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Fr, 10:01 Uhr
08.02.2013

Polit-Bombe in Nordhausen geplatzt

Eigentlich war es abzusehen und doch platzt jetzt eine politische Bombe im Nordhäuser Kreistag. Gleich drei Kreistagsmitglieder könnten beabsichtigen, aus ihren Fraktionen auszutreten. Die nnz mit ersten Einzelheiten...


Seit "Ur"zeiten sitzt Maik Schröter für die CDU im Nordhäuser Kreistag. Doch jetzt scheint bei dem Bürgermeister der Landgemeinde Heringen, der Tropfen erreicht zu sein, der sein persönliches Fass zum Überlaufen brachte. Erst der Beschluss des Kreistages zum Haushalt, der natürlich vom Landesverwaltungsamt nicht genehmigt wurde und in der jüngsten Sitzung auch noch die Absegnung der höheren Eingruppierung der zweiten hauptamtlichen Beigeordneten. Und das trotz zurückgegangener und zurückgehender Einwohnerzahlen. Wie viele andere hatte auch Maik Schröter dagegen gestimmt.

Jetzt zieht er die Notbremse und tritt aus: Aus der Fraktion der CDU. Schriftlich hat er den Fraktionsvorstand informiert und in einem Schreiben die Begründung geliefert. Die nachzulesen muss einige der kommunalen Größen ins Mark treffen, sie trifft aber auch den Kern der Sache der aktuellen Landes- und Kommunalpolitik.

So schreibt der CDU-Mann an seine ehemalige Fraktion: "Es ist niemandem mehr vermittelbar, dass beispielsweise in einem Landkreis mit lächerlichen 89.000 Einwohnern die Verwaltungsbehörde weiterhin nahezu 400 Mitarbeiter benötigt und außerdem noch ein zweiter Hauptamtlicher Beigeordneter zwingend erforderlich ist. Die Krönung des Ganzen gipfelte dann noch in dem Vorhaben hier die Besoldungsgruppe A 16 vorzuschlagen. Dies sind nur einige von vielen Beispielen. Gleichzeitig steigen Kreis- und Schulumlage ins unermessliche. Die aus solchem Fehlverhalten resultierenden erforderlichen Steuererhöhungen tragen die Stadt- und Gemeinderäte gemeinsam mit den Bürgermeistern vor Ort mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus.
Und wie ist die bisherige Antwort: Weiter wie bisher!"

Maik Schröter ist in seinen Ansichten nicht allein. Auch Bernd Gassmann (LINKE) überlegt diesen Schritt. Er mache sich bereits seit längerer Zeit seine Gedanken und kommt allmählich zu dem Schluss, lieber auf der "schwarzen Bank" hinten im Kreistag zu sitzen, als sich irgendwelchen Postenspielchen und Fraktionszwängen zu unterwerfen. "Wir müssen endlich ein klares Zeichen setzen, dass es so nicht weitergeht", sagt Gassmann im Gespräch mit der nnz. Er wollen heute noch mit Bürgermeisterkollegen sprechen.

Aber noch wollen weitere Bürgermeister, die im Kreistag sitzen, dem Beispiel von Maik Schröter nicht folgen. Matthias Ehrhold (pl), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Ellrich sagt auf nnz-Anfrage: "Ein solcher Schritt muss wohl überlegt sein, da man sich damit auch schnell in das politische Abseits befördern könnte und t kein Gehör mehr findet. Damit wäre den Städten und Gemeinden im Landkreis, deren Interessen ich als Kreisverbandsvorsitzender des Gemeinde- und Städtebund Thüringen
auch im Kreistag vertreten möchte, nicht geholfen.

Die Schnittmenge in meiner Fraktion betrachte ich derzeit als noch ausreichend, um weiterhin in dieser auch aktiv mitzuarbeiten. Ich bin sicher nicht mit allem zufrieden, was die Fraktionsarbeit und die Entscheidungen des Kreistages angehen, aber letzten Endes gibt es bei uns keinen Fraktionszwang,
so dass ich immer nach meiner eigenen Meinung meine Stimme im Kreistag abgeben kann.

Ob ich mich zur Kreistagswahl 2014 wieder auf die offen Liste der SPD bewerbe, kann ich derzeit bei der auch bei mir vorherrschenden Unzufriedenheit
nicht mit Sicherheit sagen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Fraktionsarbeit und die gesamte Arbeit Im Kreistag in der verbleibenden Legislaturperiode entwickeln wird.

