Do, 15:08 Uhr
27.06.2013
Schwarzes Eis in Bleicherode
Der Publizist Sergej Lochthofen kommt am 25. Oktober um 19.30 Uhr ins Bleicheröder Kino. Auf dem Programm steht die Lesung aus seinem Buch Schwarzes Eis - der Lebensroman seines Vaters...
Sergej Lochthofen – bis 2009 wurden sein Name und eine Thüringer Zeitung in einem Atemzug genannt. Nach der Wende war er deren erster Chefredakteur. Lochthofens eigene Lebensgeschichte begann nicht alltäglich.
Er wurde 1953 in einem russischen Straflager in Workuta geboren, als Sohn eines verbannten deutschen Kommunisten und einer russischen Mutter. Als Fünfjähriger kam er mit seiner Familie in die DDR. Hier besuchte er eine russische Schule und studierte später Kunst auf der Krim. Als ihn die russische Armee rekrutieren wollte, ging er zurück in die DDR. Dort volontierte er zwei Jahre lang bei der SED-Bezirkszeitung "Das Volk" und studierte anschließend bis 1977 Journalistik in Leipzig. Bis zur Wende schrieb er als Nachrichtenredakteur für "Das Volk".
Dann wählte ihn die Belegschaft zum Chefredakteur der neugegründeten Zeitung. Soweit seine Geschichte, die selbst schon erzählenswert ist. Doch Sergej hat bereits als Sechzehnjähriger begonnen, die Lebensgeschichte seines Vaters auf Zetteln zu notieren. Vater Lorenz Lochthofen floh 1930 vor den Nazis in die Sowjetunion. 1938 wurde er als Kommunist Opfer des stalinistischen Regimes und zu fünf Jahren Zwangsarbeit in Workuta verurteilt. Insgesamt zwanzig Jahre musste er auf dieser Insel im Archipel Gulag bleiben - im vom Kohlestaub schwarz gefärbten Eis.
Als er nach Lager und Verbannung, dank Konrad Adenauers Bemühungen, in der DDR ankam, war er überzeugt gebraucht zu werden. Und seine Biographie gab ihm scheinbar recht. Lorenz Lochthofen stieg zum leitenden Manager eines international operierenden Unternehmens, den Sömmerdaer Motorenwerken, auf und wurde 1963 ins Zentralkomitee der SED berufen. Doch der in Dortmund gebürtige Idealist blieb ein Fremder; als ehemaliger Gulag-Häftling trotz aller Karriere ein mit Misstrauen Beobachteter.
Sergej Lochthofen erzählt die Geschichte seines Vaters ohne in wortgewaltigen Bildern zu versinken. Das nüchtern Erzählte ist gewaltig genug. Lochthofen bringt Licht in ein Stück deutscher Geschichte, die zuvor im Westen niemand wissen konnte und im Osten niemand wissen durfte. Umso wichtiger ist, dass sie erzählt wird.
Die Annahme von Kartenvorbestellungen hat bereits begonnen. Telefonisch im Kulturhaus 036338/42329 und in der Bibliothek 036338/30129. Die Karte kostet auf allen Rängen 10 Euro.
Autor: redSergej Lochthofen – bis 2009 wurden sein Name und eine Thüringer Zeitung in einem Atemzug genannt. Nach der Wende war er deren erster Chefredakteur. Lochthofens eigene Lebensgeschichte begann nicht alltäglich.
Er wurde 1953 in einem russischen Straflager in Workuta geboren, als Sohn eines verbannten deutschen Kommunisten und einer russischen Mutter. Als Fünfjähriger kam er mit seiner Familie in die DDR. Hier besuchte er eine russische Schule und studierte später Kunst auf der Krim. Als ihn die russische Armee rekrutieren wollte, ging er zurück in die DDR. Dort volontierte er zwei Jahre lang bei der SED-Bezirkszeitung "Das Volk" und studierte anschließend bis 1977 Journalistik in Leipzig. Bis zur Wende schrieb er als Nachrichtenredakteur für "Das Volk".
Dann wählte ihn die Belegschaft zum Chefredakteur der neugegründeten Zeitung. Soweit seine Geschichte, die selbst schon erzählenswert ist. Doch Sergej hat bereits als Sechzehnjähriger begonnen, die Lebensgeschichte seines Vaters auf Zetteln zu notieren. Vater Lorenz Lochthofen floh 1930 vor den Nazis in die Sowjetunion. 1938 wurde er als Kommunist Opfer des stalinistischen Regimes und zu fünf Jahren Zwangsarbeit in Workuta verurteilt. Insgesamt zwanzig Jahre musste er auf dieser Insel im Archipel Gulag bleiben - im vom Kohlestaub schwarz gefärbten Eis.
Als er nach Lager und Verbannung, dank Konrad Adenauers Bemühungen, in der DDR ankam, war er überzeugt gebraucht zu werden. Und seine Biographie gab ihm scheinbar recht. Lorenz Lochthofen stieg zum leitenden Manager eines international operierenden Unternehmens, den Sömmerdaer Motorenwerken, auf und wurde 1963 ins Zentralkomitee der SED berufen. Doch der in Dortmund gebürtige Idealist blieb ein Fremder; als ehemaliger Gulag-Häftling trotz aller Karriere ein mit Misstrauen Beobachteter.
Sergej Lochthofen erzählt die Geschichte seines Vaters ohne in wortgewaltigen Bildern zu versinken. Das nüchtern Erzählte ist gewaltig genug. Lochthofen bringt Licht in ein Stück deutscher Geschichte, die zuvor im Westen niemand wissen konnte und im Osten niemand wissen durfte. Umso wichtiger ist, dass sie erzählt wird.
Die Annahme von Kartenvorbestellungen hat bereits begonnen. Telefonisch im Kulturhaus 036338/42329 und in der Bibliothek 036338/30129. Die Karte kostet auf allen Rängen 10 Euro.


