Di, 11:10 Uhr
13.01.2004
nnz-doku: Drei Säulen müssen bleiben
Nordhausen (nnz). Am vergangenen Freitag wurde zum Neujahrsempfang in die Kreissparkasse eingeladen. Traditionell hielt deren Vorstandsvorsitzender Rudolf Mund eine Rede. Besonders interessant waren diesmal die Ausführungen zum deutschen Bankensystem. Die nnz veröffentlicht die Rede innerhalb ihrer doku-Reihe.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Das Jahr 2004 steht für die Stadt Nordhausen ganz im Zeichen der Landesgartenschau. Dekoration und Musik sind am heutigen Abend diesem regionalen Großereignis gewidmet. Damit wollen wir unsere Verbundenheit als finanzieller Partner der Landesgartenschau und unsere Vorfreude auf die Veranstaltung zum Ausdruck bringen. Wir wünschen, dass die Landesgartenschau von zahlreichen Besuchern aus nah und fern gut angenommen wird und damit die Bekanntheit und das Image unserer Region steigert. Wir hoffen natürlich auch auf wirtschaftliche Erfolge für einige unserer Unternehmen.
Liebe Gäste,
das Zitat aus unserer Einladungskarte für den heutigen Abend
Beachte immer, dass nichts bleibt, wie es ist, und denke daran, dass die Natur immer wieder ihre Formen wechselt.
von Marc Aurel haben wir in erster Linie in Bezug auf die Landesgartenschau ausgewählt. Schon bald werden wir die Natur in ihrer vielfältigen Farben- und Formenpracht in wechselnden Jahreszeiten erleben und uns daran erfreuen.
Das Zitat passt aber auch hervorragend in viele andere Situationen des privaten und des Wirtschaftslebens. Zu Beginn des neuen Jahres soll es Mut machen und Zuversicht verbreiten. Ich denke, das haben wir nötig, egal ob politisch oder wirtschaftlich verantwortlich tätig. Und es sieht vielleicht gar nicht so schlecht aus. Die Anzeichen für einen weltweiten Wirtschaftsaufschwung sind vorhanden und die Zuversicht vieler Unternehmer in die Zukunft wächst. Ausgehend von der konjunkturellen Erholung in den USA wird auch die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr wachsen. Nehmen wir die Auswirkungen der verabschiedeten Reformen sowie der geringen Anzahl an Feiertagen hinzu, sollte die Wirtschaft sich erholen. Nüchtern und realistisch betrachtet wird das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft rd. 1 bis 1,5 % betragen, und damit erste Ansätze bringen, die Probleme am Arbeitsmarkt und bei den Sozialsystemen lösen zu können. Weitere, tiefer gehende und grundsätzliche Reformen sind nötig, um die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu stärken.
Positiv festzuhalten ist, dass erste Reformen auf den Weg gebracht wurden, wenn auch wieder auf einem typisch deutschen Weg. Ob Bürger, die oftmals immer noch um ihren Arbeitsplatz fürchten, den zufließenden Extra-Euro aus der Steuerreform konsumieren, bleibt abzuwarten. Eine Belebung der Binnennachfrage wird wohl kaum dadurch ausgelöst. Der Export muss es richten, wird allerdings durch die Dollarschwäche belastet. Für unsere Region erwarte ich frühestens in der zweiten Jahreshälfte Impulse für eine konjunkturelle Erholung. Die Aktienmärkte, die eine zukünftige wirtschaftliche Entwicklung in der Regel 9 12 Monate vorher in den Kursen einpreisen, zeigen einen anhaltenden Aufwärtstrend. Der Deutsche Aktienindex hat die 4000er Marke getestet und Optimisten sehen weiteres Kurspotenzial von 10 15 %. Allerdings ist der Aktienmarkt keine Einbahnstraße, vorübergehende Rückschläge sind absehbar.
