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Do, 10:06 Uhr
02.08.2012

Sportlicher Hagelstange

” ... wo ich anrennend mit bebendem Bambus viel tausend Male, / rasende Flüge geträumt, bis die torfene Grube / den glühenden Ikarus auffing ...”, so lautet eine Zeile aus Rudolf Hagelstanges „Meersburger Elegie“. Das Geschehen hatte sich in Nordhausen am Harz abgespielt. Ein Beitrag von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...


Hagelstange in den 30er Jahren (Foto: Archiv Kneffel) Hagelstange in den 30er Jahren (Foto: Archiv Kneffel) Diese geliebte Stadt hatte er im Herbst 1946 mit seiner Familie, der Tänzerin Carola Dittel und seinen beiden Mädchen, Gabriele, 1941 geboren, und Regine, geboren 1943, verlassen. Im Jahr 1948 zog die Familie Hagelstange an den Bodensee nach Unteruhldingen. Dort entstand die „Meersburger Elegie“, die im Hagelstange-Lesebuch der Stadt Nordhausen vollständig abgedruckt ist.

Er verglich in dem mehrseitigen Gedicht die auf Hügeln erbaute Stadt Meersburg, wo die von ihm sehr verehrte Dichterin Annette von Droste-Hülshoff mehrere Jahre lebte und auch starb, mit seiner gleichfalls auf Hügeln angesiedelten Heimatstadt Nordhausen, im April 1945 durch britische Bomben zu großen Teilen zerstört.

Bücher in der Ausstellung (Foto: H. Kneffel) Bücher in der Ausstellung (Foto: H. Kneffel)
Also, wie die zitierten Zeilen aussagen, bereits in der Kindheit und Jugend war Rudolf besonders dem Hochspringen verfallen. Das dokumentiert, abwechslungsreich und aufklärend zusammengestellt, u. a. die zur Zeit in der Galerie der Kreissparkasse gezeigte Ausstellung: „ 'Zwischen Himmel und Erde ...' Stabhochsprung in Nordhausen“, die noch bis zum 31. August anzusehen ist. Es trifft sich gut, dass im Jahr des hundertsten Geburtstages des Schriftstellers und Dichters aus der Stadt am Südharzrand nun dieses leichtathletische Kapitel seines Lebens aufgearbeitet wird, nachdem Anfang des Jahres die Ausstellung „Rudolf Hagelstange – Literatur und Kunst“ im Kunsthaus Meyenburg auch außerhalb Nordhausens Aufmerksamkeit erzeugte und noch nachklingt.

In der aktuellen Stabhochsprung-Präsentation geschieht dies auf aufschlussreiche Weise. Gleich, wenn man die Treppe zur Galerie heraufgestiegen ist oder aus dem Fahrstuhl steigt, begegnet man dem Sportler Rudolf Hagelstange. Der Hochsprung war seine besondere Passion, aber der Sport insgesamt hat ihn Zeitlebens interessiert. Zahlreiche Beiträge in Zeitschriften, Broschüren und Büchern künden davon, dass er das Sporttreiben für notwendig bei der geistigen und körperlichen Entwicklung eines Menschen hielt. Seine Meinung war in der Welt des Sports gefragt.

Aus seinen belletristischen Bücher, z. B. in „Tränen gelacht“ unter der Überschrift: „Die Bambusstange oder Mein Rubikon hieß Lausebach“ oder in „Hausfreund bei Calypso“ in dem gleichlautenden Text „Mein Rubikon - Hagelstange mit der Bambusstange“ erfahren wir, dass er bereits mit etwa zehn Jahren bei dem Großvater in Gardelegen Sprünge über einen Bach mit einer Bohnenstange absolvierte, immer aufs Neue, nicht aufgebend. „ Das Hindernis aber war der … Lausebach, der vier bis fünf Meter breit gewesen sein dürfte.“

Hagelstange (Foto: Stadtarchiv Nordhausen) Hagelstange (Foto: Stadtarchiv Nordhausen)
Seit 1921 besuchte er das Humanistisches Gymnasium an der Morgenröte, 1927 erfolgte sein Eintritt in den GTV (Gymnasial-Turn-Verein), als Tertianer (9. Klasse, 15 Jahre) durfte er mit der einzigen Bambusstange des Vereins trainieren. Erfolge stellten sich ein, denn am Ende seiner nicht vollendeten Schullaufbahn 1930 errang er den Sieg bei den Latina-Wettkämpfen der Höheren Schulen der preußischen Provinz Sachsen in Halle mit 3,35 m, das war „Schülerrekord“. In der Erzählung „Der sächsische Großvater“, in der er in sieben Träumen seinem geliebten verstorbenen Großvater begegnet, erwähnt Hagelstange etwas über seine vor dem Abitur abgebrochene Gymnasialzeit. „Wir schrieben den Sommer 1930 … Ich hatte meinen Ärger mit den hohen Grammatikpäpsten“, denen es nicht auf literarische Begabung ankam, sondern allein auf die grammatischen Regeln.

„Sie mißbilligen, daß zum Volkstrauertag ein Gedicht von mir in der Zeitung stand … Sie halten es auch für ungehörig, daß ein Achtzehnjähriger, der noch die weißseidene Schülermütze trägt, sonntags in eine Großstadt fährt, um mit irgendwelchen Menschen um die Wette zu springen, und daß selbst solcher Unfug noch in der Montagsausgabe der Zeitung vermerkt ist.“

Hagelstange 1936 (Foto: privat) Hagelstange 1936 (Foto: privat)

Nun zog es Hagelstange in die Welt, das ist von 1931 bis 1933 Berlin. Dort studierte er Germanistik, schrieb für Zeitungen, trainierte Leichtathletik/Stabhochsprung. Er gehörte dem Sportclub Charlottenburg (SCC) an, trainierte dreimal in der Woche und führte ab dem 26.12.1932 bis zum 15.02.1933 ein akribisches Trainingstagebuch mit Ausgangsanalyse, Zielen, Trainingsinhalten, Trainingsergebnissen, Ernährungsrichtlinien u.a.m. „Heute, am zweiten Weihnachtstage, fasse ich plötzlich den Entschluß, ein Trainingsbuch anzulegen, das in erster Linie für später den Wert einer der schönsten Reminiszenzen meines Lebens haben wird. Darüber hinaus kann es für meine sportliche Laufbahn Kontrolle und Fingerzeig sein. Für andere können diese Zeilen von Vorteil sein, wenn die in diesem Buche niedergelegten von mir bevorzugten Trainingsmethoden mich einmal zu größeren sportlichen Erfolgen führen sollten … Heute bin ich knapp einundzwanzig Jahre“. Seine Körpergröße betrug 1,76 Meter.

Also, die sportliche Laufbahn nahm Rudolf Hagelstange sehr ernst, er hoffte auf eine sportliche Karriere. Dieses Tagebuch befindet sich in Rudolf Hagelstanges Nachlass, der im Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt wird. (Fortsetzung folgt)
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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