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Mi, 12:01 Uhr
14.04.2010

Protest gegen "Elena"

„Elena“ ist auf dem Bau nicht gefragt: Bauarbeiter im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis wollen sich nicht zu „gläsernen Arbeitnehmern“ machen lassen. Die IG BAU Nordthüringen lehnt ein „massenweises Sammeln und Speichern von Arbeitnehmerdaten“ ab.


Die Bau-Gewerkschaft erteilt damit dem umstrittenen System zum Elektronischen Entgeltnachweis (kurz „Elena“) eine Absage. „Hier sollen sensible Daten im großen Stil gehortet werden. Was einmal per ‚Elena’ erfasst wird, verfolgt jeden Beschäftigten – ein Arbeitsleben lang. Das machen wir nicht mit“, sagt Wilfried Grams.

Der Bezirksverbandsvorsitzende der IG BAU Nordthüringen spricht von „der Gefahr der Totalerfassung“. Er begrüßt damit die aktuelle Massenklage gegen „Elena“ beim Bundesverfassungsgericht. Rückenwind erhält die IG BAU auch von offizieller Seite: „Selbst die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern haben gefordert, ‚Elena’ erneut auf den Prüfstand zu stellen“, so Grams.

Die IG BAU berichtet von „massiver Ablehnung“ der „Elena“-Pläne im Kreis Nordhausen. Nicht nur auf dem Bau, auch in der Gebäudereinigung und im Garten- und Landschaftsbau wachse der Protest. „Der Grund für eine Kündigung und das Datum einer Abmahnung haben in einem Zentralspeicher nichts zu suchen. Ebenso wenig wie Fehlzeiten – egal, ob es dabei um Krankheit, unbezahlten Urlaub oder Mutterschutz geht“, so der Gewerkschafter.

Das Bundesverfassungsgericht habe der Bundesregierung bereits bei der Massenspeicherung von Internet- und Telefondaten einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Bei ‚Elena’ geht es um nichts anderes. Hier ist es die Vorratsdatenspeicherung von Arbeitnehmerdaten“, sagt Grams. Die IG BAU Nordthüringen appelliert daher an die heimischen Bundestagsabgeordneten, beim Bundesarbeitsministerium in Berlin „alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ‚Elena’ auszubremsen“.

Die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP), in Sachen „Elena“ Abstriche für kleine und mittlere Unternehmen machen zu wollen, um diese von „neuer Bürokratie“ zu befreien, reiche bei weitem nicht aus.
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Kommentare

14.04.2010, 13.49 Uhr
Retupmoc | Stasi heute
Das was sich unsere so tolle Regierung einfallen hat lassen - ELENA - spottet jeder Beschreibung. Dagegen war die Staatssicherheit der DDR ein Karnevalsverein.

Bei ELENA wird alles gespeichert, sogar die Krankheit bei einer Krankschreibung. Wenn Sie z. B. Diabetes haben, weiss das ab sofort ihr jetziger Chef und ihr potentieller späterer Arbeitgeber bei dem sie sich bewerben müssen. Gut das sich die IG Bau dagegen wendet. Aber helfen wird es nichts.

In diesem Überwachungsstaat hilft nur noch Widerstand auf der Straße. Wir sind das VOLK. Wir haben es den Herrschenden shon einmal friedlich gezeigt - es wird Zeit für eine Wiederholung.

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14.04.2010, 22.30 Uhr
Stallbursche | „Elena“ mit Nebenwirkungen
Elena scheint eine geniale Idee zu sein, aber genial für wen? Es erinnert mich zu sehr die so genannte „Kaderakte“ der „DDR“-Betriebe. Handelt es sich hierbei nicht um eine „Elektronische Kaderakte“? Die Kaderleiter der „DDR“ und ihre Spießgenossen von der „Unsichtbaren Front“ hätten frohlockt, hätte ihre Elektronikindustrie die Grundlagen für ein solch perfektes Überwachungssystem nach dem Motto „Big Brother is watchin you“ damals schon hervorbringen können. Das System hat sicher auch Vorteile, aber die negativen Nebenwirkungen sind, so glaube ich, wesentlich größer.

Wer von den wirklichen Leistungsträgern der Gesellschaft verlangt, dass sie ihre persönlichsten Daten offenlegen, sollte erst einmal selbst mit gutem Beispiel vorangehen und das Bankgeheimnis für Groß-“Verdiener“ brechen.

Ich möchte mit einem Satz schließen, den ich von einem Bekannten gehört habe und der den Nagel genau auf den Kopf trifft: „Offenheit und Ehrlichkeit, können nur gedeihen, wo alle offen und ehrlich sind.“

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