Die Zinsen werden meines Erachtens im langfristigen Bereich bei einer anziehenden Wirtschaftsentwicklung leicht steigen. Nach wie vor sind die Bedingungen für Investitionen von der Zinsseite günstig. Mit den Worten von Wilhelm Busch Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft, soll es genug sein mit dem Blick nach vorn.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich einige Sätze zur Entwicklung unserer Sparkasse sagen und mein zusammengefasstes Urteil zur Entwicklung und Situation der Kreissparkasse Nordhausen gleich vorweg: Die Sparkasse ist solide aufgestellt,
das Fundament stark genug, um die Wirtschaft in der Region auch künftig intensiv begleiten zu können. In einem ausgesprochen schwierigen Umfeld ist es uns gelungen, unsere Marktführerschaft zu behaupten. Die Bilanzsumme als Summe unserer Aktivitäten stabilisierte sich mit 919 Mio auf Vorjahresniveau.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Einlagen unserer Kunden sowohl bei unseren eigenen Produktangeboten als auch im Wertpapiergeschäft. Hier konnten wir deutlich zulegen. Im Vergleich mit den übrigen Thüringer Sparkassen stellt unsere Wachstumsrate einen Spitzenwert dar. Inzwischen betreuen wir 823 Mio . Darauf sind wir stolz, denn diese Entwicklung ist Ausdruck eines großen Vertrauens von Ihnen, unseren Kunden. Dafür danken wir Ihnen sehr, sehr herzlich. Dieser Erfolg ist nur möglich mit einem attraktiven Produktangebot, fairen Preisen und vor allem mit motivierten und kompetenten Mitarbeitern. Ihnen gilt ebenfalls ein herzlicher Dank für die guten Leistungen und das hohe Engagement im vergangenen Geschäftsjahr.
Im Kreditgeschäft sind wir bezogen auf die Größe unseres Geschäftsgebietes mit einem Geschäftsvolumen von 566 Mio. weiterhin Spitzenreiter unter den Thüringer Sparkassen. Der Anteil des Firmen- und Gewerbekundenkreditgeschäftes beträgt davon 50 %. Ein Ausdruck unseres großen Engagements für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis und für die Schaffung von Arbeitsplätzen in den vergangenen 13 Jahren.
Erfreulicherweise konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr die Neuausleihungen im Kreditgeschäft mit Privatkunden erheblich steigern. Dahinter verbergen sich in erster Linie die Finanzierungen des privaten Wohnungsbaus. Von der leider rückläufigen Anzahl an Neubaugenehmigungen ist es uns gelungen, 2 von 3 genehmigten Objekten zu finanzieren. Das ist eine beachtliche Quote und ein Beweis, dass unser neues Immobilienkompetenzcenter von der Bevölkerung gut angenommen wird. Wir bieten dort alle Leistungen rund um die Immobilie aus einer Hand. Vermittlung von Objekten, Finanzierungen und Versicherungen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
das vergangene Jahr war von einigen Grundsatzdiskussionen um die Strukturen im deutschen Bankenwesen geprägt, zu denen ich heute gern Position beziehen möchte. Auslöser der Diskussion war ein Bericht des Internationalen Währungsfonds, dem Ausführungen eines Finanzstaatssekretärs und eines Mitgliedes des Direktoriums der Deutschen Bundesbank folgten. Von allen wird die Stabilität, die hohe Wettbewerbsintensität sowie der flächendeckende Zugang zu Finanzdienstleistungen für alle Kundengruppen im deutschen Bankenmarkt positiv hervorgehoben. Trotz dieser Würdigung stellen sie das bewährte Drei-Säulen-System (Großbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen) in Frage. Die grundlegende Strukturdiskussion wurde weiterhin angeheizt durch den Beschluss der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund, ihre Sparkasse meistbietend veräußern zu wollen.
Ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit, das deutsche Bankensystem hat sich bewährt. Sicher muss vieles überdacht und den veränderten Marktbedingungen angepasst werden. Das ist wie in jedem anderen Unternehmen auch in den Banken erforderlich. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit sind alle Möglichkeiten auf den Prüfstand zu stellen. Interne Chancen müssen genutzt werden ebenso wie externe. Über die Möglichkeiten von Kooperationen, Beteiligungen und evtl. auch Fusionen ist nachzudenken. Es ist allerdings klar, Größe allein ist kein Erfolgsgarant, ist gelegentlich sogar kontraproduktiv, ist und kann zu Fehlentwicklungen führen.
