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Mo, 17:31 Uhr
29.10.2012

Gipsabbau am Grünen Band beenden

Angesichts des sich formierenden länderübergreifenden Widerstandes gegen die Weiterführung des Gipsabbaus am Grünen Band zwischen Branderode und Walkenried, meldet sich der Landtagsabgeordnete Dirk Adams (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zu Wort. Nach Adams Standpunkt ist es dringend erforderlich den Gipsabbau wieder mit einer breiten Öffentlichkeit diskutiert wird...


Bereits im Juli dieses Jahres hatte der Abgeordnete dazu eine Kleine Anfrage zum Thema Rohstoffabbau am Grünen Band an die Landesregierung gerichtet. „Wer den Grenzweg nördlich von Branderode erwandert, fällt quasi in die beiden Steinbrüche, die sich dort in Kutzhütte bei Walkenried, dem in Niedersachsen ansässigen Werk in das Grüne Band fräsen.“

Der Abbau geschehe indes sehr langsam, denn das Unternehmen verfügt noch über weitere Steinbrüche im Gipskarst, darunter einen weiteren in Thüringen zwischen Appenrode und Niedersachswerfen. Auch hier wird, ähnlich wie am Röseberg auf Niedersächsischer Seite, in unmittelbarer Nähe zum Naturschutzgebiet abgebaut.
Abbau am grünen Band (Foto: B90/Grüne)
Abbau am grünen Band (Foto: B90/Grüne)
Abbau am grünen Band (Foto: B90/Grüne)
Die Anfrage bestätigt zudem, dass die Größe des Bewilligungsfeldes „Röseberg“ im Jahr 1992 ohne vorherige Aufsuchung der Rohstofflagerstätte dem niedersächsischen Unternehmen für 27 Hektar und 35 Jahre per Genehmigung zugesprochen wurde. „Das ist ein Freibrief für die Vernichtung des Grünen Bandes auf der gesamten Fläche“, sagt Adams. Nach Kenntnis des Abgeordneten wurden die Flächen außerhalb der Betriebspläne von dem Unternehmen größtenteils bisher nicht erworben.

Scharfe Kritik angesichts der grundlegenden Eingriffe durch den Gipsabbau richtet Adams an den Thüringer Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU): “Das Leitbild zum „Grünen Band“ ist sein Papier nicht wert wenn Herr Reinholz keine Beeinträchtigung des Grünen Bandes und dessen langfristiger Sicherstellung erkennen kann.“ Begründet wird dies in der Antwort des Umweltministeriums mit umfassenden naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen für den Gipsabbau und der damit einhergehenden Zerstörung der Gipskarstlandschaft.

Adams hofft, dass sich der Thüringer Umweltminister bzw. die in dessen Zuständigkeitsbereich fallende Bergbehörde auch für die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen interessiert. So beinhaltet der vom Bergamt im Jahr 1999 ausgestellte Sonderbetriebsplan zur Wiedernutzbarmachung des Grünen Bandes am Röseberg unter anderem eine Strauchheckenpflanzung als Ausgleichspflanzung, die nach dem Willen des Landwirtschaftsamtes innerhalb der bergbaulichen Bewilligungsfläche vorzusehen war.

In der Praxis bedeutet dies nach Auffassung des Grünen Politikers nichts anderes, als dass ein Ausgleich für Naturvernichtung auf der Fläche zu erbringen ist, die in den nächsten Jahren dem Rohstoffabbau potentiell zur Verfügung steht. Auch auf den Ausgleich des in Anspruch genommenen Edellaubwaldes ist Adams nach eigenen Worten sehr gespannt. Das Forstamt Ilfeld forderte 1999 eine Ersatzforstung im Verhältnis von 1:1,5 im gleichen Naturraum.

