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Mo, 09:05 Uhr
25.10.2010

Alles ganz schnell

Mit Personalien wird sich in der Politik meist ganz lange herumgeschlagen. Und: Es ist jede Menge Taktik im Spiel denn besetzt werden strategische Positionen nur mit Personen, die ins Kalkül der bereits handelnden passen. In Nordhausen hat man es jetzt besonders eilig...


Am Samstag erschien - nahezu unscheinbar platziert - im Stellenteil einer Thüringer Zeitung die Ausschreibung für die künftige Besetzung des hauptamtlichen 1. Beigeordneten der "Hochschulstadt Nordhausen". Im Klartext, zum 1. Mai des kommenden Jahres wird ein Nachfolger für Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) gesucht. Und dieses Suchen soll jetzt ganz schnell gehen. Bis zum 8. November sollten Bewerber ihre Unterlagen bei Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) abgegeben haben. Und schon zwei Wochen später, am 24. November, soll im Stadtrat gewählt werden, erfuhr nnz aus dem Rathaus.

Doch dort, im Stadtrat, bauen sich für Barbara Rinke, Matthias Jendricke und die SPD-Fraktion die ersten Hürden auf. In Form von vier Fraktionen: CDU, FDP, B90/Grüne und LINKE. Deren Chefs waren allesamt überrascht von der plötzlichen Geschwindigkeit, die seitens der Verwaltungsspitze an den Tag gelegt wird. Weder Gisela Hartmann, noch Barbara Schencke, Norbert Klodt oder Martin Höfer wurden informiert.

"Ich empfinde das als Überrumpelungstaktik seitens Frau Rinke, hier hätte es demokratischer und einvernehmlicher zugehen können. Zumindest eine Information des Ältestenrates wäre möglich gewesen. Für solch klevere Spielchen ist Frau Rinke bestens bekannt, wobei ich sagen muss, dass sie sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Fair ist dieser Umgang allerdings für mich nicht", so Höfer.

Als sehr bedauerlich empfindet auch Barbara Schencke (LINKE) den nicht vorhandenen Informationsfluss. Sie hätte sich ebenfalls eine Nachricht über den Ältestenrat gewünscht und ist immer noch verwundert, warum jetzt solch eine Eile an den Tag gelegt wird, da ja doch die Stelle erst zum 1. Mai 2011 ausgeschrieben ist.

"Ich hätte mir gewünscht, dass die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates eine offizielle Vorab-Information erhalten hätten. Dies wäre auch eine vertrauensbildende Maßnahme gewesen", kommentiert Norbert Klodt (CDU) die Ausschreibung. Er spricht darauf an, dass in den vergangenen Wochen der Versuch eines Konsens bei Änderungen der Hauptsatzung oder Geschäftsordnung zwischen Verwaltung und Stadtrat spürbar gewesen sei. Dieser Konsens - so die Quintessenz, sei jetzt wieder gefährdet.

Das sieht auch Gisela Hartmann ähnlich. "Es hätte einer solchen Eile nicht bedurft, ich hätte nicht damit gerechnet, dass so schnell nun ausgeschrieben werden muss. Diese Hektik schadet dem Verfahren an sich", meint die Bündnisgrüne.

Das Anforderungsprofil der Bewerber ist passgenau auf den jetzigen Bürgermeister Matthias Jendricke zugeschnitten. Das ist so üblich, damit haben Bewerber von "außen" kaum eine Chance, die Kriterien zu erfüllen. Und dennoch wird sich Jendricke nicht nur der Wahl im Stadtrat schlechthin stellen, er wird es mit mindestens einem Gegenkandidaten oder einer Gegenkandidatin zu tun bekommen. Das kündigte Barbara Schenke (LINKE) gegenüber der nnz exklusiv an. "Wir haben eine Alternative zu Herrn Jendricke zu bieten, die kommt aus der Nordhäuser Region und wird sich bewerben."

