Fr, 11:22 Uhr
24.12.2010
Wie der Engel auf die Christbaumspitze kam
Ein Weihnachtsmärchen 2010, von Jürgen Wiethoff bearbeitet. Dieses Märchen ist vollkommen jugendfrei. Wer dennoch Bedenken hat, kann ja unten das Wort französisch beim Vorlesen weglassen.
Es war kurz vor Nikolaus, als der für die Einwohner des Landkreises Nordhausen zuständige Weihnachtsmann sich auf den Weg zu seiner alljährlichen Reise vorbereiten wollte, aber nur auf Probleme stieß. Er genoss gerade seinen Resturlaub aus den vergangenen 2010 Jahren und wollte schnell noch in Ruhe die Kreispresse lesen. Die hochmotivierten Journalisten hatten so einiges zusammen geschrieben und noch motiviertere Kommentatoren hatten weder Kosten noch Mühe gescheut und ihren (selbstverständlich Born-) Senf dazu gegeben.
Da man als Weihnachtsmann heute natürlich mit der Zeit gehen muss, um nicht ganz automatisch dauerhaft als Weihnachtsmann bezeichnet zu werden, schaltete er seinen Computer ein. Die vielen blauen Tonnen, die an einigen Stellen einfach nicht von der Straße zu bringen sind, störten ihn nämlich so stark, dass er beschlossen hatte, seine leer und Altpapier erst gar nicht mehr in sein Haus zu lassen. Aber der hypermoderne Schlepptop zeigte ihm nur einen gut bekannten blauen Bildschirm mit ihm nichts sagenden Sätzen in gepflegtem Denglisch und dann gar nichts mehr.
Als sich die Rauchwolken verzogen hatten, fragte der Weihnachtsmann bei einem Serviceunternehmen der Stadt (Namen ist der Redaktion bekannt, wird aber nicht verraten), wie es denn mit den Reparaturmöglichkeiten vor Weihnachten aussehe und ob man dann gleich auch Windows 7 aufspielen könne. Kein Problem, lautete die Antwort, bis Weihnachten kriegen wir das ganz locker hin. Kurz vor dem Start am 23.12. fragte er dann noch mal nach und musste erfahren, man habe natürlich Weihnachten 2011 gemeint, dann aber ganz bestimmt.
Da blieb ihm gar keine Zeit mehr, seinem guten alten Mühlhäuser KC 85 nachzutrauern, den er auf einem Flohmarkt für´n Appel und ´n Ei verhökert hatte. Den alten 60 Watt-Lötkolben, mit dem er ihn immer repariert hatte, hatte er praktischerweise kostenlos dazugegeben. Aber mit dem Transport und unterwegs wäre es damit ja doch problematisch geworden.
Also zurück zu Nikolaus, wo ja die Weihnachtsmannlehrlinge einen kurzen Probelauf hinlegen. Diese hatten gerade eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht verloren. Die Richter hatten ihre Klage auf Einführung des Titels Azubi mit der Begründung abgeschmettert, dass ihr Beruf dazu nun wirklich zu alt sei. Das hatten sie nun wieder zum Anlass genommen, in einen 14-tägigen Warnstreik zu treten. Die Weihnachtsmänner von der Gewerkschaft – äh, die Weihnachtsmännergewerkschaft hatte flugs sämtliche Bahn-Gewerkschaften mobil gemacht. Diese beschlossen, sich dem Streik anzuschließen.
Da gerade alle Radreifen ganz waren und die Klimaanlagen nach menschlichem Ermessen um die Zeit nicht gebraucht werden, hatte die Streikbegründungskommission zwar mit Problemen gerechnet, aber dann war ihnen wie immer noch was eingefallen.
Zehn der Weihnachtsmann-Elfen feierten krank und die Aushilfs-Elfen (Ein-Euro-Jobber nach Hartz IV-Bezug, daher in keiner Statistik mehr) kamen mit der Organisation der vielen Wünsche nicht nach. Die Männer hatten sich hauptsächlich Technik für Auge und Ohr gewünscht, die Frauen schicke Mode, aber die Arge konnte in der kurzen Zeit nicht genügend Kurse für chinesisch, japanisch, französisch usw. organisieren. Der Weihnachtsmann begann schon den Druck zu spüren, den er haben würde, wenn er aus dem Zeitplan geraten sollte.
