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Do, 10:09 Uhr
29.01.2004

nnz-Betrachtung: Nicht bewegen

Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, wie der Stadtrat von Nordhausen für „unser“ Theater kämpfen wollte? Da wurden Beschlüsse beschlossen, Resolutionen verabschiedet. Das Schauspiel sollte erhalten werden. Dann wurde es ruhig, erst kürzlich redete man wieder – über „unser“ Theater.


Es war der erste Beigeordnete der Kreisverwaltung, Matthias Jendricke (SPD), der noch einmal auf die derzeitige Situation in Nordhausen, Sondershausen aber auch im Freistaat aufmerksam machte. Da hätten sich die Gesellschafter wohl oder übel zur Kooperation mit Rudolstadt entschlossen, weil es nur so Geld vom Land Thüringen gegeben hätte. Vorauseinlenden Gehorsam könnte man das auch nennen, was sich in Nordthüringen abgespielt hatte. Wir kooperieren mit Rudolstadt, wir bauen das Schauspiel ab, wir bekommen bis zum Jahr 2008 jährlich 4,91 Millionen Euro aus Erfurt, so die Philosophie. In anderen Theater-Regionen lief das anders. In Erfurt und Weimar zum Beispiel, auch in Eisenach und Meiningen. Das Prinzip in Eisenach und Meiningen: Wir kooperieren jetzt nicht, vielleicht später, wir bauen nicht ab, wir erhalten trotzdem die Zuschüsse vom Land Thüringen. Nach Meiningen fließen jährlich fast 11 Millionen Euro, nach Eisenach 7,3 Millionen Euro.

Noch im Jahr 2002 sagte Bürgermeister Klaus Wahlbuhl mehrfach, wir werden uns im Poker um Zuschüsse nicht bewegen, sollen die anderen erst mal machen. Die Gesellschafter im Norden bewegten sich fast unmerklich, doch im Theater selbst war man sehr rege und hatte schon die Variante des Schauspielabbaus nicht nur in der Schublade, sondern hatte sie wahrscheinlich den Theaterverantwortlichen in Erfurt schon schmackhaft gemacht, wie Wahlbuhl damals der nnz bestätigte.

Die in Erfurt waren zu diesem Zeitpunkt froh, wenigstens einen künstlerischen Unruheherd „befriedet“ zu haben, denn da tobte die Schlacht zwischen Weimar und Erfurt. Wie oft wurde damals nicht aus Erfurt gedroht: Fusion oder kein Geld – so die Politkulisse. Was ist geblieben? Erfurt ist zwar ohne Schauspiel, hat aber eine tolle neue Oper. In Weimar freut man sich immer noch über einen Batzen Geld, fast 16 Millionen sind es pro Jahr und hat sowohl das DNT als auch eine Staatskapelle.

Die Statistiken des Deutschen Bühnenvereins sagen aber noch mehr über den Zustand des Theaters in Nordhausen aus. Da ist zum Beispiel das Einspielergebnis im Verhältnis zu den Ausgaben. Beim Schlußlicht Nordhausen sollen es in der Spielzeit 2001/2002 magere 5,6 Prozent gewesen sein, Spitzenreiter in Thüringen ist das Meininger Haus mit 13,8 Prozent. Daraus leitet das Land als „Förderer der Theater“ natürlich eine ganz andere Hitliste ab. Während in Meiningen pro Jahr 89 Euro je Besucher zugeschossen werden mussten, so waren es in Nordhausen und Sondershausen 152 Euro.

Für Bürgermeister Klaus Wahlbuhl steht fest, dass es eine der vordringlichsten Aufgaben des neuen Intendanten sein muß, die Einspielergebnisse zu verbessern, mehr Zuschauer ins Haus zu holen. In zwei Jahren sollten es nach Wahluhl Aussagen so um die 8 Prozent Einspielergebnis sein. „Langfristig müssen wir uns in Nordhausen aber auch am Bundesdurchschnitt orientieren. Der liegt zwischen 12 und 15 Prozent“, meinte Wahlbuhl auf nnz-Anfrage.

Jetzt aber will man die erste Saison der Zusammenarbeit mit dem Rudolstädter Schauspiel abwarten. Dann aber soll peinlich genau aufgerechnet werden, ob die Kooperation nicht doch mehr Kosten verursacht als angenommen? Vor allem aber soll „untersucht“ werden, wie die Mimen aus dem Osten Thüringens hier im Nordhausen „ankommen“. Wahlbuhl verrät kein Geheimnis, Alternativen zu anderen Kooperationen gibt es für Nordhausen. Doch momentan soll sich in dieser Richtung nicht bewegt werden.
Autor: nnz

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