Do, 15:49 Uhr
19.12.2002
Wiederaufstieg ist noch ein Thema
Nordhausen (nnz). Die 1. Mannschaft von Wacker 90 Nordhausen überwintert auf dem fünften Tabellenplatz in der Landesklasse Staffel West. Enttäuschend sagen die einen, mehr war nicht drin sagen die anderen. nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg sprach mit Hans-Peter Kell, Präsident des Fußballsportvereins, über sein Fazit und die Aussichten für die zweite Halbserie.
Herr Kell, die Mannschaft hat 25 Punkte aus 14 Spielen geholt. Sind Sie damit zufrieden?
Die Frage kann man nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Ich muss dazu etwas weiter ausholen. Nachdem wir den Insolvenzantrag stellen mussten, haben uns sehr viele Leistungsträger verlassen. Die Folge war, dass die Mannschaft die Klasse nicht mehr halten konnte und weitere Spieler weg gegangen sind. Wir waren gezwungen, eine neue Elf aufzubauen. So etwas braucht seine Zeit. Ich erinnere nur an die erste Halbserie in der Landesliga, wo wir schon aussichtslos zurück lagen, weil die Harmonie und die Abstimmung zwischen neuen und Stammspielern fehlte.
In der Rückrunde trug die gute Arbeit der Trainer erste Früchte und wir haben den Klassenerhalt denkbar knapp verfehlt. Am Beispiel von Frank Ludwig, den wir für eine Halbserie verpflichten konnten, hat sich gezeigt, wie wichtig ein Spielerpersönlichkeit ist, die die Mannschaft führt. In dieser Saison fehlt uns solch ein Spieler. Und so kam es wieder zu Rückschlägen zu Beginn der Serie. Aber ich bin der Meinung, dass sich die Elf jetzt gefunden hat und motivierter in die Begegnungen geht. Aus den letzten vier Partien haben wir zehn Punkte geholt. Die Leistungskurve zeigt nach oben. So gesehen, kann man mit der Entwicklung zufrieden sein.
Glauben sie noch an den Wiederaufstieg in die Thüringenliga?
Aus eigener Kraft können wir den Wiederaufstieg nicht mehr schaffen. Das muss man so klar sagen. Wir hatten zu Beginn der Saison als Zielstellung für die erste Halbserie 30 Punkte ins Auge gefasst. Durch den erneuten Ausfall des Spiels gegen Schwallungen konnte das nicht annähernd erreicht werden. Aber ich bin überzeugt, dass wir in der zweiten Halbserie den Rückstand aufholen werden. Das Potential dazu ist vorhanden, es ist nur eine Frage des Kopfes. Die Spieler müssen an sich und dem Aufstieg glauben. Außerdem bin ich überzeugt, dass auch die führenden Mannschaften noch Federn lassen werden. Unter diesem Aspekt betrachtet, bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir den Aufstieg noch schaffen.
Wie erklären Sie sich die großen Leistungsschwankungen in der ersten Halbserie?
Ich sehe die Ursache darin, dass einigen Spieler nicht immer mit der erforderlichen Konzentration in die Begegnungen gehen. In dieser Staffel kann Jeder Jeden schlagen. Ob man gegen den Tabellenletzten oder den Spitzenreiter spielt, man muss stets Höchstleistung bringen. Und das war leider nicht immer der Fall. So kam es zu den peinlichen Niederlagen in Hildburghausen (1:4) sowie zu Hause gegen Ruhla (1:4) und Hinternah-Schönbrunn (0:1), die uns wichtige Punkte gekostet haben.
Aber bei aller Kritik müssen wir gerade den jüngeren Spielern, die noch teilweise im A-Juniorenbereich spielberechtigt sind, zubilligen, dass sie einen Entwicklungsprozess durchmachen, bei dem es ab und an zu Rückschlägen kommen kann.
Ein Wort zu den Sponsoren, ohne die ja bekanntlich nichts mehr läuft im Sport?
Mit der Unterstützung unserer Sponsoren können wir im Verein vollauf zufrieden sein, denn es sind diejenigen, die auch in den schlimmen Zeiten der Insolvenz zu uns gestanden haben. Dafür möchte ich mich im Namen des Präsidiums und der Spieler ganz herzlich bedanken. Dass die Sponsoren jetzt auch Leistungen von der 1. Mannschaft abverlangen, ist einleuchtend. Denn es kann nicht sein, dass eine Mannschaft in der Oberliga mit der gleichen Summe gesponsert wird, wie eine in der Landesklasse.
Ich möchte aber an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen, nochmals an Unternehmen zu appellieren, uns zu unterstützen. Wir tragen alle - Sportvereine, Politik und Wirtschaft - eine große soziale Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen. Der wollen wir bei Wacker 90 vollauf gerecht werden.
