Mi, 10:38 Uhr
05.06.2013
... der sich nennet Justum Jonam
Vor 520 Jahren, am 5. Juni 1493, wurde Justus Jonas, eine bedeutende Persönlichkeit der Reformation, in Nordhausen unter dem Namen Jobst Koch geboren. Gestorben ist er am 9. Oktober 1555 in Eisfeld. Dazu eine Abhandlung von Heidelore Kneffel...
In seiner Geburtsstadt erinnert eine Straße an ihn und die nach dem 2. Weltkrieg errichtete Kirche am Hüpedenweg 54.
Justus Jonas, Radierung von Friedrich Dornbusch (Foto: Archiv Kneffel)
Der Künstler Friedrich Dornbusch, der einige Jahre in Nordhausen lebte, schuf 1924 ein Porträt von Justus Jonas. Sein Vorbild war die Reformatorengruppe auf dem Meyenburg-Epitaph von Lucas Cranach dem Jüngeren in der Blasiikirche. Aber, es gibt eine Besonderheit, denn dort ist die eine Gesichtshälfte von Jonas durch einen Vordermann verdeckt. Dornbusch hat sie ergänzt. Den Druck von der unverstählten Platte schenkte der Künstler in freundlicher Erinnerung Dr. August Stolberg, der das Museum leitete. Das Bild befindet sich in Privatbesitz.
Sein Vater Jonas Koch, der um 1503 starb, wirkte 1471 als Bürgermeister in Nordhausen, danach sind noch mehrere Jahre als Ratsmeister bezeugt. Er hatte gute Kontakte mit dem Grafen von Stolberg und mit dem von Hohnstein.
Die Familie gehörte also zu den einflussreichen in der Stadt, man besaß ein ansehnliches Wohnhaus am damaligen Holzmarkt (Lutherplatz). Getauft wurde der Junge in der Nicolaikirche.
An der Nordhäuser Lateinschule wurde der Heranwachsende solide gebildet und war durch den Vater mit den städtischen Belangen vertraut. Verantwortung zu übernehmen, war ihm also vertraut.
Nach damals üblicher Gelehrtensitte latinisierte er später seinen Vornamen Jost in Jodocus. Bei einer weiteren Veränderung verschwand von Jodocus Koch der Nachname und seine Lehrer ersetzten diesen durch de Northusen, von Nordhausen, oder Northusanus, der Nordhäuser. Nach und nach wurde er unter dem Vornamen seines Vaters bekannt, der in Urkunden als Jonas Proconsul oder Ratsmeister Jonas genannt wird. Als Jodocus Jonas de Northusen schrieb er sich in die Matrikel der Universität Erfurt ein. Bis 1521, als er als Professor und Propst nach Wittenberg ging, trug er diesen Namen. Justus oder Justi bedeutet auch der Gerechte.
Als Berater und Freund Martin Luthers war er am Fortgang der Reformation beteiligt, begleitete ihn nach Worms, unterstützte ihn gemeinsam mit Philipp Melanchthon bei der Bibelübersetzung, begleitete ihn bei der Schulvisitation, war anwesend beim Religionsgespräch in Marburg und beim Reichstag in Augsburg. Seit 1541 lebte er als Pastor in Halle und brachte die Reformation in diese Stadt.
1546 begleitete er Luther auf seiner letzten Reise nach Eisleben. Vor Ort wollte dieser einen Streit der Mansfelder Grafen beilegen. Jonas war bei ihm als Rechtsbeistand und verhandelte mit über die Verteilung der Bergwerkseinkünfte und die Stiftung einer neuen Schule.
Der gebürtige Nordhäuser stand Luther auch während seiner letzten Lebensstunden in Eisleben zur Seite. Am 18. Februar früh um 2.45 Uhr stellte er dessen Tod fest und informierte sofort brieflich den sächsischen Kurfürsten. Einen Tag später hielt er in der Andreaskirche eine Leichenpredigt für den Verstorbenen und überführte den Leichnam auf Willen des Kurfürsten nach Wittenberg.
Zur Zeit wird eine Ausstellung über Persönlichkeiten der Familie Förstemann aus Nordhausen vom 18. bis 20. Jahrhundert vorbereitet, die am 18. Juli in der FLOHBURG | Das Nordhausen Museum eröffnet wird. Bei den Recherchen stieß ich auf den Gelehrten Dr. theol. und phil. Karl Eduard Förstemann (12.8.1804-23.1.1847), der in Halle als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek arbeitete und durch ihn auf Justus Jonas, denn im Stadtarchiv Nordhausen wird eine Schrift von Förstemann bewahrt, die sein Onkel Ferdinand Förstemann, der Verlagsbuchhändler vom Kornmarkt, 1846 herausgab: Denkmale, dem D. Martin Luther von der Hochachtung und Liebe seiner Zeitgenossen errichtet und zur dritten Säcularfeier des Todes Luther's herausgegeben von K. Ed. Förstemann, Doctor der Theologie und Philosophie.
In diesem Druckwerk kommt Justus Jonas mehrere Male vor, denn es werden u. a. die Briefe veröffentlicht, die er sofort nach Luthers Tod an verschiedene Personen sandte. Eisleben 18. Febr. 1546, eine Stunde nach Luthers Tode geschrieben. D. Justus Jonas an den Kurfürsten Johann Friedrich zu Sachsen. Auf sehr anschauliche Weise beschreibt er die letzten Wochen mit Luther bis zu seinem Sterben. Jonas erklärt am Ende des Briefes: Gnädigster Kurfürst und Herr, diesen Brief hab ich heut in die Feder eilend Grafen Alberts Sekretario dictirt um 4 Uhr, do wir für Betrübnis selb nit Alles haben schreiben konnen. Euer Gnaden unterthäniger williger Diener Justus Jonas Doctor ...
