So, 17:01 Uhr
08.04.2012
nnz-Forum: Bemühen um Vollständigkeit
Zur Grass-Diskussion gibt es jetzt ein weiteres Statement im Forum unserer Zeitung, das wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Der Anlass für die folgenden Ausführungen sind die Thesen zur SS-Zugehörigkeit von Günter Grass, die Herr Torsten Drößler in seinen Kommentaren zum Artikel des Herrn Schwarzberg vom 6. April in dieser Zeitung gemacht hat.
Herr Drößler schrieb darin: Wir reden hier nicht davon, dass Herr Grass in den letzten Kriegswirren als Flakhelfer oder kleiner Hitlerjunge unterwegs war. Der Waffen-SS unterstanden die Konzentrationslager und Kampfverbände, welche schlimmste Kriegsverbrechen verübt haben und direkt die Ermordung von 6 Millionen Juden in KZs durchgeführt hat. Diese Leute haben sich ihren Nachwuchs sehr genau ausgesucht. Um dort reinzukommen, muss man 'Vollblutnazi' gewesen sein. Da lag die geistliche Armut, die sie anderen unterstellen, wohl eindeutig auf der Seite von Herrn Grass. Und mir drängt sich leider Verdacht auf, in diesem Fall auch bei ihnen.
Auch dass er damals nur 17 Jahre alt war und angeblich nichts anderes kannte, ändert nichts an seiner Mitgliedschaft und ist eher eine schwache Ausrede. Hier geht es nicht um die Millionen von Deutschen, welche "Heil Hitler" rufend die Machtbasis der Nazis gebildet haben, weil sie der braunen Ideologie auf dem Leim gegangen sind. Wir reden hier vom dunkelsten Kern des Dritten Reichs. Und denen ist Herr Grass hinterher gelaufen und war darin so erfolgreich, dass er aufgenommen wurde.
Die Zitate zeigen mir, dass Sie, Herr Drößler, über die Geschichte der SS nicht vollständig informiert sind. Damit niemand etwas in den falschen Hals kriegt: Auch für mich glücklichen Nachgeborenen war die SS rückblickend eine der grausamsten Terrororganisationen in der Menschheitsgeschichte!
Aber dass diese Leute sich ihren Nachwuchs sehr genau ausgesucht hätten, stimmt so maximal bis Anfang 1944. Der Treue Heinrich (Himmler) wollte nämlich zeigen, dass er gegenüber seinem Führer der beste Gefolgsmann der Bewegung war. Das tat er auch, indem er seine Super-Arier immer dort einsetzen ließ, wo man die heikelsten militärischen Situationen wieder geradebiegen wollte mit dem Ergebnis, dass ab 1944 nicht mehr genügend Geeignete mit Gardemaß und arischer Abstammung sowie Gesinnung zu Verfügung standen.
Es gibt eine Fernseh-Dokumentation, in der einer der Überlebenden mit Gardemaß äußerte, dass zu diesem Zeitpunkt alles mögliche Kroppzeug aufgenommen wurde. Zu diesem Kroppzeug gehörte offenbar auch mein Großvater. Er hatte durch einen Unfall und eine anschließende falsche medizinische Behandlung einen verkrüppelten Arm und war gerade mal über 1,60 m groß.
Und er war auch kein Vollblutnazi im Gegenteil. Am 5. März 1933 ging Hitler das Risiko ein und ließ letztmalig relativ freie aber geheime Wahlen zu, so auch in dem kleinen Ort Hesserode (bei Nordhausen). Er war damals als Kassierer im SPD-Ortsverband. Er, seine Ehefrau und ein bis heute Unbekannter waren die einzigen im Ort, die nicht die NSDAP gewählt hatten. Am Abend nach der Wahl feierten der NSDAP-Ortsgruppenleiter, der Bürgermeister und der Pfarrer(!) den haushohen Sieg der Nazis in einer der Dorfkneipen. Mein Großvater holte zu diesem Zeitpunkt Getränke aus der nahen Ladentheke. Da muss ihm der Schreck in die Glieder gefahren sein, denn am Stammtisch äußerte sich einer der Feiernden etwa so: Wenn wir die Namen der Drei wüssten, würden sie noch heute am Laternenpfahl hängen! Die Ortschronik aus dieser Zeit ist
natürlich spurlos verschwunden.
