Di, 10:15 Uhr
13.01.2004
„Dann fiel auf einmal der Himmel um“
Nordhausen (nnz). Eine Frau erzählt in einem Nachwort die Geschichte ihrer Flucht aus der DDR im Sommer 1989. Das Buch selbst ist einer Poetin gewidmet, die sich mit 41 Jahren das Leben nahm.
Am Sonnabend, dem 24. 01. 2004, ab 14.30 Uhr liest in der Dichterstätte in Limlingerode die Schriftstellerin Ines Geipel, Berlin, aus ihrer aufwühlenden Biografie über die Poetin Inge Müller, 2002 erschienen. Dann fiel auf einmal der Himmel um, so lautet der Titel. Ines Geipel erzählt im Nachwort, dass sie, als sie im Sommer 1989 der DDR den Rücken kehrte, ein einziges Buch bei sich hatte – den 1985 im Aufbau-Verlag Ostberlin erschienenen schmalen Band Wenn ich schon sterben muss mit Gedichten der bis dahin vergessenen Poetin Inge Müller. Seitdem beschäftigt sich Ines Geipel immer wieder mit dieser Dichterfrau und half bei ihrer Entdeckung seit den 90er Jahren entscheidend mit.
Wer war Inge Müller, die 1966 ihrem Leben ein Ende setzte, nur 41 Jahre alt? Sie wollte schreiben, wollte sich dabei als Individuum suchen und litt unendliche Schmerzen, deren Ursache damals kein Arzt finden konnte. Als junges Mädchen war sie im Krieg verschüttet worden, mit einem Hund, man rettete sie. Nach Berlin vom Kriegseinsatz zurückgekehrt, fand sie das Haus, in dem ihre Eltern lebten, zerbombt, die Eltern buddelte sie im Keller aus, sie waren tot. Das Nachkriegsleben, zwei Ehen mit sehr unterschiedlichen Männern, stürzte sie in unruhige Zeiten. Inge Müller schrieb Gedichte und Geschichten für Kinder, für die Zeitungen.
In dritter Ehe war sie mit dem Dramatiker Heiner Müller verheiratet, mit dem sie in den ersten Jahren sehr intensiv zusammen literarisch arbeitete. Hörspiele und dramatische Stücke entstanden und auch bei den Aufführungen arbeiteten sie gemeinsam. Die Zeit, das sozialistisch programmierte Leben Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre zerrte an beiden. Als Feinde der DDR wurden sie nach 1961 isoliert. Durch das Schreiben von Gedichten und Prosa suchte Inge Müller ihre Lebensangst zu meistern. Jedoch, die Suizidversuche nahmen zu und 1966 erlag sie einem solchen.
Die Mitglieder der Dichterstätte haben aus dem Band: Irgendwo; noch einmal möchte ich sehn, der die Lyrik, Prosa und Tagebücher der Autorin enthält, Gedichte ausgewählt, die die besondere dichterische Sprache der Inge Müller zeigen. Sie werden der Lesung Ines Geipels folgen.
Autor: nnz
Am Sonnabend, dem 24. 01. 2004, ab 14.30 Uhr liest in der Dichterstätte in Limlingerode die Schriftstellerin Ines Geipel, Berlin, aus ihrer aufwühlenden Biografie über die Poetin Inge Müller, 2002 erschienen. Dann fiel auf einmal der Himmel um, so lautet der Titel. Ines Geipel erzählt im Nachwort, dass sie, als sie im Sommer 1989 der DDR den Rücken kehrte, ein einziges Buch bei sich hatte – den 1985 im Aufbau-Verlag Ostberlin erschienenen schmalen Band Wenn ich schon sterben muss mit Gedichten der bis dahin vergessenen Poetin Inge Müller. Seitdem beschäftigt sich Ines Geipel immer wieder mit dieser Dichterfrau und half bei ihrer Entdeckung seit den 90er Jahren entscheidend mit.Wer war Inge Müller, die 1966 ihrem Leben ein Ende setzte, nur 41 Jahre alt? Sie wollte schreiben, wollte sich dabei als Individuum suchen und litt unendliche Schmerzen, deren Ursache damals kein Arzt finden konnte. Als junges Mädchen war sie im Krieg verschüttet worden, mit einem Hund, man rettete sie. Nach Berlin vom Kriegseinsatz zurückgekehrt, fand sie das Haus, in dem ihre Eltern lebten, zerbombt, die Eltern buddelte sie im Keller aus, sie waren tot. Das Nachkriegsleben, zwei Ehen mit sehr unterschiedlichen Männern, stürzte sie in unruhige Zeiten. Inge Müller schrieb Gedichte und Geschichten für Kinder, für die Zeitungen.
In dritter Ehe war sie mit dem Dramatiker Heiner Müller verheiratet, mit dem sie in den ersten Jahren sehr intensiv zusammen literarisch arbeitete. Hörspiele und dramatische Stücke entstanden und auch bei den Aufführungen arbeiteten sie gemeinsam. Die Zeit, das sozialistisch programmierte Leben Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre zerrte an beiden. Als Feinde der DDR wurden sie nach 1961 isoliert. Durch das Schreiben von Gedichten und Prosa suchte Inge Müller ihre Lebensangst zu meistern. Jedoch, die Suizidversuche nahmen zu und 1966 erlag sie einem solchen.
Die Mitglieder der Dichterstätte haben aus dem Band: Irgendwo; noch einmal möchte ich sehn, der die Lyrik, Prosa und Tagebücher der Autorin enthält, Gedichte ausgewählt, die die besondere dichterische Sprache der Inge Müller zeigen. Sie werden der Lesung Ines Geipels folgen.


