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Do, 13:08 Uhr
01.07.2010

Fair is foul and foul is fair

Neinnein, keine Angst, es geht nicht schon wieder um Fußball. Die drei, die das im Chor aufsagen, sind Hexen. Vergangenen Samstag taten sie das auf einer Bühne in London. Für Shakespeare-Fans auf DER Bühne überhaupt. Die Rede ist vom Globe Theatre am Ufer der Themse. Olaf Schulze besuchte für die nnz eine „Macbeth“-Aufführung.

Es gibt Neubauten alter, längst zerstörter Gebäude, die heftige Debatten über Nutz und Frommen einer Neuerrichtung auslösen und die Menschheit in zwei Lager spalten. Wenn sich aber ein Sponsor findet, der das berühmteste Theater der Welt einfach so wieder aufbaut, nur weil er das für eine gute Idee hält, da kann wirklich keiner meckern. Das taten die Londoner auch nicht als ein amerikanischer Multimillionär Ende des vergangenen Jahrtausends anbot, jenes legendäre Globe-Theatre nach den Originalbauplänen aufzustellen, die Ende des 16. Jahrhunderts die Grundlage boten für ein Theatergeschichte schreibendes Schauspielhaus. Hier wurden all die Werke des Meisters Shakespeare uraufgeführt, die wir heute so lieben und kaum noch verstehen.

london (Foto: rike) london (Foto: rike)

Erwartungsfrohe Zuschauer auf regengeschützten Plätzen

Inzwischen wird das neue Globe jeden Sommer bespielt und lockt Theaterfreunde aus aller Welt an. Und was gibt es verlockenderes als den Thriller Macbeth zur besten “Sendezeit“ an einem lauen Sommerabend mit handverlesen guten Akteuren in einer Inszenierung zu sehen, die sich eng an die überlieferte Spielart der Shakespearezeit anlehnt?

Die Bühne in dieser Welt (Globe) ist schwarz ausgeschlagen und der Bühnenboden per festem Leinentuch in den Zuschauerraum verlängert, wo er wie ein Zelt aufgespannt ist. In diese Stoffbahnen sind Löcher geschnitten, durch die wir Zuschauer unsere Köpfe stecken müssen. Kurz vor Beginn der Aufführung macht sich an einigen Stellen Unruhe breit, dann wird gelacht und auch laut gekreischt. Denn die Hexen sind unter uns. Ganz wörtlich. Sie pieken und kneifen die Beine der Zuschauer und auf der Bühne nähert sich eine schauerlich schmierige Gestalt, der spätere Diener und Wachposten im Hause Macbeth. Er treibt derbe Scherze mit den Besuchern, während die Hexen die armen Stehplatzzuschauer anfauchen und diabolisch grinsen. Was für Typen! Einfach unglaublich, wie die Aufmerksamkeit der Betrachter zur Bühne gezogen wird.

london (Foto: rike) london (Foto: rike)

Das restlos gefüllte Globe-Theatre. Hier die Plätze für die "feinen" Leute

Nahezu nahtlos beginnt oben auf der Bühne das Spiel, blutverschmierte Krieger kommen aus der Schlacht, dem verräterischen Thane of Cawdor wird die Zunge herausgeschnitten. Er spuckt eimerweise Blut auf die Bühne. Macbeth erbt dessen Job und lässt sich von den Hexen die Erringung der Königswürde prophezeien. Womit das Verhängnis seinen Lauf nimmt. Aber auch eine Inszenierung auf höchstem schauspielerischen Niveau mit einfachsten Mitteln in einem durchstehenden Bühnenbild, in dem die jeweiligen Schauplätze von den Darstellern überzeugend behauptet werden. Etwas Nebel wabert immer um die Bühne und das verdächtig nach Schokolade riechende Bühnenblut fließt weiter literweise. Hier ist einer erst dann tot, wenn er in einer ordentlichen Blutlache liegt und sein Kostüm vollständig eingesaut ist. Und das betrifft ja einige im Stück.

london (Foto: rike) london (Foto: rike)

Die Bühne ist schlicht und einfach, kommt ohne große Bühnenbilder aus

Aber selbst wenn sie tot sind, kann es passieren, dass sie aus dem Bühnentuch im Zuschauerraum oder auch mal aus einer großen Speisenplatte als Geister auftauchen und Macbeth quälen. Nach drei Stunden ist alles vorbei. Der Tyrann besiegt, Schottland wieder frei und die Besucher tief beeindruckt von einem überwältigenden Theaterabend mit hervorragenden Schauspielern. So begeisternd wie die Inszenierung war auch der lautstark jubelnde Applaus, der eher bei einem Rockkonzert oder Fußballspiel zu vermuten wäre. Die Darsteller dankten es mit einem kleinen schottischen Kriegstänzchen zur Musik der Kapelle mit mittelalterlichen Instrumenten, die während der Aufführung an verschiedensten Stellen gespielt hatte.
Ich kann ein solches Erlebnis nur weiter empfehlen und auch wenn es dem einen oder anderen arg blutrünstig erscheinen mag: es ist Theater. Die dargestellte Realität war hier so überhöht, dass sich der Betrachter dessen stets gewiss war. Aber es war verdammt gutes Theater. Oder wie Sir Terry Pratchett in seinem stark an Macbeth angelehnten Werk „Mac Best“ eine seiner Hexen sagen lässt: „Dinge, die wie Dinge aussehen wollen, sehen manchmal mehr wie Dinge aus als Dinge.“

OLAF SCHULZE
Autor: nnz

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