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Mi, 16:10 Uhr
24.02.2010

Kritik, Bilanz, Ausblick

Die Geschäftsleitung der Arbeitsgemeinschaft des Landkreises Nordhausen (ARGE) hatte heute zu einem Gespräch eingeladen. In dessen Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen und es wurde auch eine Art Ausblick gewagt.


Zum vergangenen Jahr: Im Landkreis Nordhausen werden durchschnittlich 11.400 Personen in 6.200 Bedarfsgemeinschaften (BG) betreut. Zur Sicherung des Lebensunterhalts der Betroffenen wurden im zurückliegenden Jahr mehr als 43 Millionen Euro ausgezahlt, hinzu kommen 12,1 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen. Nicht mit eingerechnet sind die Kosten für die Unterkunft (KdU). Die beliefen sich auf fast 17 Millionen Euro. Für Wohnungsbeschaffungen, Zuschüsse zu Klassenfahrten oder der Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt mussten weitere 200.000 Euro bereitgestellt werden.

Zum Wohnen: ARGE-Geschäftsführer Hans-Georg Müller sagte, dass niemand zu einem Umzug gezwungen wurde. Umzüge wurden im vergangenen Jahr fast 1.200 registriert, zehn Prozent davon erfolgten wegen einer bestehenden Unangemessenheit. In jedem Fall wird aber mit den Betroffenen ausführlich gesprochen und es werde gemeinsam nach Lösungswegen gesucht. Dazu wurde ein sozialer Dienst etabliert, der unter anderen bei der Regulierung von Schulden behilflich ist.

Zu den Zahlen: Seit Bestehen der ARGE (Januar 2005) ist die Zahl der betreuten Personen kontinuierlich zurückgegangen. Im Bereich des Arbeitslosengeldes II waren das im Januar 2005 fast 5.900 Frauen, Männer und Kinder, die registriert wurden, dies entsprach einer Quote von damals 13,4 Prozent. Ende 2009 waren es 3.800, diese Zahlen repräsentieren eine Quote von 8,2 Prozent.

Zu den Beiräten: Die gesamte Arbeit der ARGE begleiten zwei Beiräte. Der eigentliche Beirat wurde paritätisch vom Landkreis Nordhausen sowie von der Arbeitsagentur besetzt. Hinzu kommt ein Fachbeirat für den zweiten Arbeitsmarkt, dem neben Kammervertretern auch Wolfgang Meyer vom DGB und Christine Wagner vom Landratsamt angehören. Dieser Beirat begleitet die Maßnahmen wie die Ein-Euro-Jobs oder ABM, in dem zu den jeweiligen Maßnahmen eine Stellungnahme abgegeben wird.



Zur Zukunft: Wie aber wird die Zukunft der ARGE aussehen. Zweieinhalb Jahre brauchte die Politik, um letztlich die höchsten Richter ein Wort sprachen. Fest steht nur, dass es nach dem 31. Dezember 2009 keine ARGEn im herkömmlichen Sinn geben wird. Über die drei Modelle, die in der großen Politik diskutiert werden, berichtete die nnz bereits ausführlich. Der Kreistag Nordhausen hatte sich für die Weiterführung als Optionskommune ausgesprochen. Damit wird die Betreuung der Langzeitarbeitslosen unter einem Dach auch weiterhin garantiert. Doch das ist bislang der politische Wunsch der Kreistagsmitglieder.

Es ist viel im Schwange. In Berlin wird miteinander gesprochen, es wird aber auch viel versprochen, bislang allerdings ohne konkretes Ergebnis. Die rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Nordhäuser ARGE müssen sowohl ihre originäre Aufgabe in der Betreuung der Menschen erfüllen, parallel müssen sich die Frauen und Männer an der Uferstraße selbst„auseinandernehmen“, wie es Geschäftsführer Hans-Georg Müller ausdrückte. Mitarbeiter mit befristeten Verträgen schauen sich nach anderen Jobs um, die Fluktuation ist überproportional hoch. Schwierige Zeiten intern, die sich – hoffentlich nicht – nach außen auswirken werden.

