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Sa, 07:22 Uhr
09.04.2011

Auf der Suche nach neuen Schätzen

Nordhausen wurde bekannt, berühmt und reich durch die Produktion und Verkauf von Kau-und Schnupftabak und von Branntwein. Reich ist auch Paul-Ludwig Schierholz. An ideellen Werten. Der 53-Jährige Nordhäuser sammelt alles, was an alte Nordhäuser Traditionen erinnert. Kurt Frank hat ihn besucht...

Stolze Sammlung (Foto: Kurt Frank)
Eine kleine Auswahl seiner wertvollen Sammlung, die an die Kautabak- und Branntweinproduktion in Nordhausen erinnert, präsentiert Paul-Ludwig Schierholz

Über 20 Tabakfabriken zählte einst die Rolandstadt, beteuert Schierholz. Unter ihnen so bekannte Firmen wie Grimm & Triebel, Hanewacker, Kneiff, Hendeß & Schumann (die sogenannte Hendschuhecke ist alten Nordhäusern noch ein Begriff), und weniger bekannte wie Wittig, Reddersen, Lerche, Berlin & Bona oder Salfeld & Stein. 1907, zum 400-jährigen Jubiläum Nordhäuser Branntweinproduktion, zählte das Branchenbuch außerdem 67 Brennereien auf.

Von fast allen Firmen hat Schierholz ein Andenken. Jedes Zimmer seines Hauses ist davon belegt. Mit wertvollen Sammlerstücken. Bis unter das Dach: Kautabaktöpfe, Werbetafeln, Priem-Dosen, Büchsen, Tabaktütchen, Zahlteller und Aschenbecher finden sich in Reih und Glied. Und Branntweinflaschen in allen Größen und Farben. Sie stehen in oder auf Vitrinen und Schränken, auf allen erdenklichen Regalen und in der Küche. Alles ist fein säuberlich dekoriert.

Jeder Topf eine Augenweide. Vor allem wegen der kunstvollen Verzierungen. Auch Laien betrachten die Stücke ehrfurchtsvoll. Über 200 Kautabaktöpfe in verschiedenen Größen hat der gelernte Braumeister seit 35 Jahren zusammengetragen. Der älteste Topf datiert aus dem Jahre 1890.

Den Kautabak oder Priem gab es in verschiedenen Formen. Unter anderem in Rollen-, Hufeisen-, Knoten- oder Stangenform. Dazu die entsprechenden Gefäße: Büchsen, Dosen, Tüten, Töpfe. Als 18-Jähriger, erinnert sich Paul-Ludwig Schierholz, fiel ihm ein Kautabaktopf mit hübschen Verzierungen in die Hände. Das Stück gefiel ihm so gut, dass er fortan auf der Suche nach weiteren Exemplaren war.

Der junge Mann inserierte in der „Wochenpost“, die DDR-weit erschien. Berlin erwies sich als ein Glückstreffer. Das Interesse erweiterte sich mit der Zeit. Schierholz gefielen auch Werbeschilder und Branntweinflaschen aus alten Zeiten. Nach der Wende dehnte sich die Suche auf die alten Bundesländer aus. Die Jahre ergaben eine Sammlung von unschätzbarem Wert.

Im Mai trifft sich der Freundeskreis der Kautabak-Topfsammler in Nordhausen, blickt Schierholz mit Freude voraus. Man fachsimpelt und tauscht Stücke aus. Dem Freundeskreis gehören neben ihm aus dem Südharz noch Georg-Ulrich Aschenbrenner und Volker Kohl an. Alles Experten auf diesem Gebiet. Mit der Zeit, weiß Paul-Ludwig Schierholz, verdrängte die Zigarette den Priem.

Ein Glimmstängel zwischen den Lippen war moderner geworden als ein Stück Kautabak zwischen den Backen. Wer dennoch priemen möchte - bei Aschenbrenner und Heinrich Bötel werden Tabak-Kauer gut bedient. „Zwölf Kunden kaufen regelmäßig bei mir Kautabak“, versichert Geschäftsmann Aschenbrenner. Auch jüngere Leute. Etwa die gleiche Anzahl bedient Geschäftsinhaber Bötel. Der Priem, erklärt er, werde eigentlich nicht gekaut, sondern im Mund hin und her geschoben. Gepriemt könne auch überall dort werden, wo heutzutage Rauchverbot herrsche. Kautabak sei weitaus weniger gefährlich als das Rauchen, betonen Aschenbrenner und Bötel. Beide hoffen auf weiteren Zulauf der Priem-Liebhaber.
Kurt Frank
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Kommentare

09.04.2011, 22.04 Uhr
Luftikus | Unser Paulchen Schierholz
Er ist nicht nur Nordhausen Sammler, sondern wirklich ein echtes Nordhäuser Original! Wenn er es könnte, würde er sich selbst in die Vitrine stellen.
Das schöne an seiner Sammelleidenschaft ist die Tatsache, das Paul-Ludwig seine Sammlungen zeigt und anderen Chronisten gern zur Verfügung stellt. Das ist selten, die meisten sitzen auf Ihren Schätzen und kein Mensch bekommt Sie zu Gesicht.
Paulchen, weiterhin viel Erfolg beim zusammentragen und bewahren der Nordhäuser Geschichte. Der Luntemann
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