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So, 12:51 Uhr
17.02.2013

Schöne Gegend und wilde Pferde

Die Mitglieder der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ werden am kommenden Samstag zwei Dichtungen vorzustellen, die den mit Handdruckmodeln im Elsaß hergestellten Papiertapeten im „Waldgasthaus Japan“ in Bleischerode zugrunde liegen...

Römischer Karneval (Foto: Archiv Kneffel) Römischer Karneval (Foto: Archiv Kneffel)

Sie wurden Anfang des 19. Jhd. gedruckt. Die eine trägt den Titel „Les Courses des Chevaux“, gehört zu den „Jagdtapeten“ und zeigt Pferderennen. Den meisten Platz nehmen Szenen während des Karnevals in Rom ein. Die Zeichnungen zu dieser Tapete stammen von dem Franzosen Jean Julien Deltil (1791-1863).

In einer ganz anderen Stimmung zeigt sich die zweite Bildtapete „L'Arcadie“, in Arkadien. Diese reale Landschaft in Griechenland ist seit der Antike mit dem Inbegriff einer idyllischen Natur verknüpft, in der sich Hirten und Schäfer mit ihren Tieren tummeln, sich reizende junge Mädchen in der Natur ergehen, hin und wieder auch Nymphen zu erblicken sind. Die Landschaft ist üppig, imposante Gebäude oder bezaubernde kleine Landhäuser, Tempel und Denkmale schmiegen sich in sie hinein. Es herrscht eine kontemplative Stimmung.

Tapeten in Bleicherode (Foto: Archiv Kneffel) Tapeten in Bleicherode (Foto: Archiv Kneffel)

Die Szenerie dieser Tapete ist von der Dichtung „Idyllen“ des Schweizers Salomon Geßner (1730-1788) inspiriert worden, eines Malers und Dichters aus Zürich, die er 1756 verfasste. Die Bilder für diese Tapete in Bleicherode schuf Pierre Antoin Mongin (1761-1827). In Limlingerode werden Details des Wandschmuckes in einer Fotografie-Auststellung gezeigt, die von der Autorin stammen. So haben die Besucher gewissermaßen eine Illustration zu den Texten.

Mit der Dichtung zu dieser Bildtapete „In Arkadien“ beginnt der Nachmittag in Limlingerode. Salomon Geßner lässt z. B. Milon in einer Idylle zu Chloe sagen: „O Du! die du lieblicher bist, als der thauende Morgen, du mit den großen schwarzen Augen; schön wallt dein dunkles Haar unter dem Blumenkranz weg, und spielt mit den Winden. Lieblich ists, wenn deine rothen Lippen zum Lachen sich öffnen, lieblicher noch, wenn sie zum Singen sich öffnen. Ich habe dich behorcht, Chloe! o ich habe dich behorcht! da du an jenem Morgen beim Brunnen sangest, den die zwei Eichen beschatten; war böse, daß die Vögel nicht schwiegen, böse, daß die Quelle rauschte. ... ich bin schön und braun von Gesicht; oft hab ichs bemerkt daß die Hirten aufhörten zu singen und horchten, wenn meine Flöte durchs Thal hintönte, und deinen Gesang würde keine Flöte besser begleiten als meine. O schöne Chloe, liebe mich! Siehe, wie lieblich es ist, auf diesem Hügel in meinem Felsen zu wohnen! Sieh, wie das kriechende Epheu ein grünes Netz anmuthig um den Felsen webt ... Meine Höle ist bequem, und ihre Wände sind mit weichen Fellen behangen... Sieh, wie lieblich die Quell' aus meinem Felsen schäumt, und hell über die Wasserkresse hin durch hohes Gras und Blumen quillt! unten am Hügel sammelt er sich zum kleinen See, mit Schilf-Rohr und Weiden umkränzt, wo die Nymphen bei stillem Mondschein oft nach meiner Flöte tanzen …“

Die Besucher erfahren von der Erfindung des Saitenpiels und des Gesanges, von Daphnis, von der Begegnung zwischen einem Hirten und einem Jäger, von dem Erfinder der Gärten u. a. m.

Eine ganz andere Szenerie baut Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) in seiner Beschreibung des römischen Karnevals auf. Dieser Auszug aus dessen Buch „Italienische Reise“ geht auf des Dichters Italienaufenthalt von 1786-1788 zurück. In der Reisebeschreibung schildert er auch den berühmten „Römischen Karneval“. Die Römer und ihre Gäste sind in Aufregung. Eine der mit großer Spannung erwarteten Attraktionen ist das Pferderennen.

Goethe lässt den Leser dank seiner Dichtkunst daran teilhaben: „Nun werden die Pferde nach geloster Ordnung von geputzten Stallknechten in die Schranken hinter das Seil geführt. Sie haben kein Zeug noch sonst eine Bedeckung auf dem Leibe. Man heftet ihnen hier und da Stachelkugeln mit Schnüren an den Leib, auch klebt man ihnen große Blätter Rauschgold an. Sie sind meist schon wild und ungeduldig, wenn sie in die Schranken gebracht werden, und die Reitknechte brauchen alle Gewalt und Geschicklichkeit, um sie zurückzuhalten … die Gegenwart so vieler Menschen macht sie scheu. Sie hauen oft in die benachbarte Schranke hinüber, oft über das Seil, und diese Bewegung und Unordnung vermehrt jeden Augenblick das Interesse der Erwartung.“

So also beschreibt der Dichter die Stimmung von Mensch und Tier vor Beginn des Pferderennens auf dem Corso, eine der Hauptstraßen in Rom, und genauso hat es der Maler festgehalten. Das dramatische Rennen selbst kommt auch nicht zu kurz. Übrigens lebte Goethe in einem Haus an der Via del Corso, in der heutigen Casa Goethe.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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