Do, 12:53 Uhr
25.11.2010
"Engpässe" befürchtet
Die Ärzte in Deutschland sind außerordentlich besorgt, dass es in Zukunft verstärkt zu Lücken in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung kommen wird. Bereits die derzeitige Situation wird von vielen Ärzten kritisch beurteilt. Hier das Ergebnis einer Allensbacher Umfrage...
In Berlin wurden heute die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung für den MLP Gesundheitsreport 2010 vorgestellt. 46 Prozent der Ärzte sind davon überzeugt, dass es heute schon bundesweit einen Ärztemangel gibt, weitere 42 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten Jahren weiter verschlechtern wird. Erwartungsgemäß fallen die Einschätzungen regional deutlich unterschiedlich aus. Besonders kritisch urteilen die Ärzte aus den östlichen Bundesländern und aus bevölkerungs- und strukturschwächeren Gebieten. In Ostdeutschland sehen bereits jetzt 63 Prozent eine regionale Unterversorgung, in Westdeutschland nur 32 Prozent.
51 Prozent der Ärzte aus Städten bzw. Regionen mit weniger als 100.000 Einwohnern beurteilen die derzeitige Situation kritisch, dagegen nur 19 Prozent der Ärzte aus Großstädten oder Ballungsräumen.
Die Befürchtungen über einen zunehmenden Ärztemangel kommen auch darin zum Ausdruck, dass die große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte die Aussichten, im Fall einer Aufgabe der eigenen Praxis einen Nachfolger für die Übernahme zu finden, problematisch einschätzt, unabhängig davon, ob aktuell entsprechende Überlegungen bestehen. 72 Prozent der niedergelassenen Ärzte rechnen mit Problemen, einen Nachfolger zu finden, 42 Prozent sogar mit außerordentlichen Schwierigkeiten. Die Hausärzte äußern sich dabei tendenziell noch pessimistischer als die niedergelassenen Fachärzte.
Auch die Einschätzung der Probleme, einen Nachfolger zu finden, macht deutlich, dass es in den kommenden Jahren vor allem in bevölkerungsschwächeren Gebieten zu erheblichen Lücken in der ärztlichen Versorgung kommen dürfte. Niedergelassene Ärzte aus eher ländlichen Regionen mit nur kleineren oder mittleren Gemeinden bewerten die Aussichten deutlich skeptischer als die Ärzte in Großstädten oder Ballungsgebieten.
Verantwortlich für den Ärztemangel sind aus Sicht der Mediziner vor allem eine zu starke Reglementierung der ärztlichen Tätigkeit, für große Teile vor allem der Krankenhausärzte aber auch die hohen beruflichen Belastungen. 64 Prozent derjenigen, die bundesweit bereits jetzt einen Ärztemangel sehen bzw. diesen erwarten, sind überzeugt davon, dass der Ärztemangel in besonders hohem Maße auf die Fülle der Anweisungen und Vorgaben für die Ärzte zurückzuführen ist. Von den negativen Auswirkungen einerzu starken Reglementierung sind mit 78 Prozent besonders die niedergelassenen Ärzte überzeugt, aber immerhin auch jeder zweite stationär tätige Arzt sieht darin eine wesentliche Ursache. 44 Prozent aller Ärzte, 50 Prozent der Krankenhausärzte, weisen besonders auf die hohe Arbeitsbelastung hin.
Erwartungsgemäß liegen aus Sicht der Ärzte die Ursachen auch in einer ungünstigen Einschätzung der generellen Zukunftsperspektiven des Arztberufs und der Einkommenssituation. Allerdings ist der Kreis, der diesen Aspekten eine besonders hohe Bedeutung zumisst, mit 35 Prozent bzw. 27 Prozent vergleichsweise geringer.
Vorschläge, dem Ärztemangel mit einer Änderung der Zulassungsregeln für das Medizinstudium
entgegenzuwirken, stoßen in der Ärzteschaft überwiegend auf Skepsis. 58 Prozent der Ärzte sprechen sich dagegen aus, dass in Zukunft z.B. auch Realschüler, die über eine Ausbildung im Bereich der Krankenpflege verfügen, zum Medizinstudium zugelassen werden. Ähnlich sind die Reaktionen auf den Vorschlag, bei der Vergabe von Studienplätzen angesichts des Ärztemangels speziell in ländlichen Regionen Bewerbern den Vorzug zu geben, die sich verpflichten, nach dem Studium mehrere Jahre als Landarzt zu arbeiten.
