Mo, 14:30 Uhr
04.04.2011
nnz-Forum: Austausch
Es geht wohl nicht mehr um das "ob", sondern eher um das "wie" beim Ausstieg aus der Atomenergie. In der nnz hatte ein Leser seine Gedanken formuliert, auf die Pfarrer Peter Kube gern eine Antwort geben würde...
Aus dem Forum der nnz:
1. das Gedenken an Opfer einer Naturkatastrophe mit einem politischen Anliegen zu verknüpfen, ist eine unzulässige Instrumentalisierung der Opfer und damit unanständig
2. den sofortigen Atomausstieg zu fordern, ohne zuvor die globalen Klimaziele zu erfüllen, ist egoistisch, denn die Opfer der Klimaerwärmung sind eben nicht in den Industrieländern zu erwarten, sondern im ärmeren Süden unserer Erde
3. die Atomdebatte mit ihrer momentanen emotionalen Überhitzung ist kaum mehr zu ertragen und einer gebildeten Nation unwürdig
Es grüßt N.
Lieber N.!
Danke für deine Rückmeldung. Es sind eben diese Bedenken, die ich grundsätzlich teile. Doch ihre Kürze ist klar, schafft aber nur scheinbar ein klärende Orientierung.Und ich bin mir einigermaßen sicher, dass das Gedenken, die Verbundenheit mit den Opfern und ihren Angehörigen, dann einer Instrumentalisierung gleichkäme, wenn wir uns/ ich mich um eine politische Debatte außerhalb der Klimaziele bemühte/n und dabei die Namen der Opfer wie einen Schild vor uns hertrügen.
Statt dessen sollte deutlich sein: Es geht um verantwortlichen Umgang mit Wahrnehmungen, Aussagen und wissenschaftlich verifizierten Eckdaten der Entwicklung, die bereits seit Jahren dem warnenden Potential menschlicher Erkenntnis zugehörig sind.
Die Menschen in Japan brauchen die Brücke globalnachbarschaftlicher Solidarität, unbürokratischer Hilfe und tatkräftiger Mitwirkung derer, die etwas Aufbauendes einbringen können. Als Herr Kobajashi auf der Mahnwache sprach, war es sehr wohl eine Nähe und keine unanständige Instrumantalisierung. Seine Bitte um Hilfe ist angekommen, seine Trauer, sein Kopfschütteln vor dem noch Unabsehbaren haben wir verstanden.
Die Tränen am Samstag Abend im Theater wurden mit der Kunst zum Zeichen dafür, dass Alltäglichkeit in Zukunft mit anderen Orientierungen verbunden sein wird. Vieles selbstverständlich Gewordene steht auf dem Prüfstand. Doch jede Trauer fragt (Ps 90,12 "Lehre uns , dass wir sterben üssen, auf dass wir klug werden...") zurück im Einzelenen und in die Gruppe der Trauernden und der sie Begleitenden. Auch darum gibt es Trauerfeiern.
Das ritualisierte Mitgefühl ist immer auch und günstigsten Fall der angebotene Verweis auf immanente, einer Gnade entspringenden Kräfte. Darin finden wir manchmal einen unverdientes Überwindungspotential des Unerträglichen (einer Angst, einer Gefahr, des Bösen - wie Bonhoeffer es sagte - ...).
Sollten wir das Unterträgliche streunen und extremistisch verkommen lassen? Oder nehmen wir uns dessen an und geben oder eröffnen Handlungsweisen den Raum, die dazu verhelfen, dass es in diesem Sinne profitable und gleichzeitig die Werteorientierung verändernde Handlungsangebote gibt?
Sollen wir wieder 20.000 atom-, menschen- oder naturkatastrophale Wahrscheinlichkeitsjahre warten wollen, bis in 5 Tagen, 10 Monaten oder 15 Jahren die Wirkung plötzlich und unerwartet eintritt? Diese Tür will ich nicht geöffnet haben. Diese Art vorbereitende 'Gastfreundschaft' lehre ich den Kindern nicht! Du übrigens auch nicht! Es mag Vieles auch in meinem Leben vor dem Wissen um Egoismen unwürdig und nicht verstehbar erscheinen. Das ändert nicht, dass ein paar wenige Einsichten über den Egoismus hinaus weisen dürfen und sollten.
Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zeigen doch, dass die hintergründige Wirkungsweise wirtschaftlicher und egoistischer Interessen die politische (und auch demokratisch legitimierte) Bühne nutzte, um so lange als möglich profitabel und immer weniger gemeinwesenorientiert zu agieren. Gleichzeitig werden die wirklichen öffentlichen Interessen (die 'kollaterale' Existenzgefährdung) soweit über PR-Management bedient und mit kaschierende Folien über- und unterlegt und bedeckt und angemessen berücksichtigt und...unkenntlich gemacht. Dass ohne die risikoreiche Recherche und die Aktivierung manchmal weniger Aktiver keine Änderung in Gang käme, das wissen wir doch beide.
Die dann oft eher gefühlte Notwendigkeit einer Änderung kommt anders zurück. Sie hat nicht die Bildung, um für eine umfassende und konstruktive Handlunsanweisung (im Sinne seiner wissenschaftlich untersetzten und geostrategisch machbaren Bezüge) bereit zu sein. Aber sie beschreibt die Richtung. Das zu ignorieren ist einer Bildungsnation unwürdig und zeigt wie verBILDet sie ist. Entschuldige, das ist nicht DEIN Niveau. Aber die emotionale Gefasstheit verhindert wohl Panik, eine emotionale Unterkühlung wiederum nimmt den Brennstäben nicht ihr physiklisches Eigenleben – der gebildete Teil des Landes sollte befähigt sein, das zusammen zu sehen. Dann heißt es Beten und Tun des Gerechten.
Insofern ist Bildung an dieser Stelle notwendig. Jedoch behaupte ich, dass der Wissensstand der (s. Stutgart 21, anti-AKW demo...) AktivistInnen durchschnittlich über dem der schweigenden, beobachtenden und sicher über dem der deutlich Desinteressierten liegen dürfte. Dafür habe ich keine Daten und will auch nichts sarazzenisch unterstellen! Ich denke jedoch, dass Betroffene und betroffen Machende meist eine höheres Interesse an Informiertheit aufweisen. (Dass wir manche der Akteure nicht zur Untersetzung unserere Meinung nutzen sollten, die das Geschehen indifferent als 'Äktschen' nutzen, dürfte sich von selbst verstehen.)
Die Menschen, die den globalen Atomausstieg fordern und "sofort" sagen, reagieren irrational wie es die Profitraten der Energiewohlstandskonzerne sind. Den anderen und zuerst Betroffenen vom Klimawandel werden von diesen letzteren keine Anteile zukommen, wenn wir nicht mit dafür sorgen.
Was "SOFORT" heißt bereitet den notwendigen Übergängen den Weg. Es ist wie mit dem "schon" und zugleich "noch nicht" oder der Transzendenz in der Immanenz: Im Geschehen wird auf andere Weise wahr, was schon geschaut ist. Nur anders als die Vision. Ihre eins-zu-eins - Viladisierung obliegt nicht uns – einmal theologisch gesprochen.
Aber den Prozess dürfen und sollen wir in die richtigen Richtung bewegen. Ohne uns zum Richter über andere aufschwingen zu wollen. Also - einen Dank und wir sehen uns sicherlich bald einmal wieder.
Dein Peter Kube
Praktische Verknüpfungen sehe ich durch folgende Einladung gegeben: zu deinen anmerkungen: zu nr. 2. und 3. ein Veranstaltungshinweis für den 13.04.11. von "go fair" - einer stud. initiative, die sich bei uns bildete:
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan und der aktuellen Diskussion zur Zukunft der Kernenergie bieten wir Ihnen am Mittwoch, den 13.04.2011 um 16:00 - 17:30 im Hörsaal 1 eine Sonderlehrveranstaltung zum Thema "Reaktorsicherheit und die Zukunft der Kernenergie" an. Dabei sollen zunächst die kernphysikalischen Grundlagen dargestellt werden. Daraus aufbauend werden gängige Kraftwerks- und Reaktorkonzepte sowie deren Sicherheitseinrichtungen erläutert. Anschließend soll der bisherige Kenntnisstand zum Unfallhergang in Fukushima kurz referiert werden. Schließlich werden unterschiedliche Ausstiegsszenarien für Deutschland dargestellt sowie deren Konsequenzen für die Energieversorgung diskutiert.