Heidelore Kneffel
Autor: redIn seiner Geburtsstadt erinnert eine Straße an ihn und die nach dem 2. Weltkrieg errichtete Kirche am Hüpedenweg 54.
Justus Jonas, Radierung von Friedrich Dornbusch (Foto: Archiv Kneffel)
Der Künstler Friedrich Dornbusch, der einige Jahre in Nordhausen lebte, schuf 1924 ein Porträt von Justus Jonas. Sein Vorbild war die Reformatorengruppe auf dem Meyenburg-Epitaph von Lucas Cranach dem Jüngeren in der Blasiikirche. Aber, es gibt eine Besonderheit, denn dort ist die eine Gesichtshälfte von Jonas durch einen Vordermann verdeckt. Dornbusch hat sie ergänzt. Den Druck von der unverstählten Platte schenkte der Künstler in freundlicher Erinnerung Dr. August Stolberg, der das Museum leitete. Das Bild befindet sich in Privatbesitz. Sein Vater Jonas Koch, der um 1503 starb, wirkte 1471 als Bürgermeister in Nordhausen, danach sind noch mehrere Jahre als Ratsmeister bezeugt. Er hatte gute Kontakte mit dem Grafen von Stolberg und mit dem von Hohnstein.
Die Familie gehörte also zu den einflussreichen in der Stadt, man besaß ein ansehnliches Wohnhaus am damaligen Holzmarkt (Lutherplatz). Getauft wurde der Junge in der Nicolaikirche.
An der Nordhäuser Lateinschule wurde der Heranwachsende solide gebildet und war durch den Vater mit den städtischen Belangen vertraut. Verantwortung zu übernehmen, war ihm also vertraut.
Nach damals üblicher Gelehrtensitte latinisierte er später seinen Vornamen Jost in Jodocus. Bei einer weiteren Veränderung verschwand von Jodocus Koch der Nachname und seine Lehrer ersetzten diesen durch de Northusen, von Nordhausen, oder Northusanus, der Nordhäuser. Nach und nach wurde er unter dem Vornamen seines Vaters bekannt, der in Urkunden als Jonas Proconsul oder Ratsmeister Jonas genannt wird. Als Jodocus Jonas de Northusen schrieb er sich in die Matrikel der Universität Erfurt ein. Bis 1521, als er als Professor und Propst nach Wittenberg ging, trug er diesen Namen. Justus oder Justi bedeutet auch der Gerechte.
Als Berater und Freund Martin Luthers war er am Fortgang der Reformation beteiligt, begleitete ihn nach Worms, unterstützte ihn gemeinsam mit Philipp Melanchthon bei der Bibelübersetzung, begleitete ihn bei der Schulvisitation, war anwesend beim Religionsgespräch in Marburg und beim Reichstag in Augsburg. Seit 1541 lebte er als Pastor in Halle und brachte die Reformation in diese Stadt.
1546 begleitete er Luther auf seiner letzten Reise nach Eisleben. Vor Ort wollte dieser einen Streit der Mansfelder Grafen beilegen. Jonas war bei ihm als Rechtsbeistand und verhandelte mit über die Verteilung der Bergwerkseinkünfte und die Stiftung einer neuen Schule.
Der gebürtige Nordhäuser stand Luther auch während seiner letzten Lebensstunden in Eisleben zur Seite. Am 18. Februar früh um 2.45 Uhr stellte er dessen Tod fest und informierte sofort brieflich den sächsischen Kurfürsten. Einen Tag später hielt er in der Andreaskirche eine Leichenpredigt für den Verstorbenen und überführte den Leichnam auf Willen des Kurfürsten nach Wittenberg.
Zur Zeit wird eine Ausstellung über Persönlichkeiten der Familie Förstemann aus Nordhausen vom 18. bis 20. Jahrhundert vorbereitet, die am 18. Juli in der FLOHBURG | Das Nordhausen Museum eröffnet wird. Bei den Recherchen stieß ich auf den Gelehrten Dr. theol. und phil. Karl Eduard Förstemann (12.8.1804-23.1.1847), der in Halle als Bibliothekar an der Universitätsbibliothek arbeitete und durch ihn auf Justus Jonas, denn im Stadtarchiv Nordhausen wird eine Schrift von Förstemann bewahrt, die sein Onkel Ferdinand Förstemann, der Verlagsbuchhändler vom Kornmarkt, 1846 herausgab: Denkmale, dem D. Martin Luther von der Hochachtung und Liebe seiner Zeitgenossen errichtet und zur dritten Säcularfeier des Todes Luther's herausgegeben von K. Ed. Förstemann, Doctor der Theologie und Philosophie.
In diesem Druckwerk kommt Justus Jonas mehrere Male vor, denn es werden u. a. die Briefe veröffentlicht, die er sofort nach Luthers Tod an verschiedene Personen sandte. Eisleben 18. Febr. 1546, eine Stunde nach Luthers Tode geschrieben. D. Justus Jonas an den Kurfürsten Johann Friedrich zu Sachsen. Auf sehr anschauliche Weise beschreibt er die letzten Wochen mit Luther bis zu seinem Sterben. Jonas erklärt am Ende des Briefes: Gnädigster Kurfürst und Herr, diesen Brief hab ich heut in die Feder eilend Grafen Alberts Sekretario dictirt um 4 Uhr, do wir für Betrübnis selb nit Alles haben schreiben konnen. Euer Gnaden unterthäniger williger Diener Justus Jonas Doctor ...
Heidelore Kneffel





