Mi, 19:32 Uhr
11.12.2002
nnz-Betrachtung: Wider der Vernunft
Nordhausen (nnz). Die Entscheidung ist gefallen: Der Restmüll wird exportiert. Dazu eine Betrachtung der nnz.
Wie ist Vernunft zu definieren? Vor allem bei einer Entscheidung, bei der es um rund 150 Millionen Euro geht? Steht da der Preis im Mittelpunkt? Sind es etwa andere Kriterien?
Viele dieser Fragen können mit der heutigen Entscheidung nicht beantwortet werden. Wenn der Zweckverband, also sein Vorsitzender und dessen Geschäftsstellenleiter von einer vernünftigen Entscheidung sprechen, halten Parteien, Stadträte und kommunale Politiker dagegen. Es sei wirklich die billigste Variante gewesen, der man den Zuschlag erteilt habe, so SPD-Politikerin Dagmar Becker. Bei 150 Millionen Euro haben sich 16 Verbandsräte von einer Differenz über vier Millionen Euro leiten lassen. Vier Millionen Euro sollen zwischen dem ersten und dem zweiten Angebot gelegen haben.
Aber geht es nicht eigentlich um mehr? Fakt ist, die Sortier- und Verladestation, die jetzt auf dem Gelände der Deponie bei Nordhausen errichtet werden soll, kostet einen Bruchteil dessen, was eine mechanisch-biologische Aufbereitungsanlage kosten würde. Von diesen Aufträgen hätte die Nordthüringer Wirtschaft vorzüglich profitieren können. Mit einem Kompetenzzentrum Abfallwirtschaft Nentzelsrode hätten sich für die Fachhochschule Nordhausen neue Forschungsfelder eröffnen können. Ab 2005 können die Studenten der entsprechenden Studienrichtung jetzt höchstens Studien über den Schrottanteil beim Rohmüll anstellen.
Mit der jetzigen Entscheidung sind die Visionen einer Gisela Hartmann wie eine Seifenblase zerplatzt. Nentzelsrode wird im besten Fall ab 2005 eine Resteausfalldeponie werden. Und wenn die Nordhäuser nicht weiter so böse sind, dann wird auch noch eine Sortieranlage gebaut. Nicht weniger - aber auch nicht mehr. Für die Menschen in den Landkreisen Nordhausen und Unstrut-Hainich sowie dem Kyffhäuserkreis werden sich ab dem kommenden Jahr die Abfallgebühren erhöhen. Die Abschreibungen müssen weg, dafür muß der Landkreis Nordhausen sorgen. Hoffentlich erklärt der Landrat des Kyffhäuserkreises dann seinen Bürgern auch warum?
Alles beim alten bleibt es lediglich im Landkreis Eichsfeld. Die Eichsfelder haben sowieso nie nach Nentzelsrode entsorgt. Für deren Landrat, so hört man in politischen Kreisen, hört Thüringen an der Landkreisgrenze auf. Und von einer Fachhochschule in Nordhausen hat man in Heiligenstadt vielleicht mal bei einer Konferenz der Regionalen Planungsgemeinschaft etwas gehört. Oder vielleicht auch nicht?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzWie ist Vernunft zu definieren? Vor allem bei einer Entscheidung, bei der es um rund 150 Millionen Euro geht? Steht da der Preis im Mittelpunkt? Sind es etwa andere Kriterien?
Viele dieser Fragen können mit der heutigen Entscheidung nicht beantwortet werden. Wenn der Zweckverband, also sein Vorsitzender und dessen Geschäftsstellenleiter von einer vernünftigen Entscheidung sprechen, halten Parteien, Stadträte und kommunale Politiker dagegen. Es sei wirklich die billigste Variante gewesen, der man den Zuschlag erteilt habe, so SPD-Politikerin Dagmar Becker. Bei 150 Millionen Euro haben sich 16 Verbandsräte von einer Differenz über vier Millionen Euro leiten lassen. Vier Millionen Euro sollen zwischen dem ersten und dem zweiten Angebot gelegen haben.
Aber geht es nicht eigentlich um mehr? Fakt ist, die Sortier- und Verladestation, die jetzt auf dem Gelände der Deponie bei Nordhausen errichtet werden soll, kostet einen Bruchteil dessen, was eine mechanisch-biologische Aufbereitungsanlage kosten würde. Von diesen Aufträgen hätte die Nordthüringer Wirtschaft vorzüglich profitieren können. Mit einem Kompetenzzentrum Abfallwirtschaft Nentzelsrode hätten sich für die Fachhochschule Nordhausen neue Forschungsfelder eröffnen können. Ab 2005 können die Studenten der entsprechenden Studienrichtung jetzt höchstens Studien über den Schrottanteil beim Rohmüll anstellen.
Mit der jetzigen Entscheidung sind die Visionen einer Gisela Hartmann wie eine Seifenblase zerplatzt. Nentzelsrode wird im besten Fall ab 2005 eine Resteausfalldeponie werden. Und wenn die Nordhäuser nicht weiter so böse sind, dann wird auch noch eine Sortieranlage gebaut. Nicht weniger - aber auch nicht mehr. Für die Menschen in den Landkreisen Nordhausen und Unstrut-Hainich sowie dem Kyffhäuserkreis werden sich ab dem kommenden Jahr die Abfallgebühren erhöhen. Die Abschreibungen müssen weg, dafür muß der Landkreis Nordhausen sorgen. Hoffentlich erklärt der Landrat des Kyffhäuserkreises dann seinen Bürgern auch warum?
Alles beim alten bleibt es lediglich im Landkreis Eichsfeld. Die Eichsfelder haben sowieso nie nach Nentzelsrode entsorgt. Für deren Landrat, so hört man in politischen Kreisen, hört Thüringen an der Landkreisgrenze auf. Und von einer Fachhochschule in Nordhausen hat man in Heiligenstadt vielleicht mal bei einer Konferenz der Regionalen Planungsgemeinschaft etwas gehört. Oder vielleicht auch nicht?
Peter-Stefan Greiner

