Mo, 06:45 Uhr
13.01.2003
Betrachtet: Kaum noch Gemeinsames
Nordhausen (nnz). Es wurde in den zurückliegenden Jahren und Monaten oft über die Chancen und Ziele einer regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen berichtet. Vor allem die Regionen Nordhausen und Sondershausen wollten enger zusammenrücken. Von diesen Vorsätzen scheint nicht mehr viel übrig zu sein.
Den wohlmöglich letzten Versuch starteten die Nordhäuser in den letzten Monaten des zurückliegenden Jahres. Es war die Aussicht, dass bei der zukünftigen planerischen Neuordnung des Freistaates die Stadt Nordhausen zu einem Oberzentrum avancieren könnte. Stadträte wurden mit Zahlen, Fakten, Aussichten und schönen bunten Folien mehrfach unterrichtet. Gespräche gab es unter anderem im Nordhäuser Rathaus. Von diesem Enthusiasmus ist nicht mehr viel geblieben. Die Realität ist immer grauer, sie hat die Handelnden eingeholt. Das Oberzentrum ist Geschichte, sagt man in Erfurt. Wer in den vergangenen Woche etwas genauer zu- und hinhörte, der konnte eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen dem Landkreis Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis ausmachen. Mehrere Fakten belegen dies.
Da ist das Werben der Nordhäuser hinsichtlich einer Fusion der Krankenhäuser in Nord- und Sondershausen. Obwohl der Sondershäuser Einrichtung das finanzielle Wasser bis zum Hals und sogar noch höher steht, blockt man sämtliche Gespräche permanent ab. Darüber ist vor allem Landrat Joachim Claus (CDU) stocksauer. Als Politiker versteht er es dennoch, seine Säuerlichkeit in verbindliche Worte zu fassen. Zum Neujahrsempfang plädierte er an die Vernunft in Sondershausen und warb erneut für eine Kooperation beider Häuser. Intern ist das Thema vielleicht schon abgehakt.
Da war das Abstimmungsverhalten des Kyffhäuserkreises innerhalb des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Nordthüringen. Das ließ einer innovativen Entwicklung des Abfallwirtschaftszentrums bei Nentzelsrode nicht den Hauch einer Chance und die Verbandsräte plädierten in zwei Abstimmungsrunden knallhart für den Müllexport uind damit gegen Nordhausen (nnz berichtete ausführlich).
Da wird im Landkreis Nordhausen die mangelnde Unterstützung zum künftigen Industriegebiet in der Goldenen Aue zur Kenntnis genommen. Statt dessen bemühen sich vor allem einflussreiche Größen der Arterner Region um ein eigenes Industriegebiet. Die Fläche ist bei Ringleben vorhanden, bei den Planungen haben die Nordhäuser (noch) einen Vorsprung.
Da ist die Kontroverse hinsichtlich der Zukunft des Nordhäuser Theaters. Mehrfach kamen die Nordhäuser Stadträte als Mehrheitsgesellschafter den Kollegen im Kyffhäuserkreis entgegen. Der Frust in den vier Stadtratsfraktionen macht sich breit und wird zunehmend lauter artikuliert, vor allem in der CDU. Der nächste Affront wird sich nach nnz-Informationen bei der Diskussion um die Ausschreibungsmodalitäten zur Neubesetzung der Theaterspitze ab dem Jahr 2004 ankündigen. Stichwort: Geschäftsführer oder Intendant.
Den Nordhäuser ging es seit Jahren um die Annäherung der beiden Regionen, den Sondershäusern vielleicht auch. Doch die Musikstädter müssen mit dem Altkreis Artern zurechtkommen. Nach dem Knatsch innerhalb der CDU des Kyffhäuserkreises ist man da auf eine Friede-Freude-Eierkuchen-Strategie aus. Was nichts anderes heißt als Kompromisse eingehen, die sich wiederum negativ für Nordhausen auswirken.
Jetzt aber wird es ernst: Nordhausen wird in Nordthüringen immer dominieren. Das wird man in und um Sondershausen zur Kenntnis genommen haben. Sollte es zu keiner Symbiose beider Regionen kommen, dann wird Sondershausen vielleicht künftig eine ländliche Region werden, planerisch gesehen. Nicht mehr! Das sei so sicher wie das Amen in der Kirche, hört man nicht nur aus christdemokratischen Kreisen in der Rolandstadt. Doch im Bereich Artern setzt man auf ein ganz anderes Pfund: Die Autobahn A 71. Sie soll Leben in die Region bringen und sie hat einen klitzekleinen Vorteil. Sie schließt nicht nur an die A 38 an, sondern schafft auch kurze Wege in die Landeshauptstadt. Und die waren seit jeher immer von Vorteil.
Momentan setzen die Arterner Wirtschaftsförderer wohl erst einmal auf Big Brother. Der mediale Mutant der einstigen Container-Oper, den Endemol in der Salinestadt produziert und den der MDR ab Februar ausstrahlen will, soll ja jede Menge Investoren nach Artern locken. Und irgendwann im vergangenen Jahr sprach ein Vertreter der niederländischen Produktionsfirma gar von einer Senkung der Arbeitslosenquote durch die Ausstrahlung von rund 10 Prozent. In Nordhausen wird man also gespannt verfolgen, was eine virtuelle Wirtschaftsförderung zu leisten vermag.
