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Mi, 09:39 Uhr
04.09.2013

nnz-Betrachtung: Mäßigung

Im Nordhäuser Südharz Klinikum brodelt es. Es soll ein neuer Tarifvertrag her. Doch der scheint nicht in Sicht. Dazu einige Anmerkungen...


Sicher, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pflegepersonals, also den Schwestern, Pflegern und den technischen Mitarbeitern steht eine Steigerung ihren bisherigen Gehalts zu. Sicher ist aber auch, die Finanzierung eines Krankenhauses ist kein Zuckerschlecken unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen. Der Druck durch die Krankenkassen wird immer absurder, obwohl deren Kassen scheinbar prall gefüllt sind.

So muss also mit Feingefühl verhandelt werden. Wenn da die Gewerkschaft nicht wäre? Diese Frage stelle ich ganz bewusst, denn nicht immer spielt eine Gewerkschaft die Rolle, die man von ihr erwartet. Da ist viel an Eigenleben und Eigenerhalt angesagt. Man kämpfe für die Mitglieder, heißt es. Man kämpfe aber auch für sich selbst - für möglichst viele Mitglieder. Auch das ist nicht verwerflich, Wenn aber gewerkschaftliche Forderungen und gewerkschaftliches Taktieren über die Stränge schlagen, dann ist mitunter ein komplettes Unternehmen in Gefahr.

Ich habe als Betriebsrat solch eine Situation schon einmal miterleben dürfen. In einem Medienunternehmen, das nach wirtschaftlicher Schieflage neu strukturiert werden musste. Neuausrichtung, das hieß einfach: wir entlassen ein Drittel der Mitarbeiter. Kippen können Betriebsräte eine solche unternehmerische Entscheidung nicht. Das anzunehmen ist eine Illusion. Sie können sich nur für die Konditionen des Ausscheidens der betroffenen Kolleginnen und Kollegen stark machen. Und diese Gespräche sind wie Poker.

Und genau in eine solche Pokerrunde mischte sich die Gewerkschaft ein, die auch im Südharz Klinikum unterwegs ist. Deren Vertreter waren auf Krawall gebürstet, wollten sofort vor Gericht ziehen. Wäre der Betriebsrat dem gefolgt, dann hätte das Medienunternehmen aufgehört zu existieren. Das war die Ansage der privaten Eigner aus Ludwigshafen, München und Berlin.

Fazit: Der Betriebsrat hat weiterverhandelt, ist nicht vor Gericht gezogen, hat nicht zum Warnstreik aufgerufen, hat für die zu entlassenen Kolleginnen und Kollegen neue Arbeitschancen in anderen Medienunternehmen ausgehandelt und hat die Konditionen des Ausscheidens optimiert. Das war es. Das Unternehmen ist noch heute am Markt, ist wirtschaftlich gesund und hat nach der Zäsur wieder Personal aufgestockt.

Nun ist vielleicht ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern nicht mit dem Südharz Klinikum zu vergleichen, wo rund 2.000 Frauen und Männer arbeiten. Nur: hier greifen die gleichen Mechanismen. Die Geschäftsleitung, die immer im Interesse des Gesamtunternehmens und im Interesse der Gesellschafter handeln muss, kann nur das zur Verfügung stellen, was erwirtschaftet wird. Ein zuviel an Forderungen, die seitens der Gewerkschaft schon mal gern aufgemacht werden, kann eine Schieflage bewirken. Die beiden kommunalen Gesellschafter können in solch einer Situation in keine Kriegskasse greifen, im Gegenteil. Die können dann nur eines: Sie müssen das Klinikum an den Markt bringen. Dort wird seit Jahren schon begierig auf die "Perle" im Südharz gewartet.

Es liegt also in der Hand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und es liegt in der Hand der Geschäftsführung. Alle zusammen sollten wieder miteinander reden und dann verhandeln - fair, offen, ohne Neidkomponente. Ich persönlich würde eine Gewerkschaft dabei außen vor lassen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Norbert
04.09.2013, 10:31 Uhr
Betriebsrat, Verhältnismäßigkeit, und weitere Unannehmlichkeiten
Ein Betriebsrat ist nicht dazu da, Verhandlungen von Tarifen zu führen, er ist dafür da Arbeitsrechte der AN ggü. dem AG durchzusetzen und zu prüfen. Für solche Verhandlungen ist die Tarifkommission zuständig. Wenn von einer Mehrheit die Rede ist, die dem Angebot zugesprochen haben soll, kann dies nicht ganz stimmen. Da sollten Sie ihre Quellen noch einmal prüfen.

Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben, wenn man auf eine Gewinnbeteiligung verzichten muss um mehr Gehalt zu bekommen, wenn ärztliche Kollegen dank Marburger Bund regelmäßig satte "Anpassungen" erhalten, während der Pflegedienst seit 2009 keine wirkliche Erhöhung erhalten hat, die Arbeitsbedingungen aber zugleich durch Personalmangel und Überbelegungen ungleich mehr geworden sind.

Sicher haben Sie recht, dass man nur so viel ausgeben kann, wie man selbst zur Verfügung hat, jedoch sollte der AG das Ganze nicht an den Kleinsten auslassen, sondern sich für seine Mitarbeiter engagieren.
Anstatt ein Intranet zu sperren um Meinungserklärungen der Belegschaft zu blocken, das "Sommerfest" drohen zu kippen, da ein Boykott erwartet wird (deren Finanzierung wohl auch auf Kosten des Pflegedienst zu gehen scheint), Aufforderungen zum Austritt aus einer Gewerkschaft zu verteilen, mit Personalkürzungen zu drohen. Sollte ein arbeitnehmerorientierter Arbeitgeber im Interesse der Loyalität und Moral seiner Mitarbeiter sich eher für sie einsetzen und zum Beispiel mit streiken für bessere Arbeitsbedingungen, Gespräche mit den Trägern offen suchen.

