbeutung basierende Produkte unter den Weihnachtbaum legen. Gesundes neues Jahr!
02.01.2014, 11.59 Uhr
I.H. | Wie kann ich helfen @Schwarzberg?
Soll ich vom Spassbad Bielener Kiesteich einen Kanal zur Sahel Zone graben? Oder soll ich keine Navelina Orangen aus Israel und Jordanien mehr essen, weil die da Wasser aus dem Jordan abzweigen?

Aber was machen wir dann mit den vielen Notleidenden Israelis und Jordaniern? Die haben dann zwar Wasser, aber nix mehr zu essen. Fragen über Fragen! Also, was soll ich außer Klima retten, Pullover anziehen und nix mehr kaufen tun?
02.01.2014, 13.14 Uhr
Harzer_Wolf | Gute Frage
Ich würde auf Ihre Frage antworten Herr S.W. : Schalten Sie ihren PC ab, dann sparen Sie schon mal Energie.

In Zukunft werden Kriege nicht mehr wegen Erdöl geführt, sondern wegen Wasser. Der Versuch Wasser zu privatisieren ist dafür der beste Beleg. Und auch die Frage nach der Scheinheiligkeit ist nicht falsch. Es wird immer wieder davon geschrieben und gepredigt, das man den " armen " Menschen helfen muß. Steht aber einer dieser " armen" Menschen vor der eigenen Haustür, dann ist die Hilfsbereitschaft am Ende.

Sie hatten eine Frage gestellt und damit ich nicht auch auf diesem Level stehe, bekommen Sie eine vernünftige Antwort. Nehmen Sie doch einen "Hunni" und zahlen Sie den dort ein, wo eine Hilfsorganisation zum Beispiel Wasseraufbereitsungsanlagen baut.

Das kommt auch Ihnen zu Gute, denn dann können Sie weiter die Orangen futtern und die Kids dürfen weiter im Sommer am Bielener Kiesteich ihren Spaß haben. Ich darf lt. Bestimmungen leider hier keine entsprechenden Konten oder Adressen veröffentlichen, aber Mister Google hilft Ihnen dabei bestimmt.
02.01.2014, 14.11 Uhr
I.H.
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.