Mit der Parkgenehmigung für den Schlitten gab es auch nur Schwierigkeiten. Machen Sie Ihrem Chef mal klar, dass ich eine Dienstleistung erbringe!, hatte der erzürnte Weihnachtsmann der Sekretärin des Amtsleiters noch ins Ohr gebrüllt und eine Beschwerde beim zuständigen Bürgermeister in Aussicht gestellt. Aber den wollte der Stadtrat gerade in die Wüste schicken und hatte daher seine Wiederwahl verweigert. Der Bürgermeister sagte, er hätte von Fußball keine Ahnung und wollte daher nicht nach Katar, um die WM 2022 zu organisieren.
Da wurden die Stadträte richtig böse, zählten auf, von was er ebenfalls keine Ahnung hatte und dass er trotzdem Bürgermeister geworden sei. So beschloss der Weihnachtsmann, schwarz zu parken und sollte er trotzdem ein Knöllchen bekommen, würde er die vielen Geschenke, die die dankbaren Bürger ihrer Oberbürgermeisterin machen wollten, zum Schluss einfach in die Zorge kippen. Natürlich außerhalb des Stadtgebietes, um auch mal ein anderes Ordnungsamt zu beschäftigen.
Als er nach draußen ging, um seine Rentiere aufzuzäumen bemerkte er, dass schon etwa 3000 Demonstranten von Tierschutzorganisationen bereit standen, dieses zu verhindern. Einige davon sahen den Prinzipiell-Verhinderern aus Sundhausen verdammt ähnlich. Vielleicht hatten sie ja hier nur ein Auswärtsspiel. Oder gar einen Kooperationsvertrag mit den Tierschützern? Zu Nikolaus – wie bereits bekannt, musste er ja dieses Jahr alles selber machen - hatte ein Kindergartenkind aus Sundhausen auf seine Gedicht-Anforderung geantwortet: Oh, heil´ger Bruder Florian, verschon´ unser Haus, zünd´ and´re an.
Der Weihnachtsmann wollte keine Konfrontation. Schließlich ist ja Weihnachten das Fest der Liebe und so warf er das Zaumzeug in die Ecke und sah sich nach Alternativen um. Nichts ist unmöglich und so brach auch noch sein alter Jeep auseinander, aber wir verraten nicht die Marke.
Also holte er seine fast vergessene Rennpappe mit Anhängerkupplung aus dem Schuppen, schickte die Ersatz-Elfen Benzin und Öl mischen und begann damit, den Schlitten zu beladen, doch eines der Bretter brach und der Sack fiel so zu Boden, dass alle Geschenke beschädigt wurden.
So frustriert ging der Weihnachtsmann ins Haus, um sich eine Tasse mit heißem Tee und einem Schuss Rum zu machen. Jedoch musste er feststellen dass die Elfen den ganzen Rum gesoffen hatten, um in das Weltbild der Antiarbeitslosenfraktion zu passen. In seiner Wut glitt ihm auch noch die Tasse aus den Händen und zersprang in tausend kleine Stücke, die sich über den ganzen Küchenboden verteilten.
Da klingelte es an der Tür. Er öffnete und da stand ein kleiner Engel mit einem riesigen Christbaum. Der Engel sagte sehr zurückhaltend: "Frohe Weihnachten Weihnachtsmann! Ist es nicht ein schöner Tag. Bestes Wetter, die Nordhäuser kaufen sich ihre Geschenke in Südharzgalerie und so alle selbst und auf dem Pferdemarkt ist Pferdemarkt. Jaja, nächstes Jahr soll sogar alles ein bisschen planiert und frisches Gras gesäht werden. Dieses Jahr finden die edlen Rosse ja noch genügend Grünfutter in der Brache. Ich habe da einen schönen Tannenbaum für dich. Wo soll ich den denn hinstecken?"
Und so hat nach der sehr kurzen Antwort des Nordhäuser- Chef-Weihnachtsmannes die Tradition mit dem kleinen Engel auf der Christbaumspitze erst jetzt richtig begonnen. Wie die Antwort lautete? Tut mir leid, aber das wird die nächste 50-Euro-Frage bei Wer wird Millionär?
