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Do, 11:02 Uhr
21.12.2000

Zoff am Theater: Verwaltungsdirektor drohte GMD Stangel mit Polizei und Kündigung

Nordhausen (nnz). Das Theater am Nordhäuser Theater geht in eine neue Runde. Gestern soll der Verwaltungschef des Nordhäuser Theaters, Marc-Oliver Hendrixs, nach nnz-Informationen versucht haben, Generalmusikdirektor Peter Stangel mit Polizeigewalt von einer Probe entfernen zu lassen. Weiterhin wurde Stangel mit fristloser Kündigung gedroht. Noch am heutigen Nachmittag war im Theater folgender Aushang zu lesen: "Am 20. Dezember 2000 wurde der GMD Herr Stangel mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von seinen dienstlichen Pflichten entbunden. Die Vorstellung 'Orpheus in der Unterwelt' am heutigen Abend wird Herr Liebmann dirigieren. Die Dirigenten der Opergala und des Neujahrskonzertes werden noch bekanntgegeben. Über das weitere Geschehen werden wir Sie beizeiten im Rahmen einer Vollversammlung unterrichten." Unterzeichnet wurde der Aushang von Intendantin Dr. Monika Pirklbauer, Verwaltungsdirektor Marc-Oliver Hendriks und Angela Kalms.
Heute vormittag erfuhren einige Mitglieder des Aufsichtsrates der Theater GmbH von diesen Vorgängen, auch Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wahlbuhl (SPD). Daraufhin gab es mehrere Gespräche im Rathaus. Am Nachmittag sollte um 14.30 Uhr eine Pressekonferenz im Theater stattfinden. Die wurde durch die Intendanz abgesagt. Zur gleichen Zeit saßen Pirklbauer und Hendriks bei Wahlbuhl. Ergebnis dieser Sitzung: Der zweite Termin für eine Pressekonferenz um 18.00 Uhr wurde ebenfalls abgesagt, diesmal auf Weisung. Funkstille sowohl im Rathaus als auch im Theater.
Was war geschehen: Peter Stangel, ein junger und durchaus auch streitbarer Generalmusikdirektor hat dem Loh-Orchester nicht nur neuen Schwung verliehen, er hat sich vor allem bei der Leitung des Hauses unbeliebt gemacht (nnz berichtete unter anderem über einst angebotene 200.000 Mark Abfindung). Die jedoch lehnte Stangel ab. "Ich will nicht ausgezahlt werden, ich will hier in Nordhausen was bewegen und vor allem dirigieren", so sein damaliges Statement. Und so sollen ihm immer wieder kleine und auch manchmal größere Brocken in den Weg geworfen worden sein. So auch im Vorfeld auf die Proben zur Operngala in Sondershausen. Da sollen nach nnz-Informationen die Noten von einzelnen Stücken noch nicht vorgelegen haben. Vielleicht eckte da Stangel bei der verantwortlichen Dramaturgin an, im Theater kann man es sich nicht so richtig erklären. Erklärungsbedarf, vor allem in arbeitsrechtlicher Hinsicht liegt hingegen bei einer Abmahnung vor, die auf den 19.12.00 datiert ist. Deren Inhalt wiederzugeben bedeute schlichtweg Platz zu vergeuden, auch im Internet. Selbst Mitglieder des Betriebsrates schütteln hier ihre Köpfe.
Die Eskalation dann bei der Probe in Sondershausen. Stangel wurde das Dirigieren untersagt, Verwaltungsdirektor Hendriks drohte mit der Polizei, doch sowohl Stangel als auch das Orchester wollten weitermachen. Diesem Ansinnen standen jedoch Hendriks und Pirklbauer im Wege und sie sprachen von einer "Dienstverweigerung". Falls das alles unverständlich ist: Den Musikern wurde das weitere Arbeiten als Dienstverweigerung unterstellt.
Dann die Aufforderung zu einer Anhörung wegen fristloser Kündigung und Entsetzen nicht nur bei Orchester und Chor. Peter Stangel war einst in Nordhausen angetreten, um Musik zu machen, 30 Prozent Zuschauerzuwachs bei Konzerten sprechen für sich bzw. für seine Arbeit. Hinter vorgehaltener Hand wird am Theater schon lange von Mobbing gegen Stangel gesprochen, bekannt sind die Vorgänge auch den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat. Reagiert wurde jedoch bislang nicht. Unter diesem Mantel der Verschwiegenheit weht nicht nur ein laues Lüftchen, da ist ein kleiner Tornado im Entstehen. Und der kann im Nordhäuser Theater eine furchtbare Schneise hinterlassen. Für die kommenden Tage wurde nach nnz-Informationen ein Burgfrieden vereinbart. Aufgrund der Turbulenzen wird Peter Stangel die heutige Aufführung von "Orpheus in der Unterwelt" nicht dirigieren. Alle anderen Aufgaben wird der 36-jährige Generalmusikdirektor jedoch weiter erledigen, so wie es vertraglich vereinbart ist.
P.S.: Kurz vor der Vorstellung von "Orpheus in der Unterwelt" hatte Peter Stangel jedem Musiker des Lohorchesters eine rote Nelke überreicht. Die Blumen sollten Ausdruck des Dankes für die Anspannungen der gestrigen Probe sein.
Autor: psg

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