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02.03.2012

nnz/kn-Wetterrückblick: Abschied (vom Winter)

Der Winter 2011/2012 ist vorbei. Zumindest aus meteorologischer Sicht. Zurück bleiben die Erinnerungen an zugefrorene Bäche, ausverkaufte Schlittschuhe und zu kleinporige Dieselkraftstofffilter. Ein strenger Winter war es aber nicht. Das ergaben die Messwerte der Wetterstation auf dem Campus. Dieser Rückblick ist zugleich auch ein Abschied...


Abschied (Foto: privat) Abschied (Foto: privat) Die durchschnittliche Temperatur der drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar betrug 1,9°C. Der wärmste Monat war der Dezember mit 4,5°C (1961-1990: 0,8°C), der kälteste der Februar 2012 mit -1,4°C (1961-1990: 0,4°C). Im Vergleich zum langjährigen Wintermittel von 0,6°C war der Winter im Südharz damit zu warm. Die Temperaturen schwankten zwischen -18,4°C am 7. Februar und +13,3°C am 2. Januar. Die maximale Temperatur im Februar betrug 12,5°C und wurde am 29. Februar gemessen. Frost- und Eistage gab es deutlich weniger als in den Vorjahren: An 14 Tagen gab es im Winter 2011/2012 Dauerfrost, davon wurden allein 11 Tage im Februar registriert (Winter 2010/2011: 31 Eistage).

An nur 22 Tagen sank das Thermometer unter 0°C (Winter 2010/2011: 72 Frosttage). Nach sehr milden Temperaturen im Dezember und Januar wurde der Februar 2012 dann – zumindest in der ersten Hälfte – doch noch winterlich. Mitteldeutschland wurde mit kalter Luft aus Richtung Osten versorgt. Ein Kältehoch hatte sich dort etabliert. Solche Wetterlagen sind ruhig und klar, manchmal auch diesig. Interessant war in den ersten Februartagen ein kleines Tief, welches sich über Deutschland ausgebildet hat. Es brachte zwar keinen Niederschlag, hatte jedoch für ein Tief ungewöhnlich hohen Luftdruck von über 1030 hPa.

Der Luftdruck des Winters (1019 hPa) und speziell im Februar (1027 hPa) war insgesamt sehr hoch. Es ist zu beobachten, dass mit dem Jahresbeginn 2011, also seit nun 14 Monaten, der Luftdruck auf einem um ca. 5-10 hPa höheren Niveau schwankt. Da die Luftdruck-Daten, korrigiert auf Meeresniveau (NN), erst seit Anfang 2009 aufgezeichnet werden, kann keine Aussage über einen längerfristigen Trend getroffen werden.

Die Windgeschwindigkeit im Winter betrug 1,5 m/s und war im Vergleich zu den üblichen 1,1 m/s im Südharz leicht erhöht. Der Februar brachte nicht so ganz so böige Verhältnisse wie die Monate Dezember und Januar mit sich, was auf die genannte ruhige Hochdrucklage in der ersten Monatshälfte zurückzuführen ist. Erst in der zweiten Monatshälfte frischte der Wind wieder etwas auf.

Die Wintermonate brachten in unserer Region ausreichend Niederschlag. Insgesamt wurden in den drei Monaten 166 L/m² gesammelt (1961-1990: 146L/m²). Die DWD-Station in Artern brachte es mit nur 80 L/m² auf Platz 1 der besonders trockenen Orte im Winter 2011/2012 deutschlandweit. Die deutliche Differenz zu den Nordhäuser Werten ist nicht ungewöhnlich: Die Messung von Niederschlag ist eine der kompliziertesten, störanfälligsten und kleinräumig variierenden in der Meteorologie überhaupt. Auf dem Campus war der Februar der trockenste der drei Wintermonate mit nur 14 L/m². Dies entspricht in etwa den mittleren Niederschlägen im Monat Februar in den vergangenen sechs Jahren. In der ersten kalten Februar-Hälfte fiel so gut wie kein Niederschlag, erst in der zweiten Hälfte, einhergehend mit der Umstellung der Wetterlage auf feuchtigkeitsbringende und mildere Atlantikluft fiel der Niederschlag im Südharz dann als Regen. Insgesamt entspricht die Summe der Winterniederschläge in etwa dem Soll (114%).