Als mein Großvater in den Niederlanden(?) im Kampfeinsatz war, bot man ihm an, sich wegen seiner körperlichen Behinderung, doch als Aufseher in den Mittelbau Dora versetzen zu lassen. Dies lehnte er ab! Mit viel Glück wurde er bei der Untersuchung in Gefangenschaft wegen seines kaputten Arms nach Hause geschickt, denn er hatte wieder durch Glück die Blutgruppe nicht unter den Oberarm eintätowiert bekommen. Soviel zu der These von den SS-Vollblutnazis!
Nun zu der schwachen Ausrede wegen des jugendlichen Alters vieler SS-Männer: Günter Grass war mindestens ab dem Schuleintritt einer permanenten Nazipropaganda ausgesetzt. Westfernsehen gab es nicht. Dass Kinder mit Wissen ihrer Eltern Feindsender gehört haben könnten, dürfte wohl sehr unwahrscheinlich sein. Wie aber konnten die Naziverbrecher in Deutschland so leicht und vor allem in freien Wahlen an die Macht kommen? Haben Die Deutschen etwa eine Nazigesinnung im Blut ein Nazi-Gen? War der kleine Adolf schon in der Wiege ein überzeugter Nazi? Ist ihm jede Nacht Odin im Traum
erschienen? Wodurch werden die kleinen Homo Sapiens überhaupt das, was sie später einmal sind? Hat da etwa jemand die kleinen Deutschen zu Nazis ERZOGEN?
Direkt zu Nazis schon vor dem Ersten Weltkrieg wohl nicht, aber es bedarf bestimmter begünstigender Voraussetzungen um später einmal eine NSDAP mit dem Rumpelstilzchen Hitler an der Spitze zu wählen. Welche Indoktrinationen und welche eigenen Erfahrungen haben dazu beigetragen den fruchtbaren Boden zu bereiten. Um dies haarklein zu hypothetisieren reicht ein Statement freilich nicht aus.
Geben Sie einfach mal Warum sie Hitler wählten in eine Suchmaschine ein! Die YouTube-Dokumentationen werden Ihnen Menschen mit einer ganz anderen Denke als heute zeigen. Es wird Ihnen aber auch vieles erschreckend vertraut sein!
Ich denke, die 8800 Opfer des Bombenangriffs auf Nordhausen sollten es wert sein, sich mit den tieferen Ursachen der Katastrophe einmal etwas ausführlicher zu beschäftigen. Wichtige Komponenten sind aber nach (nicht nur) meiner Hypothese allerdings schon weit vor dem Ersten Weltkrieg virulent. Historiker bezeichnen den Ersten Weltkrieg vielfach als die Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts. Wenn Sie gläubiger Christ sind, halten Sie sich jetzt fest!
Die christlichen Kirchen waren vor 1918 noch eine fast flächendeckende Autorität in Sachen Ethik. Religionsunterricht war für Christen Pflicht. Ich kann mich selbst noch daran erinnern, wie in der evangelischen Christenlehre immer wieder die alttestamentliche Geschichte von der Beinahe-Opferung Isaaks durch seinen Vater auf Geheiß Gottes(!) als mustergültiges Beispiel für Glauben und Gehorsam erzählt wurde.
Es kommt noch eine wichtige Komponente dazu: Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen. (Brief des Paulus an die Römer, Kap. 13, 1-2)
Auch das wurde schon den Kindern eingebläut. Und dann auch noch das: "Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich...Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben ..." (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238) [Zitiert nach http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html] Wundert Sie noch irgendwas?
