Sa, 07:32 Uhr
26.03.2011
nnz-Forum: Menschenverachtung
Fukushima und kein Ende. Wie gehen die Menschen hier und bei unseren Nachbarn damit. Welche Rolle spielt Politik, spielen Politiker? Dazu ein Beitrag von Bodo Schwarzberg im Forum der nnz...
Die Lage könnte dramatischer nicht sein: Laut ntv.de habe Greenpeace gefordert, die höchste Stufe der Reaktorkatastrophenskala, also 7, für das Fukushima-Ereignis auszurufen. In demselben Beitrag ist zu lesen, dass einige Atom-Experten mittlerweile davon ausgehen, dass die Kernschmelze längst stattfindet. Zitat:
Greenpeace beruft sich auf eine Studie, die Daten des französischen Instituts für Atomsicherheit (IRSN) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auswertete. Demnach sei die Menge von freigesetzten radioaktiven Substanzen wie Cäsium 137 und Jod 131 so groß, dass eine Einstufung auf der INES-Stufe 7 nötig sei.
In demselben Beitrag werden Expertenmeinungen genannt, die die in Fukushima potentiell freisetzbare Menge an Radionukliden für bedeutend größer als seinerzeit in Tschernobyl halten, und zwar weil dort mindestens drei Reaktoren außer Kontrolle sind, einer davon, der Reaktor 3 übrigens mit MOX-Brennelementen, die das giftigste Metall überhaupt, Putonium enthalten. Ob sich schon Plutoniumpartikel des zumeist verwendeten Isotops und Alphastrahlers Plutonium 239 in der Atmosphäre befinden? Ich bin überzeugt davon, dass uns das DIESE japanische Regierung nicht sagen würde. Der Grund liegt auf der Hand: Zitat wikipedia zu Plutonium:
Viel gefährlicher als die chemische Wirkung ist seine Radioaktivität, die Krebs verursachen kann. Bereits die Inhalation von 40 Nanogramm 239Pu reicht aus, um den Grenzwert der Jahres-Aktivitätszufuhr für Inhalation bei Arbeitern zu erreichen. Diese Menge ist so winzig, dass die Giftigkeit von Plutonium noch gar nicht zum Tragen kommen kann.[49] Zur sicheren Entstehung von Krebs reicht vermutlich eine Menge von einigen Mikrogramm aus. Die von Plutonium 239Pu ausgesendete α-Strahlung wird durch die oberste Hautschicht aus abgestorbenen Zellen abgeschirmt. Diesen Schutz gibt es nicht bei Inkorporation, beispielsweise Inhalation von Plutonium enthaltendem Staub, oder durch verunreinigte Nahrung. Diese unterschiedliche Wirkung kommt aufgrund der geringen Reichweite der mit dem umgebenden Material stark wechselwirkenden α-Strahlung zustande.
Je mehr die japanischen Behörden die Kontrolle über die AKW-Anlage verlieren, um so mehr belügen sie ihre Bürger und sind zunehmend dafür verantwortlich, dass viele von ihnen möglicherweise erkranken oder sterben werden. Wenn die Regierung einerseits zwar betont, dass sie alles menschenmögliche tut und bis zum Äußersten in ihren Bemühungen darin geht, sich aber andererseits weigert, trotz der auch von ihr als sehr ernst bezeichneten Lage, das Evakuierungsgebiet zu erweitern, dann zeugt das nicht von der von einer demokratisch gewählten Regierung wahrzunehmenden Verantwortung für die Menschen.
Laut welt.de wurden heute in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Becquerels je Kilogramm Erde gemessen. Dieser Wert ist nach Einschätzung des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts hoch. Evakuiert wurde aber nur bis 30 Kilometer! Nach meiner Einschätzung offenbart sich in darin eine zutiefst menschenverachtende Politik, die hoffentlich noch juristisch verfolgt wird. Diese Menschenverachtung wird auch noch an anderen Tatsachen deutlich: So schreibt die WELT ebenfalls in ihrer heutigen Online-Ausgabe:
Der japanische AKW-Betreiber Tepco gibt den drei verstrahlten Arbeitern am Unglückswerk Fukushima eine Mitschuld an ihren Verletzungen. Die Arbeiter hätten Strahlenzähler bei sich getragen, den ausgelösten Alarm aber ignoriert, teilt Tepco mit. Die eingesetzten Ingenieure würden nun erneut über die Sicherheitsgefahren informiert.