Im Jahr 2005 feiert der Verein sein 100. Gründungsjubiläum. Was hat sich Wacker 90 sportlich bis dahin vorgenommen?
Wir sind uns im Präsidium einig, dass der Verein zu diesem Zeitpunkt den Aufstieg in die Oberliga schaffen könnte. Voraussetzung dazu ist eine kontinuierliche Kinder- und Jugendarbeit, denn der Kader für die 1. Mannschaft muss fast ausschließlich aus dem eigenen Nachwuchs kommen.
Wie ist derzeit die wirtschaftliche Lage im Verein?
Alle Verbindlichkeiten, die anstanden, sind beglichen. Wir haben für die laufende Saison für alle 13 Mannschaften im Spielbetrieb einen Etat von ca. 60000 Euro. Wenn alle Sponsoren ihre Zusagen einhalten, gibt es keine Probleme.
Welche Spielklasse ist Ihrer Meinung nach für eine Stadt wie Nordhausen überhaupt machbar?
Ich möchte das nicht so sehr auf Nordhausen beschränken. Ich bin der Meinung, dass unsere Region eine Mannschaft braucht, die mindestens in der Oberliga spielt, damit sich sowohl der Nachwuchs als auch talentierte Spielern aller Fußball-Vereine im Territorium weiter entwickeln können und hier eine gute Perspektive haben.
Wir haben derzeit - sieht man von Eintracht Sondershausen einmal ab - nur zwei Mannschaften Nordthüringens in der Landesklasse, das ist schon sehr traurig und völlig unbefriedigend. Hier bedarf es eine engere Zusammenarbeit und ein zielorientiertes Miteinander der Vereine.
Herr Kell, Sie sind seit Juli 2002 Präsident des FSV Wacker 90. Haben Sie schon einmal bereut, damals ihre Zusage gegeben zu haben?
Bereut habe ich es bis heute nicht. Es macht Spaß mit den anderen Präsidiumsmitgliedern und den Spielern zu arbeiten. Allerdings wird es unter meiner Führung keine neuen Schulden geben. Ich habe im Juli 2002 hauptsächlich deshalb meine Bereitschaft für dieses Amt erklärt, weil es irgendwie weitergehen musste und keiner von den ehemaligen Motor West- beziehungsweise Wackerspielern und Funktionären bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sponsoren und gestandene Wackerstrategen wieder den Weg zu uns finden würden, um mit uns gemeinsam an der Lösung der anstehenden Aufgaben zu arbeiten.
Eine letzte Frage. Was wünschen Sie sich für 2003?
Vor allem Gesundheit und Frieden in der Welt. Und natürlich auch, dass wir ab August 2003 wieder in der Landesliga kicken.
Autor: rhHerr Kell, die Mannschaft hat 25 Punkte aus 14 Spielen geholt. Sind Sie damit zufrieden?
Die Frage kann man nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Ich muss dazu etwas weiter ausholen. Nachdem wir den Insolvenzantrag stellen mussten, haben uns sehr viele Leistungsträger verlassen. Die Folge war, dass die Mannschaft die Klasse nicht mehr halten konnte und weitere Spieler weg gegangen sind. Wir waren gezwungen, eine neue Elf aufzubauen. So etwas braucht seine Zeit. Ich erinnere nur an die erste Halbserie in der Landesliga, wo wir schon aussichtslos zurück lagen, weil die Harmonie und die Abstimmung zwischen neuen und Stammspielern fehlte.
In der Rückrunde trug die gute Arbeit der Trainer erste Früchte und wir haben den Klassenerhalt denkbar knapp verfehlt. Am Beispiel von Frank Ludwig, den wir für eine Halbserie verpflichten konnten, hat sich gezeigt, wie wichtig ein Spielerpersönlichkeit ist, die die Mannschaft führt. In dieser Saison fehlt uns solch ein Spieler. Und so kam es wieder zu Rückschlägen zu Beginn der Serie. Aber ich bin der Meinung, dass sich die Elf jetzt gefunden hat und motivierter in die Begegnungen geht. Aus den letzten vier Partien haben wir zehn Punkte geholt. Die Leistungskurve zeigt nach oben. So gesehen, kann man mit der Entwicklung zufrieden sein.
Glauben sie noch an den Wiederaufstieg in die Thüringenliga?
Aus eigener Kraft können wir den Wiederaufstieg nicht mehr schaffen. Das muss man so klar sagen. Wir hatten zu Beginn der Saison als Zielstellung für die erste Halbserie 30 Punkte ins Auge gefasst. Durch den erneuten Ausfall des Spiels gegen Schwallungen konnte das nicht annähernd erreicht werden. Aber ich bin überzeugt, dass wir in der zweiten Halbserie den Rückstand aufholen werden. Das Potential dazu ist vorhanden, es ist nur eine Frage des Kopfes. Die Spieler müssen an sich und dem Aufstieg glauben. Außerdem bin ich überzeugt, dass auch die führenden Mannschaften noch Federn lassen werden. Unter diesem Aspekt betrachtet, bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir den Aufstieg noch schaffen.