Alle diese Überlegungen stoßen an ihre Grenzen, wenn der öffentliche Auftrag der Sparkassen grundsätzlich in Frage gestellt wird. Oberstes Ziel der Sparkassen bleibt die flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen für alle Bevölkerungskreise und für Kommunen und Mittelstand.
Die Kreissparkasse Nordhausen erfüllt ihren öffentlichen Auftrag gern und aus Überzeugung. Wir sind ein regionales Kreditinstitut, unser Geschäftsgebiet ist der Landkreis Nordhausen. Unserer Verantwortung für die Region sind wir uns sehr bewusst und versuchen, dieser Verantwortung engagiert gerecht zu werden. Ebenso wie die Kollegen von der Volksbank halten wir ein flächendeckendes Filialnetz vor. Eine Großbank konzentriert sich dagegen auf einige wenige, attraktive Standorte. Vielen Kunden wird der Zugang zur Bank dadurch erheblich erschwert.
Der Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten, vor Ort aber auch mit virtuellen Anbietern im Internet, ist sehr ausgeprägt. Das bringt für Sie, verehrte Kunden, erhebliche Vorteile sowohl bei Zinsen als auch bei der Preisgestaltung. Verschwinden eine oder gar zwei Säulen des Bankensystems, würde die Wettbewerbssituation deutlich entspannter mit den entsprechenden Folgen für die Kunden. Nähe zum Markt hat große Vorteile, man kennt sich, kann miteinander reden, man weiß von anderen und Entscheidungen werden vor Ort in angemessener Zeit getroffen. Diesen Vorteil würden wir aufgeben, wenn es nach dem Wunsch der Bankenverbände geht. Die Entscheider sitzen dann in Leipzig, Frankfurt oder anderswo. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und in nicht so bevorzugten Regionen ist diese Nähe von besonderer Bedeutung.
Sie kennen evtl. die Anzeigenwerbung der deutschen Sparkassenorganisation: Alle reden davon, dass der Mittelstand der Motor der Wirtschaft ist. Aber nur einer hat genügend Tankstellen für ihn. Die Sparkassen haben dem Mittelstand seit je her als Partner mit Rat und Tat zur Seite gestanden, der hohe Marktanteil von 42 % nachzulesen im Bundesbankbericht beweist dies ausdrücklich. Festzustellen ist, dass gerade in den letzten schwierigen Jahren der Marktanteil der Sparkassen im Firmenkreditgeschäft ansteigt, eine Folge des Rückzugs der anderen Banken. Unsere Region braucht praktikable und pragmatische Lösungen und keine Banken, bei denen Firmenkreditkunden nur mit einem Jahresumsatz größer als 5 Mio. willkommen sind.
Die qualitativ höheren Anforderungen an die Kreditgewährung als Ausfluss der Baseler Abkommen, unter dem Begriff Basel II sicher vielen geläufig, dürfen nicht mit einem Rückzug aus dem Kreditgeschäft fehl interpretiert werden. Es geht vielmehr um größere Transparenz und Offenheit zwischen 2 Partnern, die im gleichen Boot sitzen. Natürlich geht es auch um eine stärkere Differenzierung zwischen guten und nicht so guten Risiken bei der Kreditentscheidung. Wir wollen und werden unter den veränderten Rahmenbedingungen unsere Aufgabe zur Förderung des Mittelstandes in unserem Geschäftsgebiet auch in Zukunft verantwortungsvoll wahrnehmen.
Die Sparkasse beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und zählt damit zu den großen Arbeitgebern der Region. In zahlreichen Familien sorgen unsere Arbeitnehmer überwiegend für das Familieneinkommen. Damit ist sichergestellt, dass die Familie regional verwurzelt sein kann, Kaufkraft auslöst und Lohnsteuer gezahlt wird. Eine Großbank würde vermutlich mit einer einzigen Filiale in Nordhausen vertreten sein und noch nicht einmal ein Sechstel der Mitarbeiter beschäftigen. Große Teile der Aufgaben würden in so genannten Fabriken im Taunus, in Irland oder sonst wo erledigt.