Was aber im Allgemeinen auf Kreisebene zu beobachten ist, es brodelt gewaltig! Bleibt zu hoffen, dass wir alle, die politische Verantwortung in diesen unseren Landkreis für unsere Bürgerinnen und Bürger tragen, über die Sacharbeit den „Dampf“ vom Kessel ablassen können."
Autor: red

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Kommentare
Retupmoc
08.02.2013, 10:24 Uhr
Sprachwahl
Bomben fallen im Krieg. Zur Zeit in Afghanistan oder in Mali mit deutscher Beteiligung. Oder bei Selbstmordattentaten. Das ist schlimm - denn da sterben Menschen. Deshalb würde ich den Weggang von zwei " Hinterbänklern " nicht als Bombe bezeichnen. Höchstens als kostensparend beim Sitzungsgeld, wenn man die Herren nicht durch andere Herren ersetzt.
I.H.
08.02.2013, 10:52 Uhr
Gefällt mir.
Auch gut begründet vom M. Schröter. Das müßten noch viel mehr Leute aus dieser Kungelbude Kreistag so machen. Aber wieso drei Kreistagsmitglieder? Der Ehrhold will doch gar nicht austreten und der Gassmann überlegt doch noch?

@Retuomoc, lassen Sie sich den Unterschied zwischen Fraktionsaustritt und Niederlegung des Mandates erklären bevor Sie so etwas kommentieren!
meiner meinung nach
08.02.2013, 11:08 Uhr
Respekt...
...dafür, dass hier mal jemand ein Zeichen setzt.
Sparen fängt im Kleinen an und dieser Wille bzw. die Fähigkeit hierzu ist im Landratsamt nicht zu erkennen. In der freien Wirtschaft wird jede (aber auch wirklich jede) Investition hinsichtlich Personal oder Sachwerten im Sinne einer Kosten-Nutzen-Analyse geprüft. Es ist nicht zu verstehen, warum das in der öffentlichen Verwaltung nicht klappt...
Lieber beschäftigt man sich gegenseitig mit Papierkram und Bürokratie...
Wer jetzt nicht langsam mal anfängt zu sparen wird sich in den nächsten Jahren umsehen... Dies bedeutet in erster Linie, die Verwaltung zu straffen und effizienter zu gestalten. Und den Menschen muss klar gemacht werden, dass auch in unseren ländlichen Gebieten Infrastrukturmassnahmen auf den Prüfstand müssen. Auch wenn es weh tut und Alternativen wünschenswert wären. Aber wer verprellt schon seine Wähler... Um so wichtiger erscheint es sich fraktionsübergreifend den Sachzwängen zuzuwenden...
Bei den für die nächsten Jahre prognostizierten Einwohnerzahlen sind die meisten Landkreise ohnehin nicht lebensfähig. Auch das sollte langsam jedem klar werden...
denk-mal
08.02.2013, 11:11 Uhr
retumpoc Nachhilfe !
keine Kosteneinsparung! aus der Fraktion raus heisst nicht aus dem Kreistag!
andreas66
08.02.2013, 12:06 Uhr
Hut ab....
Herr Schröter. Bin kein CDU-Fan, aber ihr Verhalten verdient Respekt. Habe Ihren Brief/Fax an Herrn Primas gelesen. Auf seine Reaktion bin ich gespannt. Sollten mehrere Kreistagsmitglieder dem Beispiel Herrn Schröders folgen um ihr Gesicht zu wahren.
NDHler
08.02.2013, 12:17 Uhr
Frage an Herrn Schröter
Warum haben Sie den Schritt nicht schon vollzogen als Ihr Parteifreund J. Claus noch Landrat war. Die im Statement angesprochenen Missstände stimmen, stammen doch aber aus seiner Zeit! Sie sind eine der Gründe, warum der Landkreis im Vergleich zu anderen Landkreisen so schlecht dasteht. Nur zu J.C. Zeiten war von Ihnen Herr Schröter nichts der Gleichen zu hören. Da hätte man doch aber gemeinsam etwas ändern können! Das verwundert mich schon.
In der Konsequenz ist der Schritt sicher richtig! Vielleicht werden jetzt einige wach!
egw
08.02.2013, 12:26 Uhr
Respekt ...
Dieser Schritt verdient meinen vollsten Respekt und meine Anerkennung. Endlich handelt jemand, weil unzufrieden - viele andere reden "hinten-herum" von Problemen, aber "vorn-herum" wird alles abgenickt und gute Mine zum bösen Spiel gemacht. Auch schön mal von Fakten zu lesen und einer realistischen Einschätzung von unserem Landkreis, der hier zu Recht als "lächerlich" bezeichnet wird und das weiß man wohl auch in Erfurt. Warum sonst werden wir vergessen in Broschüren zum Thema Tourismus usw. - weil hier einfach nichts (kaum etwas) von Bedeutung ist. Es ist und bleibt RANDGEBIET
Dora75
08.02.2013, 14:57 Uhr
Alle Achtung
Das hätte ich nicht erwartet. Möchte nun nicht mit ihm Tauschen, den die werden sich was einfallen lassen. Ich wünsche ihn alles Gute und halten sie durch.
suedharzer
08.02.2013, 15:53 Uhr
nur die Spitze des Landkreisklüngels
Hut ab Herr Schröter, endlich dem Klüngel den Kampf anzusagen. Aber leider benennen Sie nicht alle Hintergründe der derzeitigen Kreistag/Stadtratsklüngelei. Ich befürchte, Sie sind in Ihrer eigenen Partei nicht hoch genug angesiedelt und bei den Hinterzimmerabsprachen nicht dabei. Tatsache ist doch, dass sowohl im Stadtrat wie im Kreistag die "gute alte Allianz" der ehemaligen Blockparteien CDU und Linke (nationale Front) die Mehrheiten sichern.
1. Akt: Die Wahl von Frau Haase: Hier bestimmte nicht die Qualifikation die Besetzung, brav stimmt CDU für die Linke, trotz qualitativer Alternative
2. Akt: Haushalt im Kreistag
Und wieder stimmt die CDU brav für den Entwurf der Linken Landrätin, die bislang keine einzige Gelegenheit zum richtigen Sparen ergriffen hat. Wen interessiert denn die Qualität des Entwurfs seitens der CDU? Niemand außer Ihnen!