Es sind in knapp 3 Wochen Wahlen, es gibt denke ich keinen besseren Zeitpunkt sich für die Pflegekräfte einzusetzen, und die Politiker zu mehr Aufmerksamkeit auf die Pflege zu zwingen.

Eine Privatisierung sehe ich als unwahrscheinlich, klar gibt es Interessenten, aber warum? Mehr als 4 Mio. Gewinn sollten genügen oder?
Herr Schmidt 2
04.09.2013, 11:24 Uhr
Verhandlungen...
...ja, sie laufen. Das Angebot was von der Geschäftsführung vorgelegt worden war, ist garnicht mal so schlecht gewesen. Sicher fällt dann die Gewinnbeteiligung weg, aber die kann sich auch von Jahr zu Jahr verändern. Die Beteiligung die es dieses Jahr gab war sehr gut. Das auf jeden Monat aufgeteilt, ist schon ein guter Schritt.
Nun kann man noch garnicht sagen wie hoch sie nächtes Jahr ausfallen wird. Und so kann es kommen das es vielleicht keine Gewinnausschüttung gibt, weil vielleicht unter dem Strich eine schwarze 0 statt eines Plus steht.

Die Gewinnbeteiligung war zu Herrn Pilles Zeiten angeboten worden. Damals liefen auch Tarifverhandlungen und es kam zu kaum einer Erhöhung. Nur eben einmal im Jahr eine Ausschüttung des Gewinns. Und dieser variierte in den letzten Jahren stark.

Die Ausschüttung fest auf jeden Monat gelegt ist jedenfalls besser und man kann damit planen, als einmal im Jahr eine Gewinnausschüttung wo sich vielleicht 2000 Mitarbeiter 0€ teilen müssen (weil leider kein Gewinn eingefahren wurde)

Das Angebot der Geschäftsführung hatte eine Zustimmung von über 50% der befragten Verdi Mitglieder. Und da Verdi die Verhandlungen mit führt, kann man also sagen das die Mehrheit diesem Angebot zugestimmt hat.

Ja, es ist auch richtig das man nur das verteilen kann, was zur Verfügung steht.
Sicher ist es immer schön noch mehr zu bekommen.Aber man muss auch mal realistisch bleiben.

Die Krankenhausmitarbeiter verdienen für die Regionen verhältnismäßig gut.
H.Buntfuß
04.09.2013, 14:11 Uhr
Gut verdienen
Die Krankenhausmitarbeiter verdienen für die Regionen verhältnismäßig gut. Wenn man diese Sprüche schon liest, alle verdienen für die Verhältnisse gut, oder ähnliche. Da muss man sich fragen, wie es kommt, dass sich immer MEHR immer WENIGER leisten können?

Es liegt sicher daran, dass diese Personen einfach zu FAUL sind, oder?
othello
04.09.2013, 14:34 Uhr
P.St.Greiner zu Gewerkschaften
P.St.Greiner hat seine Meinung aus dem Sack gelassen. Im Krankenhaus soll der Betriebsrat über die Lohnentwicklung entscheiden und dazu braucht es keine störenden Gewerkschaften. Ohne weiteren Kommentar. Ich erwarte aber eine Erklärung der Gewerkschaft Verdi zu den ganzen Umständen der Tarifverhandlungen im Krankenhaus, um Licht in die Sache zu bringen.
llibertador
04.09.2013, 14:44 Uhr
...immer das gleiche...
Hat eigentlich irgendjemand schonmal daran gedacht dass im SHK nicht nur Ärzte und Pflegekräfte arbeiten?
Herr Schmidt 2
04.09.2013, 15:17 Uhr
nicht nur
....ja es arbeiten auch einige in der küche, als reinigungskraft oder technik.

aber fakt ist das die belastung für die schwestern und all der anderen am patienten tätigen mitarbeiter immens steigt bei immer mehr bürokratie und immer mehr pflege durch weniger personal.

hinzu kommt das extrem viele bewohner aus pflegeheimen regelrecht ins kh abgeschoben werden. sehr auffällig vor langen wochenenden oder feiertagen.
llibertador
04.09.2013, 15:52 Uhr
Schief gelaufen
Ich möchte hier auf gar keinen Fall die Arbeit der Pflegekräfte klein reden aber es sind nicht nur die Pfleger die jeden Tag hart arbeiten. Ohne Reinigungsdienst,Technik oder Hol- und Bringedienst geht im SHK nichts! Dennoch werden diese Abteilungen sehr oft außen vor gelassen bzw vergessen. Nur weil es nicht die Abteilungen sind die direkt für das "Erwirtschaften der Gewinne" zuständig sind, sind sie nicht weniger wichtig. Und wenn dann im Zuge dieser Verhandlung sogar von Ausgliederung einiger Abteilungen die Rede ist(um NUR den Pflegekräften mehr zahlen zu können), ist irgendwo was schief gelaufen. Mit solchen Aktionen zieht man auf lange Sicht auch den Pflegern und Ärzten das Fundament ihrer Arbeit unter den Füßen weg.
othello
04.09.2013, 19:08 Uhr
Gesundheitswesen mit Effizienz
Wenn aus dem Gesundheitswesen eine Gesundheitsindustrie wird, bei der es auch um das Geldverdienen geht, also Gesundheitswesen mit Effizienz, will heißen, soviel Gewinn wie möglich und so viel Privatisierung wie möglich. Dann kommt es dazu, dass z.B. bei Pflegepersonal gespart wird, Pflegeheime Kosten vermeiden wollen, oder Bereiche ausgegliedert werden und Gewerkschaften zu einem störenden Element werden.
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