Liebe Kunden, wir wollen, dass Sie sich bei uns wohl fühlen. Gleichzeitig müssen wir uns an die Veränderungen im Markt anpassen. Dazu sind permanent erhebliche Investitionen erforderlich. Für uns ist wichtig, und wir achten darauf, dass überwiegend hier ansässige Unternehmen Aufträge erhalten. Aber es sind nicht nur die ganz großen Investitionen, wie z.B. die komplette Sanierung des ehem. City-Hotels nebenan oder der geplante grundlegende Umbau unserer Filiale in Bleicherode im Jahr 2004. Es sind auch viele kleinere Aufträge, wie Computerbedarf, Schreib- und Bürobedarf, Fahrzeuganschaffungen, Reinigungsdienste u.v.m. Wir kaufen überwiegend vor Ort. Großbanken bündeln ihren Einkauf und schreiben mindestens europaweit aus. Unsere in der Regel kleinen Unternehmen haben da keine Chance.
Die Sparkasse zählt auch zu den Steuerzahlern der Region und ich denke, dass viele der Kämmerer das zu würdigen wissen. Weltweit tätige Banken zahlen auch oder meistens Steuern, die Frage ist nur wo. Bestimmt nicht in Bleicherode, Nordhausen oder Ellrich.
Meine Damen und Herren,
eine Region wird dadurch lebens- und liebenswert, dass die so genannten weichen Standortfaktoren stimmen. Das heißt, neben einer guten Schul- und Krankenversorgung, einer guten Verkehrsanbindung muss etwas geboten werden. Ein gutes Sportangebot, kulturelle Vielfalt, funktionierende soziale Einrichtungen, ein reges Vereinsleben und vieles mehr gehört dazu. Wir sehen eine wichtige Aufgabe und Verantwortung unserer Sparkasse darin, das regionale Umfeld mitzugestalten. Das tun wir in erster Linie indem wir Jahr für Jahr rd. 150.000 für kulturelle, sportliche, soziale und gemeinnützige Zwecke zahlreichen Vereinen und Einrichtungen im Landkreis zur Verfügung stellen. Bei Großereignissen, wie die Landesgartenschau, sind wir in der Regel als Großsponsor beteiligt.
Aber wir geben nicht nur Geld. Wir und damit meine ich auch viele unserer Mitarbeiter übernehmen Verantwortung und Aufgaben in Vereinen. Erwähnen möchte ich bei dieser Gelegenheit den Verein für Wirtschaft im Landkreis Nordhausen, der mit seinem Regionalmanagement wichtige Grundlagen für die Entwicklung unserer Region leistet. Drei Vorstandsmitglieder der Sparkasse sind in diesem Projekt involviert.
Ich habe eingangs darauf hingewiesen, dass ein Kreditinstitut wie jedes andere wirtschaftlich tätige Unternehmen permanent alle Chancen zur Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit nutzen muss. Wir haben unser Unternehmen in den vergangenen 2 Jahren völlig umstrukturiert und Abläufe effizienter gestaltet. Wir stellen damit die Weichen für eine positive Zukunft unserer Sparkasse. Erfreulicherweise konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr erste positive Erfolge verzeichnen. Natürlich achten wir bei allem was wir tun auf Wirtschaftlichkeit und haben uns dafür auch ein anspruchsvolles strategisches Ziel gesetzt. Wobei wir schon jetzt bei der Wirtschaftlichkeit zum ersten Drittel der Thüringer Sparkassen gehören. Ich sage Ihnen, in Anbetracht der öffentlichen Diskussionen um die Bankenlandschaft in aller Deutlichkeit, Ihre Kreissparkasse Nordhausen ist kerngesund und arbeitet wirtschaftlich. Wir werden alles daran setzen, dass das so bleibt.
Es ist aber auch schön zu wissen, dass es eine große Welle der Solidarisierung politischer Entscheidungsträger in Kommunen, Ländern und auf Bundesebene mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Drei-Säulen-Systems des Bankensektors in Deutschland gibt.
Liebe Kunden, ich danke Ihnen herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen im Jahr 2003. Wir werden auch im neuen Jahr für Sie kompetenter Ansprechpartner in allen Finanzangelegenheiten sein. Den Mitgliedern unseres Verwaltungsrates - mit Herrn Landrat Joachim Claus als Vorsitzendem - danke ich sehr herzlich für die intensive Begleitung unserer Geschäftspolitik und Unterstützung bei der Zukunftsausrichtung unserer Sparkasse.