Getrennte Trägerschaft sei die schlechteste Form der Betreuung der Menschen, die hilfebedürftig sind. Allein der Verwaltungsaufwand wäre immens. „Wir hoffen auf Berlin“, das zeigt die momentane Hilflosigkeit, der sich das Team der ARGE ausgesetzt fühlt.

Zur medialen Kritik: Traurig und wütend macht Müller die Kritik in den Medien, die oft unbegründet sei und oftmals unter die Gürtellinie ging. Zur Kritik des DGB-Vertreters (Wolfgang Meyer) sagte der Geschäftsführer, dass die ARGE die Gewerkschaft angefragt habe. Deren Antwort: Die Aussagen von Herrn Meyer seien nicht die Auffassung der Gewerkschaft, sondern seine persönliche Meinung. Letztlich beinhalten ja die Aussagen im Forum der nnz strafrechtliche Vorwürfe, „die unhaltbar sind“. An den DGB wurde die Bitte geäußert, Meyer aus dem Beirat abzuberufen. Eine gedeihliche Zusammenarbeit sei auf diesem Niveau einfach nicht mehr möglich.



Noch eine Zahl: 2.200 Widersprüche gehen jährlich ein, davon wurden 35 durch den DGB begleitet. Dazu kommen 376 Klagen, in gewerkschaftlicher Begleitung waren es vier. Dazu andere Zahlen. Im Jahr 2009 wurden mehr als 15.000 Neu- und Wiederbewilligungsanträge bearbeitet und 22.000 Änderungsbescheide erstellt.
Autor: nnz

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Kommentare
H.Buntfuß
24.02.2010, 19:25 Uhr
Kritik an der ARGE nicht erwünscht?
Eins vorweg, mit diesen Artikel stellt sich die ARGE selber ein Armutszeugnis aus. Ich bin ein intensiver Leser der NNZ und kenne deshalb auch die Artikel von Herrn Meyer, ich erinnere hier nur an den Artikel „K-ein Wintermärchen“ vom 24.02 2010.

So etwas gefällt natürlich den unbefristeten Angestellten überhaupt nicht, kratzt es doch an ihren schon sehr schlechten Image bei der Bevölkerung. Und jetzt kommt da ein Herr Meyer daher und plaudert womöglich aus den Nähkästchen, ja wo kommen wir denn dahin, der Mann muss sofort kaltgestellt werden.

Ja, so geht unsere Obrigkeit mit Nestbeschmutzern um, wie sie Personen, wie Herrn Meyer, sehr gerne bezeichnen. Ich kann Herrn Meyer nur empfehlen sich nicht einschüchtern zu lassen. Ich kann nur hoffen, dass die DGB- und die Bosse der Einzelgewerkschaften hinter ihm steht und nicht vor der ARGE einknickt.

Sollte dass der Fall sein, werde ich die Gewerkschaftsmitglieder zum Austritt aus der Gewerkschaft aufrufen.
Madame-Cherie
24.02.2010, 22:33 Uhr
Gegendarstellung der Arge Nordhausen ?
Ich kann aus den Artikeln von Herrn Meyer, die ich in der NNZ immer sorgfältig gelesen habe, keinerlei strafrechtlich relevante Aussagen erkennen. Herr Meyer schildert ausschließlich Tatsachen, wie sie sich ihm in seiner Tätigkeit für die Hartz IV Betroffenen darstellten.

Ich bin der Meinung, dass hier jemand, der sich für die Ärmsten aufopfert, Mundtod gemacht werden soll. Aus eigener Erfahrung und den Erzählungen von Bekannten und Freunden, kann ich ein Lied davon singen, was in dieser Behörde geschieht. Ich hoffe Herr Meyer lässt sich davon nicht beeindrucken und wird seine schätzenswerte Arbeit für die Betroffenen weiter fort führen.

Es gibt etliche Beispiele die ich hier anführen möchte.

Nehmen wir die Anrechnung des Wohngeldes für Kinder, welches zwar beantragt ist, aber noch nicht genehmigt wurde. Wer also Wohngeld beantragt, dem wird der Regelsatz schon im Vorraus gekürzt.