Autor: nnzAus dem Forum der nnz:
1. das Gedenken an Opfer einer Naturkatastrophe mit einem politischen Anliegen zu verknüpfen, ist eine unzulässige Instrumentalisierung der Opfer und damit unanständig
2. den sofortigen Atomausstieg zu fordern, ohne zuvor die globalen Klimaziele zu erfüllen, ist egoistisch, denn die Opfer der Klimaerwärmung sind eben nicht in den Industrieländern zu erwarten, sondern im ärmeren Süden unserer Erde
3. die Atomdebatte mit ihrer momentanen emotionalen Überhitzung ist kaum mehr zu ertragen und einer gebildeten Nation unwürdig
Es grüßt N.
Lieber N.!
Danke für deine Rückmeldung. Es sind eben diese Bedenken, die ich grundsätzlich teile. Doch ihre Kürze ist klar, schafft aber nur scheinbar ein klärende Orientierung.Und ich bin mir einigermaßen sicher, dass das Gedenken, die Verbundenheit mit den Opfern und ihren Angehörigen, dann einer Instrumentalisierung gleichkäme, wenn wir uns/ ich mich um eine politische Debatte außerhalb der Klimaziele bemühte/n und dabei die Namen der Opfer wie einen Schild vor uns hertrügen.
Statt dessen sollte deutlich sein: Es geht um verantwortlichen Umgang mit Wahrnehmungen, Aussagen und wissenschaftlich verifizierten Eckdaten der Entwicklung, die bereits seit Jahren dem warnenden Potential menschlicher Erkenntnis zugehörig sind.
Die Menschen in Japan brauchen die Brücke globalnachbarschaftlicher Solidarität, unbürokratischer Hilfe und tatkräftiger Mitwirkung derer, die etwas Aufbauendes einbringen können. Als Herr Kobajashi auf der Mahnwache sprach, war es sehr wohl eine Nähe und keine unanständige Instrumantalisierung. Seine Bitte um Hilfe ist angekommen, seine Trauer, sein Kopfschütteln vor dem noch Unabsehbaren haben wir verstanden.
Die Tränen am Samstag Abend im Theater wurden mit der Kunst zum Zeichen dafür, dass Alltäglichkeit in Zukunft mit anderen Orientierungen verbunden sein wird. Vieles selbstverständlich Gewordene steht auf dem Prüfstand. Doch jede Trauer fragt (Ps 90,12 "Lehre uns , dass wir sterben üssen, auf dass wir klug werden...") zurück im Einzelenen und in die Gruppe der Trauernden und der sie Begleitenden. Auch darum gibt es Trauerfeiern.
Das ritualisierte Mitgefühl ist immer auch und günstigsten Fall der angebotene Verweis auf immanente, einer Gnade entspringenden Kräfte. Darin finden wir manchmal einen unverdientes Überwindungspotential des Unerträglichen (einer Angst, einer Gefahr, des Bösen - wie Bonhoeffer es sagte - ...).
Sollten wir das Unterträgliche streunen und extremistisch verkommen lassen? Oder nehmen wir uns dessen an und geben oder eröffnen Handlungsweisen den Raum, die dazu verhelfen, dass es in diesem Sinne profitable und gleichzeitig die Werteorientierung verändernde Handlungsangebote gibt?
Sollen wir wieder 20.000 atom-, menschen- oder naturkatastrophale Wahrscheinlichkeitsjahre warten wollen, bis in 5 Tagen, 10 Monaten oder 15 Jahren die Wirkung plötzlich und unerwartet eintritt? Diese Tür will ich nicht geöffnet haben. Diese Art vorbereitende 'Gastfreundschaft' lehre ich den Kindern nicht! Du übrigens auch nicht! Es mag Vieles auch in meinem Leben vor dem Wissen um Egoismen unwürdig und nicht verstehbar erscheinen. Das ändert nicht, dass ein paar wenige Einsichten über den Egoismus hinaus weisen dürfen und sollten.
Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zeigen doch, dass die hintergründige Wirkungsweise wirtschaftlicher und egoistischer Interessen die politische (und auch demokratisch legitimierte) Bühne nutzte, um so lange als möglich profitabel und immer weniger gemeinwesenorientiert zu agieren. Gleichzeitig werden die wirklichen öffentlichen Interessen (die 'kollaterale' Existenzgefährdung) soweit über PR-Management bedient und mit kaschierende Folien über- und unterlegt und bedeckt und angemessen berücksichtigt und...unkenntlich gemacht. Dass ohne die risikoreiche Recherche und die Aktivierung manchmal weniger Aktiver keine Änderung in Gang käme, das wissen wir doch beide.
Die dann oft eher gefühlte Notwendigkeit einer Änderung kommt anders zurück. Sie hat nicht die Bildung, um für eine umfassende und konstruktive Handlunsanweisung (im Sinne seiner wissenschaftlich untersetzten und geostrategisch machbaren Bezüge) bereit zu sein. Aber sie beschreibt die Richtung. Das zu ignorieren ist einer Bildungsnation unwürdig und zeigt wie verBILDet sie ist. Entschuldige, das ist nicht DEIN Niveau. Aber die emotionale Gefasstheit verhindert wohl Panik, eine emotionale Unterkühlung wiederum nimmt den Brennstäben nicht ihr physiklisches Eigenleben – der gebildete Teil des Landes sollte befähigt sein, das zusammen zu sehen. Dann heißt es Beten und Tun des Gerechten.
Insofern ist Bildung an dieser Stelle notwendig. Jedoch behaupte ich, dass der Wissensstand der (s. Stutgart 21, anti-AKW demo...) AktivistInnen durchschnittlich über dem der schweigenden, beobachtenden und sicher über dem der deutlich Desinteressierten liegen dürfte. Dafür habe ich keine Daten und will auch nichts sarazzenisch unterstellen! Ich denke jedoch, dass Betroffene und betroffen Machende meist eine höheres Interesse an Informiertheit aufweisen. (Dass wir manche der Akteure nicht zur Untersetzung unserere Meinung nutzen sollten, die das Geschehen indifferent als 'Äktschen' nutzen, dürfte sich von selbst verstehen.)
Die Menschen, die den globalen Atomausstieg fordern und "sofort" sagen, reagieren irrational wie es die Profitraten der Energiewohlstandskonzerne sind. Den anderen und zuerst Betroffenen vom Klimawandel werden von diesen letzteren keine Anteile zukommen, wenn wir nicht mit dafür sorgen.
Was "SOFORT" heißt bereitet den notwendigen Übergängen den Weg. Es ist wie mit dem "schon" und zugleich "noch nicht" oder der Transzendenz in der Immanenz: Im Geschehen wird auf andere Weise wahr, was schon geschaut ist. Nur anders als die Vision. Ihre eins-zu-eins - Viladisierung obliegt nicht uns – einmal theologisch gesprochen.
Aber den Prozess dürfen und sollen wir in die richtigen Richtung bewegen. Ohne uns zum Richter über andere aufschwingen zu wollen. Also - einen Dank und wir sehen uns sicherlich bald einmal wieder.
Dein Peter Kube
Praktische Verknüpfungen sehe ich durch folgende Einladung gegeben: zu deinen anmerkungen: zu nr. 2. und 3. ein Veranstaltungshinweis für den 13.04.11. von "go fair" - einer stud. initiative, die sich bei uns bildete:
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan und der aktuellen Diskussion zur Zukunft der Kernenergie bieten wir Ihnen am Mittwoch, den 13.04.2011 um 16:00 - 17:30 im Hörsaal 1 eine Sonderlehrveranstaltung zum Thema "Reaktorsicherheit und die Zukunft der Kernenergie" an. Dabei sollen zunächst die kernphysikalischen Grundlagen dargestellt werden. Daraus aufbauend werden gängige Kraftwerks- und Reaktorkonzepte sowie deren Sicherheitseinrichtungen erläutert. Anschließend soll der bisherige Kenntnisstand zum Unfallhergang in Fukushima kurz referiert werden. Schließlich werden unterschiedliche Ausstiegsszenarien für Deutschland dargestellt sowie deren Konsequenzen für die Energieversorgung diskutiert.
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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