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Fr, 15:16 Uhr
03.06.2011

Ein ganz normales Unternehmen

Als in Auschwitz und den anderen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern Millionen Menschen ermordet wurden, standen die Mörder vor technischen Problemen. Eine Firma aus Erfurt konnte "helfen"...


Cover (Foto: Gedenkstätte Mittelbau Dora) Cover (Foto: Gedenkstätte Mittelbau Dora) Tötung und Leichenbeseitigung sollten möglichst effektiv vonstatten gehen. Um dies zu bewerkstelligen, war die SS auf zivile Experten angewiesen, die keine Skrupel hatten, sich in die praktischen Probleme der Vernichtung hineinzudenken und entsprechende Lösungen zu entwickeln. Die Erfurter Firma Topf & Söhne hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.

Industrie und Holocaust

Die Autorin Dr. Annegret Schüle, Leiterin des 2011 eröffneten Gedenkortes „Topf & Söhne“ in Erfurt, ließt aus ihrem Buch, das die Firmengeschichte eines ganz normalen deutschen Unternehmens behandelt. In ihrer Studie belegt sie die Mitwisser- und Mittäterschaft der Inhaber, Ingenieure und Monteure im Nationalsozialismus.

Dargestellt wird, wie ein Thüringer Traditionsunternehmen, das in der Weimarer Republik Bestattungsöfen für städtische Krematorien entwickelte, zum direkten Auftragnehmer der SS wurde. Die Autorin fragt, wer diese Menschen waren, die in der Massenvernichtung eine technologische Herausforderung, eine Chance zur Gehaltssteigerung und einen zukunftsfähigen Markt sahen.

Wie war es möglich, dass sich in der Betriebsgemeinschaft kein Widerspruch regte und sogar Arbeiter aus dem kommunistischen Widerstand zu Mittätern wurden? Wie gingen die Beteiligten und die beiden Nachkriegsgesellschaften mit dieser Schuld um? Das Erfurter Unternehmen Topf & Söhne ist ein Beispiel dafür, welche Schlüsselrolle private Wirtschaftsunternehmen bei der Massenvernichtung im Nationalsozialismus spielten.

Und hierbei handelte es sich nicht um einen Einzelfall, was die Tatsache belegt, dass das Konkurrenzunternehmen Kori aus Berlin den Auftrag erhielt, die Verbrennungsöfen für das KZ Mittelbau-Dora zu liefern.

Die letzte Station der Lesereise findet am Dienstag, dem 7. Juni 2011, um 19:30 Uhr im Kinosaal des Museumsgebäudes der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora statt. Präsentiert wird ein Film, der Eindrücke von dem geschichtsträchtigen Arbeitsort am Sorbenweg in Erfurt vermittelt. Im Anschluss trägt die Autorin Passagen aus dem Buch „Industrie und Holocaust. Topf & Söhne. Die Ofenbauer von Auschwitz“ vor. Interessierte Besucherinnen und Besucher haben dann die Möglichkeit Fragen zu stellen und mitzudiskutieren. Der Eintritt ist frei.

Annegret Schüle, Industrie und Holocaust. Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz, hg. von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Wallstein Verlag Göttingen 2010, 29,90 Euro, ISBN 978-3-8353-0622-6
Autor: nnz

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