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit.... äh, falsch.... dann leben sie noch heut.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnzEs war kurz vor Nikolaus, als der für die Einwohner des Landkreises Nordhausen zuständige Weihnachtsmann sich auf den Weg zu seiner alljährlichen Reise vorbereiten wollte, aber nur auf Probleme stieß. Er genoss gerade seinen Resturlaub aus den vergangenen 2010 Jahren und wollte schnell noch in Ruhe die Kreispresse lesen. Die hochmotivierten Journalisten hatten so einiges zusammen geschrieben und noch motiviertere Kommentatoren hatten weder Kosten noch Mühe gescheut und ihren (selbstverständlich Born-) Senf dazu gegeben.
Da man als Weihnachtsmann heute natürlich mit der Zeit gehen muss, um nicht ganz automatisch dauerhaft als Weihnachtsmann bezeichnet zu werden, schaltete er seinen Computer ein. Die vielen blauen Tonnen, die an einigen Stellen einfach nicht von der Straße zu bringen sind, störten ihn nämlich so stark, dass er beschlossen hatte, seine leer und Altpapier erst gar nicht mehr in sein Haus zu lassen. Aber der hypermoderne Schlepptop zeigte ihm nur einen gut bekannten blauen Bildschirm mit ihm nichts sagenden Sätzen in gepflegtem Denglisch und dann gar nichts mehr.
Als sich die Rauchwolken verzogen hatten, fragte der Weihnachtsmann bei einem Serviceunternehmen der Stadt (Namen ist der Redaktion bekannt, wird aber nicht verraten), wie es denn mit den Reparaturmöglichkeiten vor Weihnachten aussehe und ob man dann gleich auch Windows 7 aufspielen könne. Kein Problem, lautete die Antwort, bis Weihnachten kriegen wir das ganz locker hin. Kurz vor dem Start am 23.12. fragte er dann noch mal nach und musste erfahren, man habe natürlich Weihnachten 2011 gemeint, dann aber ganz bestimmt.
Da blieb ihm gar keine Zeit mehr, seinem guten alten Mühlhäuser KC 85 nachzutrauern, den er auf einem Flohmarkt für´n Appel und ´n Ei verhökert hatte. Den alten 60 Watt-Lötkolben, mit dem er ihn immer repariert hatte, hatte er praktischerweise kostenlos dazugegeben. Aber mit dem Transport und unterwegs wäre es damit ja doch problematisch geworden.
Also zurück zu Nikolaus, wo ja die Weihnachtsmannlehrlinge einen kurzen Probelauf hinlegen. Diese hatten gerade eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht verloren. Die Richter hatten ihre Klage auf Einführung des Titels Azubi mit der Begründung abgeschmettert, dass ihr Beruf dazu nun wirklich zu alt sei. Das hatten sie nun wieder zum Anlass genommen, in einen 14-tägigen Warnstreik zu treten. Die Weihnachtsmänner von der Gewerkschaft – äh, die Weihnachtsmännergewerkschaft hatte flugs sämtliche Bahn-Gewerkschaften mobil gemacht. Diese beschlossen, sich dem Streik anzuschließen.
Da gerade alle Radreifen ganz waren und die Klimaanlagen nach menschlichem Ermessen um die Zeit nicht gebraucht werden, hatte die Streikbegründungskommission zwar mit Problemen gerechnet, aber dann war ihnen wie immer noch was eingefallen.
Zehn der Weihnachtsmann-Elfen feierten krank und die Aushilfs-Elfen (Ein-Euro-Jobber nach Hartz IV-Bezug, daher in keiner Statistik mehr) kamen mit der Organisation der vielen Wünsche nicht nach. Die Männer hatten sich hauptsächlich Technik für Auge und Ohr gewünscht, die Frauen schicke Mode, aber die Arge konnte in der kurzen Zeit nicht genügend Kurse für chinesisch, japanisch, französisch usw. organisieren. Der Weihnachtsmann begann schon den Druck zu spüren, den er haben würde, wenn er aus dem Zeitplan geraten sollte.