Wie erklären Sie sich die großen Leistungsschwankungen in der ersten Halbserie?
Ich sehe die Ursache darin, dass einigen Spieler nicht immer mit der erforderlichen Konzentration in die Begegnungen gehen. In dieser Staffel kann Jeder Jeden schlagen. Ob man gegen den Tabellenletzten oder den Spitzenreiter spielt, man muss stets Höchstleistung bringen. Und das war leider nicht immer der Fall. So kam es zu den peinlichen Niederlagen in Hildburghausen (1:4) sowie zu Hause gegen Ruhla (1:4) und Hinternah-Schönbrunn (0:1), die uns wichtige Punkte gekostet haben.
Aber bei aller Kritik müssen wir gerade den jüngeren Spielern, die noch teilweise im A-Juniorenbereich spielberechtigt sind, zubilligen, dass sie einen Entwicklungsprozess durchmachen, bei dem es ab und an zu Rückschlägen kommen kann.
Ein Wort zu den Sponsoren, ohne die ja bekanntlich nichts mehr läuft im Sport?
Mit der Unterstützung unserer Sponsoren können wir im Verein vollauf zufrieden sein, denn es sind diejenigen, die auch in den schlimmen Zeiten der Insolvenz zu uns gestanden haben. Dafür möchte ich mich im Namen des Präsidiums und der Spieler ganz herzlich bedanken. Dass die Sponsoren jetzt auch Leistungen von der 1. Mannschaft abverlangen, ist einleuchtend. Denn es kann nicht sein, dass eine Mannschaft in der Oberliga mit der gleichen Summe gesponsert wird, wie eine in der Landesklasse.
Ich möchte aber an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen, nochmals an Unternehmen zu appellieren, uns zu unterstützen. Wir tragen alle - Sportvereine, Politik und Wirtschaft - eine große soziale Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen. Der wollen wir bei Wacker 90 vollauf gerecht werden.
Im Jahr 2005 feiert der Verein sein 100. Gründungsjubiläum. Was hat sich Wacker 90 sportlich bis dahin vorgenommen?
Wir sind uns im Präsidium einig, dass der Verein zu diesem Zeitpunkt den Aufstieg in die Oberliga schaffen könnte. Voraussetzung dazu ist eine kontinuierliche Kinder- und Jugendarbeit, denn der Kader für die 1. Mannschaft muss fast ausschließlich aus dem eigenen Nachwuchs kommen.
Wie ist derzeit die wirtschaftliche Lage im Verein?
Alle Verbindlichkeiten, die anstanden, sind beglichen. Wir haben für die laufende Saison für alle 13 Mannschaften im Spielbetrieb einen Etat von ca. 60000 Euro. Wenn alle Sponsoren ihre Zusagen einhalten, gibt es keine Probleme.
Welche Spielklasse ist Ihrer Meinung nach für eine Stadt wie Nordhausen überhaupt machbar?
Ich möchte das nicht so sehr auf Nordhausen beschränken. Ich bin der Meinung, dass unsere Region eine Mannschaft braucht, die mindestens in der Oberliga spielt, damit sich sowohl der Nachwuchs als auch talentierte Spielern aller Fußball-Vereine im Territorium weiter entwickeln können und hier eine gute Perspektive haben.
Wir haben derzeit - sieht man von Eintracht Sondershausen einmal ab - nur zwei Mannschaften Nordthüringens in der Landesklasse, das ist schon sehr traurig und völlig unbefriedigend. Hier bedarf es eine engere Zusammenarbeit und ein zielorientiertes Miteinander der Vereine.
Herr Kell, Sie sind seit Juli 2002 Präsident des FSV Wacker 90. Haben Sie schon einmal bereut, damals ihre Zusage gegeben zu haben?
Bereut habe ich es bis heute nicht. Es macht Spaß mit den anderen Präsidiumsmitgliedern und den Spielern zu arbeiten. Allerdings wird es unter meiner Führung keine neuen Schulden geben. Ich habe im Juli 2002 hauptsächlich deshalb meine Bereitschaft für dieses Amt erklärt, weil es irgendwie weitergehen musste und keiner von den ehemaligen Motor West- beziehungsweise Wackerspielern und Funktionären bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sponsoren und gestandene Wackerstrategen wieder den Weg zu uns finden würden, um mit uns gemeinsam an der Lösung der anstehenden Aufgaben zu arbeiten.
Eine letzte Frage. Was wünschen Sie sich für 2003?
Vor allem Gesundheit und Frieden in der Welt. Und natürlich auch, dass wir ab August 2003 wieder in der Landesliga kicken.