Denn der 3. Akt folgt noch:

Dann wird nämlich brav mit den Stimmen der CDU und Linken Herr Nüßle (CDU)zum 2. Beigeordneten des Landkreises gewählt.

Da können Sie, lieber Herr Schröter, nicht erwarten, dass zuvor die Stelle abgewertet, geschweige gestrichen wird.

Sparen könnte der Landkreis sich allerdings das Zeitungsinserat für die Stellenausschreibung des 2. Beigeordneten. Ist ja schon ausgeklüngelt...
Und da wundern wir uns noch, dass das Eichsfeld lieber Thüringen verlässt als mit uns zu fusionieren? Die müssten ja besoffen sein!

Denk ich an unseren Landkreis in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht
W.Roßmell
08.02.2013, 17:45 Uhr
Südharzer, wie wahr sind Ihre Worte...
und in den Zeilen steckt mehr als nur viel viel Wahrheit! Ich war dabei, wie Frau Haase gewählt wurde, obwohl es mit dem Gegenkanditaten Herrn Schellenhaus ein absoluter Fachmann vorhanden war! Der hatte keine Chance, denn die Absprachen gab es ganz sicher mit der CDU und den Linken vorher und die Wahl selbst war in wenigen Minuten erledigt. Ich stehe im Moment zu keiner Partei, aber es wird so kommen, dass im Kreistag Herr Nüssle mit den Stimmen der Linken den 2.Beigeordnetensitz bekommt... Es ist schade und traurig, wie tief die Stadträte und auch die Kreistagsabgeordneten von Ihrer Überzeugung für das Wohl "ihrer Bürger" zu dienen, gesunken sind, indem sie durch vorheriges Geklüngel die Wahl beeinflussen bzw. entscheiden! Ich gebe Ihnen Recht, das Geld für die Anzeigenwerbung kann man sich gedrohst sparen, auch wenn das nicht hilft, aus den Misen zu kommen...
Aber ist das nicht im Moment eine fürchterliche und sehr grausame Politik? Na ja, aber es ist im "Kleinen" wie im "Großen", schaun wir alle nur mal nach Berlin!
Nur das Schlimme ist, wir Bürger haben leider keinen Einfluss darauf und müssen letztendlich dann die vielen vielen Fehlentscheidungen in der Politik mittragen und haben keine Lust mehr auf Politik. Die Wahlbeteiligung wird es uns zeigen!
Und anbei noch meine Meinung zu Herrn Schröter: Alle Achtung und Respekt! Wenn doch nur mehr solche Entscheidungen treffen würden...
Bloksberg
08.02.2013, 18:34 Uhr
Es sieht so aus wie Karneval, ist aber keiner!
Na ja, nun hatte ich ja gedacht, zu Karneval würde in Nordhausen nur die protestantisch abgeschwächte Variante geboten! Weit gefehlt.

