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Mo, 14:54 Uhr
09.04.2012

Die Pflanze von nebenan (9)

Die meisten Menschen, die sich an den heimischen Frühblühern erfreuen, kennen als „Kuhschelle“ oder „Küchenschelle“ lediglich die Art „Gemeine Kuhschelle“ Pulsatilla vulgaris. In Thüringen gibt es jedoch einige wenige Vorkommen der zumindest in Deutschland bedeutend selteneren Wiesen-Kuhschelle Pulsatilla pratensis.

Die „andere“ Kuhschelle

Bevor ich Ihnen, liebe nnz- und kn-Leser die noch fehlenden Goldsterne vorstelle, möchte ich ein kleines Porträt der Art sozusagen dazwischen schieben.

Für iPhone und Co. (Foto: B. Schwarzberg) Für iPhone und Co. (Foto: B. Schwarzberg)

Die wichtigsten Unterschiede der Wiesen-Kuhschelle zur Gemeinen Kuhschelle sind die stets nickenden, statt aufrechten Blüten, die dunkel-braunrote statt leuchtend violette Färbung der Kronenblätter und die Tatsache, dass bei ersterer bereits zur Blütezeit am Grund des Stängels Laubblätter vorhanden sind. Zudem sind die Perigonblätter bei ersterer an ihren Spitzen nach außen gebogen.

In ihren Ansprüchen unterscheiden sich beide Kuhschellenarten indes kaum: Beide bevorzugen gleichbleibend trockene Xerotherm-, also Trockenrasen auf nährstoffarmen Böden. Gelegentlich siedeln sie auch in lichten Kiefernwäldern.
Die Aufnahmen entstanden gestern auf Flächen südlich des Kyffhäusers (Foto: B. Schwarzberg)
Die Aufnahmen entstanden gestern auf Flächen südlich des Kyffhäusers (Foto: B. Schwarzberg)
Die Aufnahmen entstanden gestern auf Flächen südlich des Kyffhäusers (Foto: B. Schwarzberg)
Dennoch ist die Wiesen-Kuhschelle bedeutend seltener als die Gemeine Kuhschelle und ihre Standorte sind oft nur „Insidern“ bekannt. Das liegt ganz einfach daran, dass erstere in Deutschland lediglich am Rande ihres Verbreitungsgebietes (Arealrand) vorkommt, während die Gemeine Kuhschelle bei uns im Hauptareal siedelt, hier also gewissermaßen ihren Hauptwohnsitz hat.

Das Verbreitungsgebiet der Wiesen-Kuhschelle liegt in Mittel- vor allem aber in Osteuropa, während sich jenes der Gemeinen Kuhschelle in Mittel- und Westeuropa mit dem Schwerpunkt Mitteleuropa befindet. So kommt es, dass die seltenere Wiesen-Kuhschelle vor allem in Ostdeutschland siedelt, während die Gemeine Kuhschelle auch in Westdeutschland über zahlreiche Vorkommen verfügt.

In Thüringen kommt die Wiesen-Kuhschelle ausschließlich an einigen wenigen Stellen im Kyffhäusergebiet vor, während die Gemeine Kuhschelle u.a. auch im Raum Jena und SW des Thüringer Waldes verbreitet ist. Die nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Wiesen-Kuhschelle wird in der deutschen und in der Thüringer Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt (RL 2).

Um ihre Standorte zu erhalten, sind extensive Schafbeweidung und die Beseitigung aufkommender Gebüsche notwendig. Gefahren drohen durch ihr die hohen Stickstoffeinträge infolge des Autoverkehrs. Vor den großen Rodungen des Menschen war sie wahrscheinlich auf wenige, natürlich waldfreie Extremstandorte beschränkt, die heute jedoch oft nicht mehr existieren oder vom Menschen ebenfalls stark verändert wurden. Von daher ist ihre Erhaltung und jene vieler anderer Arten möglicherweise nur noch durch menschliche Pflegemaßnahmen möglich.
Bodo Schwarzberg

Die Aufnahmen entstanden gestern auf Flächen südlich des Kyffhäusers.

Literatur: Quelle: ZÜNDORF, H.J., GÜNTHER, K.-F., KORSCH, H., WESTHUS, W. (2006) Flora von Thüringen. Jena.
floraweb.de
Autor: nnz

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