Mi, 18:16 Uhr
18.12.2013
Geschlagen, beleidigt, erniedrigt
Wieder einmal kommt der Mann zu später Stunde betrunken nach Hause. Die Frau schläft schon. Der Mann reißt ihr die Bettdecke vom Körper. Lass mich in Ruhe, ruft sie, springt aus dem Bett. Sie zittert vor Angst. Wie so oft in letzter Zeit. Der Kerl schlägt zu. Einmal. Zweimal. Er zieht sie an den Haaren, wirft sie zu Boden und sich auf sie. Eine Szene aus einem brutalen Krimi? Mitnichten, wie Kurt Frank herausfand...
Steffi Maier (rechts) und Elke Schnabel engagieren sich für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, und helfen ihnen. Männer, die Frauen und Kinder in irgendeiner Form misshandeln und ihnen Gewalt antun, bekommen die Rote Karte. Das hat für sie ernsthafte Folgen.
Nordhausen. Häusliche Gewalt gegen Frauen sei keine Erscheinung aus alten Zeiten. Allgegenwärtig sei sie. Auch im Südharz. Steffi Maier von der Caritas-Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt, zuständig für Nordthüringen, und Elke Schnabel, Fachgebietsleiterin Soziale Dienste beim Landratsamt, wissen, was sie sagen. Betroffen seien vor allem Frauen zwischen 18 und 60 Jahren, weniger die darüber. Jede fünfte Frau, heißt es, werde einmal Opfer sexueller Nötigung oder Vergewaltigung.
Hinter vielen Wohnungstüren gehe es brutal und aggressiv zu. Im Verborgenen, sagen Maier und Schnabel. Die wenigsten Fälle werden bekannt. Die Dunkelziffer ist nicht einmal zu erahnen. Betroffen seien Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung. Nicht immer sind es betrunkene Männer, die tätlich werden. Viele betroffene Frauen werden depressiv, ängstlich, gleichgültig. Manche fühlen sich sogar selbst schuldig an ihrer Situation. Die Frauen ertragen ihr Schicksal. Nicht nur aus finanzieller Abhängigkeit. Wegen gemeinsamer Kinder. Aus Angst vor der Blamage in der Verwandtschaft und im Freundeskreis.
Der äußere Schein wird gewahrt. Oft viel zu lang. Der Preis, den viele Frauen dafür zahlen, ist hoch. Sie leben in ständiger Angst vor einem neuen Gewaltausbruch des Partners. Gesundheitliche Folgen können irreparabel werden. Auch für Kinder. Die, meinen Steffi Maier und Elke Schnabel, können Zeugen direkter oder indirekter Gewalt gegen die Mutter sein oder selbst misshandelt werden. Sie sehen oder hören, wie Vater die Mutter einschüchtert, sie beleidigt, beschimpft, erniedrigt. Bekommen mit, dass Mutter weint und wimmert. Sie hören, wenn Mama auf die Frage einer Nachbarin sagt, sie sei gestürzt und habe sich dabei die blauen Flecke zugezogen.
Sind betroffene Frauen hilflos den Prügelattacken ausgeliefert? Keineswegs, betonen Steffi Maier und Elke Schnabel. Die Frauen müssen sich öffnen, Hilfe wollen, die sie dann auch finden. Über die Polizei (03631/960 oder Notruf:110), Caritas 03631/4671-55 oder 57 und 467150, Landratsamt Nordhausen (03631/911510), Stadt Nordhausen (03631/696314), Kinder- und Jugendschutzdienst (03631/462650), Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes-und Jugendalters (03631/411900) und über den Weißen Ring (03631/600960 oder 0151/55164602).
Es gibt laut Gewaltschutzgesetzt, das seit 2002 besteht, viele Möglichkeiten, betroffenen Frauen wirkungsvoller zu helfen. Was es regelt, wie eine gerichtliche Entscheidung durchgesetzt wird und was bei Verstößen gegen gerichtliche Anordnungen zu tun ist – darüber und über vieles andere mehr klären wir auf, versichern die engagierten Frauen Maier und Schnabel. In Extremsituationen stehen Frauenschutzwohnungen zur Verfügung. Der Aufenthalt dort kann mehrere Monate betragen. Auch mit Kindern. Weiß Elke Schnabel.
Frauen, die körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind, sollten sich vertrauensvoll und umgehend an uns oder andere zuständigen Stellen wenden, wird Steffi Maier nicht müde zu betonen. Und: Wir begleiten sie hilfreich ein Stück auf ihrem schwierigen Weg. Helfen können auch die gute Freundin, Verwandte und Bekannte, der Hausarzt, dem man vertraut. Aus falscher Schaum schweigen bedeute nur ein Martyrium auf unbestimmte Zeit. Wie ernst die Situation hierzulande ist, unterstreichen Zahlen: Über 200 Fälle liefen allein bei der Caritas Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt innerhalb eines Jahres an, weiß Steffi Maier.
