Di, 14:40 Uhr
05.03.2013
Lobbyarbeit vom Feinsten
Es scheint auf den ersten Blick absurd zu sein – aber eine gewissen PR-Strategie kann dem Ganzen nicht abgesprochen werden. Die Spirituosenindustrie in diesem Land lädt in Nordhausen unter dem Motto Klartext reden zu Workshops in Nordhäuser Schulen ein...
Es sind nicht die Schülerinnen und Schüler der Lessing- und der Petersbergschule, sondern deren Eltern, die vor allem eines sollen: Informiert werden. Informiert über die Folgen des Missbrauchs von Alkohol. Denn bei aller Prävention: Die Sucht nach Alkohol ist allgegenwärtig. Die nnz hatte dazu berichtet und für junge Menschen ist es immer leichter sich Alkohol zu beschaffen, wie jetzt bekannt wurden.
Soweit zur Einleitung. Was also soll der Klartext in Nordhausen? Den Versuch der Beantwortung dieser Frage wollte Angelika Wiesgen-Pick am Mittag im Europazimmer des Nordhäuser Rathauses unternehmen. Die Frau ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) und agiert stellvertretend für den "Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung" des Verbandes. Eingeladen wurde sie von Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU), der die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen hat, der diese Initiative überaus begrüßt und zum Bundesverband bereits in seiner Funktion als Thüringer Sozialminister Kontakt hatte.
Im Mittelpunkt der Alkoholpräventions-Initiative "Klartext reden!" des "Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung" steht die Aufgabe, Eltern praxisnahe Tipps und Antworten auf brennende Fragen zu geben, wie sie mit ihren Kindern zum Thema "alkoholhaltige Getränke" ins Gespräch kommen und bleiben, aber auch wie sie wirksam Grenzen setzen können. Die Initiative besteht aus drei Komponenten: Eltern-Workshops, der begleitenden Broschüre "Klartext reden!" – Ein Gesprächsleitfaden für Eltern zum Thema "Alkohol" und dem Internetauftritt www.klartext-reden.de mit einem begleitenden Online-Training für Eltern (www.klartext-elterntraining.de).
Eine statistische Auswertung unter Teilnehmern von 73 "Klartext reden!"-Informationsabenden (von 2009 – 2012) hat gezeigt, dass sich 91 % der Eltern nach dem Workshop besser dafür gerüstet fühlten, das Thema "Alkohol" mit ihren Kindern zu besprechen. 87 % der Eltern fühlten sich eher in der Lage, ihren Kindern zum Thema "Alkohol" zukünftig klare Grenzen zu setzen.
Der Wunsch, sich über das Thema "Jugendliche und Alkohol" zu informieren, ist für Eltern nach eigenen Angaben hoch: 85 % der Eltern, die bisher keinen "Klartext reden!"-Workshop besucht haben, würden gerne eine Informationsveranstaltung für Eltern besuchen, wenn diese an der Schule des Kindes angeboten werden würde. Dies belegen die Ergebnisse einer Wirkungsanalyse mit Kontrollgruppenvergleich, die aktuell im Rahmen der Initiative durchgeführt wurde. Das steht in der Pressemitteilung des Arbeitskreises.
Schwer ist es jedoch, die Eltern der Kinder und Jugendlichen zu erreichen, die in der Tat diese Prävention nötig haben. Das weiß auch die Direktorin der Petersbergschule, Sabine Schröder, zu berichten. Sie wird gespannt sein, wie die Einladungen zu den Workshops angenommen werden, die durchweg von erfahrenen Therapeuten geleitet werden und die den Verbandsangaben zufolge sehr gut angenommen und sehr positiv bewertet wurde.
250 Eltern haben in der Petersbergschule eine Einladung erhalten haben, 40 haben sich für die Workshops angemeldet. Kaum dabei sind die Eltern, deren Kinder schon jetzt auffällig sind. Sabine Schröder konstatiert ein zunehmendes Desinteresse bei einem Teil der Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder. Immer wieder hat sie als Pädagogin mit den Folgen exzessiven Trinkens bei ihren Schülerinnen und Schülern zu tun. Und da fängt das Saufen bereits im Alter von 12 an. Das bestätigt auch der Chefarzt der Kinder und Jugendpsychiatrie am Nordhäuser Südharz-Klinikum, Prof. Dr. Heiser in dem oben erwähnte nnz-Bericht.
Eigentlich ist die Initiative kontraproduktiv den ureigensten unternehmerischen Zielen. Dennoch wendet sie sich gegen den Missbrauch des Alkohols unter jungen Menschen oder in bestimmten Lebenssituationen, wie etwa der Schwangerschaft. Widergespiegelt wird dies alles in einen Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung. Und dennoch – ein wenig Image- und Lobbyarbeit für diejenigen, die das alles bezahlen, darf es schon sein...
