Bodo Schwarzberg
23.07.2011, 10:40 Uhr
Wir selbst machen die Allergien
Wenn immer mehr Menschen an Allergien leiden, so liegt das, bewiesen durch zahlreiche Studien, an der heute verbreiteten, übertriebenen Sauberkeit in Wohnung, Freizeit und Beruf.
Statt auf einem staubigen Bolzplatz Fußball zu spielen, sitzen Kinder vor ihrem gewiss gut geputzten PC. Eltern wollen ihrem Baby etwas Gutes tun und renovieren das künftige Kinderzimmer vor dem Einzug des neuen Erdenbürgers, kaufen fabrikfrische, natürlich porentief saubere, aber chemikalienreiche Einrichtungsgegenstände.
Während noch nach dem Krieg sehr viele Haushalte nebenbei Landwirtschaft betrieben und dadurch oft mit "Dreck" zu tun hatten, haben heute viele Menschen gar keinen unmittelbaren Hautkontakt mehr zu Erde und Pflanzen.
All das, worüber man den Oberbegriff "Naturentfremdung" setzen kann, führt entsprechend vieler Untersuchungen zum explosionsartigem Anstieg der Allergien mit zum Teil lebensbedrohlichen Folgen. Nicht zuletzt trägt der Klimawandel und damit wiederum unsere Konsum- bzw. Wirtschaftsweise zu diesem Trend bei: Ambrosia artemisiifolia, meist kurz Ambrosie genannt, wurde bereits 1860 in Deutschland nachgewiesen, breitete sich aber erst seit 1990 unkontrolliert aus und muss nun als invasiv bezeichnet werden.
Bereits geringste Pollenzahlen pro Kubikmeter Atemluft können bei Menschen, deren Immunsystem aus oben genannten Gründen schon vorgeschädigt ist, schwerste Reaktionen auslösen. Diesen Trend hat der Mensch selbst zu verantworten: Erstens schleppte er die Art aus Nordamerika ein, zweitens schafft er dem Trockenheitszeiger Ambrosia mit dem Klimawandel beste Lebensbedingungen und drittens schwächt er durch seine Lebensweise sein Immunsystem.
Das Tor für Allergene und Allergien hat er damit weit aufgestoßen. Vielen anderen Allergenen wird so der Boden bereitet ("Kreuzallergie"). Nachteilig wirkt sich bei Ambrosia auch aus, dass sie erst im Spätsommer und Herbst blüht und dadurch die Zeit eines hohen Anteils an ihren Allergenen in der Luft weit in die letzten Monate des Jahres verschiebt. Haben wir dann einen klimawandelbedingten sommerlichen November mit Biergartenwetter, schweben die Ambrosiapollen.
Dieses komplexe Wirkgefüge zeigt, wie sehr es sich für den Menschen rächt, das ausgeklügelte Gleichgewicht der Natur und seine Beziehungen durcheinander zu bringen. Das sollte uns eine Warnung sein. Denn gegenüber den Problemen, die uns möglicherweise noch erwarten, wenn wir so weitermachen, dürften sich Ambrosia, Asthma und Heuschnupfen lächerlich ausnehmen.
Abschließend noch ein Zitat aus www.allergiewelt.de:
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Zuviel Sauberkeit verursacht Allergien
22. November 2008
Autor: Ariane
Wissenschaftler bestätigen erneut, dass zuviel Hygiene und Sauberkeit oftmals erst den Allergien den Weg ebnet.
Damit ist die sogenannte Dschungeltheorie” weiter bekräftigt worden. Diese besagt, dass Menschen, die in der Kindheit möglichst vielen Reizstoffen ausgesetzt waren, weniger zu Allergien neigen als Menschen, die in einem penibel sauberen Umfeld großwerden. Darauf wies der bekannte Allergologe Prof. Ulrich Wahn anlässlich des Fachkongresses Allergien – kein Kinderspiel” der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland und der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hin.
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