Autor: nnzMeine sehr geehrten Damen und Herren,
Das Jahr 2004 steht für die Stadt Nordhausen ganz im Zeichen der Landesgartenschau. Dekoration und Musik sind am heutigen Abend diesem regionalen Großereignis gewidmet. Damit wollen wir unsere Verbundenheit als finanzieller Partner der Landesgartenschau und unsere Vorfreude auf die Veranstaltung zum Ausdruck bringen. Wir wünschen, dass die Landesgartenschau von zahlreichen Besuchern aus nah und fern gut angenommen wird und damit die Bekanntheit und das Image unserer Region steigert. Wir hoffen natürlich auch auf wirtschaftliche Erfolge für einige unserer Unternehmen.
Liebe Gäste,
das Zitat aus unserer Einladungskarte für den heutigen Abend
Beachte immer, dass nichts bleibt, wie es ist, und denke daran, dass die Natur immer wieder ihre Formen wechselt.
von Marc Aurel haben wir in erster Linie in Bezug auf die Landesgartenschau ausgewählt. Schon bald werden wir die Natur in ihrer vielfältigen Farben- und Formenpracht in wechselnden Jahreszeiten erleben und uns daran erfreuen.
Das Zitat passt aber auch hervorragend in viele andere Situationen des privaten und des Wirtschaftslebens. Zu Beginn des neuen Jahres soll es Mut machen und Zuversicht verbreiten. Ich denke, das haben wir nötig, egal ob politisch oder wirtschaftlich verantwortlich tätig. Und es sieht vielleicht gar nicht so schlecht aus. Die Anzeichen für einen weltweiten Wirtschaftsaufschwung sind vorhanden und die Zuversicht vieler Unternehmer in die Zukunft wächst. Ausgehend von der konjunkturellen Erholung in den USA wird auch die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr wachsen. Nehmen wir die Auswirkungen der verabschiedeten Reformen sowie der geringen Anzahl an Feiertagen hinzu, sollte die Wirtschaft sich erholen. Nüchtern und realistisch betrachtet wird das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft rd. 1 bis 1,5 % betragen, und damit erste Ansätze bringen, die Probleme am Arbeitsmarkt und bei den Sozialsystemen lösen zu können. Weitere, tiefer gehende und grundsätzliche Reformen sind nötig, um die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu stärken.
Positiv festzuhalten ist, dass erste Reformen auf den Weg gebracht wurden, wenn auch wieder auf einem typisch deutschen Weg. Ob Bürger, die oftmals immer noch um ihren Arbeitsplatz fürchten, den zufließenden Extra-Euro aus der Steuerreform konsumieren, bleibt abzuwarten. Eine Belebung der Binnennachfrage wird wohl kaum dadurch ausgelöst. Der Export muss es richten, wird allerdings durch die Dollarschwäche belastet. Für unsere Region erwarte ich frühestens in der zweiten Jahreshälfte Impulse für eine konjunkturelle Erholung. Die Aktienmärkte, die eine zukünftige wirtschaftliche Entwicklung in der Regel 9 12 Monate vorher in den Kursen einpreisen, zeigen einen anhaltenden Aufwärtstrend. Der Deutsche Aktienindex hat die 4000er Marke getestet und Optimisten sehen weiteres Kurspotenzial von 10 15 %. Allerdings ist der Aktienmarkt keine Einbahnstraße, vorübergehende Rückschläge sind absehbar.
