Mi, 08:58 Uhr
09.10.2013
Sergej Lochthofen in Bleicherode
Bereits zum sechsten Mal werden Bibliotheken in ganz Deutschland in Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) eine einwöchige bundesweite Aktionswoche unter dem Motto "Treffpunkt Bibliothek - Information hat viele Gesichter"starten. In Bleicherode wird dann Sergej Lochthofen lesen...
In der Woche vom 24. - 31. Oktober 2013 werden sie sich wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit als Partner für Medien- und Informationskompetenz sowie für Bildung und Weiterbildung präsentieren: mit Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Events, Bibliotheksnächten und vielen weiteren Aktionen und Vorstellungen von Serviceangeboten.
"Treffpunkt Bibliothek" wird großzügig gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und unterstützt von zahlreichen prominenten Aktionspaten. Der Publizist und Journalist Sergej Lochthofen kommt im Rahmen dieser Lesereihe am 25. Oktober um 19.30 Uhr, auf Einladung des Heimat- und Fremdenverkehrsverbandes Bleicherode Regionalmarketing, ins Bleicheröder Kino. Auf dem Programm steht die Lesung aus seinem Buch Schwarzes Eis - der Lebensroman meines Vaters.
Sergej Lochthofen – bis 2009 wurden sein Name und eine Thüringer Tageszeitung in einem Atemzug genannt. Nach der Wende war er der erste Chefredakteur dieser Zeitung. Lochthofens eigene Lebensgeschichte begann nicht alltäglich.
Er wurde 1953 in einem russischen Straflager in Workuta geboren, als Sohn eines verbannten deutschen Kommunisten und einer russischen Mutter. Als Fünfjähriger kam er mit seiner Familie in die DDR. Hier besuchte er eine russische Schule und studierte später Kunst auf der Krim. Als ihn die russische Armee rekrutieren wollte, ging er zurück in die DDR. Dort volontierte er zwei Jahre lang bei der SED-Bezirkszeitung "Das Volk" und studierte anschließend bis 1977 Journalistik in Leipzig. Bis zur Wende schrieb er als Nachrichtenredakteur für "Das Volk".
Dann wählte ihn die Belegschaft zum Chefredakteur der neugegründeten Thüringer Allgemeine. Soweit seine Geschichte, die selbst schon erzählenswert ist. Doch Sergej hat bereits als Sechzehnjähriger begonnen, die Lebensgeschichte seines Vaters auf Zetteln zu notieren. Vater Lorenz Lochthofen floh 1930 vor den Nazis in die Sowjetunion. 1938 wurde er als Kommunist Opfer des stalinistischen Regimes und zu fünf Jahren Zwangsarbeit in Workuta verurteilt.
Insgesamt zwanzig Jahre musste er auf dieser Insel im Archipel Gulag bleiben - im vom Kohlestaub schwarz gefärbten Eis. Als er nach Lager und Verbannung, dank Konrad Adenauers Bemühungen, in der DDR ankam, war er überzeugt gebraucht zu werden. Und seine Biographie gab ihm scheinbar recht. Lorenz Lochthofen stieg zum leitenden Manager eines international operierenden Unternehmens, den Sömmerdaer Motorenwerken, auf und wurde 1963 ins Zentralkomitee der SED berufen.
Doch der in Dortmund gebürtige Idealist blieb ein Fremder; als ehemaliger Gulag-Häftling trotz aller Karriere ein mit Misstrauen Beobachteter. Sergej Lochthofen erzählt die Geschichte seines Vaters ohne in wortgewaltigen Bildern zu versinken. Das nüchtern Erzählte ist gewaltig genug. Lochthofen bringt Licht in ein Stück deutscher Geschichte, die zuvor im Westen niemand wissen konnte und im Osten niemand wissen durfte. Umso wichtiger ist, dass sie erzählt wird.
Karten erhalten Sie im Kulturhaus 036338/42329 und ab dem 14.10. auch in der Bibliothek 036338/30129. Die Karte kostet auf allen Rängen 10 Euro.
Autor: nnzIn der Woche vom 24. - 31. Oktober 2013 werden sie sich wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit als Partner für Medien- und Informationskompetenz sowie für Bildung und Weiterbildung präsentieren: mit Lesungen, Ausstellungen, Workshops, Events, Bibliotheksnächten und vielen weiteren Aktionen und Vorstellungen von Serviceangeboten.
"Treffpunkt Bibliothek" wird großzügig gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und unterstützt von zahlreichen prominenten Aktionspaten. Der Publizist und Journalist Sergej Lochthofen kommt im Rahmen dieser Lesereihe am 25. Oktober um 19.30 Uhr, auf Einladung des Heimat- und Fremdenverkehrsverbandes Bleicherode Regionalmarketing, ins Bleicheröder Kino. Auf dem Programm steht die Lesung aus seinem Buch Schwarzes Eis - der Lebensroman meines Vaters.
Sergej Lochthofen – bis 2009 wurden sein Name und eine Thüringer Tageszeitung in einem Atemzug genannt. Nach der Wende war er der erste Chefredakteur dieser Zeitung. Lochthofens eigene Lebensgeschichte begann nicht alltäglich.
Er wurde 1953 in einem russischen Straflager in Workuta geboren, als Sohn eines verbannten deutschen Kommunisten und einer russischen Mutter. Als Fünfjähriger kam er mit seiner Familie in die DDR. Hier besuchte er eine russische Schule und studierte später Kunst auf der Krim. Als ihn die russische Armee rekrutieren wollte, ging er zurück in die DDR. Dort volontierte er zwei Jahre lang bei der SED-Bezirkszeitung "Das Volk" und studierte anschließend bis 1977 Journalistik in Leipzig. Bis zur Wende schrieb er als Nachrichtenredakteur für "Das Volk".
Dann wählte ihn die Belegschaft zum Chefredakteur der neugegründeten Thüringer Allgemeine. Soweit seine Geschichte, die selbst schon erzählenswert ist. Doch Sergej hat bereits als Sechzehnjähriger begonnen, die Lebensgeschichte seines Vaters auf Zetteln zu notieren. Vater Lorenz Lochthofen floh 1930 vor den Nazis in die Sowjetunion. 1938 wurde er als Kommunist Opfer des stalinistischen Regimes und zu fünf Jahren Zwangsarbeit in Workuta verurteilt.
Insgesamt zwanzig Jahre musste er auf dieser Insel im Archipel Gulag bleiben - im vom Kohlestaub schwarz gefärbten Eis. Als er nach Lager und Verbannung, dank Konrad Adenauers Bemühungen, in der DDR ankam, war er überzeugt gebraucht zu werden. Und seine Biographie gab ihm scheinbar recht. Lorenz Lochthofen stieg zum leitenden Manager eines international operierenden Unternehmens, den Sömmerdaer Motorenwerken, auf und wurde 1963 ins Zentralkomitee der SED berufen.
Doch der in Dortmund gebürtige Idealist blieb ein Fremder; als ehemaliger Gulag-Häftling trotz aller Karriere ein mit Misstrauen Beobachteter. Sergej Lochthofen erzählt die Geschichte seines Vaters ohne in wortgewaltigen Bildern zu versinken. Das nüchtern Erzählte ist gewaltig genug. Lochthofen bringt Licht in ein Stück deutscher Geschichte, die zuvor im Westen niemand wissen konnte und im Osten niemand wissen durfte. Umso wichtiger ist, dass sie erzählt wird.
Karten erhalten Sie im Kulturhaus 036338/42329 und ab dem 14.10. auch in der Bibliothek 036338/30129. Die Karte kostet auf allen Rängen 10 Euro.


