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Di, 08:59 Uhr
19.11.2002

Ein Abend mit Botschaften

Nordhausen (nnz). Stadtumbau Ost - wo kann dieses Programm der Bundesregierung symbolträchtiger umgesetzt werden als in Nordhausen-Ost. Viele „Ostler“ wollten denn am Abend auch die Visionen der Planer hören. Oder?


Keine Visionen gefragt? Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatten sich verkalkuliert. Die 150 Stühle in der Turnhalle der Regelschule reichten nicht aus. Zusätzliche Stühle und Bänke mussten rangeschleppt werden. Dann sollte es losgehen mit den Visionen für Stadtumbau in Ost. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) erläuterte zunächst die Ursachen und die Entstehung des Bundesprogramms, machte deutlich, dass man sich in Nordhausen bereits seit einigen Monaten damit beschäftige und verwies auf die vordenkerischen Leistungen in der Stadtverwaltung und die einer Arbeitsgruppe.


Michael Bergholter von einem Planungsbüro sprach anschließend lang und ausführlich über die „Rolle der Bedeutung“ von Fachhochschule, Rautenstraße, Landesgartenschau, Industriegebiet oder „Neuer Mitte“ für die Rolandstadt. Die Leute in der Turnhalle interessierte das nicht sonderlich, sie wollten wissen, was in den nächsten Jahren in ihrem Stadtteil bewegt werden soll. Vor allem wollten sie wissen, welche Blöcke abgerissen werden. Bergholter machte deutlich, dass „Umbau Ost“ eine Symbiose zwischen Abriß (vornehm ausgedrückt: Rückbau) und Aufwertung sein wird. Der Schwerpunkt liege ganz klar auf Aufwertung. Dafür sollen rund 15 Millionen Euro ausgegeben werden, für den Abriß rund drei Millionen. Was gehört zur Aufwertung ab 2005? Eine Leimbacher Allee statt Leimbacher Straße, eine Promenade statt Pappelweg und vielleicht eine grüne Lunge um einen angestauten Rossmannsbach. Bei diesen Visionen kam bei den vielen Zuhörern denn auch müdes Lächeln auf.

In der Diskussion ging es zwar um die Rückbaustandorte. Doch die sind eigentlich hinlänglich bekannt. Die Wohnungsbaugenossenschaft zum Beispiel hatte ihre Mitglieder bereits umfassend informiert. Die Menschen in Ost wollten am Abend keine Visionen hören, sie wollten lieber wissen, ob die Wohnung nach dem Auszug wieder renoviert werden muß oder ob die Garagen auch abgerissen werden? Antwort des Planers Bergholter: „Wir werden „das Auto näher am Haus organisieren!“ Brennende Themen in Ost sind Ordnung und Sauberkeit. Aufgebrachte Bürger berichteten von jugendlichen Randalierern, von Mülltourismus, von beschmutzten Bushaltestellen, von ungenügend vorhandenen Aus- und Einfahrten in das Stadtgebiet, von Gehwegplatten, die bereits seit zehn Jahren an der Auffahrt zum Kindergarten fehlen würden, von mangelnder Straßenbeleuchtung in „Alt-Ost“. „Wie lange müssen wir noch durch Schlamm laufen, warum ist es in der Nacht im Pappelweg dunkel und mittags brennen vor dem Theater die neuen Lampen?“

Die Menschen, die da gestern in der Turnhalle saßen, die interessieren sich für „ihr Ost“, die leben und wohnen auch gern hier. Die wollen aber auch, dass sich die Stadtverwaltung ihrer Probleme annimmt. Visionen helfen da nicht viel. Ein Mann brachte es wohl auf den Punkt: „Eine Allee ist gut und schön, doch momentan krankt Nordhausen-Ost an seinem Image. Und das wird schlecht geredet. In dieses Image muß investiert werden, nicht in drei Jahren, sondern jetzt!“ Der Mann erhielt großen Beifall.

Die Stadtverwaltung sollte diese Veranstaltung vielleicht auch als Mahnung ansehen. Es sind nicht immer die Millionen-Investitionen, die Lebensqualität sichern und verbessern. Es sind eben auch die Gehwegplatten, die Straßenbeleuchtung oder die fehlende Auffahrt. Und ein Ergebnis sollten die Verantwortlichen vom gestrigen Abend mitnehmen: Bürgergespräche in regelmäßigen Abständen, Stadtteilgespräche als „Meckerecke“ bringen mehr als Konferenzen. Sie geben den verantwortlich Handelnden mehr Sensibilität und sie vermitteln denen, für die gehandelt wird das Gefühl, das man sich um sie kümmert.
Autor: nnz

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