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So, 16:20 Uhr
06.07.2003

nnz-Bücherkiste: Opus Magnum

Nordhausen (nnz). Auch an diesem Wochenende hat die nnz wieder mal in der Bücherkiste gekramt. Und gefunden haben wir ein Buch von Klaus Modicke Krieg, Verbrechen, Schuld, Sühne, die Liebe und eine grandiose Insel.


Johann Martens fliegt über die Berge des Peleponnes. Über dem Meer, in der Ferne, die Konturen der Insel Kreta. Winter 1943. Martens, er ist Archäologe, soll auf Kreta kunstgeschichtliche Bestimmungen durchführen, Kulturgüter auf ihren „germanischen Charakter“ hin begutachten. Seit Jahren hat der Wissenschaftler im Halbschlaf gelebt, die Augen geschlossen, wo er sie schließen wollte und geöffnet, wo sich Schlupflöcher boten, die ihn vor Terror und Krieg beschützten, ihn tarnten durch unauffälliges Mitlaufen.

Solch ein "Schutz" ist auch der Auftrag auf dieser Insel, die nur noch verwaltet wird, auf der es aber Probleme mit dem Widerstand, dem Andartiko gibt. Die Partisanen bekämpfen die deutsche Besatzungsmacht, sich untereinander und kooperieren mit britischen Agenten, die sich auf Kreta tummeln. Als Leutnant Friedrich Hollbach, sein Vorgesetzter, Johann befiehlt, als Dolmetscher einer der deutschen Vergeltungsaktionen in den kretischen Bergdörfern beizuwohnen, dämmert es dem Archäologen, was diese Besatzung bedeutet. Er handelt, fotografiert die Erschießungen und Brandschatzungen der Deutschen, entwickelt Filme, übergibt sie an die Partisanen und warnt diese vor einer geplanten Aktion der Deutschen.

Hollbach kommt seinem Archäologen auf die Schliche und verhaftet ihn. Doch als man Martens in das Militärgefängnis in Heraklion überführen will, wird der Kübelwagen mit dem Gefangenen überfallen und Martens gerettet. Damit ist sein Schicksal besiegelt. Er ist Teil des kretischen Widerstands und wird verzweifelt von den Deutschen gejagt. Und doch - im Untergrund begegnet er der unendlichen Gastfreundschaft der Menschen dieser Insel, der Liebe und immer wieder dem Tod.

Was dieses Buch auszeichnet, ist die für einen deutschen Autor ungewöhnliche epische Kraft. Hier tritt ein Erzähler an, der mit seinen Figuren nicht nur den Kosmos des Krieges auf einer Insel durchforstet, sondern Mentalitäten ausleuchtet, die großen Themen von Schuld und Sühne, Liebe und Tod einbettet in eine außergewöhnliche Liebeserklärung an die Mittelmeerinsel Kreta und die Kreter.

Klaus Modick, 1951 in Oldenburg geboren, erhielt für sein umfangreiches Werk, darunter die Romane Ins Blaue, Das Grau der Karolinen und Der Flügel, zahlreiche Preise. Im Eichborn Verlag erschienen bisher: Milder Rausch (1999), Vierundzwanzig Türen (2000) und Septembersong (2002). Der Autor lebt und arbeitet in Oldenburg.
Autor: nnz

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