Die Zinsen werden meines Erachtens im langfristigen Bereich bei einer anziehenden Wirtschaftsentwicklung leicht steigen. Nach wie vor sind die Bedingungen für Investitionen von der Zinsseite günstig. Mit den Worten von Wilhelm Busch Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft, soll es genug sein mit dem Blick nach vorn.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich einige Sätze zur Entwicklung unserer Sparkasse sagen und mein zusammengefasstes Urteil zur Entwicklung und Situation der Kreissparkasse Nordhausen gleich vorweg: Die Sparkasse ist solide aufgestellt,
das Fundament stark genug, um die Wirtschaft in der Region auch künftig intensiv begleiten zu können. In einem ausgesprochen schwierigen Umfeld ist es uns gelungen, unsere Marktführerschaft zu behaupten. Die Bilanzsumme als Summe unserer Aktivitäten stabilisierte sich mit 919 Mio auf Vorjahresniveau.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Einlagen unserer Kunden sowohl bei unseren eigenen Produktangeboten als auch im Wertpapiergeschäft. Hier konnten wir deutlich zulegen. Im Vergleich mit den übrigen Thüringer Sparkassen stellt unsere Wachstumsrate einen Spitzenwert dar. Inzwischen betreuen wir 823 Mio . Darauf sind wir stolz, denn diese Entwicklung ist Ausdruck eines großen Vertrauens von Ihnen, unseren Kunden. Dafür danken wir Ihnen sehr, sehr herzlich. Dieser Erfolg ist nur möglich mit einem attraktiven Produktangebot, fairen Preisen und vor allem mit motivierten und kompetenten Mitarbeitern. Ihnen gilt ebenfalls ein herzlicher Dank für die guten Leistungen und das hohe Engagement im vergangenen Geschäftsjahr.
Im Kreditgeschäft sind wir bezogen auf die Größe unseres Geschäftsgebietes mit einem Geschäftsvolumen von 566 Mio. weiterhin Spitzenreiter unter den Thüringer Sparkassen. Der Anteil des Firmen- und Gewerbekundenkreditgeschäftes beträgt davon 50 %. Ein Ausdruck unseres großen Engagements für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis und für die Schaffung von Arbeitsplätzen in den vergangenen 13 Jahren.
Erfreulicherweise konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr die Neuausleihungen im Kreditgeschäft mit Privatkunden erheblich steigern. Dahinter verbergen sich in erster Linie die Finanzierungen des privaten Wohnungsbaus. Von der leider rückläufigen Anzahl an Neubaugenehmigungen ist es uns gelungen, 2 von 3 genehmigten Objekten zu finanzieren. Das ist eine beachtliche Quote und ein Beweis, dass unser neues Immobilienkompetenzcenter von der Bevölkerung gut angenommen wird. Wir bieten dort alle Leistungen rund um die Immobilie aus einer Hand. Vermittlung von Objekten, Finanzierungen und Versicherungen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
das vergangene Jahr war von einigen Grundsatzdiskussionen um die Strukturen im deutschen Bankenwesen geprägt, zu denen ich heute gern Position beziehen möchte. Auslöser der Diskussion war ein Bericht des Internationalen Währungsfonds, dem Ausführungen eines Finanzstaatssekretärs und eines Mitgliedes des Direktoriums der Deutschen Bundesbank folgten. Von allen wird die Stabilität, die hohe Wettbewerbsintensität sowie der flächendeckende Zugang zu Finanzdienstleistungen für alle Kundengruppen im deutschen Bankenmarkt positiv hervorgehoben. Trotz dieser Würdigung stellen sie das bewährte Drei-Säulen-System (Großbanken, Genossenschaftsbanken, Sparkassen) in Frage. Die grundlegende Strukturdiskussion wurde weiterhin angeheizt durch den Beschluss der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund, ihre Sparkasse meistbietend veräußern zu wollen.
Ich sage Ihnen in aller Deutlichkeit, das deutsche Bankensystem hat sich bewährt. Sicher muss vieles überdacht und den veränderten Marktbedingungen angepasst werden. Das ist wie in jedem anderen Unternehmen auch in den Banken erforderlich. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit sind alle Möglichkeiten auf den Prüfstand zu stellen. Interne Chancen müssen genutzt werden ebenso wie externe. Über die Möglichkeiten von Kooperationen, Beteiligungen und evtl. auch Fusionen ist nachzudenken. Es ist allerdings klar, Größe allein ist kein Erfolgsgarant, ist gelegentlich sogar kontraproduktiv, ist und kann zu Fehlentwicklungen führen.
Alle diese Überlegungen stoßen an ihre Grenzen, wenn der öffentliche Auftrag der Sparkassen grundsätzlich in Frage gestellt wird. Oberstes Ziel der Sparkassen bleibt die flächendeckende Versorgung mit Finanzdienstleistungen für alle Bevölkerungskreise und für Kommunen und Mittelstand.