Peter-Stefan Greiner
Autor: redEs sind nicht die Schülerinnen und Schüler der Lessing- und der Petersbergschule, sondern deren Eltern, die vor allem eines sollen: Informiert werden. Informiert über die Folgen des Missbrauchs von Alkohol. Denn bei aller Prävention: Die Sucht nach Alkohol ist allgegenwärtig. Die nnz hatte dazu berichtet und für junge Menschen ist es immer leichter sich Alkohol zu beschaffen, wie jetzt bekannt wurden.
Soweit zur Einleitung. Was also soll der Klartext in Nordhausen? Den Versuch der Beantwortung dieser Frage wollte Angelika Wiesgen-Pick am Mittag im Europazimmer des Nordhäuser Rathauses unternehmen. Die Frau ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) und agiert stellvertretend für den "Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung" des Verbandes. Eingeladen wurde sie von Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh (CDU), der die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen hat, der diese Initiative überaus begrüßt und zum Bundesverband bereits in seiner Funktion als Thüringer Sozialminister Kontakt hatte.
Im Mittelpunkt der Alkoholpräventions-Initiative "Klartext reden!" des "Arbeitskreises Alkohol und Verantwortung" steht die Aufgabe, Eltern praxisnahe Tipps und Antworten auf brennende Fragen zu geben, wie sie mit ihren Kindern zum Thema "alkoholhaltige Getränke" ins Gespräch kommen und bleiben, aber auch wie sie wirksam Grenzen setzen können. Die Initiative besteht aus drei Komponenten: Eltern-Workshops, der begleitenden Broschüre "Klartext reden!" – Ein Gesprächsleitfaden für Eltern zum Thema "Alkohol" und dem Internetauftritt www.klartext-reden.de mit einem begleitenden Online-Training für Eltern (www.klartext-elterntraining.de).
Eine statistische Auswertung unter Teilnehmern von 73 "Klartext reden!"-Informationsabenden (von 2009 – 2012) hat gezeigt, dass sich 91 % der Eltern nach dem Workshop besser dafür gerüstet fühlten, das Thema "Alkohol" mit ihren Kindern zu besprechen. 87 % der Eltern fühlten sich eher in der Lage, ihren Kindern zum Thema "Alkohol" zukünftig klare Grenzen zu setzen.
Der Wunsch, sich über das Thema "Jugendliche und Alkohol" zu informieren, ist für Eltern nach eigenen Angaben hoch: 85 % der Eltern, die bisher keinen "Klartext reden!"-Workshop besucht haben, würden gerne eine Informationsveranstaltung für Eltern besuchen, wenn diese an der Schule des Kindes angeboten werden würde. Dies belegen die Ergebnisse einer Wirkungsanalyse mit Kontrollgruppenvergleich, die aktuell im Rahmen der Initiative durchgeführt wurde. Das steht in der Pressemitteilung des Arbeitskreises.
Schwer ist es jedoch, die Eltern der Kinder und Jugendlichen zu erreichen, die in der Tat diese Prävention nötig haben. Das weiß auch die Direktorin der Petersbergschule, Sabine Schröder, zu berichten. Sie wird gespannt sein, wie die Einladungen zu den Workshops angenommen werden, die durchweg von erfahrenen Therapeuten geleitet werden und die den Verbandsangaben zufolge sehr gut angenommen und sehr positiv bewertet wurde.
250 Eltern haben in der Petersbergschule eine Einladung erhalten haben, 40 haben sich für die Workshops angemeldet. Kaum dabei sind die Eltern, deren Kinder schon jetzt auffällig sind. Sabine Schröder konstatiert ein zunehmendes Desinteresse bei einem Teil der Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder. Immer wieder hat sie als Pädagogin mit den Folgen exzessiven Trinkens bei ihren Schülerinnen und Schülern zu tun. Und da fängt das Saufen bereits im Alter von 12 an. Das bestätigt auch der Chefarzt der Kinder und Jugendpsychiatrie am Nordhäuser Südharz-Klinikum, Prof. Dr. Heiser in dem oben erwähnte nnz-Bericht.
Eigentlich ist die Initiative kontraproduktiv den ureigensten unternehmerischen Zielen. Dennoch wendet sie sich gegen den Missbrauch des Alkohols unter jungen Menschen oder in bestimmten Lebenssituationen, wie etwa der Schwangerschaft. Widergespiegelt wird dies alles in einen Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung. Und dennoch – ein wenig Image- und Lobbyarbeit für diejenigen, die das alles bezahlen, darf es schon sein...
Peter-Stefan Greiner