Statt den eventuell nun Todgeweihten Kamikaze-Japanern dafür unendlich dankbar zu sein, dass sie ihr Leben für die Rettung von Millionen Menschen aufs Spiel setzen, ernten sie nichts als Vorwürfe. Schon vor einigen Tagen wurde in verschiedenen Zeitungen kolportiert, dass die Behörden den Helden von Fukushima verboten hätten, ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Das Leben des Einzelnen zählt offenbar nicht in einem eigentlich nicht als Diktatur bekannten Land, deren Regierung nichts unversucht lässt, ihre eigene Hilflosigkeit und ihr eigenes Versagen auf andere abzuwälzen.
Dennoch kann sie sich in ihrer Argumentation auf eine wohl noch immer breite Mehrheit stützen, die zwar Angst vor der Strahlung, nicht aber vor der Atomkraft hat. Die Angst, nur bei Kerzenlicht in der Wohnung sitzen müssen, ohne also den oft sinnlosen elektronischen japanischen Schnickschnack, scheint immer noch stärker zu sein, als die Erkenntnis, dass Kernenergie schlimmer als Dunkelheit ist. Zumindest scheinen das Meinungsäußerungen von Japanern gegenüber verschiedenen Medien zu belegen.
Menschenverachtung aber auch in Deutschland und Frankreich, wenn es um Kernenergie geht: Welt.de schreibt heute: Frankreich hatte 1986 nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl bewusst die Fehlinformation verbreiten lassen, das Land bleibe von der radioaktiven Wolke aus der Ukraine verschont. Erst viel später gestand die Regierung ein, dass das Land sehr wohl betroffen war.
Weitergedacht heißt das, dass die Franzosen unbekümmert mit Cäsium 137 belastete Pilze und Waldfrüchte verzehrt haben könnten, während davon in Deutschland damals abgeraten wurde.
Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass die Franzosen damals aktiv versucht hätten, es ihre damalige Regierung spüren zu lassen, was sie von dieser vorsätzlichen und die Gesundheit Tausender bedrohenden Volksverdummung hielten. Derweil, so ist in demselben Beitrag zu lesen, kauften die Franzosen angesichts der Fukushima-Katastrophe Tausende von Geigerzählern, wie als ob diese etwas gegen die von den eigenen laut presse.com 58 Atommeilern drohende Gefahr ausrichten könnten!
Die Klicks in den weltweiten Geigerzählern scheinen also noch immer nicht zum langfristig viel wichtigeren Klick in den Köpfen der europäischen Bevölkerung geführt haben: Statt auf die Straße zu gehen und die Regierungen zu zwingen, die 143 europäischen AKW (laut presse.com) so bald als möglich abzuschalten, kauft sie Jodtabletten und halt Messgeräte.
Dabei ist diese vollkommen verkehrt gepolte Hysterie auch angesichts der Mikromengen Jod 131, die uns gegenwärtig erreichen, nur im Sinne Derjenigen, die die Menschen ruhigstellen und von den eigentlichen Ursachen abbringen wollen. Warum erkennt das kaum Jemand?
Ganz so in Deutschland: Laut Reuters.de schreibt Altkanzler Kohl in einem Beitrag für BILD allen Ernstes:
"Die Lehre aus Japan muss zunächst einmal sein, dass wir akzeptieren: Was in Japan passiert ist, ist schrecklich, aber - in aller Brutalität - es ist auch das Leben. Das Leben ist ohne Risiken nicht zu haben."
Blühende Landschaften auch in Zukunft also, Herr Kohl? – Wir sollen also etwas Lebensbedrohendes akzeptieren, das durchaus ersetzbar ist?
In gewissem Sinne hat er ja damit auch unseren Wirtschaftsminister Brüderle den Rücken gestärkt: Denn immerhin hat der ja gegenüber dem BDI tatsächlich eine Wahrheit ausgesprochen: Das Atom-Moratorium von Kanzlerin Merkel sei aus rein wahltaktischen Gründen erfolgt, sagte dieser vor einem internen Kreis, der offenbar so intern nicht war. – Die Wahrheit, so könnte man kommentieren, ist in Deutschland also nicht in jedem Fall für das Volk bestimmt, zumindest dann nicht, wenn es um die Profitinteressen der Großindustrie geht. Diese Politik des Verschweigens kannte ich eigentlich nur aus der DDR.