Sonne satt – 203 Stunden Sonnenschein wurden im Winter 2011/2012 im Südharz registriert. Das sind 70 Stunden mehr als im 25-jährigen Mittel. 110 Stunden entfielen davon dank dem sibirischen Kältehoch mit sehr trockener und klarer Luft auf den Februar. Die relative Luftfeuchtigkeit sank tagsüber auf Werte unter 40%.

Der Winter 2011/2012 war im Südharz also ein wenig zu warm, sonnenscheinreich, nicht zu trocken und nicht zu feucht. Und damit statistisch gesehen normal. Die Erinnerung der Menschen im Südharz sagt jedoch: Es wurde plötzlich viel zu kalt und es hat zu viel geregnet. Eindrucksvoll konnte man ja noch bis in die letzten Februartage das gefrorene Hochwasser auf den Bächen wahrnehmen, welches nun sukzessive nachbricht und langsam taut. Zuvor – im Januar - war es viel zu warm, die ersten Frühblüher zeigten sich. Diese Extrema werden von uns Menschen viel eher wahrgenommen als normale „langweilige“ Wetterverhältnisse. Und was stimmt nun? Ist alles normal oder eben doch extrem und dem Klimawandel zuzuschreiben?

Eigentlich stimmt alles: Die Statistik, die Werte über drei Monate glättet und damit extreme Ereignisse wie den strengen Frost über 11 Tage hinweg ausgleicht und verschwinden lässt und uns nur einen Trend zeigt. Und der Südharzer kann sich auf seine Erinnerung verlassen, die ihn immer noch frieren lässt, als er zitternd bei -18°C auf den Abschleppdienst warten musste, weil sein Auto morgens bei der sibirischen Kälte nicht anspringen wollte. Einmal mehr ist an dieser Stelle zu sagen: Wetter ist eben nicht Klima. Klima ist nur Statistik.

Abschied – nicht nur vom Winter, sondern auch von mir. An dieser Stelle möchte ich meinen treuen Lesern ein herzliches Dankeschön sagen. Ich werde die FH verlassen und daher zukünftig keine Wetterrückblicke mehr für unsere Region verfassen. Ich habe übrigens mal nachgezählt: Es waren insgesamt 47 Wetterrückblicke, die ich mit viel Freude für Sie geschrieben habe. Danke fürs Lesen!
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
02.03.2012, 19:44 Uhr
Wie aussagekräftig sind FH-Wetter-Messwerte?
Als erstes hoffe ich natürlich, dass Frau Dr. Parnieske-Pasterkamp eine kundige Nachfolge als weibliche oder männliche Wetterfee finden wird und wünsche ihr für die Zukunft alles Gute.
Als ich mich im Zuge der Vorbereitung des 13. Südharz-Hunderters am 10. und 11.2. intensiver mit dem zu erwartenden Wanderwetters beschäftigte, stieß ich beim Vergleich der Temperaturmesswerte der Stationen Leinfelde, FH und Artern zur jeweils gleichen Zeit auf z.T. gravierende Abweichungen. Natürlich ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Werte der drei Stationen unterscheiden. Aber stets waren die Messwerte der FH z.T. deutlich niedriger, als jene der beiden anderen Stationen. Z.B.: 6.1.12 um 4:00: FH: -11,5, Artern: -16,8, Leinefelde: -15,9. um 1:30: FH: -17,2, Artern: -19,4, Leinefelde: -19.

Dieses Phänomen habe ich mehrfach in ähnlicher Konstellation herausgefiltert. Ich vermute, dass die Wärmeemissionen der Stadt die FH-Werte verfälschen, zumal die FH-Wetterstation nicht gerade am Stadtrand liegt. Ich glaube, der alte Wetterfuchs Tauchmann maß in Salza, also eher am Stadtrand, was eventuell etwas genauer war?
Vielleicht könnte die FH-Wetterfee den nnz-Lesern ja diesbezüglich ein wenig Aufklärung bringen. Und hat sie denn schon einen Nachfolger?
Peppone
02.03.2012, 21:22 Uhr
Danke Frau Dr. Jutta
es war mir eine Freude Ihre sehr informativen und immer objektiven Wetter-Berichte hier in nnz zu lesen! Schade, dass Sie unsere Region wieder verlassen! Ich wünsche Ihnen viel Glück, Gesundheit, Erfolg und Spass an Ihrem neuen Wirkungsort! :-)
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