Die Kreissparkasse Nordhausen erfüllt ihren öffentlichen Auftrag gern und aus Überzeugung. Wir sind ein regionales Kreditinstitut, unser Geschäftsgebiet ist der Landkreis Nordhausen. Unserer Verantwortung für die Region sind wir uns sehr bewusst und versuchen, dieser Verantwortung engagiert gerecht zu werden. Ebenso wie die Kollegen von der Volksbank halten wir ein flächendeckendes Filialnetz vor. Eine Großbank konzentriert sich dagegen auf einige wenige, attraktive Standorte. Vielen Kunden wird der Zugang zur Bank dadurch erheblich erschwert.
Der Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten, vor Ort aber auch mit virtuellen Anbietern im Internet, ist sehr ausgeprägt. Das bringt für Sie, verehrte Kunden, erhebliche Vorteile sowohl bei Zinsen als auch bei der Preisgestaltung. Verschwinden eine oder gar zwei Säulen des Bankensystems, würde die Wettbewerbssituation deutlich entspannter mit den entsprechenden Folgen für die Kunden. Nähe zum Markt hat große Vorteile, man kennt sich, kann miteinander reden, man weiß von anderen und Entscheidungen werden vor Ort in angemessener Zeit getroffen. Diesen Vorteil würden wir aufgeben, wenn es nach dem Wunsch der Bankenverbände geht. Die Entscheider sitzen dann in Leipzig, Frankfurt oder anderswo. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und in nicht so bevorzugten Regionen ist diese Nähe von besonderer Bedeutung.
Sie kennen evtl. die Anzeigenwerbung der deutschen Sparkassenorganisation: Alle reden davon, dass der Mittelstand der Motor der Wirtschaft ist. Aber nur einer hat genügend Tankstellen für ihn. Die Sparkassen haben dem Mittelstand seit je her als Partner mit Rat und Tat zur Seite gestanden, der hohe Marktanteil von 42 % nachzulesen im Bundesbankbericht beweist dies ausdrücklich. Festzustellen ist, dass gerade in den letzten schwierigen Jahren der Marktanteil der Sparkassen im Firmenkreditgeschäft ansteigt, eine Folge des Rückzugs der anderen Banken. Unsere Region braucht praktikable und pragmatische Lösungen und keine Banken, bei denen Firmenkreditkunden nur mit einem Jahresumsatz größer als 5 Mio. willkommen sind.
Die qualitativ höheren Anforderungen an die Kreditgewährung als Ausfluss der Baseler Abkommen, unter dem Begriff Basel II sicher vielen geläufig, dürfen nicht mit einem Rückzug aus dem Kreditgeschäft fehl interpretiert werden. Es geht vielmehr um größere Transparenz und Offenheit zwischen 2 Partnern, die im gleichen Boot sitzen. Natürlich geht es auch um eine stärkere Differenzierung zwischen guten und nicht so guten Risiken bei der Kreditentscheidung. Wir wollen und werden unter den veränderten Rahmenbedingungen unsere Aufgabe zur Förderung des Mittelstandes in unserem Geschäftsgebiet auch in Zukunft verantwortungsvoll wahrnehmen.
Die Sparkasse beschäftigt rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und zählt damit zu den großen Arbeitgebern der Region. In zahlreichen Familien sorgen unsere Arbeitnehmer überwiegend für das Familieneinkommen. Damit ist sichergestellt, dass die Familie regional verwurzelt sein kann, Kaufkraft auslöst und Lohnsteuer gezahlt wird. Eine Großbank würde vermutlich mit einer einzigen Filiale in Nordhausen vertreten sein und noch nicht einmal ein Sechstel der Mitarbeiter beschäftigen. Große Teile der Aufgaben würden in so genannten Fabriken im Taunus, in Irland oder sonst wo erledigt.
