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Mo, 06:26 Uhr
03.06.2013

„Wann wir schreiten Seit' an Seit' ...“ (8. Teil)

Die älteste Partei Deutschlands – die SPD – begeht in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. nnz-Autor Hans-Georg Backhaus hat sich mit der Parteigeschichte näher befasst und erinnert in diesem Teil an die Wiedergründung der SPD 1989 im Kreis Nordhausen, den Aufbau einer Parteistruktur und das Ringen der SPD um die Wählergunst...


Im Kreis Nordhausen betrat neben den bestehenden DDR-Blockparteien SED, CDU, LDPD, NDPD und DBD und den seit dem Wende-Herbst bestehenden Bürgerbewegungen Neues Forum (NF – gegründet am 22. Oktober 1989 in der Frauenberger Kirche) und Demokratischer Aufbruch – sozial und ökologisch (DA – gegründet am 31. Oktober 1989 im Pfarrhaus der Altendorfer Kirche) am 24. November 1989 eine weitere Partei die politische Bühne: die Sozialdemokratische Partei in der DDR – SDP.

Die konstituierende Sitzung des SDP-Ortsverbandes fand im Gemeindesaal der Altendorfer Kirche in Nordhausen statt. Zunächst hatte Peter Laucke den Vorsitz inne. Zu den weiteren Vorstandsmitgliedern gehörten Edelgard Linß, Olaf Köhler, Manfred Schulze und Winfried Theuerkauf, der anfänglich beim Neuen Forum mitgearbeitet hatte. Parteisprecher wurde Werner Breustedt.

Wenig später gründete sich in der zweitgrößten Stadt des Kreises Nordhausen in Bleicherode ebenfalls ein Ortsverband, der unter dem maßgeblichen Engagement von Margot Keßler alsbald mit 22 Mitgliedern seine Arbeit aufnahm.

Es sollte nur einen Monat dauern, bis ein Kreisverband der SDP aus der Taufe gehoben wurde - nämlich am 28. Dezember 1989, ebenfalls wieder im Altendorfer Kirchgemeindesaal. Als Gäste konnten die Südharzer Genossen Mitglieder des SPD-Unterbezirks Osterode am Harz sowie Konrad Elmer vom SDP-Landesvorstand Berlin begrüßen. Der machte in seiner Rede deutlich, dass die Sozialdemokraten der DDR sich zwar zur Einheit Deutschland bekannten, dies gleichzeitig aber mit Forderungen nach Schaffung von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen verbunden sei.

Aus seiner Sicht sollten im Zuge der Wiedervereinigung einige Dinge besser gemacht werden, als das in der Bundesrepublik zurzeit der Fall sei und nannte beispielsweise ein neues Bodenrecht und eine wirksamere Mitbestimmung der Werktätigen in den Betrieben, die in der BRD nicht gegeben sei. Für die Erfüllung dieser Forderungen sollten sich die Sozialdemokraten in der DDR besonders einsetzen. Zudem gäbe es im westdeutschen Bildungssystem einiges, was nicht unbedingt übernommen werden sollte. Und in Bezug auf die Ausbildungschancen für junge Leute sei die DDR der BRD weit voraus.

Elmer machte den Nordhäuser Genossen Mut beim Angehen künftiger Aufgaben und wünschte sich von den zu wählenden Mitgliedern für die Vorstände ein „beachtliches Stehvermögen in Sachen Demokratie“. Im weiteren Verlauf der Vollversammlung wurden in den Kreisvorstand gewählt: Margot Keßler, Sabine Meyer, Eberhard Linß, Uwe Rauch und Kurt Wolf. Vorsitzender des neu gegründeten Kreisverbandes wurde Winfried Theuerkauf und zur Geschäftsführerin wurde Margot Keßler berufen.

Den Genossen im Südharzkreis blieb nicht viel Zeit sich „einzurichten“, standen doch schon bald erste demokratische Wahlen an. Unterstützung unterschiedlichster Art kam aus den niedersächsischen SPD-Unterbezirk Osterode und durch eine patenschaftliche Verbindung mit der Rheingau-Taunus-SPD. Eine Zeit lang befand sich das Parteibüro im Haus Domstraße 12, dessen Räumlichkeiten man sich mit den politischen Gruppierungen Demokratischer Aufbruch und Neues Forum teilte. Eine weitere Adresse war die Leninallee 29 (heute Grimmelallee). Von Mai 1992 bis 1999 „residierte“ Margot Keßler als Regionalgeschäftsführerin für Nordthüringen im benachbarten Sondershausen.

Die Wahlergebnisse in der Umbruch- und Wendezeit waren für die SPD des Kreises ernüchternd. Wahl zur DDR-Volkskammer: 20,8 Prozent, Wahl zum Kreistag: 23,9 Prozent, Wahl zum Thüringer Landtag: 27,3 Prozent und bei der späteren Bundestagswahl: 26,2 Prozent. Die Sozialdemokraten lagen stets hinter der CDU, auch wenn die Ergebnisse - gemessen am Landesdurchschnitt - sich durchaus sehen lassen konnten. Das ursprüngliche Ziel, in allen Gemeinden des Kreises mit einer eigenen Liste anzutreten, blieb ein Wunschtraum. Das gelang nur in 22 Gemeinden. Am 12. Januar 1990 erschien erstmals der „Nordhäuser Kurier“, der vom Rat der Stadt Nordhausen herausgegeben wurde und fortan wöchentlich an Kiosken und in den Kaufhallen zu haben war. Die Belange der SDP publizierte Peter Braun als Mitglied im „NK“-Presseaktiv.