Als nur gelegentlich im Luftraum über Nordhausen unterwegs seiende Berufstätige wundert es mich aber nicht, dass die alte Aufführung von „Blockparteien auf dem Vormarsch“ neu aufgelegt wird. Diesmal haben einige der hinlänglich bewährten Rollenträger neue Pappnasen auf und mehr Konfetti (sprich: knappe Steuergelder = vom Bürger zwangsvereinnahmtes Geld) um es auf einige des eng begrenzten Teilnehmerkreises an dieser wenig lustigen Veranstaltung herunter rieseln zu lassen. Soll ja jeder mal auf der Bühne stehen und vom Goldregen profitieren (da gab's doch mal ein Märchen? Irgendetwas mit einem Mädchen, daß nicht genug vom Gold kriegen konnte und dann, … Pech hatte). Dann mal prost! Da kann man ruhig auch mal den Bock zum Gärtner (sprich: Sozialdezernenten) machen, der Bock hat ja schon mal bewiesen, dass er weiß, wie das so geht mit dem öffentlichen Geld.

Erfreulich ist, dass nicht jeder Verantwortungsträger diese Veranstaltung lustig findet und Konsequenzen zieht. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für Nordhausen und Umgebung und die Bürger.

So, das muss in Kürze reichen. Will mal schauen, was die Pappnasenträger im Rest der Republik so treiben.

Ihre

Bloksberg
Rainer H.
08.02.2013, 22:25 Uhr
Polit-Bombe oder doch nur Frust
Überrascht war ich doch sehr, wer dort mit dem Austritt aus der Fraktion droht bzw. vollzieht. Nicht irgendein ruhiges Blümchen das jahrelang in der Ecke saß und den Arm hob, nein Herr Schröter, der jahrelang in der Zentrale der CDU saß und vieles was in den letzten 10-15 Jahren gestrickt wurde, mit erarbeitete.

Nun hat er seit einigen Jahren einen guten Posten, der auch noch sehr gut bezahlt ist. Liegt der Frust ehr darin, dass die Landgemeinde Heringen schon bei der Zusammenlegung pleite war und nun auch der Fortbestand gefährdet ist weil der Landkreis plaite ist. Ähnlich geht es doch der Gemeinde Harztor. Die hauptamtlichen Bürgermeister kosten doch mehr als alle ehrenamtlichen der Orte vorher zusammen. Nun sitzt man auf der anderen Seite im Boot, und schon vergisst man die eigene Politik die man bis zum Antreten als Bürgermeister in Heringen gelebt und durchgeboxt hat.

Und machen wir uns doch nichts vor, egal welchen Landkreis wir nehmen oder welche Partei, Aufgaben in der Verwaltung werden nur dann gut besetzt, wenn Sie gut dotiert sind. Dass sich dann bei der personellen Besetzung immer wieder Streit auftut, dass ist doch normal. Hauptsache ins Landratsamt kommt Ruhe und die Verwaltung kann arbeiten.

Das es nicht gut ist, wenn die Beigeordneten ihren eigenen Weg gehen, zeigt das Beispiel Rathaus Nordhausen. Auch hier wird wohl erst richtig Ruhe reinkommen, wenn die Bürgermeisterstelle neu vergeben wird und die Person nicht Jendricke heißt.
Gudrun1974
09.02.2013, 08:07 Uhr
@suedharzer: Wahl rechtlich nicht zu verhindern?
Kann man die Wahl eines 2. Beigeordneten nicht verhindern? Und zwar auf dem Rechtsweg? Die Ämter, die die Aufsicht führen, müssen doch erkennen, dass ein total überschuldeter Landkreis nicht noch einen 2. Beigeordneten braucht. Kann man die nicht auf die haarsträubenden Zustände in Nordhausen hinweisen?

Meinen Glückwunsch, Herr Schröter, dass Sie mit Ihrem mutigen Schritt den Stein ins Rollen gebracht haben! Jetzt bin ich auf ein Interview mit Zeh, Keller, Nüßle u.a. Parteioberen gespannt, wie sie sich drehen und winden.
Schnell
09.02.2013, 08:26 Uhr
Parteinfilz wird Stadt und Landkreis erdrosseln
Der Parteienfilz wird das Leben in Stadt und Landkreis ersticken.

Wie steht es denn z.B. nun eigentlich um die Weiterfinanzierung der Jugendarbeit? Und der Sozialarbeit? Bekommen die kleinen und großen Initiativen weiter Zuschüsse oder nicht? Es wurden doch Arbeitsgruppen zwischen Stadt und Landkreis angekündigt?
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