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Mi, 21:35 Uhr
21.09.2011

nnz-Forum: Eliten statt Murkser

Zu einigen Ursachen für den Sozialabbau in Deutschland nimmt im Forum ein Leser der nnz Stellung. Der Forum-Beitrag von Harald Buntfuß hat ihn veranlasst, einige Ursachen für das angebliche „Ausbluten“ der Sozialsysteme hier darzustellen.


Herr Buntfuß sagt an einer Stelle richtigerweise, dass uns die richtigen Politiker fehlen. Damit hat er völlig Recht. Wenn der damalige Bundeswirtschaftsminister Prof. Schiller ein Problem zu beraten hatte, dann konnte er –s elbst Professor der Nationalökonomie - in seinem eigenen Hause neun! ausgebildete Nationalökonomen konsultieren.

Wenn Bundeskanzler Helmut Schmidt (Volkswirt) sich eine Meinung zu einem ökonomischen Problem bilden wollte, dann verfügte er über einen vielfältigen Kreis von makroökonomisch versierten Volkswirten – vom Chef des Bundeskanzleramtes über die Leiter der Wirtschaftsabteilung und der Planungsabteilung sowie deren Mitarbeiter bis hin zum stellvertretenden Regierungssprecher.

Bundeskanzler Schröder – Jurist - hatte das verändert. Seine Ratgeber waren: der Chef des Bundeskanzleramtes, Herr Steinmeier –Jurist -, der Leiter der Wirtschaftsabteilung, Herr Mirow – Politologe und Romanist. Welche fundierten Ratschläge für Wirtschafts- und Finanzpolitik hätten sie ihm geben können? Das Resultat war die sog. Agenda 2010.

Ähnlich sah es im Wirtschaftsministerium aus. Herr Klement war Journalist und Jurist. Sein Stellvertreter war Diplom-Ingenieur und Verwaltungswissenschaftler.

Der Dritte im Bund derer, die für die Wirtschafts- und Finanzpolitik verantwortlich waren heißt Hans Eichel, von Beruf Lehrer. Dieser hatte die makroökonomisch versierten Mitarbeiter seines Vorgängers, die Staatssekretäre Flassbeck und Noe, sowie zwei Abteilungsleiter ähnlicher Denkungsart kaltgestellt.

Ist es denn da ein Wunder, dass die Regierung, die über keinen Sachverstand verfügt hilflos den externen „Beratern“, die von den Wirtschaftsbossen (den wirklich Regierenden) geschickt werden ausgeliefert sind? Nein! Ein prägnantes Beispiel war die Erhöhung der Mehrwertsteuer durch die große Koalition. Die deutsche Exportwirtschaft muss die höhere Mehrwertsteuer genauso wenig tragen wie die vorherige Mehrwertsteuer. Die Exporte werden also nicht belastet, wohl aber die Importe. Tendenziell wurde damit die Steuerlast noch weiter auf die binnenmarktorientierte Wirtschaft, und damit auf die Bevölkerung verschoben.

Wie sieht die Fachkompetenz heute aus? Der Wirtschaftsminister ist Arzt. Die Ministerin für Arbeit und Soziales ist Ärztin. Die Landwirtschaftsministerin ist Facharbeiter für Radio- und Fernsehtechnik und der Finanzminister ist promovierter Jurist. Was soll denn dabei herauskommen, wenn Laien die Ministerämter besetzt haben? Murks!

Aber nur wenn die Volkswirtschaft gut funktioniert, angemessene Löhne gezahlt werden und es ein gerechtes Steuersystem gibt, kann ein Staat seine umfangreichen Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen. So ähnlich hat das wohl auch der seinerzeitige Minister Ludwig Erhardt gesehen.

