So, 18:53 Uhr
08.04.2012
Ehrenbürgerin begeht 97. Geburtstag
Nordhausens Ehrenbürgerin, die Künstlerin Ilsetraut Glock, begeht heute ihren 97. Geburtstag. Im Kunsthaus Meyenburg werden aus diesem Anlass neun ihrer Werke in dem Flur gezeigt, der zum Turmaufgang führt. Dazu Anmerkungen von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...
Glock-Grabe - Collage von Karin Kisker (Foto: Karin Kisker)
Es handelt sich um exzellente farbige Drucke in der Technik Radierung/Aquatinta. Die Darstellungen sind oft von literarischen Werken inspiriert oder an Zeitgenössischem orientiert, so zum Beispiel: Kommt in den totgesagten Park, Die Stunde des Falters, Der Tag, an dem es Sekundenzeiger regnet, An den Ufern der Erinnerung und Eilig entschwindet die Zeit. Diese Arbeiten wurden auch in der ersten Ausstellung Ilsetraut Glocks in der Kreissparkasse Nordhausen ab 11. Juli 1995 vorgestellt.
Ilsetraut Glock wurde 1915 in Nordhausen als Ilsetraut Grabe geboren, studierte Kunst in Hannover und Hildesheim, heiratete 1941, hielt sich während des Luftangriffes mit ihrer Mutter und der kleinen Tochter in der Brauerei Vor dem Hagentor auf und war nach Kriegsende bis 1947 am Theater als Bühnenbildnerin tätig. Rudolf Hagelstange schrieb damals in einer Rezension über Schnitzlers Komödie Anatol: Im Rahmen des Ganzen wiegt auch das Verdienst von Ilsetraut Glock, die mit reizenden und die Schnitzlerische Luft gut erfassenden Bühnenbildern aufwartete. 1948 zog die Familie kurz nach Berlin und dann nach Bonn.
In der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung, die 1998 in ihrer Heimatstadt gegründet wurde, sind über 600 Originale international bekannter Künstler aus ihrer in Jahren zusammengetragenen Kunstsammlung und mehr als 150 Originalgrafiken der Künstlerin vereint.
Diese Stiftung vergibt außerdem alle zwei Jahre nach einer Ausschreibung den Nordhäuser Grafikpreis an Künstlerinnen und Künstler aus dem Harzraum und fördert damit deren Arbeit, denn die Ausgezeichneten stellen im Kunsthaus aus und danach noch in der Galerie der Kreissparkasse, außerdem werden Werke angekauft.
Die erste Preisträgerin war die in Weimar wirkende Petra Albrecht, die in der Kunstszene als Holzschneiderin der verlorenen Form bekannt geworden ist, sich in letzter Zeit auch als Aquarellistin vorstellt.
Frau Glock wurde für ihr Kunstengagement am 13. Mai 2002 zur Ehrenbürgerin der Stadt Nordhausen ernannt. Die Laudatio im Theater hielt Karin Kisker, die Frau Glock seit einem intensiver Gedankenaustausch 1994 im renovierten Ratskeller zusammen mit der Autorin kennenlernte. In den Ratskeller wollte sie vor allem wegen der großen renovierten Rundbogenbilder der Künstlerin Maria Schmidt-Franken, ihrer ersten Kunstlehrerin im Fach Landschaftsgestaltung.
Karin Kisker hob 2002 in ihrer Würdigungsrede hervor Das Attribut alt mag man allenfalls ihren Knien zugestehen, denn ihr Kopf scheint ein ewiger Jungbrunnen, der allweil Neues anzustiften vermag. Sie bescheinigte der Geehrten ein Übermaß an Fantasie. Der Urgrund ihrer Vorstellungskraft liegt wohl nicht zuletzt auch in jenen Legenden und Geschichten begründet, die ihr ihre Großmutter erzählte, da sie noch mit ihrer Mutter in der Nordhäuser Osterstraße wohnte, in unmittelbarer Nachbarschaft des Meyenburg-Museums. Das Eigentliche der Stiftung sei – neben dem finanziellen Beitrag – der mit der Stiftung verbundene Zweck, die Idee, die der Stifterin in unserem Sinn zu höchster Ehre gereicht. Und Ehre ist auch in der Marktwirtschaft nicht wirklich käuflich. Sie hat vielmehr für denjenigen, der sie verleiht, etwas Verpflichtendes.
Im Jahr 2003 erhielt Ilsertraut Glock in Erfurt durch den Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel den Thüringer Verdienstorden. Dieser hatte die Künstlerin und deren Kunstsammlung anlässlich der großen Ausstellung in der Flohburg im März 2000 kennengelernt.
Die Kunstschenkungen der gebürtigen Nordhäuserin dauern bis heute an und die Werke kamen und kommen in den unterschiedlichsten Kunstausstellungen zur Geltung, Schöpfungen der Glock und die Kunstwerke der international bekannten Künstler vom Engländer William Hogarth (1697-1764) bis zur Gegenwart. Jüngst war das in der Rudolf-Hagelstange-Ausstellung der Fall, als farbige Originalgrafiken von HAP Grieshaber und Hansen-Bahia gezeigt wurden. Beide kannte die Künstlerin persönlich.