Für den MLP Gesundheitsreport 2010 wurden 524 Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte in Deutschland vom 6. September bis 1. Oktober 2010 befragt.
Autor: nnzIn Berlin wurden heute die Ergebnisse einer Repräsentativbefragung für den MLP Gesundheitsreport 2010 vorgestellt. 46 Prozent der Ärzte sind davon überzeugt, dass es heute schon bundesweit einen Ärztemangel gibt, weitere 42 Prozent rechnen damit, dass sich die Lage in den nächsten Jahren weiter verschlechtern wird. Erwartungsgemäß fallen die Einschätzungen regional deutlich unterschiedlich aus. Besonders kritisch urteilen die Ärzte aus den östlichen Bundesländern und aus bevölkerungs- und strukturschwächeren Gebieten. In Ostdeutschland sehen bereits jetzt 63 Prozent eine regionale Unterversorgung, in Westdeutschland nur 32 Prozent.
51 Prozent der Ärzte aus Städten bzw. Regionen mit weniger als 100.000 Einwohnern beurteilen die derzeitige Situation kritisch, dagegen nur 19 Prozent der Ärzte aus Großstädten oder Ballungsräumen.
Die Befürchtungen über einen zunehmenden Ärztemangel kommen auch darin zum Ausdruck, dass die große Mehrheit der niedergelassenen Ärzte die Aussichten, im Fall einer Aufgabe der eigenen Praxis einen Nachfolger für die Übernahme zu finden, problematisch einschätzt, unabhängig davon, ob aktuell entsprechende Überlegungen bestehen. 72 Prozent der niedergelassenen Ärzte rechnen mit Problemen, einen Nachfolger zu finden, 42 Prozent sogar mit außerordentlichen Schwierigkeiten. Die Hausärzte äußern sich dabei tendenziell noch pessimistischer als die niedergelassenen Fachärzte.
Auch die Einschätzung der Probleme, einen Nachfolger zu finden, macht deutlich, dass es in den kommenden Jahren vor allem in bevölkerungsschwächeren Gebieten zu erheblichen Lücken in der ärztlichen Versorgung kommen dürfte. Niedergelassene Ärzte aus eher ländlichen Regionen mit nur kleineren oder mittleren Gemeinden bewerten die Aussichten deutlich skeptischer als die Ärzte in Großstädten oder Ballungsgebieten.
Verantwortlich für den Ärztemangel sind aus Sicht der Mediziner vor allem eine zu starke Reglementierung der ärztlichen Tätigkeit, für große Teile vor allem der Krankenhausärzte aber auch die hohen beruflichen Belastungen. 64 Prozent derjenigen, die bundesweit bereits jetzt einen Ärztemangel sehen bzw. diesen erwarten, sind überzeugt davon, dass der Ärztemangel in besonders hohem Maße auf die Fülle der Anweisungen und Vorgaben für die Ärzte zurückzuführen ist. Von den negativen Auswirkungen einerzu starken Reglementierung sind mit 78 Prozent besonders die niedergelassenen Ärzte überzeugt, aber immerhin auch jeder zweite stationär tätige Arzt sieht darin eine wesentliche Ursache. 44 Prozent aller Ärzte, 50 Prozent der Krankenhausärzte, weisen besonders auf die hohe Arbeitsbelastung hin.
Erwartungsgemäß liegen aus Sicht der Ärzte die Ursachen auch in einer ungünstigen Einschätzung der generellen Zukunftsperspektiven des Arztberufs und der Einkommenssituation. Allerdings ist der Kreis, der diesen Aspekten eine besonders hohe Bedeutung zumisst, mit 35 Prozent bzw. 27 Prozent vergleichsweise geringer.
Vorschläge, dem Ärztemangel mit einer Änderung der Zulassungsregeln für das Medizinstudium
entgegenzuwirken, stoßen in der Ärzteschaft überwiegend auf Skepsis. 58 Prozent der Ärzte sprechen sich dagegen aus, dass in Zukunft z.B. auch Realschüler, die über eine Ausbildung im Bereich der Krankenpflege verfügen, zum Medizinstudium zugelassen werden. Ähnlich sind die Reaktionen auf den Vorschlag, bei der Vergabe von Studienplätzen angesichts des Ärztemangels speziell in ländlichen Regionen Bewerbern den Vorzug zu geben, die sich verpflichten, nach dem Studium mehrere Jahre als Landarzt zu arbeiten.
Für den MLP Gesundheitsreport 2010 wurden 524 Krankenhaus- und niedergelassene Ärzte in Deutschland vom 6. September bis 1. Oktober 2010 befragt.