Mit der Parkgenehmigung für den Schlitten gab es auch nur Schwierigkeiten. Machen Sie Ihrem Chef mal klar, dass ich eine Dienstleistung erbringe!, hatte der erzürnte Weihnachtsmann der Sekretärin des Amtsleiters noch ins Ohr gebrüllt und eine Beschwerde beim zuständigen Bürgermeister in Aussicht gestellt. Aber den wollte der Stadtrat gerade in die Wüste schicken und hatte daher seine Wiederwahl verweigert. Der Bürgermeister sagte, er hätte von Fußball keine Ahnung und wollte daher nicht nach Katar, um die WM 2022 zu organisieren.
Da wurden die Stadträte richtig böse, zählten auf, von was er ebenfalls keine Ahnung hatte und dass er trotzdem Bürgermeister geworden sei. So beschloss der Weihnachtsmann, schwarz zu parken und sollte er trotzdem ein Knöllchen bekommen, würde er die vielen Geschenke, die die dankbaren Bürger ihrer Oberbürgermeisterin machen wollten, zum Schluss einfach in die Zorge kippen. Natürlich außerhalb des Stadtgebietes, um auch mal ein anderes Ordnungsamt zu beschäftigen.
Als er nach draußen ging, um seine Rentiere aufzuzäumen bemerkte er, dass schon etwa 3000 Demonstranten von Tierschutzorganisationen bereit standen, dieses zu verhindern. Einige davon sahen den Prinzipiell-Verhinderern aus Sundhausen verdammt ähnlich. Vielleicht hatten sie ja hier nur ein Auswärtsspiel. Oder gar einen Kooperationsvertrag mit den Tierschützern? Zu Nikolaus – wie bereits bekannt, musste er ja dieses Jahr alles selber machen - hatte ein Kindergartenkind aus Sundhausen auf seine Gedicht-Anforderung geantwortet: Oh, heil´ger Bruder Florian, verschon´ unser Haus, zünd´ and´re an.
Der Weihnachtsmann wollte keine Konfrontation. Schließlich ist ja Weihnachten das Fest der Liebe und so warf er das Zaumzeug in die Ecke und sah sich nach Alternativen um. Nichts ist unmöglich und so brach auch noch sein alter Jeep auseinander, aber wir verraten nicht die Marke.
Also holte er seine fast vergessene Rennpappe mit Anhängerkupplung aus dem Schuppen, schickte die Ersatz-Elfen Benzin und Öl mischen und begann damit, den Schlitten zu beladen, doch eines der Bretter brach und der Sack fiel so zu Boden, dass alle Geschenke beschädigt wurden.
So frustriert ging der Weihnachtsmann ins Haus, um sich eine Tasse mit heißem Tee und einem Schuss Rum zu machen. Jedoch musste er feststellen dass die Elfen den ganzen Rum gesoffen hatten, um in das Weltbild der Antiarbeitslosenfraktion zu passen. In seiner Wut glitt ihm auch noch die Tasse aus den Händen und zersprang in tausend kleine Stücke, die sich über den ganzen Küchenboden verteilten.
Da klingelte es an der Tür. Er öffnete und da stand ein kleiner Engel mit einem riesigen Christbaum. Der Engel sagte sehr zurückhaltend: "Frohe Weihnachten Weihnachtsmann! Ist es nicht ein schöner Tag. Bestes Wetter, die Nordhäuser kaufen sich ihre Geschenke in Südharzgalerie und so alle selbst und auf dem Pferdemarkt ist Pferdemarkt. Jaja, nächstes Jahr soll sogar alles ein bisschen planiert und frisches Gras gesäht werden. Dieses Jahr finden die edlen Rosse ja noch genügend Grünfutter in der Brache. Ich habe da einen schönen Tannenbaum für dich. Wo soll ich den denn hinstecken?"
Und so hat nach der sehr kurzen Antwort des Nordhäuser- Chef-Weihnachtsmannes die Tradition mit dem kleinen Engel auf der Christbaumspitze erst jetzt richtig begonnen. Wie die Antwort lautete? Tut mir leid, aber das wird die nächste 50-Euro-Frage bei Wer wird Millionär?
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wird es langsam Zeit.... äh, falsch.... dann leben sie noch heut.
Jürgen Wiethoff