Oder nehmen wir die Klassenfahrten, die zu hundert Prozent bezahlt werden müssen, wofür die Arge Nordhausen jedoch nur eine Pauschale von cirka 80 Prozent bezahlt.

Oder aber auch die rechtswidrigen Hausbesuche, die willkürlich von den Ermittlern durchgeführt werden, ohne auf das Recht auf "Unverletzlichkeit der Wohnung" Artikel 13, das im Grundgesetz verankert ist, zu achten. Demjenigen, der diesen Artikel 13 in Anspruch nimmt, wird unrechtmäßiger Weise die Leistung gekürzt bis auf Hundert Prozent.

Man rechnet aber auch gern die Warmwasserpauschale ab, selbst dann, wenn Warmwasser über einen Boiler oder Durchlauferhitzer mit Strom aufbereitet wird.
Retupmoc
25.02.2010, 10:21 Uhr
Selten so gelacht
Na endlich mal etwas zum lachen von der Arge...

Und als selbst ab und zu Betroffener kann ich darüber nur lachen. Nicht das Herr Müller ( wie andre Argen auch ) seine Zahlen ein wenig ( sagen wir mal: kaschiert ) - nein man versucht dann noch den Gewerkschaftsvertreter, weil er ja unliebsam ist aus dem Boot zu werfen. Warum sperren Sie nicht gleich alle Arbeitslosen aus, die wegen dieser sinnfreien Hartz4- Politik Ihres Hauses vor die Gerichte ziehen müssen, um wenigstens etwas Recht zu bekommen?

Ich persönlich würde Ihnen empfehle, endlich einmal Ordnung in Ihrem Haus zu schaffen, damit es nicht dazu kommt, das man sein Geld einklagen muss. Vielleicht kann man Angestellte besser schulen? Vielleicht bringt man Ihnen bei, das der Kunde König und nicht Bittsteller um ein Almosen ist?

Vielleicht verkürzt man die Bearbeitungszeiten im Haus? Vielleicht stellt man am Schalter einfach Leute ein, um Wartezeiten zu verkürzen? Vielleicht kann man auch Einfluß nach oben nehmen, indem man nicht einfach Statistiken frisiert ( sie wissen doch: wer bei einem privaten AV ist, wird zum Beispiel nicht arbeitslos geführt, obwohl er es trotzdem ist ).

Das ist dann wohl ein arbeitsloser Arbeitsloser? Schaffen Sie einfach Ordnung in Ihrem Haus und lassen Sie Menschen, wie Herrn Meyer in Ruhe seine wichtige Arbeit machen. Herrn Meyer kaltzustellen würde mich an die Arbeitsweisen der Partei und der Kampfreserve in der DDR erinnern. Ich hoffe mal, das das nicht mehr ( wie sagte die Kanzlerin so schön ) ihr Duktus ist?
hartzilein
25.02.2010, 13:16 Uhr
Mitarbeiterqualifikation
Wie sollen denn die Mitarbeiter besser qualifiziert werden, wenn alle 6 Monate die komplette Mannschaft ausgetauscht wird?

Es ist doch Usus bei den ARGEn, damit sie wieder ein paar Vermittlungen verbuchen können, Hartz IV-Empfänger für 6 Monate zu Sachbearbeitern bei der ARGE zu machen. Die verfassen dann nach einer 6 wöchigen Schulung die Leistungsbescheide.

Mich wundert es nicht, dass soviele Bescheide einer rechtlichen Überprüfung nicht standhalten. Vergleichbare Sachbearbeiter in der öffentlichen Verwaltung haben mindestens eine 3 jährige Ausbildung hinter sich, wenn nicht sogar noch zusätzlich ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt.

Das "Gute" bei diesem System der rollierenden Mitarbeitern ist ja, dass diese nach 6 Monaten Arbeit nicht wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben sondern weiterhin von den niedrigen Hartz IV Sätzen leben müssen.

Eigentlich kann man da nur froh sein, dass jemand wie Herr Meyer solche Missstände öffentlich anprangert. Von der Gewerkschaft wäre es wünwchenswert, dass diese genausoviel Zivilcourage aufweisen würden und hinter Herrn Meyer stehen.
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