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Sa, 13:00 Uhr
27.09.2003

Fremd ist der Fremde nur...

Nordhausen (nnz). Auch Einheimische, die sich für Minderheiten engagieren, sind eine Minderheit. Im Rahmen der Woche der ausländischen Mitbürger dürfen die rund 250 in Thüringen existierenden Initiativen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zeigen, daß Ausländerhaß in einer Sackgasse endet.

Althaus Zum 10. Mal feiert Thüringen eine Interkulturelle Woche. Längst ist diese Bewegung den kirchlichen Kreisen entwachsen. Viele Vereine und Initiativen wie der Schrankenlos e.V. in Nordhausen zeigen, daß alle Menschen miteinander zurecht kommen können, wenn sie es nur wollen. Ein bißchen Toleranz auf beiden Seiten macht es möglich. Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) meinte in seiner Ansprache, daß sich Toleranz und Integrationsbereitschaft bedingen.

Wer in Deutschland heimisch werden möchte, der sollte sich mit unserer Sprache und Kultur auseinandersetzen. Aber auch wir Deutschen müßten ernsthaftes Interesse an Kultur, Religion und Weltanschauung von anderen zeigen. Vor allem Jugendliche sollten offen und verständnisvoll für ausländische Menschen gemacht werden, betonte der Ministerpräsident. Obwohl nur ein kleiner Teil der Thüringer Bevölkerung, nämlich 1,4 %, nicht deutscher Herkunft sind, wohnt Fremdenfeindlichkeit mitten unter uns. Althaus betonte, daß extremistischen und terroristischen Tendenzen Einhalt geboten werden müßte.

Wer selbst Ausländer kennt, der weiß, daß sie oft gar nicht so anders sind als wir. Eckehard Peters, Ausländerbeauftragter der Thüringer Landesregierung, regte deshalb an neugierig auf einander zu sein und Ideen zur Gestaltung der Migration zu haben. Eine Zuwanderung solle der Normalfall in einer offenen Gesellschaft mitten in Europa sein, so Peters.

Telek - nnz-Fotos: Wiethoff Im Anschluß an die Ansprachen gab es einem interessanten Vortrag des kurdischstämmigen Schriftstellers Nazif Telek. Er meint von sich selbst ein Baum mit kurdischen Wurzeln, türkischem Stamm und Deutschen Ästen zu sein. Seit 1980 lebt er in Deutschland, ist seit 1991 deutscher Staatsbürger und arbeitet als freier Rundfunkjournalist. Da die Kurden mit rund einer Million Menschen die zweitgrößte Volksgruppe in Deutschland nach den Türken sind, lohnt es sich mehr über Herkunft, Kultur und Religion dieser Menschen zu erfahren. So fremd sind sich Kurden und Deutsche gar nicht, meint Telek, denn vor 4000 Jahren wanderten indogermanische Stämme in die Region des heutigen Kurdistan.

Die Tatsache zu einer Minderheit in verschiedenen Ländern wie der Türkei, dem Irak und dem Iran zu gehören, macht es auch den deutschen Statistikern unmöglich festzustellen, wie viele Kurden genau bei uns leben. Durch den Krieg im Irak ist die Situation der Menschen aber vielleicht in das Bewußtsein einiger Deutscher gerückt. Auch im 19. Und 20. Jahrhundert bemühten sich die Kurden ein eigenes Land zu bekommen, was nie gelang. Vor allem von den Türken wurden sie unterdrückt, da es ihnen verboten war Sprache und Kultur zu pflegen. Eine zeit lang wurde sogar die Existenz der Kurden verleugnet. Nazif Telek bemüht sich nun, Brücken zur Verständigung deutscher und kurdischer Menschen zu bauen. Das könnte ihm auch mit seinen oft zweisprachigen Kinderbüchern gelingen.

Für Freunde ungewöhnlicher Musik bot das Weltmusikquartett WARU aus Leipzig einige Stücke vor allem auf Didgeridoo dar. Auch in der nächsten Woche warten noch zahlreiche Veranstaltungen unter em Motto "Integrieren statt ignorieren" auf interessierte Teilnehmer.
Autor: wf

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