Großes Augenmerk legte die Partei in der Folgezeit auf die Gewinnung weiterer Mitglieder. Waren es in der Gründungsphase um die 40, stieg die Anzahl schon bald auf rund 300 Genossinnen und Genossen. Doch diese „Traumzahl“ an Mitgliedern währte nicht ewig. Schon bald pendelte sich die Mitgliederstärke auf etwa 250 ein, die in 15 Ortsverbänden aktiv waren. Die Gründung eines eigenen Kreisverbandes der Jungsozialisten gelang zunächst nicht, dafür aber nahmen SPD-Unterorganisationen wie die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und die Senioren-AG 60plus etwa Ende der 1990er Jahre Fahrt auf.

Immerhin stellte die SPD in der Nordhäuser Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag in der ersten Legislaturperiode jeweils die zweitstärkste Fraktion. War im Stadtparlament eine fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen CDU, SPD, DA und Liberalen zu verzeichnen – maßgeblich auch gewünscht und forciert von CDU-Bürgermeister Dr. Manfred Schröter, der aufgrund zahlreicher anstehender Probleme und Aufgaben mit einer breiten demokratischen Allianz nicht vergangenheitsbelasteter Politiker arbeiten wollte, – profilierte sich die sozialdemokratische Fraktion im Kreistag mit stimm-gewaltiger Opposition, angeführt von Fraktionschef Winfried Theuerkauf. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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Kommentare
aurell
22.06.2013, 21:39 Uhr
Richtigstellung
Ausgehend von der Initiative einiger vorrangig evangelischer Theologen wurde in den kleinen brandenburgischen Ort Schwante die SDP (Sozialdemokratische Partei der DDR) gegründet.

Das Besondere – während die anderen Oppositionsgruppen sich Bürgerbewegungen nannten, man scheute den Begriff Partei, nannte sich die SDP Partei.
Damit forderte sie bewusst die SED zu offenen geheimen und freien Wahlen heraus, zum Bekenntnis zu einer parlamentarischen Demokratie.

Über „private Verbindungen“ der „Schwanter Gruppe“ wurden Vertrauenspersonen benannt mit dem Ziel, in den Städten und Kommunen die SDP zu gründen. In unserer Region waren das Frau Käthe Elmer aus Bleicherode sowie der Kirchenmusiker an der St. Blasii-Kirche Nordhausen Wolfgang Kupke.

An einen Sonntag (12.11. 1989) trat eine Initiativgruppe um Werner Breustedt, Peter Braun, Olf Köhler und … Stürmer ( Vorname ist mit nicht mehr bekannt) erstmalig in einer eigens organisierten Veranstaltung im Theater auf.

Der sogenannte Gründungsakt in der Altendorfer Kirche fand dann in der Altendorfer Kirche statt.
Wir wählten auch keinen Vorsitzenden wie der Schreiber Backhaus darlegt.
Schließlich hatten wir weder ein Statut, noch eine Geschäftsordnung, noch ein Programm. Wir wählten einen sogenannten „Sprecherrat“.

1. Sprecher OLf Köhler, 2. Sprecher Edelgard Linz und Peter Braun. Als Geschäftsführer wurde Werner Breustedt gewählt. Sonja Dreiling wurde Schriftführerin.

Bemerkenswert war auch, dass 2-3 Mitglieder der CDU erschienen. Dr. Manfred Schröter teilte mit, dass am Vorabend die CDU getagt hatte, die „alten Bockkader“ abgelöst wurden und er der neue Kreisvorsitzende der CDU ist. Er wünschte den Freunden der SDP gutes Gelingen und freute sich auf einen fairen Wahlkampf in der kommenden Demokratie. Ich empfand das damals als eine hervorragende Geste.
Bereits 3 bis 5 Tage später trotze Werner Breustedt der damaligen Stadtführung ein Büro in der Domstraße und einen eigenen Telefonanschluss ab, worauf die Berliner ganz erstaunt bei einem Anruf reagierten.

Die saßen immer noch in Kirchenräumen.
Aufgrund bestehender Differenzen trat Werner Breustedt zurück. Olf Köhler übernahm die Funktion des Geschäftsführer, Peter Lauke und Martin (nicht Manfred) Schulze wurden in den Sprecherrat kooptiert und Tage später durch Wahl bestätigt.
Kurze Zeit fanden die ersten Kreisversammlungen in der damaligen Kantine des Bahnhofs Nordhausen statt. Der damalige Bahnhofsvorsteher hat damals viel Mut bewiesen. Der Kreisverband wurde ebenfalls in Kantine des Bahnhofs Nordhausen nicht in der Altendorfer Kirche gegründet
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