Zum Problem der Staatsverschuldung nur soviel: die Staatsverschuldung der BRD beträgt 2,0 Billionen EURO. Das Nettogeldvermögen der Deutschen beträgt 3,3 Billionen €, wobei 20% der Bevölkerung über 80% des Vermögens verfügen. Wenn ein Staat Schulden hat muss er dafür Zinsen zahlen. Na und an wen? Natürlich an die vermögenden Anleger. Diese haben also gar kein Interesse am Abbau der Staatsverschuldung und „beraten“ in diesem, ihrem Sinne die Regierung.

Die angeblich explodierenden Sozialausgaben muss man auch näher betrachten. 1991 betrugen die Sozialausgaben der Bundesrepublik ca. 28% des Bruttoinlandsproduktes, im Jahre 2008 ca. 29% (Quelle: BMA Sozialberich 2009 S. 254). Ich sehe da keine Explosion! In den Sozialausgaben sind u.a. auch die Zuschüsse für „Aufstocker“ enthalten. Würden die sog. Arbeitgeber angemessene Löhne zahlen wäre dies nicht erforderlich, würde aber deren Profit schmälern und daher stellten sich zunächst CDU, CSU, FDP Sozialdemokraten und Grüne gegen die Einführung flächendeckender Mindestlöhne. Die Front hat aber zu bröckeln begonnen.

Die niedrigen Löhne führen dazu, dass immer mehr Rentner zu ihrer erarbeiteten Rente Zuschüsse bekommen müssen, um eine zum Leben erforderliche Rente zu erhalten, d.h. diese Position wird künftig anwachsen und wieder dazu dienen, dass die Regierung von „explodierenden“ Sozialausgaben reden wird.

Quintessenz: wir müssen dazu beitragen, dass wir nicht von Murksern sondern wirklichen Eliten regiert werden.
Wolfgang Reinhardt
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
gosalianer
21.09.2011, 23:32 Uhr
Zu pauschal...
"Vermögende Anleger" haben sehrwohl ein Interesse daran, dass die Finanzstruktur des Staates stabil bleibt. Ansonsten müssten sie - wie im aktuellen Beispiel Griechenland - um Rückzahlung der Staatsanleihen fürchten. Außerdem ist es so, dass der Staat als Emittent am Anleihenmarkt das Angebot stellt und der Investor dieses nur bedient.

Das soll heißen, dass nicht der Anleger an den Staatschulden schuld ist, sondern der Staat, der mit seinem eigenen am Markt emittierten Finanzprodukt nicht umgehen kann. Gäbe es dafür keine Nachfrage, dann hätten wir auch keinen Markt für Anleihen. Außerdem ist es dadurch möglich, dass sich der Staat in vielerlei Hinsicht am Kapital der Vermögenden bedienen kann.

In der hiesigen Realwirtschaft muss ein gut situiertes Unternehmen (bspw. ab 80.000 EUR Überschuss im Jahr), weit über 50 % dieses Gewinns, in Form von Einkommens- oder Körperschaftssteuer sowie Gewerbesteuer und zahlreiche zweifelhafte Zwangsabgaben an bestimmte Kammern und/oder Vereinigungen abdrücken.

Das hat zur Folge, dass es in guten Zeiten nur wenig Rücklagen bilden kann; woraus resultiert, dass es in schlechten Zeiten ebenfalls Schulden aufnehmen muss bzw. ganz und gar insolvent ist. So entsteht u. a. auch Arbeitslosigkeit. Dennoch nutzt der Staat diese Form des Ausblutens um sich selbst zu sanieren. Dann ist es aber auch gerecht, dass der Staat für das Leihen von Geld - bspw. aus dieser Realwirtschaft - Zinsen für die Aufnahme von Schulden bezahlt.

Der Staat wird also nicht nur von den Anlegern finanziell bedient sondern bedient sich in gleicher Form - und das nicht zu knapp - an den Anlegern. Dass der Staat es nicht schafft, mit dem Geld ordentlich zu haushalten, ist nicht die Schuld derer, die in der Lage sind Kapital zu schaffen und ggf. zu vermehren, sondern die Schuld zahlreicher "Laien", die unser Land regieren - dem stimme ich zu.