Mit dieser politischen Kampfansage wird deutlich, dass die Risse zwischen SPD und dem Rest der kommunalen Politszene in Nordhausen längst noch nicht gekittet sind. CDU, FDP, LINKE und B90/Grüne verfügen über eine satte Mehrheit im Stadtrat, auch wenn es da den einen oder anderen Abweichler eventuell geben wird. Unterm Strich sind mit 23 zu 14 (13 SPD plus OB) die Verhältnisse eindeutig. Die Vierer-Gruppe wird auch noch wegen eines anderen Termins zusammenhalten: Im Jahr 2012 wird nicht nur der Nachfolger von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke vom Volk gewählt, sondern auch der Posten von Inge Klaan (CDU) wird ausgeschrieben.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
-Insider-
25.10.2010, 18:54 Uhr
also
es ist doch klar warum es ein hauruckverfahren wird. man kann doch eig davon ausgehen, dass bei der derzeitigen situation im stadtrat keine mehrheit für hr. jendricke machbar ist. zu dem sucht das südharzkrankenhaus weiterhin einen neuen chef und das ebend nicht erst zum 01.05.2011. als abgewählter bürgermeister lässt es sich dann ebend leichter zurücktreten als wenn man neu gewählt wird (vermutung meiner seits, wer was in dieser stadt macht ist mir persönlich (fast) egal).

ich hoffe einfach, dass bei diesem ränkespiel die qualität am ende nicht leidet. hr jendricke ist sicher schlau genug ein unternehmen wie das krankenhaus zu leiten (sofern er das denn wirklich machen will). wichtig ist jetzt einfach, dass der nicht-spd-teil des stadtrates jemanden findet der weiß wie die stadt tickt, der weiß wo die baustellen sind, der aber auch durchgreifen kann und führungsstärke hat. vllt. findet in diesem zusammenhang auch das schauspiel mit dem AH ein ende, die posse vom pferdemarkt...all das muss endlich abschließend gelöst werden..
Peppone
25.10.2010, 21:49 Uhr
Hoffentlich
können sich die Studenten der Hochschulstadt Nordhausen daran erinnern, wer ihnen die Zweitwohnsitzsteuer verpasst hat. Hoffentlich können sich die Nordhäuser Bürger daran erinnern, wer ihnen das unsägliche Verhältnis zum eigenen Landkreis beschert hat. Hoffentlich können sich die Stadtratsmitglieder daran erinnern, wer in Nordhausen angeblich alles gemacht hat!

Einwohnerzahlen von Nordhausen stabil? Wie viel Dörfer mussten dafür eingemeindet werden? Es ist Zeit für einen positiven Wechsel im Sinne dieser Stadt, die neue Kreisstadt für neue Strukturen in Nordthüringen werden muss!

Wenn die Parteien jenseits der SPD das jetzt nicht gemeinsam hinbekommen, dann schaffen sie es nie!

PS: Für das Krankenhaus bedarf es eines Fachmannes, der in Herrn Pilles Fußstapfen passt. Ein Parteipolitiker auf Jobsuche ist da nur die dritte Wahl!
denk-mal
26.10.2010, 20:08 Uhr
bedenkenswert
für mich ist es sehr verwunderlich, dass im ausschreibungsteext nicht noch die thüringerstraße als außerordentliche bedingung gefordert wird - oh frau rinke, das ist aber ein sehr oberflächlicher lapsus. was soll es, lieber keinen bürgermeister als diesen. entsprechend der kommunalordnung würde auch das möglich sein, dass man nur noch einen zweiten mann oder frau braucht oder haben muss.

wichtig ist nur, dass jemand, der mit dem datenschutz unserer bürger so unverschämt schlampig um geht, dass er sogar in dem entsprechenden thüringer bericht als negatives verhalten namentlich benannt wurde, als bürgermeister wenn er schon nicht den anstand besitzt zurückzutreten, dann doch wenigstens sich nicht noch erneut bewerben sollte. was solls, politische etikette ist parteiübergreifend ein selten zartes pflänzchen geworden, aber bestimmte formen des anstandes haben die, die im wahlkampf bei der leistungsinventur (sie erinnern sich "dass haben wir gemacht ... ") ausgegrenzt wurden dann eben doch noch.

lassen wir uns überraschen, ob die "schwartzen" die "roten" die "grünen" und die "blau-gelben" im stadtrat ein gedächtnis besitzen oder dann doch lieber den schmusekurs anstreben, aus was für befindlichkeiten auch immer.
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