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Do, 10:07 Uhr
10.02.2011

DER(DIE) IDEALE KOMMUNALPOLITIKER(IN)......

…...ist 30 Jahre jung, dynamisch und engagiert sowie belastbar und über alle Maßen heimatverbunden. (Nur wegen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden immer vom männlichen Geschlecht ausgegangen. Daran Anstoß nehmende Menschen beiderlei Geschlechts bitte ich im Voraus um Nachsicht.) Vorsicht: Auch – aber nicht nur - Satire.


Natürlich hat er zwei abgeschlossene Studien, idealerweise BWL und Jura. Wünschenswert sind außerdem 35 Jahre Berufs- und 40 Jahre parteilose Lebenserfahrung. Er steht trotzdem der Partei seines Vorgesetzten unauffällig nahe. Seine Gehaltsansprüche liegen knapp jenseits von Hartz IV plus Zulagen für ein grundgesichertes Leben. Er ist bereit, sich von jedem Bewohner der Kommune beschimpfen und beleidigen und ausnahmsweise auch mal loben zu lassen, ohne dazu auch nur das Gesicht zu verziehen.

Sein Tag hat 24 Stunden und wenn die nicht reichen zur Bewältigung seiner Aufgaben, nimmt er klaglos die Nacht dazu. Addiert man alle in der Ausschreibung zum Bürgermeister der Stadt Nordhausen, vom Stadtrat und den vielen Kommentatoren in der nnz gewünschten positiven Eigenschaften eines Kommunalpolitikers, müsste jeder Ausschreibungstext für eine kommunalpolitisch relevante Stelle so wie oben beschrieben lauten. Weil niemand diese Anforderungen erfüllt, müssten eigentlich alle kommunalpolitischen Arbeitsplätze in der Stadt frei sein.

Sicher ist es nicht möglich, dass Kommunalpolitiker sich einen oder gar mehrere Imageberater leisten können. Einen guten Freund, der ihnen ungestraft des Volkes Meinung sagen darf, sollte aber jeder haben. Dann würde jeder, teilweise auch schon wieder klassenkampferprobte, Nordhäuser Kommunalpolitiker erfahren, wann und warum er als Einweihungs- und Ehrungspolitiker angesehen wird oder wenn in den öffentlichen Medien mehr von seinen ehren- als von hauptamtlichen Tätigkeiten die Rede ist. Auch dass eine Wahl eben kein Zettelfalten nach DDR-Standard mehr ist, würde ihm dann bekannt werden, ehe „der Kandidat in den Brunnen gefallen ist“.

Dieser gute Freund hat in Nordhausen, so er denn überhaupt vorhanden war, auf der ganzen Linie versagt. Er hat nicht verhindert, dass ein demokratischer Scherbenhaufen entstanden ist. Vielleicht kann der gute Freund sich damit herausreden, dass die Beratenen beratungsresistent waren. Dann allerdings waren seine Argumente nicht stark genug, um sich durchzusetzen. Was macht man mit einem Scherbenhaufen? Jeder der schon mal geheiratet hat, weiß das: Zusammenkehren, entsorgen und Neuanschaffungen tätigen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Deshalb zum Schluss noch ein Vorschlag für einen einfachen Ausschreibungstext: „Gesucht werden Nordhäuser mit guter Schul- und Berufsausbildung und etwas Lebenserfahrung, die in gemeinschaftlicher Arbeit ihre Stadt voranbringen wollen und in der Lage sind, Mitarbeiter einzustellen bzw. vorhandene zu motivieren, die sie in Fachfragen kompetent beraten können und wollen. Um beurteilen zu können, ob ein Ei faul ist, müssen Sie nicht selbst Eier legen können. Landes- und Bundespolitik können Sie den jeweiligen Regierungen überlassen. Sie werden gemessen am Einsatz für ihre Stadt und deren Bürger. Sie müssen einen direkten Bezug zur Stadt haben. Dass Sie mal eine Freundin hatten, die in Nordhausen in die Schule gegangen ist, reicht nicht aus.“
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz

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Kommentare
Georg66
10.02.2011, 10:19 Uhr
Über alle...
Maße heimatverbunden und auch noch belastbar usw. Das sind die richtigen Kriterien für Einen oder Eine Lokalpolitiker/in. Ob der Schreiber des Artikels es satirisch meinte oder auch nicht.

Vielleicht wird es ja doch noch mal was mit einer gesunden Politik im Landkreis und auch in ganz Deutschland. Man wird sehen und mit dreizig Jahren kann man eine gewisse Lebenserfahrung voraussetzen.
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