Mi, 10:08 Uhr
10.09.2003
Briefe aus Bad Füssing (5)
Nordhausen/Bad Füssing (nnz). Gestern nun wurde es offiziell: Das Unternehmen Knauf hat die Konkursmasse der WICO in Niedersachswerfen gekauft. Wie aber soll es nun weitergehen?
Wer die Pressemitteilung der Insolvenzverwalterin Beutler genau liest, dem werden einige Feinheiten in der Formulierung nicht entgangen sein. So teilt Barbara Beutler aus München mit, den größten Teil der Maschinen und Anlagen an Knauf veräußert zu haben. Was ist also der größte Teil? Welcher kleine Teil wurde nicht verkauft? Warum wurden nicht alle Anlagen verkauft? Das werden wohl nur die Techniker wissen.
Doch viel interessanter wird es in der Beutler-Mitteilung, wenn man folgende Passage liest: In der Zwischenzeit (zwischen Januar 2003 und jetzt/ d. Red.) wurden zwar weitere Verhandlungen geführt mit dem Ziel, eine Fortführung des Geschäftsbetriebes zu ermöglichen. Diese haben jedoch letzten Endes nicht zum Erfolg geführt. De facto war also keiner der Investoren, nennen wir sie mal Verhandlungspartner, interessiert, den Betrieb in Niedersachswerfen weiter zu führen. Und dann wollen uns Frau Beutler und Knauf davon überzeugen, dass man sich in Iphofen noch in einem Abwägungsprozeß befinde, dessen Entscheidung nicht vor Ablauf des Jahres getroffen werden könne.
Selbst aus dem fernen Bad Füssing kommen mir da die schlimmsten Gedanken und Fragen: Für wie dumm hält man denn die Menschen am Südharz eigentlich. nnz titelte in der vergangenen Woche vom Tafelsilber, das verscherbelt wurde und bei dieser Aussage bleibt die Redaktion auch jetzt. Es wurde zum 1. September das verkauft, was Knauf haben wollte. Es wurde das verkauft, was wahrscheinlich an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden kann. Und wenn das im Osten Europas geschieht, dann können vermutlich aus irgendeinem Fördertopf der EU Mittel abgefasst werden. Kein Vorwurf an Knauf, aber Fragen an die Insolvenzverwalterin.
Warum ist in der Pressemitteilung nichts von einem Angebot einer Firma, der WICO Harz GmbH zu lesen? Warum hat man denjenigen nicht den Zuschlag erteilt, die den Standort weiter betreiben wollen, die vielleicht erst 25 dann 50 Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot gebracht hätten. Unternehmerisches Risiko ist immer dabei, das trägt auch die Knauf KG. Eigentlich ist die Frage einfach zu beantworten. Es sind die Gesetze des Marktes und der muß aus Sicht der Großen in diesem Spiel schnellstens bereinigt werden. Ein weiterer Mitwettbewerber auf diesem Markplatz der Baustoffe wäre alles andere als willkommen.
Und so ist die Hoffnung auf eine Reanimierung des Gipsabbaus und seiner Verarbeitung in Niedersachswerfen brutal unterdrückt worden. Letztlich sollen es 100.000 Euro gewesen sein, welche die Kommanditgesellschaft aus Iphofen mehr auf den Tisch gelegt haben soll. Jetzt ist wiederum die Politik gefragt, die kleine und die große. Niedersachswerfens Bürgermeister Napiralla hat die Insolvenzverwalterin um eine Stellungnahme zu ihrer Entscheidung gebeten. Soll die vorliegen, dann wird sich Napiralla gemeinsam mit anderen Bürgermeistern der Region an das Bundeskartellamt werden.
Morgen schon will die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker mit Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz sprechen. Schließlich sind in die WICO in den 90er Jahren satte 35 Millionen Euro Fördermittel geflossen. Hinzu kommen noch einmal ein paar Milliönchen für die große Brücke.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzWer die Pressemitteilung der Insolvenzverwalterin Beutler genau liest, dem werden einige Feinheiten in der Formulierung nicht entgangen sein. So teilt Barbara Beutler aus München mit, den größten Teil der Maschinen und Anlagen an Knauf veräußert zu haben. Was ist also der größte Teil? Welcher kleine Teil wurde nicht verkauft? Warum wurden nicht alle Anlagen verkauft? Das werden wohl nur die Techniker wissen.
Doch viel interessanter wird es in der Beutler-Mitteilung, wenn man folgende Passage liest: In der Zwischenzeit (zwischen Januar 2003 und jetzt/ d. Red.) wurden zwar weitere Verhandlungen geführt mit dem Ziel, eine Fortführung des Geschäftsbetriebes zu ermöglichen. Diese haben jedoch letzten Endes nicht zum Erfolg geführt. De facto war also keiner der Investoren, nennen wir sie mal Verhandlungspartner, interessiert, den Betrieb in Niedersachswerfen weiter zu führen. Und dann wollen uns Frau Beutler und Knauf davon überzeugen, dass man sich in Iphofen noch in einem Abwägungsprozeß befinde, dessen Entscheidung nicht vor Ablauf des Jahres getroffen werden könne.
Selbst aus dem fernen Bad Füssing kommen mir da die schlimmsten Gedanken und Fragen: Für wie dumm hält man denn die Menschen am Südharz eigentlich. nnz titelte in der vergangenen Woche vom Tafelsilber, das verscherbelt wurde und bei dieser Aussage bleibt die Redaktion auch jetzt. Es wurde zum 1. September das verkauft, was Knauf haben wollte. Es wurde das verkauft, was wahrscheinlich an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden kann. Und wenn das im Osten Europas geschieht, dann können vermutlich aus irgendeinem Fördertopf der EU Mittel abgefasst werden. Kein Vorwurf an Knauf, aber Fragen an die Insolvenzverwalterin.
Warum ist in der Pressemitteilung nichts von einem Angebot einer Firma, der WICO Harz GmbH zu lesen? Warum hat man denjenigen nicht den Zuschlag erteilt, die den Standort weiter betreiben wollen, die vielleicht erst 25 dann 50 Mitarbeiter wieder in Lohn und Brot gebracht hätten. Unternehmerisches Risiko ist immer dabei, das trägt auch die Knauf KG. Eigentlich ist die Frage einfach zu beantworten. Es sind die Gesetze des Marktes und der muß aus Sicht der Großen in diesem Spiel schnellstens bereinigt werden. Ein weiterer Mitwettbewerber auf diesem Markplatz der Baustoffe wäre alles andere als willkommen.
Und so ist die Hoffnung auf eine Reanimierung des Gipsabbaus und seiner Verarbeitung in Niedersachswerfen brutal unterdrückt worden. Letztlich sollen es 100.000 Euro gewesen sein, welche die Kommanditgesellschaft aus Iphofen mehr auf den Tisch gelegt haben soll. Jetzt ist wiederum die Politik gefragt, die kleine und die große. Niedersachswerfens Bürgermeister Napiralla hat die Insolvenzverwalterin um eine Stellungnahme zu ihrer Entscheidung gebeten. Soll die vorliegen, dann wird sich Napiralla gemeinsam mit anderen Bürgermeistern der Region an das Bundeskartellamt werden.
Morgen schon will die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker mit Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz sprechen. Schließlich sind in die WICO in den 90er Jahren satte 35 Millionen Euro Fördermittel geflossen. Hinzu kommen noch einmal ein paar Milliönchen für die große Brücke.
Peter-Stefan Greiner