Jörg Birkefeld
Autor: nnzDer Anlass für die folgenden Ausführungen sind die Thesen zur SS-Zugehörigkeit von Günter Grass, die Herr Torsten Drößler in seinen Kommentaren zum Artikel des Herrn Schwarzberg vom 6. April in dieser Zeitung gemacht hat.
Herr Drößler schrieb darin: Wir reden hier nicht davon, dass Herr Grass in den letzten Kriegswirren als Flakhelfer oder kleiner Hitlerjunge unterwegs war. Der Waffen-SS unterstanden die Konzentrationslager und Kampfverbände, welche schlimmste Kriegsverbrechen verübt haben und direkt die Ermordung von 6 Millionen Juden in KZs durchgeführt hat. Diese Leute haben sich ihren Nachwuchs sehr genau ausgesucht. Um dort reinzukommen, muss man 'Vollblutnazi' gewesen sein. Da lag die geistliche Armut, die sie anderen unterstellen, wohl eindeutig auf der Seite von Herrn Grass. Und mir drängt sich leider Verdacht auf, in diesem Fall auch bei ihnen.
Auch dass er damals nur 17 Jahre alt war und angeblich nichts anderes kannte, ändert nichts an seiner Mitgliedschaft und ist eher eine schwache Ausrede. Hier geht es nicht um die Millionen von Deutschen, welche "Heil Hitler" rufend die Machtbasis der Nazis gebildet haben, weil sie der braunen Ideologie auf dem Leim gegangen sind. Wir reden hier vom dunkelsten Kern des Dritten Reichs. Und denen ist Herr Grass hinterher gelaufen und war darin so erfolgreich, dass er aufgenommen wurde.
Die Zitate zeigen mir, dass Sie, Herr Drößler, über die Geschichte der SS nicht vollständig informiert sind. Damit niemand etwas in den falschen Hals kriegt: Auch für mich glücklichen Nachgeborenen war die SS rückblickend eine der grausamsten Terrororganisationen in der Menschheitsgeschichte!
Aber dass diese Leute sich ihren Nachwuchs sehr genau ausgesucht hätten, stimmt so maximal bis Anfang 1944. Der Treue Heinrich (Himmler) wollte nämlich zeigen, dass er gegenüber seinem Führer der beste Gefolgsmann der Bewegung war. Das tat er auch, indem er seine Super-Arier immer dort einsetzen ließ, wo man die heikelsten militärischen Situationen wieder geradebiegen wollte mit dem Ergebnis, dass ab 1944 nicht mehr genügend Geeignete mit Gardemaß und arischer Abstammung sowie Gesinnung zu Verfügung standen.
Es gibt eine Fernseh-Dokumentation, in der einer der Überlebenden mit Gardemaß äußerte, dass zu diesem Zeitpunkt alles mögliche Kroppzeug aufgenommen wurde. Zu diesem Kroppzeug gehörte offenbar auch mein Großvater. Er hatte durch einen Unfall und eine anschließende falsche medizinische Behandlung einen verkrüppelten Arm und war gerade mal über 1,60 m groß.
Und er war auch kein Vollblutnazi im Gegenteil. Am 5. März 1933 ging Hitler das Risiko ein und ließ letztmalig relativ freie aber geheime Wahlen zu, so auch in dem kleinen Ort Hesserode (bei Nordhausen). Er war damals als Kassierer im SPD-Ortsverband. Er, seine Ehefrau und ein bis heute Unbekannter waren die einzigen im Ort, die nicht die NSDAP gewählt hatten. Am Abend nach der Wahl feierten der NSDAP-Ortsgruppenleiter, der Bürgermeister und der Pfarrer(!) den haushohen Sieg der Nazis in einer der Dorfkneipen. Mein Großvater holte zu diesem Zeitpunkt Getränke aus der nahen Ladentheke. Da muss ihm der Schreck in die Glieder gefahren sein, denn am Stammtisch äußerte sich einer der Feiernden etwa so: Wenn wir die Namen der Drei wüssten, würden sie noch heute am Laternenpfahl hängen! Die Ortschronik aus dieser Zeit ist
natürlich spurlos verschwunden.