Kurt Frank
Autor: redSteffi Maier (rechts) und Elke Schnabel engagieren sich für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, und helfen ihnen. Männer, die Frauen und Kinder in irgendeiner Form misshandeln und ihnen Gewalt antun, bekommen die Rote Karte. Das hat für sie ernsthafte Folgen.
Nordhausen. Häusliche Gewalt gegen Frauen sei keine Erscheinung aus alten Zeiten. Allgegenwärtig sei sie. Auch im Südharz. Steffi Maier von der Caritas-Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt, zuständig für Nordthüringen, und Elke Schnabel, Fachgebietsleiterin Soziale Dienste beim Landratsamt, wissen, was sie sagen. Betroffen seien vor allem Frauen zwischen 18 und 60 Jahren, weniger die darüber. Jede fünfte Frau, heißt es, werde einmal Opfer sexueller Nötigung oder Vergewaltigung.
Hinter vielen Wohnungstüren gehe es brutal und aggressiv zu. Im Verborgenen, sagen Maier und Schnabel. Die wenigsten Fälle werden bekannt. Die Dunkelziffer ist nicht einmal zu erahnen. Betroffen seien Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung. Nicht immer sind es betrunkene Männer, die tätlich werden. Viele betroffene Frauen werden depressiv, ängstlich, gleichgültig. Manche fühlen sich sogar selbst schuldig an ihrer Situation. Die Frauen ertragen ihr Schicksal. Nicht nur aus finanzieller Abhängigkeit. Wegen gemeinsamer Kinder. Aus Angst vor der Blamage in der Verwandtschaft und im Freundeskreis.
Der äußere Schein wird gewahrt. Oft viel zu lang. Der Preis, den viele Frauen dafür zahlen, ist hoch. Sie leben in ständiger Angst vor einem neuen Gewaltausbruch des Partners. Gesundheitliche Folgen können irreparabel werden. Auch für Kinder. Die, meinen Steffi Maier und Elke Schnabel, können Zeugen direkter oder indirekter Gewalt gegen die Mutter sein oder selbst misshandelt werden. Sie sehen oder hören, wie Vater die Mutter einschüchtert, sie beleidigt, beschimpft, erniedrigt. Bekommen mit, dass Mutter weint und wimmert. Sie hören, wenn Mama auf die Frage einer Nachbarin sagt, sie sei gestürzt und habe sich dabei die blauen Flecke zugezogen.
Sind betroffene Frauen hilflos den Prügelattacken ausgeliefert? Keineswegs, betonen Steffi Maier und Elke Schnabel. Die Frauen müssen sich öffnen, Hilfe wollen, die sie dann auch finden. Über die Polizei (03631/960 oder Notruf:110), Caritas 03631/4671-55 oder 57 und 467150, Landratsamt Nordhausen (03631/911510), Stadt Nordhausen (03631/696314), Kinder- und Jugendschutzdienst (03631/462650), Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes-und Jugendalters (03631/411900) und über den Weißen Ring (03631/600960 oder 0151/55164602).
Es gibt laut Gewaltschutzgesetzt, das seit 2002 besteht, viele Möglichkeiten, betroffenen Frauen wirkungsvoller zu helfen. Was es regelt, wie eine gerichtliche Entscheidung durchgesetzt wird und was bei Verstößen gegen gerichtliche Anordnungen zu tun ist – darüber und über vieles andere mehr klären wir auf, versichern die engagierten Frauen Maier und Schnabel. In Extremsituationen stehen Frauenschutzwohnungen zur Verfügung. Der Aufenthalt dort kann mehrere Monate betragen. Auch mit Kindern. Weiß Elke Schnabel.
Frauen, die körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind, sollten sich vertrauensvoll und umgehend an uns oder andere zuständigen Stellen wenden, wird Steffi Maier nicht müde zu betonen. Und: Wir begleiten sie hilfreich ein Stück auf ihrem schwierigen Weg. Helfen können auch die gute Freundin, Verwandte und Bekannte, der Hausarzt, dem man vertraut. Aus falscher Schaum schweigen bedeute nur ein Martyrium auf unbestimmte Zeit. Wie ernst die Situation hierzulande ist, unterstreichen Zahlen: Über 200 Fälle liefen allein bei der Caritas Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt innerhalb eines Jahres an, weiß Steffi Maier.
Kurt Frank



