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Di, 10:51 Uhr
10.02.2004

nnz-Betrachtung: Bringen und Holen

Nordhausen (nnz). Die erste Bewährungsprobe hat das neue System zur Erfassung der Wertstoffe in Nordhausen nun hinter sich. Die Bilanz der nnz ist eher ernüchternd. Statt Container gibt es Kartons und Büchsen in Säcken...


Es ist noch viel zu früh, um aus Sicht der Kreisverwaltung eine Bewertung vorzunehmen, so Fachbereichsleiter Matthias Ehrhold zur nnz. Die Lust am neuen Trennen ist hingegen vielen Nordhäusern schon vergangen. Vor allem denjenigen, die in der vergangenen Woche ihre Kartons wieder einsammelten. Die waren nach stundenlangem Regen und Stehen im Matsch fast aufgeweicht. Dürften die eigentlich nicht, denn sie sollen imprägniert sein. Manch Systembetroffene haben sich bereits selbst geholfen und haben ihr privates System auf kompakte Stiegen aus Holz oder Plastik umgestellt.

Aus Sicht der Kreisverwaltung soll das so genannte neue Holsystem nur Vorteile haben. 55 der bis dato 105 hässlichen Containerstandorte seien verschwunden, die Stadt präsentiere sich in einem ordentlichen Zustand, vor allem an ihren Eingängen, so Ehrhold. Das alles sei 18 Monate lang besprochen worden: Im Agenda-21-Forum, an dem auch Vertreter der Stadtverwaltung zugegen waren.

Und jetzt haben wir den Mist, sagen zum Beispiel die am Holsystem angeschlossenen Nordhäuser. Jetzt müssen die Betroffenen zwei Wochen lang im eigenen Heim sortieren und sammeln. Früher, ja früher, da konnte man einen Stapel Zeitungen auch mal unter den Arm nehmen und im Container in der Nähe entsorgen. Obwohl man die Blechdosen in vorgeblich stabilere gelbe Säcke packen kann, reißen die durch scharfe Blechkanten immer wieder auf. In vielen gelben Säcken ist für die „Blechbüchsenarmee“ aber kaum noch Platz. Vorbildliche Sortierer kamen in den zurückliegenden Jahren kaum mit der angelieferten und zugewiesenen Menge zurecht.

Wer sich also nicht mit dem Holsystem abfinden will, der kann in Nordhausen auch weiterhin dem Bring-System frönen. Entweder, der entnervte Bürger schleppt seine Wertstoffe selbst zu den Entsorgern oder er entsorgt wie bisher. Sprachen die Experten in den zurückliegenden Monaten und Jahren immer wieder vom Mülltourismus, so entwickelt sich in Nordhausen jetzt der Wertstoff-Tourismus. Schließlich gibt es noch 50 Standorte mit Containern in der Innenstadt, und die wurden längst ausgespäht. Deren Umfeld kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen, vor allem wenn die gewerblichen Wertstoffe den Bürger-Wertstoff ergänzen. Die Stadt packt an und lässt durch fleißige Helfer diese Stellplätze immer wieder beräumen. Die Frage ist doch auch: Wer bezahlt die zusätzliche Arbeit?

Die neue Version der Werststoffentsorgung, sie wurde im Landratsamt ersonnen. Zwischen den Vordenkern und den Entsorgern ist auch noch das Duale System. Das bezahlt die Rechnung. Aber nur befristet, über den Verpackungsaufschlag des grünen Punktes werden wir alle zur Kasse gebeten.

Und das Kuriose: Die Nordhäuser Stadtwerke als einer der Entsorger im Landkreis Nordhausen, die mussten gegenüber dem Bringsystem höher kalkulieren. Selbst für einen Möchtegern-Betriebswirtschafter bedeutet dies doch, dass die Kosten für die Neuerung gegenüber dem Alten gestiegen sind. Hier wehrt Matthias Ehrhold ab. Die Kostensteigerung wird nicht über die Abfallgebühren vorgenommen. Das regelt das Duale System in Deutschland. Das hat den grünen Punkt erfunden und kassiert dann auch mit jedem Punkt, den sie oder sie als Verpackungshülle kaufen, ab. Auch die höheren Kosten für das Holsystem, das nach Aussagen eines Entsorgungsexperten in Deutschland eher die Ausnahme denn die Regel ist.
Autor: nnz

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