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Mi, 07:53 Uhr
25.01.2012

Gefahr der Selbstbedienung?

Das Nordhäuser Südharz-Krankenhaus stand in den vergangenen Tagen im Fokus der kommunalen Politik. Hintergrund waren Veröffentlichungen der nnz und ein anonymer Brief. Die Diskussion ist damit noch nicht beendet, meint zumindest die nnz-Redaktion...


In der vergangenen Woche trafen sich Aufsichtsrat sowie die Mitglieder des Hauptausschusses des Stadtrates und derer "Kollegen" vom Kreisausschuss. Sie bekamen Zahlen zu hören und sehen, die aufzeigen sollten, wie wirtschaftlich gesund oder krank das Haus ist. Konkrete Zahlen sind aus der doch sehr vertraulichen Sitzung nicht nach außen gedrungen, nur soviel: Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft und das Jahresergebnis 2011 sollen die Zahlen des vorangegangenen Jahres übersteigen. Zum Vergleich: Das Ergebnis 2010 belief sich auf 3,5 Millionen Euro. Diese Summe verblieb im Krankenhaus und wurde zur Anschaffung moderner Medizintechnik verwendet.

Das alles, und vor allem die Bereitschaft der nichtärztlichen Mitarbeiter, auf rund 15 Prozent des tariflichen Lohnes zu verzichten, haben dazu beigetragen, dass das Südharz-Krankenhaus wirtschaftlich so gut dastehe. Im Klartext: Würden die nichtärztlichen Mitarbeiter nach Tarif bezahlt, dann wäre der operative Gewinn aufgefressen. Das Krankenhaus würde vermutlich rote Zahlen schreiben.

Nun soll in der gemeinsamen Ausschussrunde am vergangenen Mittwoch gerade auch zur Unterbezahlung der Mitarbeiter Kritik laut geworden sein. Auf der einen Seite könne nicht Geld auf die hohe Rücklagen-Kante gelegt werden, auf der anderen Seite würden Mitarbeiter unterbezahlt, wo hingegen bei den Ärzten ordentlich draufgesattelt wurde. Hier sind jetzt die beiden Seiten im Krankenhaus gefragt: Die Geschäftsführung und die Arbeitgebervertretung müssen verhandeln.

Das wäre alles völlig normal, wäre da nicht der Entwurf für den neuen Gesellschaftervertrag. Der ist im Netz frei verfügbar und so kann der Interessierte da zwar lesen, dass es immer noch eine optimaler Versorgung der Menschen in und um Nordhausen herum geben soll, dass aber das Krankenhaus auch für die beiden großen Verwaltungen arbeiten soll.

Im Paragraph 3 ist vermerkt, dass die Gesellschafter keine Gewinnanteile und auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln der Gesellschaft erhalten sollen, doch im letzten Satz des vierten Abschnitts steht: "Zuwendungen im Rahmen des § 58 der Abgabenordnung sind zulässig". Und diese Abgabenordnung haben wir Ihnen als Download zur Verfügung gestellt. So kann jeder Neugierige oder Interessierte seine eigenen Schlüsse ziehen.

Für manchen wird sich eine einfache Rechnung aufmachen. Die Gesellschafter (Landkreis und Stadt Nordhausen), also im Kern die beiden Verwaltungen, können sich an dem laben, was im Krankenhaus "verdient" wird. Sicher gibt es Verwendungen für das Geld in einem kommunalen Haushalt, selbst wenn es zweckgebunden sein wird, doch es ist zu befürchten, dass - wenn der Damm einmal gebrochen - eine Selbstbedienungsmentalität einsetzen könnte. Noch einmal Klartext: Die nichtärztlichen Mitarbeiter des Krankenhauses (fast 1.800) verzichten weiterhin auf 15 Prozent des ihnen tariflich zustehenden Gehalts, damit Löcher in den kommunalen Kassen geschlossen werden können. Damit zum Beispiel auch künftig der neue Landrat/Landrätin und der neue Oberbürgermeister/Oberbürgermeisterin nach den höchstmöglichen Besoldungsstufen entlohnt werden können, so wie das die Gremien jüngst beschlossen hatten. Ach ja - die Fraktionsgelder können dann auch weiter bezahlt werden.

Diese Logik muss erst einmal dem Otto-Normal-Verbraucher klar gemacht werden. In diesem scheinbar so komplizierten "Fall" gibt es eine einfache Lösung: Kreistag und Stadtrat beschließen den neuen Gesellschaftervertrag ohne den letzten Satz im vierten Abschnitt des Paragraphen 3.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
ich11
25.01.2012, 09:27 Uhr
Bereitschaft das ich nicht lache
Das alles, und vor allem die Bereitschaft der nichtärztlichen Mitarbeiter, auf rund 15 Prozent des tariflichen Lohnes zu verzichten, haben dazu beigetragen, dass das Südharz-Krankenhaus wirtschaftlich so gut dastehe. Im Klartext: Würden die nichtärztlichen Mitarbeiter nach Tarif bezahlt, dann wäre der operative Gewinn aufgefressen. Das Krankenhaus würde vermutlich rote Zahlen schreiben.