Aber nun ist es herausgekommen, Frau Merkel: Dass Lügen kurze Beine haben, aber auch. Ihre Beteuerung, tatsächlich aus der Atomenergie aussteigen zu wollen, haben sich in Wohlgefallen aufgelöst und damit hoffentlich auch Mappus‘ Wahlchancen in Baden-Württemberg.
Zu diesem südwestdeutschen Atomkraftkrieger vermerkt Focus.de unter der Überschrift Die Schlacht seines Lebens: Mappus erzwang die Laufzeitverlängerung für die Atommeiler gegen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und kaufte für das Land wenig später die Anteile am Stromkonzern EnBW, der immer noch stark auf Kernenergie ausgerichtet ist. Mit den Schreckensnachrichten aus Fukushima verwandelte sich dieser Doppelschlag in eine schwere politische Belastung – gut zwei Wochen vor der Landtagswahl. Mappus reagierte, warf sein Credo über Bord und ließ mit dem Moratorium für die Laufzeitverlängerung gleich zwei der älteren Meiler in Baden-Württemberg abschalten, einen davon aber nur vorläufig.
Ich glaube nicht, dass es noch weiterer Beweise bedarf, wie eng verwoben Politik und Großindustrie sind, und wie wenig das Interesse der Bevölkerung in den Kalkülen beider eine Rolle spielt.
Manchmal wundert es mich in diesen Tagen just aus den genannten Gründen und Tatsachen, dass es in Deutschland und Europa noch immer nicht die Massenproteste gibt, die wir angesichts derartiger Politiker und deren Reaktion auf Fukushima jetzt so dringend bräuchten: Wie viel Tschernobyls und Fukushimas sind denn noch nötig, um die Menschen wie 1989 oder wie 1968 auf die Straße zu bringen? Muss denn erst wirklich in Südwestdeutschland oder in Frankreich ein Meiler in die Luft gehen, und Deutschland bei den für unser Gebiet typischen West-Wetterlagen verstrahlt werden?
Am Montag gibt es in Nordhausen erneut eine Mahnwache, wo sicherlich all die kommen, die sich mit alledem nicht zufrieden geben. Hoffen wir es.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzDie Lage könnte dramatischer nicht sein: Laut ntv.de habe Greenpeace gefordert, die höchste Stufe der Reaktorkatastrophenskala, also 7, für das Fukushima-Ereignis auszurufen. In demselben Beitrag ist zu lesen, dass einige Atom-Experten mittlerweile davon ausgehen, dass die Kernschmelze längst stattfindet. Zitat:
Greenpeace beruft sich auf eine Studie, die Daten des französischen Instituts für Atomsicherheit (IRSN) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auswertete. Demnach sei die Menge von freigesetzten radioaktiven Substanzen wie Cäsium 137 und Jod 131 so groß, dass eine Einstufung auf der INES-Stufe 7 nötig sei.
In demselben Beitrag werden Expertenmeinungen genannt, die die in Fukushima potentiell freisetzbare Menge an Radionukliden für bedeutend größer als seinerzeit in Tschernobyl halten, und zwar weil dort mindestens drei Reaktoren außer Kontrolle sind, einer davon, der Reaktor 3 übrigens mit MOX-Brennelementen, die das giftigste Metall überhaupt, Putonium enthalten. Ob sich schon Plutoniumpartikel des zumeist verwendeten Isotops und Alphastrahlers Plutonium 239 in der Atmosphäre befinden? Ich bin überzeugt davon, dass uns das DIESE japanische Regierung nicht sagen würde. Der Grund liegt auf der Hand: Zitat wikipedia zu Plutonium:
Viel gefährlicher als die chemische Wirkung ist seine Radioaktivität, die Krebs verursachen kann. Bereits die Inhalation von 40 Nanogramm 239Pu reicht aus, um den Grenzwert der Jahres-Aktivitätszufuhr für Inhalation bei Arbeitern zu erreichen. Diese Menge ist so winzig, dass die Giftigkeit von Plutonium noch gar nicht zum Tragen kommen kann.[49] Zur sicheren Entstehung von Krebs reicht vermutlich eine Menge von einigen Mikrogramm aus. Die von Plutonium 239Pu ausgesendete α-Strahlung wird durch die oberste Hautschicht aus abgestorbenen Zellen abgeschirmt. Diesen Schutz gibt es nicht bei Inkorporation, beispielsweise Inhalation von Plutonium enthaltendem Staub, oder durch verunreinigte Nahrung. Diese unterschiedliche Wirkung kommt aufgrund der geringen Reichweite der mit dem umgebenden Material stark wechselwirkenden α-Strahlung zustande.
