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Mi, 07:02 Uhr
27.04.2011

Die Digedags und der Südharz

In einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Nordhausen wurde es vor einigen Tagen bereits kund getan: Dr. Mark Lehmstedt kommt am 5. Mai in die Rolandstadt - ins Museum „Tabakspeicher“. Beginn der Veranstaltung ist um 19.30 Uhr. Dazu nnz-Leser Hans-Georg Backhaus...


Ich weiß aus Gesprächen, dass sich viele Fans der legendären Comic-Zeitschrift „Mosaik“ diesen Tag bereits dick im Kalender angestrichen haben. Im Rahmen der äußerst beliebten Veranstaltungsreihe „Kunst, Gott und die Welt“ liest der Leipziger Kulturhistoriker, Lektor und Verleger aus seinem viel beachteten Sachbuch „Die geheime Geschichte der Digedags“. Besonders interessant wird sicher auch sein Bericht über die Begegnung mit dem die Öffentlichkeit scheuenden Johannes Hegenbarth (Hannes Hegen) in dessen Berliner Privatwohnung sein.

Lehmstadt hat aufgrund langjähriger und tiefgründiger Recherchearbeit für uns Südharzer, insbesondere für die Nordhäuser und Ilfelder/Netzkater Bürgerinnen und Bürger eine geradezu sensationelle Botschaft parat: Die Wurzeln der beliebtesten Bilderzeitschrift der DDR – dem „Mosaik“ – liegen im Südharz! Autoren neigen gelegentlich zu Übertreibungen. Aber das, was ich Lehmstedts Buch entnehmen konnte, heißt für mich, dass die Wiege der knuddeligen Kobolte Dig, Dag und Digedag hier bei uns stand.

Lehmstedt fand nämlich heraus, dass der Gründer des „Mosaik“, Johannes Hegenbarth, um den Jahreswechsel 1945/1946 bis Ende Juni 1946 in Ilfeld-Netzkater wohnte und in Benneckenstein in einem Verlag und Druckerei für Glückwunschkarten tätig war, zudem der maßgebliche Geschichtenentwickler der Zeitschrift, Lothar Dräger, in der Spielzeit 1954/1955 an den Bühnen der Stadt Nordhausen ein Engagement am Musiktheater inne hatte und der aus Nordhausen stammende Hans Ehrhardt für die politisch-ideologische Arbeit im „Mosaik“ - Kollektiv verantwortlich zeichnete.

Drei Persönlichkeiten also, die mit ihren Talenten, Fähigkeiten, Wissen aber auch ihren unterschiedlichen Charakteren die Ausrichtung der Zeitschrift über weite Strecken maßgeblich bestimmten und für deren Weiterbestehen sich einsetzten. Das ist ein Pfund, mit dem wir Südharzer fortan mehr wuchern sollten. So ist zu überlegen, am Wohnhaus der Familie Hegenbarth in Netzkater und am Theater Nordhausen Erinnerungstafeln für diese Persönlichkeiten anzubringen.

Mark Lehmstedt freut sich – wie er mir im jüngsten Telefongespräch sagte – schon sehr auf die Begegnung mit vielen interessierten Bürgern aus unserem Landkreis. Er ist auch neugierig, ob Besucher möglicherweise noch alte Glückwunschkarten aus der Druckerei F. Labusch aus Benneckenstein oder alte Fotos vom vorübergehenden Domizil der Familie Hegenbarth in Netzkater bei sich zu Hause finden und diese zur Veranstaltung mitbringen. Bekanntlich wurden Dramaturgiesekretärin Regina Nafe und ich im Nordhäuser Theaterarchiv auf der Suche nach alten Programmheften aus der Spielzeit 1954/1955, in denen Lothar Dräger als Akteur mit aufgeführt ist, fündig.

Der spannende Abend dürfte jedoch nicht nur für die „alten“ Freunde des „Mosaik“ interessant sein. Die Veranstalter – das Kulturamt der Stadt Nordhausen und der „Förderverein Tabakspeicher“ – sowie Gastautor Mark Lehmstadt freuen sich auch über viele junge Leute, die Leser anderer Comic-Hefte sind oder selbst Comics gestalten. Nur das „Mosaik“ von Hannes Hegen ist halt einmalig. Es ist ein Wunder aus DDR-Zeiten, das in unserer Südharzregion seinen Anfang nahm.
Hans-Georg Backhaus, Nordhausen
Autor: nnz

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