Mi, 09:49 Uhr
30.05.2012
Die Neue
Auf den Chefpositionen im Nordhäuser Rathaus und im Landratsamt wird es einen Wechsel geben. Nicht der Wähler wollte es, sondern die Amtsinhaber durften oder konnten nicht mehr...
Es ist Dienstag, kurz nach 17 Uhr. Birgit Keller, sitzt in ihrem Abgeordnetenbüro in der Barfüßerstraße in Nordhausen. "Ich habe noch jede Menge zu tun, wenn auch manches mit einer lädierten Hand noch mühsam ist". Die 53jährige hat noch einiges zu erledigen, ihr Mandat hat sie bereits zurückgegeben, hat auch dafür gesorgt, dass die Abgeordnetenmitarbeiter durch ihre Nachfolgerin, Dr. Johanna Scheringer-Wright, übernommen werden.
Am rechten Arm keine Binde mehr, dafür nur noch ein weißes Pflaster, die Fäden sind gezogen. Die Metallplatte, die den zersplitterten Unterarmknochen zusammenhält, wird wohl für immer drin bleiben müssen. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel ihre eigene Partei - die LINKE. "Wir stehen zwar nicht am Abgrund, aber wir stehen an einem entscheidenden Punkt unserer Geschichte." In Göttingen muss an diesem Wochenende das gelingen, was viele Beobachter nicht mehr für möglich halten: Die LINKE muss sich selbst, an den eigenen Haaren, aus dem Schlamassel ziehen. So ähnlich hatte es im Jahr 1989 Herrmann Kant formuliert, nur meinte er damit die damalige SED. Die Geschichte ist bekannt.
Die Selbstzerfleischungswut der LINKEn lässt sich kaum noch steigern. Mein geschätzter Journalisten-Kollege Jakob Augstein hat einen Zustandsbericht linker Politik in diesen Tagen abgeliefert.
Birgit Keller will nach Göttingen fahren, sie ist keine Delegierte, sie ist Gast. Derweil ihre Partei vor der Zerreißprobe steht, ist die LINKE mit drei Landrätinnen in Thüringen eine politische Nummer. War sie immer schon. Und so kann die Nordhäuser Landrätin auch im Landkreistag ein "Wörtchen mitreden". Vor allem über die Ausgestaltung des künftigen Kommunalen Finanzausgleichs. Das wiederum ist notwendig, denn Birgit Keller wird den Mangel verwalten müssen. Auch wenn sie es öffentlich nicht zugeben wird: Der Landkreis steht kurz vor der Zwangsverwaltung. "Ich habe einen Termin mit dem Thüringer Finanzminister." Mit dem kann sie "gut", obwohl der Mann politisch schwarz ist, könne man mit ihm reden und sich auf Zusagen verlassen.
Vor dem 1. Juli, dem Tag ihres Amtsantritts, wird sie sich vom Landratsamt fernhalten. Am 29. Juni wird sie die Übernahme der Amtsgeschäfte mit Joachim Claus durchziehen. Ihr erster regulärer Arbeitstag wird der 2. Juli sein, ein Termin ist auch bereits im Kalender vermerkt: Zum Kinder- und Familienfest des Jugendsozialwerk wird sie ein Grußwort halten.
Drei Frauen werden künftig die politische Spitze des Landratsamtes ausmachen. Machen Frauen eine weibliche Politik? "Wir werden sehen", sagt Keller, die sich im ersten Dienstjahr verstärkt um die Finanzen kümmern will. Das Wort "Chefsache" vermeidet sie. Den "Chefin" möchte sie nicht genannt werden. "Ich will eher die Dienerin der Menschen sein, für die ich in den kommenden sechs Jahren mit Verantwortung trage. Dazu bin ich gewählt. Hoffentlich gibt es Menschen, die mir rechtzeitig sagen, dass ich einen Fehler begehen könnte", sagt Keller. Und sie weiß, dass solche Menschen in Politik und Verwaltung nicht häufig anzutreffen sind.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs ist Dienstag, kurz nach 17 Uhr. Birgit Keller, sitzt in ihrem Abgeordnetenbüro in der Barfüßerstraße in Nordhausen. "Ich habe noch jede Menge zu tun, wenn auch manches mit einer lädierten Hand noch mühsam ist". Die 53jährige hat noch einiges zu erledigen, ihr Mandat hat sie bereits zurückgegeben, hat auch dafür gesorgt, dass die Abgeordnetenmitarbeiter durch ihre Nachfolgerin, Dr. Johanna Scheringer-Wright, übernommen werden.
Am rechten Arm keine Binde mehr, dafür nur noch ein weißes Pflaster, die Fäden sind gezogen. Die Metallplatte, die den zersplitterten Unterarmknochen zusammenhält, wird wohl für immer drin bleiben müssen. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel ihre eigene Partei - die LINKE. "Wir stehen zwar nicht am Abgrund, aber wir stehen an einem entscheidenden Punkt unserer Geschichte." In Göttingen muss an diesem Wochenende das gelingen, was viele Beobachter nicht mehr für möglich halten: Die LINKE muss sich selbst, an den eigenen Haaren, aus dem Schlamassel ziehen. So ähnlich hatte es im Jahr 1989 Herrmann Kant formuliert, nur meinte er damit die damalige SED. Die Geschichte ist bekannt.
Die Selbstzerfleischungswut der LINKEn lässt sich kaum noch steigern. Mein geschätzter Journalisten-Kollege Jakob Augstein hat einen Zustandsbericht linker Politik in diesen Tagen abgeliefert.
Birgit Keller will nach Göttingen fahren, sie ist keine Delegierte, sie ist Gast. Derweil ihre Partei vor der Zerreißprobe steht, ist die LINKE mit drei Landrätinnen in Thüringen eine politische Nummer. War sie immer schon. Und so kann die Nordhäuser Landrätin auch im Landkreistag ein "Wörtchen mitreden". Vor allem über die Ausgestaltung des künftigen Kommunalen Finanzausgleichs. Das wiederum ist notwendig, denn Birgit Keller wird den Mangel verwalten müssen. Auch wenn sie es öffentlich nicht zugeben wird: Der Landkreis steht kurz vor der Zwangsverwaltung. "Ich habe einen Termin mit dem Thüringer Finanzminister." Mit dem kann sie "gut", obwohl der Mann politisch schwarz ist, könne man mit ihm reden und sich auf Zusagen verlassen.
Vor dem 1. Juli, dem Tag ihres Amtsantritts, wird sie sich vom Landratsamt fernhalten. Am 29. Juni wird sie die Übernahme der Amtsgeschäfte mit Joachim Claus durchziehen. Ihr erster regulärer Arbeitstag wird der 2. Juli sein, ein Termin ist auch bereits im Kalender vermerkt: Zum Kinder- und Familienfest des Jugendsozialwerk wird sie ein Grußwort halten.
Drei Frauen werden künftig die politische Spitze des Landratsamtes ausmachen. Machen Frauen eine weibliche Politik? "Wir werden sehen", sagt Keller, die sich im ersten Dienstjahr verstärkt um die Finanzen kümmern will. Das Wort "Chefsache" vermeidet sie. Den "Chefin" möchte sie nicht genannt werden. "Ich will eher die Dienerin der Menschen sein, für die ich in den kommenden sechs Jahren mit Verantwortung trage. Dazu bin ich gewählt. Hoffentlich gibt es Menschen, die mir rechtzeitig sagen, dass ich einen Fehler begehen könnte", sagt Keller. Und sie weiß, dass solche Menschen in Politik und Verwaltung nicht häufig anzutreffen sind.
Peter-Stefan Greiner


