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Fr, 11:32 Uhr
22.04.2011

Hexenstieg und viele Probleme

Über seine Erfahrungen mit dem Harzer Hexenstieg, auf den die nnz heute hingewiesen hatte, berichtet Bodo Schwarzberg in unserem Forum...


Wir haben den Harzer Hexenstieg am 16. und 17. Juli 2005 in 24 Stunden bewältigt, wobei wir einen absichtlichen Umweg von drei Kilometern hinzufügten, um auf die für uns "notwendigen" 100 km zu kommen. Veranstalter war in diesem Fall aber nicht ich selbst, sondern der Dresdner Wanderkollege Frank Adam.

Meine Kritik bezieht sich zum einen auf die Länge dieses Weges von 97 km. Werbewirksamer wäre es, wenn man noch irgenwo drei Kilometer hinzugeben könnte. Als "Langstrecken-Wanderprofi" habe ich damals (auch in der Presse) die Art der Dauermarkierung des Weges bemängelt, die sich vielfach nicht an den Interessen der Wanderer orientierte. Das heißt konkret, dass das Hexensymbol oft an Baunseiten zu finden war, wo es aus der üblichen Blickrichtung des Wanders nicht oder nur auf den zweiten Blick zu sehen war. Auch wünschte ich mir damals eine etwas höhere Markierungsfrequenz.

Denn schließlich sind dort ja oft Menschen unterwegs, für die das Verlaufen im Wald schnell einer persönlichen Katastrophe gleichkommt. Die Qualität einer Dauermarkierung zeigt sich für uns 100 km-Nonstopwanderer vor allem nachts. Da zeigt sich besonders, ob die Markierer beim Anbringen der Wegzeichen wirklich mit dem Kopf der Wanderer gedacht haben. Wir befreien uns selbst aus "komplizierten" Situationen. Es gibt aber viele Menschen, die in der Natur keinerlei Orientierungsvermögen mehr haben. Das wird allgemein zu wenig auf unseren Wanderwegen im Harz berücksichtigt. Allerdings spreche ich in der Vergangenheitsform. Ich weiß nicht, ob sich die Situation gebessert hat, hoffe es aber.

Generell habe ich die Idee des Hexenstiegs als Maßnahme für den sanften Tourismus und als länderverbindenen Weg begrüßt. Abseits der Hauptwege wie Hexenstieg und Karstwanderweg sieht es aber oft desolat aus auf dem Harzer Wanderwegesystem. Viele Wege sind nicht oder nur sporadisch markiert. Ein engeres, gut markiertes Netz ist oft nur rund um die Touritsnezentren und um Gaststätten zu finden. Immer wieder beobachte ich, dass zunächst gute Markierungen plötzlich aufhören. Damit begeistert man den durchschnittlichen Wanderer kaum.

Leider orientiert sich das Wanderwegesystem im Harz zu sehr an der Gewohnheit unserer immer übergewichtigeren und bewegungsarmen Gesellschaft, die zum Kaffeetrinken irgendwo hinfährt, und anschließend noch ein paar Schritte um den Parkplatz geht. Menschen, die wirklich noch wandern wollen, sind oft auf ihr Orientierungsvermögen bzw. auf gutes Kartenmaterial angewiesen. Aber auch hier liegt vieles im Argen. Die Realität der Karten und die Realität der tatsächlich vorhandenen und ausgeschilderten Wanderwege stehen in einem ständigen Widerspruch zueinander.

Zudem ist das Kartenlesen für Ungeübte nicht einfach. Ich selbst habe mal auf der 1:50000-er Karte für den Ostharz eine Zeit lang alle Wege gestrichen, die es nicht mehr gibt, die aber immer noch eingezeichnet sind. Beim zuständigen Vermessungsamt damals in Halle zuckte man die Schultern. Man sei auf die Zuarbeit der Wegemeister aus den Kreisen anngewiesen. Die aber müssten unbedingt selbst aktive Wanderer sein, um das entsprechende Engagement für eine hohe Quallität der Wanderkarten aufzubringen.

Heute sind die Karten schön bunt und mit vielen "wichtigen" Touristeninfos ausgestattet. Der eigentliche Sinn einer Wanderkarte, dem Wanderer ein Dokument für das Wanderwegesystem in die Hand zu geben, wird nicht immer berücksichtigt.

Hier könnte man sich ein Beispiel an anderen Wanderregionen nehmen. Tschechische Wanderkarten belegen, wie es anders gehen kann. Auch die Ausschilderung in den tschechischen Mittelgebirgen verdient flächendeckend die Note 1. Selbst in der Dübener Heide, gelegen in einer wirtschaftlich gebeutelten Region, gibt es ein hervorragend markiertes Wegenetz, ganz zuschweigen von allen sächsischen Mittelgebirgen.

In den genannten sächsischen Gebieten und bei den Tschechen aber gibt es eine traditionelle Wanderszene. Dort gehört aktives Wandern zum Grundbedürfnis vieler Menschen. Dass dies im Harz kaum so ist, belegt unser eigenes Wanderwegesystem, v.a. in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Niedersachsen schneidet hier übrigens deutlich besser ab. Diese Aussagen werden noch dadurch bekräftigt, dass es in Sachsen und in Tschechien eine Unzahl organisierter Sportwanderungen mit vielen Teilnehmern gibt. Hier im Harz sucht man danach. Im ehemaligen Braunkohlengebiet südlich von Leipzig kommen alljährlich Anfang Mai bis zu 3.000 Wanderer zusammen, um an der 7-Seentour teilzunehmen.

Entlang der ehemaligen Braunkohlentagebaue wurde ein enzigartiges Wegesystem etabliert. Dies beruht auf dem Eigeninteresse und dem Engagement einer jeden Gemeinde sowie der Tourismusverbände. Am 6. und 7. Mai findet "in der Braunkohle" und in Verbindung mit der 7-Seenwanderung sogar der Sächsische Wandertag statt! Im verschlafenen Harz sollte man nach Markkleeberg schauen um zu sehen, wie es auch anders geht.

Im Landkreis Nordhausen indes ist gegenwärtig wenigstens eine leichte Verbesserung der Situation zu beobachten. Wer übrigens mal einen Wanderevent der beispielhaften Art erleben möchte, der sollte sich die 7-Seenwanderung in Markleeberg keinesfalls entgehen lassen. Der Einsatz der Organisatoren und hunderter Bürger für diese Veranstaltung ist am besten mit dem Wort "rührend" zu beschreiben. Aber dies ist sicher auch eine Frage der sächsischen Mentalität (www.7-Seenwanderung.de).
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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