eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mi, 08:33 Uhr
20.11.2002

Keine Chance für WICO

Niedersachswerfen (nnz). Die WICO in Niedersachswerfen steht vor dem Aus. Über 100 Arbeitsplätze gehen verloren. Die nnz hat erste Reaktionen in einer Betrachtung eingefangen.


Wir wollen noch einmal an eine Betrachtung erinnern, die nnz zum Jahresbeginn anstellte. Damals formulierte die Redaktion die Überschrift: „Es wird nicht besser“. Sie sollte Recht behalten. Zahllose Firmenpleiten durchzogen die wirtschaftlichen Nachrichten, es gab kaum Licht am Horizont. Jetzt hat es WICO in Niedersachswerfen ereilt. Es war für die Belegschaft ein Sterben auf Raten. In einer Branche, die unmittelbar am Tropf der Bauindustrie hängt, überleben nur die Giganten und teilen schließlich den Markt neu auf. Das wissen auch die Banken als Hauptgläubiger, sie wollten kein Geld mehr in das Unternehmen pumpen, schon gar nicht vor dem Winter.

Der Geschäftsführer der IG Bau, Agrar und Umwelt in Nordthüringen Hartmut Koch, machte heute gegenüber nnz noch einmal folgende Rechnung auf. Jeder abgebaute Arbeitsplatz in der Baubranche zieht zweieinhalb bis drei Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie nach sich. WICO ist ein solcher Zulieferer. Koch und seine Gewerkschaft ist eigentlich nicht für WICO zuständig, die gehören zur IG BCE und doch kennt er die Szenerie. Die Zahl der Insolvenzen sei in diesem Jahr erschreckend hoch gewesen. Die Gründe liegen für Koch nicht in erster Linie in den „hohen“ Lohnabschlüssen, sondern in dem über Jahre hinweg praktizierten Wettbewerbsdumping in der Baubranche. Das habe letztlich auch eine Studie ergeben, die IG Bau und der DGB in Auftrag gegeben hatten.

Die Stillegung von WICO hat auch für Niedersachswerfen verheerende Folgen. Da verschwindet nicht nur ein Unternehmen von der kommunalen Bildfläche, da müssen sich auch viele Vereine im Südharz auf eine neue Situation einstellen. Ein Sponsor hat sich jetzt gänzlich verabschiedet. Beträchtliche negative Auswirkungen hat die Pleite auch für die Speditionsunternehmen. In produktiven „Spitzenzeiten“ verließen mehr als 100.000 Tonnen fertige Produkte jährlich das Werk. Zum größten Teil auf der Straße. Für die „Fuhrleute“ war WICO ein Spitzenpartner.

„Wir haben jetzt noch einen Sozialplan aufgestellt, müssen aber zusehen, dass dieser auch erfüllt werden kann“, meinte Betriebsratsvorsitzender Stephan Müller gegenüber nnz. Alle Mitarbeiter werden jetzt die Kündigung erhalten, nur ein kleiner Rest wird den Standort abwickeln. Für diese Truppe werde sich der Gang in die Arbeitslosigkeit nur hinauszögern.

Wie also soll es weitergehen in dieser Region, in diesem deutschen Land? Fragen, die auch die Politik nicht beantworten kann und auch nicht will. Die spärlichen Versuche sind zum Beispiel die „Ich-AG“ oder Personal-Service-Agenturen. Über 100 Mitarbeiter aus Niedersachswerfen könnten die ersten potenziellen Anwärter sein, könnte man ironisch behaupten, wenn die Lage nicht so verdammt ernst wäre. Letztlich kommt man immer wieder zu der Frage: Ist denn überhaupt Arbeit da? Und wenn man sie dann doch irgendwo entdeckt: Ist sie zu bezahlen?

Zur weiteren Nachrichten über das Unternehmen geben Sie bei der Archivsuche die Begriffe WICO und Wildgruber ein.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)