Je mehr die japanischen Behörden die Kontrolle über die AKW-Anlage verlieren, um so mehr belügen sie ihre Bürger und sind zunehmend dafür verantwortlich, dass viele von ihnen möglicherweise erkranken oder sterben werden. Wenn die Regierung einerseits zwar betont, dass sie alles menschenmögliche tut und bis zum Äußersten in ihren Bemühungen darin geht, sich aber andererseits weigert, trotz der auch von ihr als sehr ernst bezeichneten Lage, das Evakuierungsgebiet zu erweitern, dann zeugt das nicht von der von einer demokratisch gewählten Regierung wahrzunehmenden Verantwortung für die Menschen.
Laut welt.de wurden heute in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Becquerels je Kilogramm Erde gemessen. Dieser Wert ist nach Einschätzung des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts hoch. Evakuiert wurde aber nur bis 30 Kilometer! Nach meiner Einschätzung offenbart sich in darin eine zutiefst menschenverachtende Politik, die hoffentlich noch juristisch verfolgt wird. Diese Menschenverachtung wird auch noch an anderen Tatsachen deutlich: So schreibt die WELT ebenfalls in ihrer heutigen Online-Ausgabe:
Der japanische AKW-Betreiber Tepco gibt den drei verstrahlten Arbeitern am Unglückswerk Fukushima eine Mitschuld an ihren Verletzungen. Die Arbeiter hätten Strahlenzähler bei sich getragen, den ausgelösten Alarm aber ignoriert, teilt Tepco mit. Die eingesetzten Ingenieure würden nun erneut über die Sicherheitsgefahren informiert.
Statt den eventuell nun Todgeweihten Kamikaze-Japanern dafür unendlich dankbar zu sein, dass sie ihr Leben für die Rettung von Millionen Menschen aufs Spiel setzen, ernten sie nichts als Vorwürfe. Schon vor einigen Tagen wurde in verschiedenen Zeitungen kolportiert, dass die Behörden den Helden von Fukushima verboten hätten, ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Das Leben des Einzelnen zählt offenbar nicht in einem eigentlich nicht als Diktatur bekannten Land, deren Regierung nichts unversucht lässt, ihre eigene Hilflosigkeit und ihr eigenes Versagen auf andere abzuwälzen.
Dennoch kann sie sich in ihrer Argumentation auf eine wohl noch immer breite Mehrheit stützen, die zwar Angst vor der Strahlung, nicht aber vor der Atomkraft hat. Die Angst, nur bei Kerzenlicht in der Wohnung sitzen müssen, ohne also den oft sinnlosen elektronischen japanischen Schnickschnack, scheint immer noch stärker zu sein, als die Erkenntnis, dass Kernenergie schlimmer als Dunkelheit ist. Zumindest scheinen das Meinungsäußerungen von Japanern gegenüber verschiedenen Medien zu belegen.
Menschenverachtung aber auch in Deutschland und Frankreich, wenn es um Kernenergie geht: Welt.de schreibt heute: Frankreich hatte 1986 nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl bewusst die Fehlinformation verbreiten lassen, das Land bleibe von der radioaktiven Wolke aus der Ukraine verschont. Erst viel später gestand die Regierung ein, dass das Land sehr wohl betroffen war.
Weitergedacht heißt das, dass die Franzosen unbekümmert mit Cäsium 137 belastete Pilze und Waldfrüchte verzehrt haben könnten, während davon in Deutschland damals abgeraten wurde.
Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass die Franzosen damals aktiv versucht hätten, es ihre damalige Regierung spüren zu lassen, was sie von dieser vorsätzlichen und die Gesundheit Tausender bedrohenden Volksverdummung hielten. Derweil, so ist in demselben Beitrag zu lesen, kauften die Franzosen angesichts der Fukushima-Katastrophe Tausende von Geigerzählern, wie als ob diese etwas gegen die von den eigenen laut presse.com 58 Atommeilern drohende Gefahr ausrichten könnten!