Liebe Kunden, wir wollen, dass Sie sich bei uns wohl fühlen. Gleichzeitig müssen wir uns an die Veränderungen im Markt anpassen. Dazu sind permanent erhebliche Investitionen erforderlich. Für uns ist wichtig, und wir achten darauf, dass überwiegend hier ansässige Unternehmen Aufträge erhalten. Aber es sind nicht nur die ganz großen Investitionen, wie z.B. die komplette Sanierung des ehem. City-Hotels nebenan oder der geplante grundlegende Umbau unserer Filiale in Bleicherode im Jahr 2004. Es sind auch viele kleinere Aufträge, wie Computerbedarf, Schreib- und Bürobedarf, Fahrzeuganschaffungen, Reinigungsdienste u.v.m. Wir kaufen überwiegend vor Ort. Großbanken bündeln ihren Einkauf und schreiben mindestens europaweit aus. Unsere in der Regel kleinen Unternehmen haben da keine Chance.
Die Sparkasse zählt auch zu den Steuerzahlern der Region und ich denke, dass viele der Kämmerer das zu würdigen wissen. Weltweit tätige Banken zahlen auch oder meistens Steuern, die Frage ist nur wo. Bestimmt nicht in Bleicherode, Nordhausen oder Ellrich.
Meine Damen und Herren,
eine Region wird dadurch lebens- und liebenswert, dass die so genannten weichen Standortfaktoren stimmen. Das heißt, neben einer guten Schul- und Krankenversorgung, einer guten Verkehrsanbindung muss etwas geboten werden. Ein gutes Sportangebot, kulturelle Vielfalt, funktionierende soziale Einrichtungen, ein reges Vereinsleben und vieles mehr gehört dazu. Wir sehen eine wichtige Aufgabe und Verantwortung unserer Sparkasse darin, das regionale Umfeld mitzugestalten. Das tun wir in erster Linie indem wir Jahr für Jahr rd. 150.000 für kulturelle, sportliche, soziale und gemeinnützige Zwecke zahlreichen Vereinen und Einrichtungen im Landkreis zur Verfügung stellen. Bei Großereignissen, wie die Landesgartenschau, sind wir in der Regel als Großsponsor beteiligt.
Aber wir geben nicht nur Geld. Wir und damit meine ich auch viele unserer Mitarbeiter übernehmen Verantwortung und Aufgaben in Vereinen. Erwähnen möchte ich bei dieser Gelegenheit den Verein für Wirtschaft im Landkreis Nordhausen, der mit seinem Regionalmanagement wichtige Grundlagen für die Entwicklung unserer Region leistet. Drei Vorstandsmitglieder der Sparkasse sind in diesem Projekt involviert.
Ich habe eingangs darauf hingewiesen, dass ein Kreditinstitut wie jedes andere wirtschaftlich tätige Unternehmen permanent alle Chancen zur Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit nutzen muss. Wir haben unser Unternehmen in den vergangenen 2 Jahren völlig umstrukturiert und Abläufe effizienter gestaltet. Wir stellen damit die Weichen für eine positive Zukunft unserer Sparkasse. Erfreulicherweise konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr erste positive Erfolge verzeichnen. Natürlich achten wir bei allem was wir tun auf Wirtschaftlichkeit und haben uns dafür auch ein anspruchsvolles strategisches Ziel gesetzt. Wobei wir schon jetzt bei der Wirtschaftlichkeit zum ersten Drittel der Thüringer Sparkassen gehören. Ich sage Ihnen, in Anbetracht der öffentlichen Diskussionen um die Bankenlandschaft in aller Deutlichkeit, Ihre Kreissparkasse Nordhausen ist kerngesund und arbeitet wirtschaftlich. Wir werden alles daran setzen, dass das so bleibt.
Es ist aber auch schön zu wissen, dass es eine große Welle der Solidarisierung politischer Entscheidungsträger in Kommunen, Ländern und auf Bundesebene mit dem Ziel der Aufrechterhaltung des Drei-Säulen-Systems des Bankensektors in Deutschland gibt.
Liebe Kunden, ich danke Ihnen herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen im Jahr 2003. Wir werden auch im neuen Jahr für Sie kompetenter Ansprechpartner in allen Finanzangelegenheiten sein. Den Mitgliedern unseres Verwaltungsrates - mit Herrn Landrat Joachim Claus als Vorsitzendem - danke ich sehr herzlich für die intensive Begleitung unserer Geschäftspolitik und Unterstützung bei der Zukunftsausrichtung unserer Sparkasse.