Also ich kann mir nicht vorstellen das die Mitarbeiter freiwillig auf die 15% Lohn verzichten wie es hier geschrieben wird (so habe ich es verstanden). Den Mitarbeitern wird einfach kein vernünftiger Tarifvertrag vorgelegt. Die GF des Krankenhauses macht eine sehr gute Arbeit, aber man sollte nicht vergessen wer im Betrieb an der Basis das Geld verdient und das ist der kleine Mann der ja auf 15 % Lohn nach aktuellen West Tarif verzichten.

Es ist eine Frechheit das nach mehr als 20 Jahren nach der Wende immer noch ein so großer Lohnunterschied besteht und das ärztliche Personal nach Tarif bezahlt wird. Weil das Pflegepersonal nicht wehren könnten die Ärzte nicht arbeiten, wenn die Mitarbeiter der Küche nicht wehren könnten die Ärzte nicht arbeiten, wenn die Mitarbeiter der Wäscherei nicht wären könnten die Ärzte nicht arbeiten,................

Es ist und bleibt einfach eine Frechheit.

Klartext: Die nichtärztlichen Mitarbeiter des Krankenhauses (fast 1.800) verzichten weiterhin auf 15 Prozent des ihnen tariflich zustehenden Gehalts, damit Löcher in den kommunalen Kassen geschlossen werden können. Damit zum Beispiel auch künftig der neue Landrat/Landrätin und der neue Oberbürgermeister/Oberbürgermeisterin nach den höchstmöglichen Besoldungsstufen entlohnt werden können, so wie das die Gremien jüngst beschlossen hatten. Ach ja - die Fraktionsgelder können dann auch weiter bezahlt werden.

Das diese Leute, die oben genannt werden, immer nur für ihr eigenes Wohl arbeiten das ist doch bekannt, das ist aber in der gesamten Politik so, das fängt in der kleinen Kommunalpolitik auf dem Dorf an und hört in Brüssel im Europaparlament auf. Aber das ist eine andere Sache und gehört nicht so richtig zum Sinn des Artikels.
Marie
25.01.2012, 09:49 Uhr
Lösung
Es gibt noch eine Lösung. Die Mitarbeiter verzichten nur auf so viel Lohn wie nötig ist, damit das KH nicht in rote Zahlen kommt, aber auch keinen Zugewinn macht. Dann gibt es auch kein Geld für die Gesellschafter. Das erwirtschaftete Geld ist doch für Neuanschaffungen und Modernisierungen im KH gedacht? Oder? Warum bleibt es dann nicht im KH. Dann kommt es auch einem OB oder LR zu gute, sollte er mal krank werden.
arixtra
25.01.2012, 20:03 Uhr
ungerecht
ich glaube nicht,dass das personal freiwillig auf eine lohnerhöhung verzichtet!
wurde stattdessen nicht 1x jährlich eine überschussbeteiligung an die mitarbeiter ausgezahlt!? und die wandert jetzt in taschen, die schon dick genug sind!?
wie ungerecht!
egw
26.01.2012, 08:15 Uhr
zur Selbstbedienung
Die Zustimmung der nichtärztlichen Mitarbeiter des SHK, zu einem Haustarifvertrag in Anlehnung an den TvöD, erfolgte unter der Zusage eine jährliche Überschussbeteiligung an die Mitarbeiter abzugeben zur Hälfte.Der Rest floss in Investitionen der Klinik.

Die Löhne der Ärzte stiegen, nach Verhandlungen des Marburger Bundes und der Klinik. Nebenbei gab es diverse Diskussionen weil verschiedene Ärzte die Klinik verließen - das Gehalt wäre der Grund. (Auch wenn bei einigen eine Aufstiegschance der Grund war,z.B. eine Chefarztstelle). Nun ist das Gehalt ordentlich erhöht,aber die Qualität einiger Ärzte eher nicht,wenn sie bei einem Arzt-Patienten-Gespräch mal auf so grundlegende Faktoren wie Deutschkenntnisse achten.

Der Betriebsrat vertritt die Angestellten. Noch lieber würden Sie es sehen, wenn alle Verdi beitreten würden,immer mit dem Argument: ...dann können wir Druck machen.
Wenn die Betriebsratsvorsitzende und Stellvertreterin nicht gerade Druck machen, dann sind sie mit auf dem Ärzteball 2012 - auch schön!!!
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