Die Klicks in den weltweiten Geigerzählern scheinen also noch immer nicht zum langfristig viel wichtigeren Klick in den Köpfen der europäischen Bevölkerung geführt haben: Statt auf die Straße zu gehen und die Regierungen zu zwingen, die 143 europäischen AKW (laut presse.com) so bald als möglich abzuschalten, kauft sie Jodtabletten und halt Messgeräte.
Dabei ist diese vollkommen verkehrt gepolte Hysterie auch angesichts der Mikromengen Jod 131, die uns gegenwärtig erreichen, nur im Sinne Derjenigen, die die Menschen ruhigstellen und von den eigentlichen Ursachen abbringen wollen. Warum erkennt das kaum Jemand?
Ganz so in Deutschland: Laut Reuters.de schreibt Altkanzler Kohl in einem Beitrag für BILD allen Ernstes:
"Die Lehre aus Japan muss zunächst einmal sein, dass wir akzeptieren: Was in Japan passiert ist, ist schrecklich, aber - in aller Brutalität - es ist auch das Leben. Das Leben ist ohne Risiken nicht zu haben."
Blühende Landschaften auch in Zukunft also, Herr Kohl? – Wir sollen also etwas Lebensbedrohendes akzeptieren, das durchaus ersetzbar ist?
In gewissem Sinne hat er ja damit auch unseren Wirtschaftsminister Brüderle den Rücken gestärkt: Denn immerhin hat der ja gegenüber dem BDI tatsächlich eine Wahrheit ausgesprochen: Das Atom-Moratorium von Kanzlerin Merkel sei aus rein wahltaktischen Gründen erfolgt, sagte dieser vor einem internen Kreis, der offenbar so intern nicht war. – Die Wahrheit, so könnte man kommentieren, ist in Deutschland also nicht in jedem Fall für das Volk bestimmt, zumindest dann nicht, wenn es um die Profitinteressen der Großindustrie geht. Diese Politik des Verschweigens kannte ich eigentlich nur aus der DDR.
Aber nun ist es herausgekommen, Frau Merkel: Dass Lügen kurze Beine haben, aber auch. Ihre Beteuerung, tatsächlich aus der Atomenergie aussteigen zu wollen, haben sich in Wohlgefallen aufgelöst und damit hoffentlich auch Mappus‘ Wahlchancen in Baden-Württemberg.
Zu diesem südwestdeutschen Atomkraftkrieger vermerkt Focus.de unter der Überschrift Die Schlacht seines Lebens: Mappus erzwang die Laufzeitverlängerung für die Atommeiler gegen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und kaufte für das Land wenig später die Anteile am Stromkonzern EnBW, der immer noch stark auf Kernenergie ausgerichtet ist. Mit den Schreckensnachrichten aus Fukushima verwandelte sich dieser Doppelschlag in eine schwere politische Belastung – gut zwei Wochen vor der Landtagswahl. Mappus reagierte, warf sein Credo über Bord und ließ mit dem Moratorium für die Laufzeitverlängerung gleich zwei der älteren Meiler in Baden-Württemberg abschalten, einen davon aber nur vorläufig.
Ich glaube nicht, dass es noch weiterer Beweise bedarf, wie eng verwoben Politik und Großindustrie sind, und wie wenig das Interesse der Bevölkerung in den Kalkülen beider eine Rolle spielt.
Manchmal wundert es mich in diesen Tagen just aus den genannten Gründen und Tatsachen, dass es in Deutschland und Europa noch immer nicht die Massenproteste gibt, die wir angesichts derartiger Politiker und deren Reaktion auf Fukushima jetzt so dringend bräuchten: Wie viel Tschernobyls und Fukushimas sind denn noch nötig, um die Menschen wie 1989 oder wie 1968 auf die Straße zu bringen? Muss denn erst wirklich in Südwestdeutschland oder in Frankreich ein Meiler in die Luft gehen, und Deutschland bei den für unser Gebiet typischen West-Wetterlagen verstrahlt werden?
Am Montag gibt es in Nordhausen erneut eine Mahnwache, wo sicherlich all die kommen, die sich mit alledem nicht zufrieden geben. Hoffen wir es.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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