Autor: psgDen wohlmöglich letzten Versuch starteten die Nordhäuser in den letzten Monaten des zurückliegenden Jahres. Es war die Aussicht, dass bei der zukünftigen planerischen Neuordnung des Freistaates die Stadt Nordhausen zu einem Oberzentrum avancieren könnte. Stadträte wurden mit Zahlen, Fakten, Aussichten und schönen bunten Folien mehrfach unterrichtet. Gespräche gab es unter anderem im Nordhäuser Rathaus. Von diesem Enthusiasmus ist nicht mehr viel geblieben. Die Realität ist immer grauer, sie hat die Handelnden eingeholt. Das Oberzentrum ist Geschichte, sagt man in Erfurt. Wer in den vergangenen Woche etwas genauer zu- und hinhörte, der konnte eine Verschlechterung des Verhältnisses zwischen dem Landkreis Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis ausmachen. Mehrere Fakten belegen dies.
Da ist das Werben der Nordhäuser hinsichtlich einer Fusion der Krankenhäuser in Nord- und Sondershausen. Obwohl der Sondershäuser Einrichtung das finanzielle Wasser bis zum Hals und sogar noch höher steht, blockt man sämtliche Gespräche permanent ab. Darüber ist vor allem Landrat Joachim Claus (CDU) stocksauer. Als Politiker versteht er es dennoch, seine Säuerlichkeit in verbindliche Worte zu fassen. Zum Neujahrsempfang plädierte er an die Vernunft in Sondershausen und warb erneut für eine Kooperation beider Häuser. Intern ist das Thema vielleicht schon abgehakt.
Da war das Abstimmungsverhalten des Kyffhäuserkreises innerhalb des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Nordthüringen. Das ließ einer innovativen Entwicklung des Abfallwirtschaftszentrums bei Nentzelsrode nicht den Hauch einer Chance und die Verbandsräte plädierten in zwei Abstimmungsrunden knallhart für den Müllexport uind damit gegen Nordhausen (nnz berichtete ausführlich).
Da wird im Landkreis Nordhausen die mangelnde Unterstützung zum künftigen Industriegebiet in der Goldenen Aue zur Kenntnis genommen. Statt dessen bemühen sich vor allem einflussreiche Größen der Arterner Region um ein eigenes Industriegebiet. Die Fläche ist bei Ringleben vorhanden, bei den Planungen haben die Nordhäuser (noch) einen Vorsprung.
Da ist die Kontroverse hinsichtlich der Zukunft des Nordhäuser Theaters. Mehrfach kamen die Nordhäuser Stadträte als Mehrheitsgesellschafter den Kollegen im Kyffhäuserkreis entgegen. Der Frust in den vier Stadtratsfraktionen macht sich breit und wird zunehmend lauter artikuliert, vor allem in der CDU. Der nächste Affront wird sich nach nnz-Informationen bei der Diskussion um die Ausschreibungsmodalitäten zur Neubesetzung der Theaterspitze ab dem Jahr 2004 ankündigen. Stichwort: Geschäftsführer oder Intendant.
Den Nordhäuser ging es seit Jahren um die Annäherung der beiden Regionen, den Sondershäusern vielleicht auch. Doch die Musikstädter müssen mit dem Altkreis Artern zurechtkommen. Nach dem Knatsch innerhalb der CDU des Kyffhäuserkreises ist man da auf eine Friede-Freude-Eierkuchen-Strategie aus. Was nichts anderes heißt als Kompromisse eingehen, die sich wiederum negativ für Nordhausen auswirken.
Jetzt aber wird es ernst: Nordhausen wird in Nordthüringen immer dominieren. Das wird man in und um Sondershausen zur Kenntnis genommen haben. Sollte es zu keiner Symbiose beider Regionen kommen, dann wird Sondershausen vielleicht künftig eine ländliche Region werden, planerisch gesehen. Nicht mehr! Das sei so sicher wie das Amen in der Kirche, hört man nicht nur aus christdemokratischen Kreisen in der Rolandstadt. Doch im Bereich Artern setzt man auf ein ganz anderes Pfund: Die Autobahn A 71. Sie soll Leben in die Region bringen und sie hat einen klitzekleinen Vorteil. Sie schließt nicht nur an die A 38 an, sondern schafft auch kurze Wege in die Landeshauptstadt. Und die waren seit jeher immer von Vorteil.
Momentan setzen die Arterner Wirtschaftsförderer wohl erst einmal auf Big Brother. Der mediale Mutant der einstigen Container-Oper, den Endemol in der Salinestadt produziert und den der MDR ab Februar ausstrahlen will, soll ja jede Menge Investoren nach Artern locken. Und irgendwann im vergangenen Jahr sprach ein Vertreter der niederländischen Produktionsfirma gar von einer Senkung der Arbeitslosenquote durch die Ausstrahlung von rund 10 Prozent. In Nordhausen wird man also gespannt verfolgen, was eine virtuelle Wirtschaftsförderung zu leisten vermag.