Als mein Großvater in den Niederlanden(?) im Kampfeinsatz war, bot man ihm an, sich wegen seiner körperlichen Behinderung, doch als Aufseher in den Mittelbau Dora versetzen zu lassen. Dies lehnte er ab! Mit viel Glück wurde er bei der Untersuchung in Gefangenschaft wegen seines kaputten Arms nach Hause geschickt, denn er hatte wieder durch Glück die Blutgruppe nicht unter den Oberarm eintätowiert bekommen. Soviel zu der These von den SS-Vollblutnazis!
Nun zu der schwachen Ausrede wegen des jugendlichen Alters vieler SS-Männer: Günter Grass war mindestens ab dem Schuleintritt einer permanenten Nazipropaganda ausgesetzt. Westfernsehen gab es nicht. Dass Kinder mit Wissen ihrer Eltern Feindsender gehört haben könnten, dürfte wohl sehr unwahrscheinlich sein. Wie aber konnten die Naziverbrecher in Deutschland so leicht und vor allem in freien Wahlen an die Macht kommen? Haben Die Deutschen etwa eine Nazigesinnung im Blut ein Nazi-Gen? War der kleine Adolf schon in der Wiege ein überzeugter Nazi? Ist ihm jede Nacht Odin im Traum
erschienen? Wodurch werden die kleinen Homo Sapiens überhaupt das, was sie später einmal sind? Hat da etwa jemand die kleinen Deutschen zu Nazis ERZOGEN?
Direkt zu Nazis schon vor dem Ersten Weltkrieg wohl nicht, aber es bedarf bestimmter begünstigender Voraussetzungen um später einmal eine NSDAP mit dem Rumpelstilzchen Hitler an der Spitze zu wählen. Welche Indoktrinationen und welche eigenen Erfahrungen haben dazu beigetragen den fruchtbaren Boden zu bereiten. Um dies haarklein zu hypothetisieren reicht ein Statement freilich nicht aus.
Geben Sie einfach mal Warum sie Hitler wählten in eine Suchmaschine ein! Die YouTube-Dokumentationen werden Ihnen Menschen mit einer ganz anderen Denke als heute zeigen. Es wird Ihnen aber auch vieles erschreckend vertraut sein!
Ich denke, die 8800 Opfer des Bombenangriffs auf Nordhausen sollten es wert sein, sich mit den tieferen Ursachen der Katastrophe einmal etwas ausführlicher zu beschäftigen. Wichtige Komponenten sind aber nach (nicht nur) meiner Hypothese allerdings schon weit vor dem Ersten Weltkrieg virulent. Historiker bezeichnen den Ersten Weltkrieg vielfach als die Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts. Wenn Sie gläubiger Christ sind, halten Sie sich jetzt fest!
Die christlichen Kirchen waren vor 1918 noch eine fast flächendeckende Autorität in Sachen Ethik. Religionsunterricht war für Christen Pflicht. Ich kann mich selbst noch daran erinnern, wie in der evangelischen Christenlehre immer wieder die alttestamentliche Geschichte von der Beinahe-Opferung Isaaks durch seinen Vater auf Geheiß Gottes(!) als mustergültiges Beispiel für Glauben und Gehorsam erzählt wurde.
Es kommt noch eine wichtige Komponente dazu: Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen. (Brief des Paulus an die Römer, Kap. 13, 1-2)
Auch das wurde schon den Kindern eingebläut. Und dann auch noch das: "Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich...Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben ..." (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238) [Zitiert nach http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html] Wundert Sie noch irgendwas?
Jörg Birkefeld
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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