Wenn allerdings die Aussage des Ministeriums in der Kleinen Anfrage zugrunde gelegt wird, dass die „Ausgleichsmaßnahmen noch nicht umgesetzt wurden, weil die Abbautätigkeit noch nicht ausreichend fortgeschritten ist“, dann steht wohl zu befürchten, dass der Vergleich eines Walkenrieder Bürgers, der Röseberg droht ein zweiter Kohnstein zu werden, schon recht nahe liegt. Die Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen zum Gipsabbau am „Grünen Band“ kann unter /http://dirkadams.de/aktiv-im-landtag/kleine-anfragen eingesehen werden.
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
29.10.2012, 19:45 Uhr
Herr Adams! Gipsabbau ist nicht ausgleichbar!
Wie schon bezogen auf seine Äußerungen zum Industriegebiet bin ich von Herrn Adams‘ Argumentation auch bezüglich Gipsabbau tief enttäuscht: Nicht einmal ein grüner Landtagsabgeordneter spricht sich offenbar explizit gegen den Gipsabbau aus. Damit ist er nicht einmal so weit, wie unsere CDU-Ministerpräsidentin, die sich bei ihrem Besuch im Südharz 2011 gegen den Gipsabbau aussprach. Ihren Satz "Wir wollen keinen Gipsabbau" hätte ich mir von Herrn Adams als Grünen gewünscht, ja ich hätte ihn aus seinem Munde für das Mindeste gehalten. Stattdessen kritisiert er lediglich die Modalitäten um die so genannten Ausgleichsmaßnahmen zum Röseberg-Steinbrucch. Genau dieses Denken im Klein-Klein ist es, was der Gipsindustrie hilft, im Verein mit der tausendfachen Ignoranz aller anderen Verantwortlichen und Nichtverantwortlichen ihre Profitziele trotz ihres Negativimages zu erreichen. Wer sich über ein paar gepflanzte oder nicht gepflanzte Büsche aufregt, der stellt die derzeitige Form des "Ausgleichs" zu Steinbrüchen nicht in Frage, nein, der akzeptiert sie.

Herr Adams beantwortet die Frage, ob die Zerstörung der weltweit einmaligen Gipskarstlandschaft ausgleichbar ist, also mit ja. Er macht sich als Grüner mit seiner Akzeptanz mitschuldig am weiteren Abbau. Er kommt der Gipsindustrie mit seiner Argumentation sogar noch entgegen: Denn sie ist ja ein Vorreiter bei der leicht widerlegbaren Behauptung, die von ihr betriebene Wegsprengung und Verarbeitung einer Millionen Jahre alten Landschaft sei ausgleichbar. Es gibt sogar Literaturstellen von Vertretern der Gipsindustrie selbst, in der sie zugibt, dass sich gewünschte naturschutzrelevante Arten auf renaturierten Flächen eben nicht einstellen.
Von Herrn Adams und allen anderen Landtags- und Bundestagsabgeordneten aber ist zu fordern, dass sie das Verscherbeln der Bergflächen durch Treuhand und Politik kurz nach der Wende nicht als für immer unabwendbar akzeptieren.

Sie sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Naturgipsabbau wirtschaftlich unattraktiv zu machen, wenn die Bergwerksfirmen schon nicht enteignet werden können.

Suchen sie nicht aktiv nach solchen Möglichkeiten, machen sie sich allesamt mitschuldig am Ausverkauf unserer weltweit einmaligen Landschaft. Mir scheint, dass der Wert dieser Landschaft in Zeiten der allgemeinen „Iphone-Naturentfremdung“ auch bei den Politikern nicht mehr als Wert gesehen, geschweige denn dieser Wert überhaupt verstanden wird.
Mir selbst wurde ein Kapitel für die Zeitschrift Landschaftspflege und Naturschutz wegzensiert, in der ich solche Dinge auf den Punkt brachte. Das unzensierte Kapitel werde ich demnächst in der NNZ veröffentlichen. Ich warte nur noch auf den passenden Zeitpunkt dafür. Darin, lieber Herr Adams, steht zum Beispiel ein Zitat von Dr. Walter Elmer, dem hochgeehrten, vor einigen Jahren verstorbenen Naturschützer aus dem Landkreis Nordhausen:

„Die Empörung in unserer Bevölkerung ist groß. Geschäftemacher aus aller Herren Länder stürzen sich förmlich auf die Rohstoffe in unserer Landschaft, um das schnelle Geld zu machen und sich auf Jahrzehnte hinaus zu bevorraten.“ ELMER, W. (1993): Südharzlandschaft – Quo vadis? – In: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1990-1993. – Nordhausen: 76-82
U.a. dieser Satz darf nicht erscheinen. Begründung: „Wir wollen doch Werbung für den Naturpark Südharz machen“. In diesem Klub sind Sie mittlerweile auch eingetreten, Herr Adams.

Bodo Schwarzberg
Mit derartigen Argumenten sollten Sie in die Öffentlichkeit gehen, statt sich mit einigen Sträuchern zu beschäftigen. Als Grüner machen Sie sich sonst unglaubwürdig.
Peppone
29.10.2012, 21:25 Uhr
Schon interessant,
wie sich die Grünen Vorturner hier untereinander fetzen! Worum geht es denen eigentlich? Um die "grüne" Deutungshoheit?

Wenns sonst weiter nichts ist! Lasst sie mal machen. ;)
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