Noch in diesem Jahr besteht die Möglichkeit, Werken aus der Kunststiftung in einer umfassenden Sonderausstellung im Kunsthaus zu begegnen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz
Glock-Grabe - Collage von Karin Kisker (Foto: Karin Kisker)
Es handelt sich um exzellente farbige Drucke in der Technik Radierung/Aquatinta. Die Darstellungen sind oft von literarischen Werken inspiriert oder an Zeitgenössischem orientiert, so zum Beispiel: Kommt in den totgesagten Park, Die Stunde des Falters, Der Tag, an dem es Sekundenzeiger regnet, An den Ufern der Erinnerung und Eilig entschwindet die Zeit. Diese Arbeiten wurden auch in der ersten Ausstellung Ilsetraut Glocks in der Kreissparkasse Nordhausen ab 11. Juli 1995 vorgestellt.Ilsetraut Glock wurde 1915 in Nordhausen als Ilsetraut Grabe geboren, studierte Kunst in Hannover und Hildesheim, heiratete 1941, hielt sich während des Luftangriffes mit ihrer Mutter und der kleinen Tochter in der Brauerei Vor dem Hagentor auf und war nach Kriegsende bis 1947 am Theater als Bühnenbildnerin tätig. Rudolf Hagelstange schrieb damals in einer Rezension über Schnitzlers Komödie Anatol: Im Rahmen des Ganzen wiegt auch das Verdienst von Ilsetraut Glock, die mit reizenden und die Schnitzlerische Luft gut erfassenden Bühnenbildern aufwartete. 1948 zog die Familie kurz nach Berlin und dann nach Bonn.
In der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung, die 1998 in ihrer Heimatstadt gegründet wurde, sind über 600 Originale international bekannter Künstler aus ihrer in Jahren zusammengetragenen Kunstsammlung und mehr als 150 Originalgrafiken der Künstlerin vereint.
Diese Stiftung vergibt außerdem alle zwei Jahre nach einer Ausschreibung den Nordhäuser Grafikpreis an Künstlerinnen und Künstler aus dem Harzraum und fördert damit deren Arbeit, denn die Ausgezeichneten stellen im Kunsthaus aus und danach noch in der Galerie der Kreissparkasse, außerdem werden Werke angekauft.
Die erste Preisträgerin war die in Weimar wirkende Petra Albrecht, die in der Kunstszene als Holzschneiderin der verlorenen Form bekannt geworden ist, sich in letzter Zeit auch als Aquarellistin vorstellt.
Frau Glock wurde für ihr Kunstengagement am 13. Mai 2002 zur Ehrenbürgerin der Stadt Nordhausen ernannt. Die Laudatio im Theater hielt Karin Kisker, die Frau Glock seit einem intensiver Gedankenaustausch 1994 im renovierten Ratskeller zusammen mit der Autorin kennenlernte. In den Ratskeller wollte sie vor allem wegen der großen renovierten Rundbogenbilder der Künstlerin Maria Schmidt-Franken, ihrer ersten Kunstlehrerin im Fach Landschaftsgestaltung.
Karin Kisker hob 2002 in ihrer Würdigungsrede hervor Das Attribut alt mag man allenfalls ihren Knien zugestehen, denn ihr Kopf scheint ein ewiger Jungbrunnen, der allweil Neues anzustiften vermag. Sie bescheinigte der Geehrten ein Übermaß an Fantasie. Der Urgrund ihrer Vorstellungskraft liegt wohl nicht zuletzt auch in jenen Legenden und Geschichten begründet, die ihr ihre Großmutter erzählte, da sie noch mit ihrer Mutter in der Nordhäuser Osterstraße wohnte, in unmittelbarer Nachbarschaft des Meyenburg-Museums. Das Eigentliche der Stiftung sei – neben dem finanziellen Beitrag – der mit der Stiftung verbundene Zweck, die Idee, die der Stifterin in unserem Sinn zu höchster Ehre gereicht. Und Ehre ist auch in der Marktwirtschaft nicht wirklich käuflich. Sie hat vielmehr für denjenigen, der sie verleiht, etwas Verpflichtendes.
Im Jahr 2003 erhielt Ilsertraut Glock in Erfurt durch den Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel den Thüringer Verdienstorden. Dieser hatte die Künstlerin und deren Kunstsammlung anlässlich der großen Ausstellung in der Flohburg im März 2000 kennengelernt.
Die Kunstschenkungen der gebürtigen Nordhäuserin dauern bis heute an und die Werke kamen und kommen in den unterschiedlichsten Kunstausstellungen zur Geltung, Schöpfungen der Glock und die Kunstwerke der international bekannten Künstler vom Engländer William Hogarth (1697-1764) bis zur Gegenwart. Jüngst war das in der Rudolf-Hagelstange-Ausstellung der Fall, als farbige Originalgrafiken von HAP Grieshaber und Hansen-Bahia gezeigt wurden. Beide kannte die Künstlerin persönlich.
Noch in diesem Jahr besteht die Möglichkeit, Werken aus der Kunststiftung in einer umfassenden Sonderausstellung im Kunsthaus zu begegnen.
Heidelore Kneffel