Der vermögende Anleger, der in der aktuellen politischen Misere als Sündenbock herhalten muss, ist aus meiner Sicht wieder nur eine Sau, die (wiederholt) durch's Dorf getrieben wird. Es ist mir zu pauschal, wenn Sie sagen, dass der Staat von den vermögenden Anlegern beraten wird. Wäre das so, dann gäbe es in Deutschland keine Steuerflucht sondern einen Anreiz für Vermögende in diesem Land steuern zu zahlen. Für den Anleihen- und Kapitalmarkt gibt es außerhalb der EU eine große Konkurrenz, der sich die Politik gerade sehr stark entzieht - das ist aus meiner Sicht kein Anzeichen für eine Sympathie zu den finanzkräftigen Anlegern, die Geld in den Staatshaushalt spülen könnten.

Diese haben eher eine berechtigte Angst davor, weiterhin den Schuldenstaat Deutschland (bzw. EU) mit Kapital zu bedienen, deren Steuersystem - weltweit - als veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig gilt.
Bonefatius K.
22.09.2011, 06:40 Uhr
Eliten statt Murksern
Alles hier dargestellte ist vollkommen korrekt. Es zieht sich durch wie ein roter Faden bis in die kleinsten Ebenen der Kommunalpolitik.
Peppone
22.09.2011, 20:36 Uhr
Helfen Fachleute?
Es klingt zwar seltsam, die Frage muss man aber ganz einfach stellen, lieber Herr Reinhardt. Wenn Herr Professor Schiller damals 9 Ökonomen als Berater hatte, dann steht sich Herr Rößler heute mit 1500 Bediensteten, darunter sicher viele Berater und Fachleute, doch nicht schlechter. Man könnte sogar ketzerisch fragen, was ist besser, 500 oder 9? (Persönlich tendiere ich zu neun!;-)) Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht.

Wir haben unabhängig von Partei mit Sicherheit keine schlechten Politiker, denn hätten wir die, wäre Deutschland nicht die größte Volkswirtschaft Europas. Wir wären auch nicht das Land, welches potenziell in der Lage ist, überhaupt Rettungsschirme für andere EU Staaten zu spannen.

Aber ich gebe Ihnen recht, wir könnten bessere Politiker haben. Die wachsen aber nicht auf Bäumen oder fallen vom Himmel. Wir Wähler wählen sie und wir wählen meistens immer die, die uns das meiste versprechen! Die, die während ihrer Legislatur feststellen, dass sie zu viel versprochen haben und umlenken, strafen wir bei der nächsten Wahl ab! Wir Wähler selektieren uns den alles versprechenden Schaumschläger heraus, der alle seine Wohltaten mit der allerschlimmsten Krankheit eines Staates finanziert - der Staatsverschuldung!

Nicht die Anleger in Staatsverschuldung sind Schuld an der Verschuldung, sondern wir selbst. Nehmen Sie den konkreten Fall Griechenland. Ich wette zwar ungern, aber ich wette, dass die Anleger dort an ihre Anlagen einen leidvollen Haken machen können. Dieser Staat ist schlicht und einfach total überschuldet. Dieser Staat hat verantwortungslos über seine Verhältnisse gelebt.

Wenn wir in Deutschland nicht aufpassen, dann geht es uns irgendwann genauso. Wir dürfen nicht die wählen, die uns mit ihren "Wohltaten" und Protzbauten immer weiter in die Verschuldung treiben. Wir haben nur bei Gemeinde, Land und Bund eine statistische pro Kopf Verschuldung von ca. 20.000 Euro. Häuschen und Auto kommen bei vielen noch dazu.

Wir kommen aus der ganzen Misere nur heraus, wenn wir Politiker wählen, die neben fachlicher und soziologischer Kompetenz auch die Fähigkeit mitbringen, unangenehme Wahrheiten zu sagen und diese auch durchsetzen! Das wird aber nicht passieren, weil die meisten von uns das nicht wollen und wieder den "Schaumschläger" wählen!
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