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So, 08:39 Uhr
14.08.2011

Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (4)

Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz „Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen“ geben...

Gottlob Christian Kühn (1780-1828)

Caspar David Friedrich, 1807/08 Gipsbüste, getönt, H/B/T: 60,0 x 32,0 x 23,5 cm
© Städtische Galerie Dresden-Kunstsammlung, Museen der Stadt Dresden


Büste von Kühn (Foto: privat) Büste von Kühn (Foto: privat) Gottlob Christian Kühn - so steht der Künstler im Künstlerlexikon Thieme-Becker verzeichnet - wurde am 16. Juni 1780 in Dresden geboren und starb am 20. Dezember 1828 in seiner Heimatstadt. Er erhielt seine Ausbildung bei dem Hofbildhauer Franz Pettrich (1770-1844) an der Kunstakademie in Dresden. Vom Kurfürsten unterstützt, trat er mit seinem Lehrmeister im Herbst 1801 eine Reise nach Italien an, nach Rom, einem Zentrum der Bildhauerkunst. Anerkannte Kapazitäten in dieser Kunstform waren Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen. Vor allem dem Bearbeiten von Marmor galt das Interesse der beiden Deutschen.

Nach seiner Italienreise arbeitete Kühn in Dresden als Bildhauer. Er war mit Friedrich befreundet, von dem er 1807/08 die ausgestellte Porträtbüste fertigte, von der es Aus-führungen in Gips und in Marmor gibt. Kühn hat Friedrichs Gesichtszügen einen entschlossenen Ausdruck verliehen, sein gekräuselter Bart lässt das Kinn noch frei, was sich wenig später zum Vollbart ändern wird. Als Friedrich für Kühn Modell saß, hatte er Kontakt zu vaterländisch gesinnten Menschen, die ein vereintes Deutschland anstrebten und Napoleon als Okkupanten ansahen.

Das waren u. a. die Familien des Malers Gerhard von Kügelgen und des Juristen und Schriftstellers Christian Gottfried Körner. Diese wiederum suchte der Schriftsteller und Dramatiker Heinrich von Kleist (1777-1811) häufig auf, der sich seit Ende August 1807 bis April 1809 in Dresden aufhielt.

Der Bildhauer Kühn schuf 1808 für Friedrichs Gemälde „Kreuz im Gebirge“, das in der Gemäldegalerie „Neue Meister“ in Dresden zu sehen ist, den auffälligen und die Bildaussage unterstützenden Rahmen, beide bilden also eine Einheit. Die Kritik an diesem Ölgemälde durch den Freiherrn Basilius von Rambohr, im Januar 1809 in der „Zeitschrift für die elegante Welt“ veröffentlicht, führte zum „Rambohrstreit“, einer grundsätzlichen Auseinandersetzung um die romantische Kunst. Auch in der von Heinrich von Kleist seit 1808 in Dresden mit Freunden herausgegebenen Kunstzeitschrift „Phoebus“ fand diese ihren Niederschlag.

Manchmal fügt es sich, dass Vergangenheit und Gegenwart sich direkt begegnen. So ist es am Samstag, dem 20. August 2011. In Nordhausen läuft die Ausstellung „Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich“ und in der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ in Limlingerode tritt anlässlich der 6. poe Ton-Tage die Schauspielerin Cora Chilcott um 17.00 Uhr mit ihrem Programm „O Himmel, was ist das für eine Welt!“ auf. Zum 200. Todestag des Dichters Heinrich von Kleist, der sich im November jährt, werden Textauszüge aus „Amphitryon“, Penthesilea“ und dem „Käthchen von Heilbronn“ mit Briefen, Gedichten und Schriften verknüpft. Die genannten Dramen haben alle mit Kleists Dresdenaufenthalt zu tun.

Auch vor 200 Jahren, im Sommer 1811, wenige Monate vor Kleists Selbstmord am Wannsee, unternahm Kühn gemeinsam mit Friedrich eine mehrtägige Harzwanderung. Und im Brockenbuch konnten sie Kleists Eintragungen lesen, denn dieser war sogar mehrere Male im Harz unterwegs gewesen.

Kühn arbeitete in Dresden vorwiegend als Bildhauer von Grabmalen. Eine seiner bekanntesten Grabplastiken ist die Jungenfigur „Trauernder Genius mit verlöschender Fackel“, die aus Witterungsgründen in der Loschwitzer Kirche aufgestellt ist. Bis 1863 befanden sich an der Treppe zur Brühlschen Terrasse zwei von ihm 1814 geschaffene Sandsteinlöwen. Sie stehen heute am südlichen Ende der Querallee am Großen Garten.

Kühns Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden. Laut Auskunft der Friedhofsverwaltung steht auf dem Grabstein: Christian Gottlieb Kühn. Auch Caspar David Friedrich liegt dort begraben. Carl Gustav Carus (1789-1869).
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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